Artikelformat

Ritalin und roher Fisch

1 Kommentar

So was versaut natürlich die Stimmung gewaltig. Die gesamte Klasse war die Ferien über mit trauern beschäftigt. Morts Gefühle und Reaktionen kann ich kaum schildern und würde es auch nicht wollen. Jedenfalls lehnte er es ab, aus dem Bett zu steigen und verbrauchte eine erschreckende Menge an Tissues. Drei Nächte lang war er hellwach doch todtraurig, und danach war er zwar nie richtig wach, doch er schlief auch nicht wirklich. Zwei Wochen lang lebte er so in katatonem Stupor vor sich hin – das ist ein psychologischer Fachausdruck der hier soviel bedeutet wie „völlig Ausdruckslos, ohne sich zu bewegen", ziemlich belämmert also – noch immer, ohne sein Zimmer zu verlassen. Nur allmählich zeigten sich Anzeichen der Besserung in seinem Zustand; er begab sich wieder in die Küche, um zu essen, und verlangte auch immer wieder, dass seine Mutter Sushi für ihn bestellte. Diese hatte natürlich ähnlich wenig Schlaf abbekommen und war froh zu sehen, dass sie ihren Sohn langsam, Tag für Tag, mit Hilfe von Ritalin und rohem Fisch wieder ins Leben und zu ihr zurückholen konnte. Nur wenn ihn irgend etwas an seinen Freund erinnerte, erhielt er einen kurzen kataplexen Rückfall – was noch so ein Fremdwort ist, welches in der Psycholgie ungefähr soviel heißt wie „er begann zu schielen und zu sabbern und fiel anschließend auf den Boden" – weshalb seine Mutter es für eine schlechte Idee hielt, einen Therapeuten zu konsultieren, der dann womöglich noch in Morts mentaler Wunde herumgestochert hätte.

Das Leben, die Show, wie manche sagen würden, musste weitergehen.

1 Kommentar An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Pingback: 2-Blog - Happy End

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.