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Du lebst nur einmal

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Lebenszeit. Sie streicht vorüber. Jede Sekunde die ich an diesem Text schreibe ist unwiederbringlich. Eine schreckliche Einstellung, wie ich finde.

Ich sehe zwei Extreme. Auf der einen Seite Personen, die warten. Sie sehen optimistisch in die Zukunft und malen sich ständig aus, wie toll es einmal sein wird. Sie sind voller Hoffnung, beachten dabei jedoch nicht, dass das Leben an ihnen vorbeizieht.
Auf der anderen Seite stehen jene Menschen, die ständig eine Uhr vor Augen haben, welche unstopbar ihre Lebenszeit runterzählt. