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Aus und vorbei

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Fassungslos sitzt ihr da, starrt auf euren Bildschirm. Ihr könnt nicht fassen, nicht glauben, was ihr gerade gelesen habt.

Stille.
Nur der Lüfter des Computers dreht munter weiter. Kurz surrt die Festplatte.

So oft habe ich darüber Späße gemacht. Ihr habt trotzdem immer wieder ein mulmiges Gefühl dabei bekommen. Waren es wirklich nur Späße? Ihr konntet euch nicht vorstellen, dass ich einmal so weit gehen könnte, dass ich es einfach durchziehe.

Ihr greift zum Handy, haltet einen Moment inne, dann sucht ihr die Telefonnummer im Adressbuch. Es läutet, aber ich hebe nicht ab. Genau das ist es was ich will. Aufmerksamkeit. Doch sobald ich sie bekomme ziehe ich mich zurück. So selten sind die Momente, wo ich offen reden kann.

Manche machen es still und unbemerkt, andere ziehen alle Augen auf sich, bereiten sich selbst einen großen Abgang. Wie eine Inszenierung. Nur echt.
Ich habe euch nie gesagt was in mir vorgeht was in mir vorgeht, weil ich nicht konnte. Ängste, die so tief in mir sitzen, dass ich sie selbst nicht benennen kann. Nicht benennen will.
Wo ich mich doch sonst immer selbst analysiere. Mögliche Fehler erkenne und es dann manche Dinge erst gar nicht probiere. Das Risiko enttäuscht zu werden steigt jedes Mal. Wenn ich es gleich lasse werde ich auch enttäuscht. Von mir selbst.

Von den sich abwechselnden Höhen und Tiefen ist nicht mehr viel übrig. Ich tümple irgendwo im unterem Drittel herum. Jede Steigung gibt Hoffnung. Immer wieder wird mir schmerzhaft klar, dass ich es nicht einmal in die obere Hälfte schaffe. Rutsche wieder ab.

Vom Selbstmitleid hab ich genug. Ich will auf Mitleid hinaus und lehne es doch ab, weil ich es falsch finde, falsch von mir mich so zu verhalten.
Ich erzeuge meine Niederlagen selbst. Verweigere mir die Erfüllung meiner Wünsche.

Es ist so leicht meine eigene Welt zu erschaffen. Ich habe dort keine Superkräfte, bin nicht Herrscher oder auf eine andere Weise besser. Heldentaten vollbringen dort andere. Ich bin normal. Das was ich in der Realität nicht sein kann. Ich geh Risiken ein. Meist gewinne ich, manchmal auch nicht. Oft rede ich dort nur mit euch. Nicht mehr. Das dafür stundenlang, in realer Zeit. Was meine Fantasie euch in den Mund legt überrascht mich oft selbst. Ich sage das, was ich in der Realität auch gerne sagen würde.

In den letzten Tagen, Wochen bin ich öfters kurz davor gestanden tatsächlich so zu handeln. Ich habe es nicht geschafft. Dennoch gebe ich mir noch eine Chance. Nicht weil ich zu schwach zum Schluss machen bin, sondern weil ihr mir wichtiger seid als ich mir selbst.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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  1. Weil ich Probleme damit habe mich zu öffnen. Zu sagen was ich denke, was ich für richtig halte. Bestimmte Dinge werde ich nie sagen können, weil sie zerstören würden.
    Es gibt noch vieles anderes, wo ich nicht glaube, dass es es etwas kaputt machen würde. Verändern ja, aber das wäre nicht schlimm. Ich habe schon mehrmals versucht meine Gedanken preiszugeben, ganz vorsichtig. Sie wurden nicht verstanden.

    Kennst du das Gefühl, wenn du jemanden etwas sagst was dir sehr wichtig ist und er sagt etwas für diese Situation total unpassendes, etwas alltägliches, eine Nichtigkeit?
    So etwas tut weh.

    Was mir Kraft gibt, ist die Tatsache, dass ich weiß, dass es Personen gibt, die mich verstehen.

    Es ist oft einfacher zu sagen, dass man selbst zu kompliziert ist.

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  2. „Kennst du das Gefühl, wenn du jemanden etwas sagst was dir sehr wichtig ist und er sagt etwas für diese Situation total unpassendes, etwas alltägliches, eine Nichtigkeit?“
    Du meinst, so wie meine Kommentare wenn ich deine Texte nicht verstehe?
    Ich hab wohl eine andere Denkweise. Vielleicht bin ich auch zu blöd. Jedenfalls versuche ich das dadurch zu verbergen, dass ich mich noch blöder anstelle.
    So, jetzt hab ich auch was tiefsinniges zu meiner Psyche dazugeschrieben.
    Tut mir aufrichtig leid, wenn ich dich nicht verstehe, und manchmal deshalb was falsches sage.

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  3. Du gehörst nicht zu den Personen, die ich möglicherweise meine. Viele meiner Texte kann ohne umfangreichen Hintergrundwissen gar nicht verstehen. Du sagst, wenn du den Text nicht verstehst. Solch eine Ehrlichkeit ist mehr wert, als der Irrglaube alles zu verstehen.

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