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  • Heimserver kaputt

    Gestern Nacht ist die Caching-SSD in meinem Heimserver kaputt gegangen. Deshalb ist meine Mastodon-Instanz gerade offline. Ich muss die nächsten Tage schauen, ob es reicht die SSD auszutauschen oder ob da andere Dinge zu tun sind.

    Gut, dass dieser Blog auf einem anderen Server läuft, sodass ich euch Bescheid geben kann.

  • Jetzt auch im Fediverse

    Wenn ihr Mastodon oder ähnliches nutzt, könnt ihr diesen Blog abonnieren, indem ihr nach @luca sucht. Wenn ihr gerade dabei seid, gerne @luca@det.social folgen und mich in den Kommentaren oder als Reply wissen lassen, warum ihr die Instanz gewählt habt, auf der ihr gerade seid.

    Im englischen Blog unter lucahammer.com habe ich kurz über die Technik geschrieben.

  • Jahresendfragebogen zu 2021

    Ich dachte, ich hätte diesen Fragebogen irgendwann schon einmal gemacht. Im Archiv habe ich jedoch nichts gefunden. Möglicherweise habe ich ihn mehrmals angefangen, aber hatte bei so vielen Fragen keine zufriedenstellende Antwort, dass ich es wieder gelassen habe. Aber als ich ihn bei Christian und Sylvia gelesen habe, wollte ich es nochmals probieren.

    Wohl gefühlt oder krank gewesen?
    Ja. Das Wegfallen von Präsenzveranstaltungen aller Art hat mein Wohlbefinden eher gesteigert, das Wissen, dass es vielen anderen Menschen nicht so geht und ihnen die Kontaktreduktion schwer fällt, hat mich wiederum belastet. An Covid-19 erkrankt, dank Impfung nur ein paar Tage flach gelegen, Geruchssinn ist immer noch nicht vollständig zurück, was mich fast täglich stört. Eine wichtige Diagnostik findet in einer Woche statt. Hat aber nichts mit 2021 zu tun.

    Haare länger oder kürzer?
    Ja. Weniger Friseurbesuche führten zu längeren Haaren dazwischen und kürzeren Haaren beim Schneiden, damit es möglichst lange nicht stört. Gelernt, dass ich es sehr befreiend finde, wenn die Haare abkommen. Nicht nur das Gefühl selbst, sondern auch was damit zusammenhängt. Etwa weniger Shampoo und kürzere Trocknungszeiten.

    Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
    Nein. Aber erfahren, dass ich gewisse Farben nicht besonders gut unterscheiden kann. Ich glaube rot und noch etwas, aber ich erinnere mich gerade nicht.

    Träume gelebt? Wünsche erfüllt?
    Bin noch auf der Suche.

    Mehr bewegt oder weniger?
    Gefühlt mehr, aber ich bin mir nicht sicher.

    Die aufregendste Unternehmung?
    Eine Anstellung annehmen. So mit Vollzeit und Weisungsbindung.

    Die teuerste Anschaffung?
    Der neue Fernseher. Nach zehn Jahren.

    Das leckerste Essen?
    Weißkäse mit Gemüse im Ofen gebacken mit Nudeln.

    Buch des Jahres?
    Flüsterwald. Die einzigen Bücher, die ich derzeit vollständig lese, lese ich vor.

    Serie des Jahres?
    The Expanse.

    Film des Jahres?
    Fällt mir keiner ein.

    Das beste Lied?
    Der letzte Song von Kummer feat. Fred Rabe und Rundfunktanzorchester Ehrenfeld.

    Das beste Album?
    Gargoyle von Haxan.

    Das schönste Konzert/Musical/Theater?
    Nein.

    Die meiste Zeit verbracht mit …?
    Partnerin und Kind.

    Die schönste Zeit verbracht mit …?
    Partnerin und Kind.

    Vorherrschendes Gefühl?
    Ruhe und Anspannung.

    Dieses Jahr zum ersten Mal getan?
    Das ganze Jahr für die gleiche Organisation gearbeitet.

