Artikelformat

Kalte Hand aus der Vergangenheit – Teil 2

2 Kommentare

Teil 1

Sie gab mir ihre Nummer und schlug vor, dass wir davor noch etwas trinken gehen könnten. So machten wir um neun in einem Lokal in der Altstadt aus und gaben uns zum Abschied die Hand. Ihre war kalt, trotz der Hitze, die nicht einmal in der Nacht wirklich verschwand. Danach setzte ich mich ins Auto und sie drehte sich um. Im Rückspiegel sah ich, wie sie mir kurz hinterher blickte und dann wieder in Richtung See ging.

Als ich mich geduscht hatte und vor dem Spiegel stand, empfand ich plötzliches alles als unecht. Wie ein Traum, etwas das man sich vorstellt, das jedoch nie eintrifft. In mir breitete sich ein Gefühl vom allein sein aus. Die ganze Welt ist böse, ich bin vollkommen unbedeutend, das ist alles nicht passiert.
Beim Anziehen überlegte ich ob ich mir das alles nur selbst einrede, dass eigentlich alles in Ordnung ist. Doch das Gefühl ließ mich nicht los. Diese Misstrauen, welches ich oft im Umgang mit Menschen empfinde. Selbst bei meinen besten Freunden gibt es Momente, wo ich mich von ihnen verraten fühle. Ich glaube, dass sie mich hintergehen, hinter meinem Rücken schlecht über mich reden. Meist schiebe ich das alles in die dunkle Ecke meines Gehirn, wo ich es nicht mehr sehe. Pflanze davor ein paar Blumen und alles ist wieder in Ordnung. Bis zum nächsten Unwetter, wenn die Blumen ausgerissen werden oder einfach verschwinden.
Ich legte mich auf das Bett, schloss die Augen und versuchte mich an ihr Gesicht zu erinnern. Erleichterung durchströmte meinen Körper.

In der Stadt angekommen, suchte ich einen Parkplatz und hätte beinahe einen kleinen Jungen angefahren, weil meine meine Gedanken wo anders waren. Ich malte mir den Abend aus, wie wir in der Bar sitzen und dann auf die Party gehen würden. Ich würde wie immer irgendwo sitzen und die Leute beobachten, hin und wieder käme sie vorbei, wir würden uns kurz unterhalten, nur solange bis wieder jemand anders kommen würde. Irgendwann ginge ich, ohne mich zu verabschieden und wir sähen uns nie wieder.

Ich war eine halbe Stunde zu früh und schlenderte gemütlich durch die Stadt. Belächelte insgeheim die Jugendlichen, die auf den Bänken und dem Boden saßen oder herumstanden und billiges Bier oder Spirituosen aus Großfamilienflaschen tranken. Die meisten waren nur ein, zwei Jahre jünger. Ich fragte mich, was ihnen daran gefiel. War es die eingebildete Befreiung von jeglicher Verantwortung, das Gefühl dazu zu gehören, nicht mehr zu wissen, was man tut. Neben mir kotzte ein Mädchen auf die Straße. Ich sah sie leicht bemitleidend an und ging weiter.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

| | | Newsletter

2 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. [quote]billiges Bier oder Spirituosen aus Großfamilienflaschen[/quote]
    Spirituosen für die ganze Familie: du hast eine Marktlücke entdeckt.
    Ich hab dagegen einige Fehler in dem Text entdeckt.

    Antworten

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.