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Durch die Nacht

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Die Leuchtreklamen ziehen an uns vorbei, verschmieren in meinen Augen, werden von der Geschwindigkeit in die Länge gezogen.
Ich kann nicht glauben, dass du nun neben mir sitzt. Mit beiden Händen das Lenkrad fest umklammert, starrst du nach vorne.
Mein Blick wandert über dein Gesicht. Du wirkst kalt. Du machst mir Angst. Doch an keinem anderem Ort wäre ich lieber.

Völlig unerwartet bist du aufgetaucht. Plötzlich warst du vor der Wohnung. Kein Wort, nur ein Blick. Du gingst wieder die Stiege hinunter, als ich etwas sagen wollte. Ich nahm eine Jacke und folgte dir. Mitten auf der Straße, ein Auto. Die Warnblinkanlage an. Ich kannte es nicht. Die Laternen spiegelten sich im tiefschwarzen Lack.

Jetzt bemerke ich erst, dass du ein Abendkleid trägst. Mattes dunkelrot. Schlicht und dabei atemberaubend. Ich will dir sagen, wie elegant du darin aussiehst, doch der Moment ist falsch. Deine Augen fixieren die Straße an. Wir verlassen die Stadt. Die Autobahn ist beinahe leer. Du beschleunigst. Der Motor surrt, als wäre es keine Anstrengung. Beim Schalten bewegt sich bloß deine Hand, der Kopf bleibt starr.

Ich möchte dich fragen, wo wir hinfahren. Du bist blass. Eine, vom Mascara geschwärzte, Träne rollt über deine Wange. Ich will dich halten, sehe wie sich der Zeiger der Geschwindigkeitsanzeige ins letzte Viertel bewegt. Ruhe breitet sich in mir aus. Ich lehne mich in den Sitz zurück und lasse den Moment wirken.

Meine Augen sind geschlossen. Ich bin froh, dass ich bei dir bin.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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