    Dieses Jahr nach langer Zeit wieder getan?
    Gebloggt. Okay, ein bis zwei Beiträge hier oder dort gab es auch die letzten Jahre. Aber trotzdem ist es nach langer Zeit wieder.

    3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
    An Covid-19 erkranken, Stress, Leiden anderer Menschen.

    Die wichtigste Sache, von der ich jemanden (oder mich jemand) überzeugen wollte?
    Dass ich das mit der Arbeit einmal probieren sollte.

    Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
    Der Termin. Für mich selbst.

    Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
    Das Geschenk des Kindes an sich selbst.

    Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
    Liebe.

    Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
    Liebe.

    Und was war sonst noch?
    Ja.

    Dieses Jahr war mit einem Wort …?
    Erkenntnisreich.

  • DECT-Telefone über Gigaset GO Box 100 mit Deutsche Glasfaser SIP nutzen

    Achtung: Dieser Bericht ist nicht zufriedenstellend, aber ich möchte teilen, was ich gemacht, was funktioniert hat und was nicht. Vielleicht hat jemand Tipps, um es besser zu machen oder es hilft bei der Entscheidung bei ähnlichen Problemen.

    Früher: fritzbox und analoge Handsets

    Bisher war hier immer eine fritzbox für Internet und Telefonie zuständig. Das funktionierte ziemlich gut, aber mit der Umstellung auf Glasfaser, wollte ich etwas neues ausprobieren. Etwa einen redundanten Internetanschluss.

    Um Telefonie habe ich mich bisher wenig gekümmert. Im Haus liegen Drähte für drei Anschlüsse. Am Ende wurde nur einer der Drähte genutzt. Dort hing ein Gigaset A400 A mit integriertem Anrufbeantworter. Zwei weitere DECT-Telefone (A415 und noch ein älteres) haben die fritzbox als Basis genutzt.

    Plan: USG und Gigaset GO Box 100 und analoge Handsets

    Als Router nutze ich nun ein Unifi Security Gateway, die Telefonfunktion muss deshalb ein anderes Gerät übernehmen. Meine Recherche ergab zwei Optionen. Neue Mobilteile (Handsets), die per WLAN verbunden werden und direkt VOIP/SIP können oder eine Basis, die es kann. Wir telefonieren wenig. VOIP-Mobilteile sind teuer, haben kurze Akkulaufzeiten und sind aufwändig zu konfigurieren. Daher habe ich mich für eine VOIP-Basis entschieden. Die Gigaset GO Box 100 gab es für 30€ (Achtung es gibt auch eine Gigaset Box 100 ohne GO, die ist eine analoge Basis und daher hier nicht geeignet) und sie erfüllte auf den ersten Blick alle meine Anforderungen.

    Einrichten der Gigaset GO Box 100

    Die Gigaset GO Box 100 ist leider stark unterdokumentiert. Aber das grundsätzliche Einrichten ist unkompliziert.

    1. GO Box an Strom und LAN anschließen
    2. https://www.gigaset-config.com/ aufrufen und GO Box auswählen (magic erklärt)
    3. Mit 0000 einloggen und Assistenten zum Einrichten nutzen.

    Und jetzt nochmal im Detail. Unter Einstellungen Telefonie wählen und dort Verbindungen. Dann bei IP1 rechts auf „Bearbeiten“ klicken. In der nächsten Ansicht mittig „Konfigurationsassistent starten“ wählen.

    Auf der ersten Seite des Assistenten steht die allgemeine Erklärung. Links „Weiter“.
    Deutschland auswählen und unten in der Mitte „Weiter“.
    Dann kann man auch schon als Anbieter „Deutsche Glasfaser“ auswählen. Wird allerdings als „Dt. Glasfaser“ abgekürzt, weshalb ich es beim ersten Mal übersehen habe.
    In der nächsten Ansicht die Zugangsdaten eingeben. Eigentlich sollten sie auch im Web-Portal von Deutsche Glasfaser sein, ich habe sie dort jedoch nicht gefunden. Da sie auch per Post geschickt wurden, war es aber kein Problem. Die Rufnummer darf nur mit Ortsvorwahl, nicht mit Landesvorwahl (0049) eingegeben werden.
    Dann dauert es kurz, während die Verbindung getestet wird. Einfach warten.
    Die Erfolgsmeldung gibt es als Alert-Box. Das ist keine Fehlermeldung. Die wird allerdings gleich ausgegeben. Einfach auf OK drücken.
    Schließlich noch angeben, dass über diese VOIP-Verbindung abgehende Gespräche laufen. Mit dem Anrufbeantworter habe ich mich nicht beschäftigt, da ich ihn nicht nutze. Anleitung der Deutschen Glasfaser.

