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Höhenurlaub

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Für einen Moment bleibe ich stehen, überlege was ich hier eigentlich mache, doch diese Gedanken werden gleich überblendet. Ich blicke noch einmal die Straße hinauf und hinunter, aber in der Dunkelheit ist niemand zu sehen. Nur das grinsende Gesicht auf dem beleuchtenden Plakat starrt mich an. Ich steige über die Absperrung. Der Boden ist matschig, sodass auf jedem Schritt ein saugendes Geräusch folgt.

Neben dem halbfertigen Gebäude stehen zwei weiße Container mit dem Logo und einem fetten Schriftzug der Baufirma. Das Logo erinnert mich an Brasilien, kurz habe ich ein Bild von einem weißen Sandstrand, grünblauen Wasser und majestätischen Palmen vor Augen. Eine Lache lässt mich jedoch sehr schnell wieder in die Realität zurückkehren.

Das Gebäude ha noch keine Türen auch keine Fenster. Vorsichtig betrete ich die Betonplatte. Plötzlich huscht etwas über den Boden. Wahrscheinlich war es eine Katze, sicher bin ich mir jedoch nicht sicher. Der Aufzug scheint ausgeschalten zu sein, hätte ich auch nicht benützt. Meine Augen versuchen sich zu orientieren, in einer Ecke sehe ich die Stiege. Sie ist schmal und die Stufen sind sehr hoch, vermutlich ist sie nur für Notfälle gedacht. Schritt für Schritt taste ich mich nach oben.

Überall stehen Eimer und Bretter herum. Nicht gerade aufregend. Hin und wieder sind auch kleine Gerüste und Maschinen zu erkennen. Fast wäre ich gegen zwei große Stahlflaschen gestoßen, welche direkt vor der Stiege standen. In den oberen Stöcken sind auch noch keine Außenmauern vorhanden. Nur anhand der dicken Betonpfeiler kann ich schnell feststellen, wo ich gerade bin.

Je höher ich komme desto stärker spüre ich den kalten Wind, der aus der Richtung des Bahnhofs kommt. Die Dächer der rundherum stehenden Häuser hab ich schon hinter mir gelassen. Noch zwei Stöcke trennen mich vom Dach.

Von oben kann man die gesamte Stadt überblicken. Vom Flughafen im Westen bis hin nach Hall im Osten. Die Nordseite ist durch die massive Nordkette begrenzt, auf etwa halber Höhe erkennt man einen Lichtpunkt, das Haferle Kar. Richtung Süden sieht man die Bundestrasse, wie sie sich ihren weg durch das Gelände bahnt, vorbei an am Berg Isel, um dann hinter dem nächsten Hügel zu verschwinden. In der Ferne ist auch die Autobahn Richtung Italien zu erkennen.

Der Wind hat sich gelegt. Es ist still.

Ich setze mich an den Rand der Betonplatte und lasse die Füße über dem Abgrund baumeln.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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