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Hochspannung!

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Mort hechtete auf den vorbeifahrenden Zug.

Ich muss euch hier, aus Höflichkeit und aus rechtlichen Gründen, auf die Gefahr und Dummheit dieses Sprungs aufmerksam machen. Die Oberleitung eines Zugs steht unter einer ständigen Spannung von 15.000 Volt. Man muss die Leitung nicht einmal berühren; die Spannung springt einfach über. Klettert auf einen Eisenbahnwagon, und ihr seid tot. Und ich habe offiziell nichts damit zu tun.

Zu Morts Glück handelte es sich jedoch um einen offenen Waggon. Somit kam er der tödlichen Oberleitung nicht zu nahe, da er zwei Meter tief in einen Haufen Kohlköpfe fiel.

Mort hatte immer von solchen Abenteuern geträumt. Nicht genauso, aber ähnlich. Nun wäre er überall lieber gewesen, als in diesem schicksalhaften Zug. Zu hause, natürlich. Vor dem Fernseher. Mit seinem Freund Sidney, oder wenigstens Victoria. Im Sushi-Lokal. Verdammt, sogar in der Schule. Doch es half nichts. Er war nun offiziell auf der Flucht und musste es bleiben, wenn er hinter die Wahrheit über Sidney kommen wollte.

Dabei fiel ihm das gelbe Mäppchen wieder ein, das Weihnachten ihm gerade in die Hand gedrückt hatte. Eingebettet in Gemüse öffnete er es. In der Tat war es ebenjene Akte, die Mort telepathisch aus Dr. Bramarbas’ Händen entwendet hatte. Sidneys Akte.

Doch es war nur ein Zettel. Die Akte war bestimmt nicht so dünn gewesen; auf manche der Seiten hatte Mort ja schon einen Blick werfen können. Wo waren die? Hektisch wühlte er im Kohl, doch da waren die natürlich nicht. Die waren nämlich etwa hundert Meter hinter ihm, mitten in der Luft, vom Winde verweht, nachdem sie bei Morts Sturz über das steile Feld aus der Mappe gerutscht waren.

Ohne sich zu wundern, woher Weihnachten diese Akte hatte, betrachtete Mort die Seite voll Aufregung.

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