    Mobilteile an der GO Box anmelden

    Je nach Mobilteil funktioniert es etwas anders. Ihr müsst aber Basis (in dem Fall GO Box) und Mobilteil in den Anmelde-Modus schalten.

    Beim A400 ist das in den Einstellungen -> Mobilteil -> Mobilteil anmelden.

    Bei der GO Box könnt ihr entweder den blau leuchtenden Knopf an der Vorderseite des Geräts drücken oder über das Web-Interface zu Einstellungen -> Geräte-Management -> Sonstiges gehen und dort auf der rechten Seite „Anmeldung starten“ wählen.

    Nummern den Mobilteilen zuweisen

    Schließlich müsst ihr noch angeben, welche Nummer welches Mobilteil klingeln lässt. Das funktioniert im Web-Interface der GO Box unter Einstellungen -> Telefonie -> Nummernzuweisung.

    Für jedes Mobilteil (INT X) kann eine Nummer für abgehende Gespräche und beliebig viele für eingehende Gespräche angegeben werden.

    Fertig. Nun ist die Gigaset GO Box 100 und die Mobilteile grundsätzlich eingerichtet. Man kann angerufen werden und selbst anrufen.

    GO Box bietet nur Grundfunktionalität mit alten Geräten

    Die GO Box hat einen integrierten Anrufbeantworter. Ich habe jedoch nicht herausgefunden, wie ich diesen aktivieren und abrufen kann. Alle Anleitungen verweisen auf das Menü der Mobilteile. Meine Mobilteile haben diese Einstellungen jedoch nicht und ich vermute, es liegt an ihrem Alter. Sie werden in der Gigaset-Kompatibilitätsliste gar nicht geführt. Ich gehe daher davon aus, dass DECT-Geräte von anderen Anbietern die gleiche Grundfunktionalität bieten.

    Den Anrufbeantworter nutze ich nicht, weshalb mir das egal ist. Tatsächlich ärgerlich sind die fehlenden Anrufslisten. Mir war nicht klar, dass diese von der Basis bereitgestellt werden und nicht von den jeweiligen Mobilteilen. Aktuell sehe ich nicht, wenn ich Anrufe verpasst habe. Als Workaround kann man die GO Box mit der Gigaset Elements nutzen. Einem Online-Service mit App, der dann verpasste Anrufe am Handy anzeigen kann. Allerdings ist das einerseits umständlich, nicht besonders datensparsam und schließelich wird nicht einmal angezeigt welche Rufnummer angerufen wurde, sondern nur welche Nummer angerufen hat.

    Auch hat die GO Box kein zentrales Telefonbuch. Man kann sie zwar mit einem Online-Telefonbuch verbinden, aber keine Nummern in der GO Box verwalten. Somit muss dies auf jedem Mobilteil einzeln passieren. Das ist nicht schlimm, aber etwas unpraktisch.

    Fazit

    Die Gigaset GO Box ist etwas umständlich zu bedienen, aber ist eine günstige Option, um ältere Telefone weiterhin zu nutzen statt sie wegzuwerfen. Mit der Deutschen Glasfaser aber auch anderen SIP-Anbietern arbeitet sie problemlos zusammen. Sobald es jedoch über die absoluten Grundfunktionen hinausgeht, wird es schwierig.

    Und das nächste Mal machen wir uns darüber Gedanken, welchen Nutzen Telefongeräte zuhause haben, die über das Internet funktionieren, während ich den ganzen Tag mit einem Handy in der Tasche herumlaufe, das sowohl die gleiche SIP-Funktionalität besitzt als auch über eine Telefonverbindung, auf die ich Festnetznummer weiterleiten könnte. Und darüber hinaus mehr Funktionen und Komfort bietet.

