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Aufbruch

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„Ich will nicht gehen.“
Ihr Tonfall ist kalt, emotionslos. Ich drehe mich um, starre in ihre Augen. Sie blickt an mir vorbei.
Wir stehen am Ausgang, eisige Luft schlängelt sich durch unsere Beine. Die Party wurde gegen Ende hin besser, doch viele sind schon gegangen. Sie haben jemanden in mich hineinprojiziert, der ich nicht bin. Ich lies es zu, habe mich verstellt. Bemerkt hat es niemand. Inzwischen wäre es mir auch egal. Manche sehe ich vielleicht nie wieder, den anderen werde ich es erklären können.

„Warum willst du bleiben?“, frage ich verwirrt, „hier passiert nichts mehr. Vorher hast du noch gesagt, dass du heute Nacht mehr erleben willst. Weiterziehen, ohne genauem Ziel. Neue Leute kennen lernen.“ Ich blicke sie betrübt an, gehe zu ihr zurück.
Es wurde den ganzen Abend getrunken, viel getrunken. Ich musste mir immer wieder das Gleiche anhören, Witze, Geschichten, Dinge über mich. Von den Leuten, die mich nicht ernst nehmen. Vorwerfen kann ich es ihnen nicht, habe nicht anders über sie geurteilt. Es steht mir nicht zu. Habe meine Meinung gebildet und ihnen keine Möglichkeit gegeben, mein Bild von ihnen zu ändern.

„Ich will nicht gehen.“ Sie sagt den Satz, als wäre es eine Begründung.
Ich bin mir unsicher. Ich dachte sie will weitergehen, zur nächsten Party. Mehr aus dieser einen Nacht machen. Jetzt steht sie vor mir, ihre Augen haben mich inzwischen anfixiert. Ich weiß nicht was sagen, was machen. Soll ich auf sie einreden? Sie einfach in Ruhe lassen? Zurücklassen?

„Es ist deine Entscheidung.“

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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