  • Stummschalten statt Entfreunden: Integrierte Entnetzung auf Social Media Plattformen

    Dieser Text entstand im Rahmen des Seminars „Netzwerkkulturen“ bei Sebastian Gießmann an der Universität Siegen.

    In der Apokalypse der Netzwerke gerät somit die für Netzwerke eigentlich nicht denkbare Existenzform entnetzter Einheiten in den Fokus, also das, was nach dem Durchschneiden des sozialen Bandes »überlebt«.

    Urs Stäheli in Soziologie der Entnetzung (2021)

    Beziehungen zwischen Menschen sind zu komplex, um sie als ein binäres verbunden oder nicht verbunden abzubilden. Dies haben Social Media Plattformen lange Zeit vernachlässigt, weshalb es zu Brüchen in der Vernetzung kam, wenn Personen Plattformen aus Überforderung komplett verlassen haben. Durch Entnetzungs-Funktionen halten die Plattformen das Netzwerk intakt, indem Nutzer:innen Verbindungen lockern können ohne sie lösen zu müssen.

    Es gibt drei Unterschiede zwischen Beziehungen und ihrer digitalen Abbildung, die Entnetzung unumgänglich machen. Entnetzung als ein Auflösen von Verbindungen ohne dass der Knoten verloren geht. Der erste Grund ist die Vielschichtigkeit von Personen, der zweite, die zwischenmenschliche Dynamik und der dritte, das Verblassen von Beziehungen.

    Menschen nehmen in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche Rollen ein und diese Rollen können sich widersprechen und trotzdem wahrhaftig sein. Social Media reduziert alle Kontexte auf eine Ebene und zwingt die Personen entweder ihre Vielseitigkeit und Widersprüchlichkeit offen zu zeigen oder sich für eine Facette zu entscheiden, die sie als primäre Identität in der Öffentlichkeit aufführen. Das Gegenüber hat keine Wahlmöglichkeit mehr. Social Media wird zu einem durchgehenden Schulterblick bei allen Interessen, Meinungen und Aktivitäten der teilenden Person. Mit einer Person, die man nur auf der Arbeit kennt, versteht man sich möglicherweise auch wunderbar beim Laufen gehen. Aber man möchte möglicherweise keine Einblicke in ihr Liebesleben, den Konflikt mit den Nachbarn oder umfassende Ausführungen über ihre Hausbibliothek. Auf einer Social Media Plattform stehe ich dann vor der Entscheidung, ob ich mit der Person weiter verbunden sein möchte oder nicht. Gäbe es nur diesen Aspekt, könnte ich abwägen, ob der Nutzen der Inhalte, die mich interessieren, der empfundenen Belästigung durch die, die mich nicht interessieren, überwiegen. Beziehungen sind jedoch keine kalten Berechnungen.

    Beziehungen haben zwischenmenschliche Dynamiken, die verhindern, dass Verbindungen jederzeit beendet oder begonnen werden können. Auf bi-direktionalen Plattformen wie Facebook, wo beide Seiten die Beziehung bestätigen müssen, fällt dies stärker auf, als auf mono-direktionalen Plattformen wie Twitter, wo Beziehungen auch einseitig bestehen können. Da die Aufkündigung der Beziehung auf beiden Plattformen sichtbar sind, kann es zu auch auf beiden zu unerwünschten Folgen kommen, die eine Person davon abhalten eine Beziehung aufzukündigen, obwohl die geteilten Inhalten eher zu Aufregung statt zu Freude führen. Die Beziehung zu einem Familienmitglied oder jemanden aus dem Freundeskreis auf einer Social Media Plattform aufzukündigen, kann zu einer Aufkündigung der gesamten Beziehung durch die andere Seite führen. Selbst wenn man erklärt, dass der Grund lediglich ein Teil der Inhalte sind, die die Person teilt und für die man sich nicht interessiert. Das Entfolgen von Personen auf Twitter führt immer wieder zu öffentlichen Unmutsbekundungen (twitter.com/search?q=warum%20hat%20entfolgt). Ein plausibler Grund das bewusste Entfolgen abzustreiten ist der @UnfollowBugBot, der behauptet, dass Twitter manchmal Accounts selbständig entfolgt. Nutzt man ihn aus Ausrede, muss man dem Account anschließend wieder folgen. Auch das Trennen von Verbindungen auf Xing kann dazu führen, dass man angerufen wird und sich erklären muss (twitter.com/monogonet/status/1437363410895785986). Solche unangenehmen Folgen führen dazu, dass Menschen Beziehungen auf Social Media Plattformen aufrecht erhalten, obwohl sie es nicht mehr möchten. Die Nutzung der Plattform wird damit immer anstrengender bis zu dem Punkt, wo man sich dazu entscheidet die Plattform gar nicht mehr zu nutzen. Dann muss man nicht das Entfernen einzelner Verbindungen erklären, sondern kann die Plattform als Ganzes als unpassend beschreiben. 

    Der dritte Unterschied ist das Verblassen von Beziehungen. Beziehungen zwischen Menschen sind fragil. Wenn sie nicht immer wieder durch Austausch wie etwa Treffen, Geschenke oder Nachrichten erneuert werden, verblassen sie. “Sich aus den Augen verlieren”, ist der umgangssprachliche Ausdruck dafür. Social Media Plattformen kennen dieses Verblassen nicht. Eine Verbindung, die dort geschlossen wird, bleibt bestehen bis sie aktiv aufgekündigt wird. Das hat zur Folge, dass sich mit fortschreitender Zeit immer immer mehr Kontakte ansammeln. Kontakte, die man ohne der Plattform längst vergessen hätte. Das ist kein negativer Aspekt in sich. In manchen Fällen freuen sich Menschen, wenn sie so lange in Kontakt sein können ohne ständig Energie in die Beziehung zu investieren. Zugleich führt diese Anhäufung von Kontakten dazu, dass das Verhältnis von Inhalten, an denen man interessiert ist, zu denen, an denen man nicht interessiert ist, immer schlechter wird. Vor allem in der Kombination, dass Interessen von Menschen nicht gleich bleiben. Wenn der einzige Schnittpunkt ein gemeinsames Hobby ist und dieses wegfällt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Interesse an den Inhalten ebenfalls wegfällt. Vergleicht es mit einem Verein oder Gruppe, die gemeinsam das Hobby betreibt, bedeutet der Austritt einer Person, dass der Kontakt zu dieser Person, wenn es keine weiteren Überschneidungen gibt, dass die Beziehung zu ihr langsam verblasst. Ein Vorgang, den man zwar aufhalten kann, indem man die Beziehung pflegt, tut man es aber nicht, passiert es. Auf der Social Media Plattform ist es umgekehrt. Die Beziehung muss aktiv entfernt werden. Das erfordert negative Beziehungsarbeit; Sich gegen anstatt sich nicht für Menschen zu entscheiden. 

    Es gibt noch keine gefestigten Praktiken, um mit diesen Problemen umzugehen. Anil Dash hat einen Ansatz gewählt, der die individuelle Entscheidung gegen Personen verhindert, indem er einmal pro Jahr allen Accounts entfolgt. Somit kann er sich immer wieder für Personen entscheiden. Zugleich verliert er alle spannenden Accounts, die er über Jahre sorgfältig ausgewählt hat. Was bleibt sind die Accounts, die ihm in Erinnerung geblieben sind. Der Rest ist verblasst. Mein eigener Ansatz ist der Versuch den Follows nicht zu viel Gewicht zu geben, ihnen folgen, wenn sie interessant wirken und entfolgen, wenn sie sich als nicht passend herausstellen. Als Grund für das Entfolgen kann schon ein Tweet ausreichen. Die Praxis ist, aufgrund der sozialen Dynamiken, meist schwieriger. Dennoch entfolge ich Accounts von Menschen, die ich schätze, aber deren Inhalte nicht zu mir passen.

    Inzwischen bieten die Social Media Plattformen Funktionen an, um zu verhindern, dass Menschen die Plattform komplett verlassen oder regelmäßig alle ihre Kontakte zu löschen. Am wichtigsten sind das Stummschalten von Begriffen und Personen.

    Bei Twitter gab es schon früh Drittanbieter-Apps, die den Nutzer:innen mehr Kontrolle über ihren Feed gegeben haben. Tweetdeck, welches von Twitter übernommen wurde, führte bereits 2010 die Möglichkeit ein, Begriffe und Accounts aus dem Feed zu filtern. Diese Funktionen waren jedoch auf die jeweilige App begrenzt und funktionierten wie ein lokaler Filter in einem Mail-Programm. Twitter als Plattform führte erst 2016 die Möglichkeit ein, Begriffe stummzuschalten. Einige Monate später wurde die Funktion erweitert, sodass auch die Benachrichtigungen gefiltert werden konnten. Facebook hat 2018 ebenfalls eine Snooze-Funktion eingeführt, mit der Begriffe für 30 Tage stummgeschalten werden können. Allerdings wurde die Funktion Anfang 2021 wieder entfernt. Seitdem ist es nur noch mit Browser-Plugins möglich Beiträge mit bestimmten Begriffen nicht mehr im Feed zu haben. Das begriffbasierte Stummschalten hat den Vorteil, dass man mit einer Einstellung unerwünschte Inhalte von allen Kontakten verstecken kann. Etwa eine Sportart oder Serie. Zugleich ist es äußerst ungenau. Während auf Twitter viele Nutzer:innen Hashtags nutzen, um ihre Beiträge zu kategorisieren und sich diese einfach stummschalten lassen, sind Hashtags bei Facebook weniger verbreitet. Damit sind umfangreiche Begriffslisten notwendig, um Themen vollständig zu entfernen. Weiters steigt mit dem Umfang der Liste das Risiko erwünschte Inhalte ebenfalls zu verstecken. So haben Nutzer:innen, die verhindern wollten Game of Thrones Spoiler zu lesen und deshalb ‘GoT’ stummgeschalten haben, alle englischen Tweets mit ‘got’ aus ihrem Feed entfernt haben. Auch kann es sein, dass man Inhalte einer bestimmten Partei nicht sehen möchte, aber Tweets über diese Partei.

    Die zweite Funktion ist das Stummschalten von Accounts. Twitter hat es im Mai 2014 eingeführt und ermöglicht es Accounts weiterhin zu folgen ohne ihre Inhalte zu sehen. Die Accounts können nicht sehen, ob man ihnen folgt und alle Inhalte angezeigt bekommt oder folgt und keine Inhalte angezeigt bekommt. Diese Funktion verhindert negative Folgen aufgrund von sozialen Dynamiken.

    Facebook führte eine ähnliche Funktion ein paar Monate später ein. Die Beziehung zwischen Accounts wurde aufgeteilt in Befreunden und Folgen. Statt mit einem Account befreundet zu sein oder nicht, konnte man befreundet sein und ihm folgen, befreundet sein und ihm nicht folgen und ihm nur folgen, falls der Account diese Option aktiviert hat. 

    Einige Jahre später, 2017, hat Facebook das Entfolgen weiter verfeinert. Seitdem ist es möglich Accounts temporär zu entfolgen. Diese Funktion ist noch sanfter und entsprechend die Hürde geringer, sie zu nutzen. Zugleich stellt sie den Ursprungszustand von alleine wieder her, als würde sich das Netzwerk selbst reparieren. Wenn der Grund für das Entfolgen weiter besteht, führt es zu erneuter Irritation und erhöht die Gefahr, dass die Person die Plattform komplett verlässt.

    Es handelt sich um Funktionen des Entnetzens, die verhindern sollen, dass Nutzer:innen die Plattform verlassen. Aber sie sind unvollständig und fehlerhaft. Das Stummschalten von Begriffen hilft gegen unerwünschte Inhalte, aber sie ist einerseits aufwändig und andererseits anfällig für das Verstecken erwünschter Inhalte. Das Stummschalten von Personen reduziert das Problem der sozialen Dynamik. Beiden ist gemein, dass sie den Nutzer:innen eine Aktion abverlangen.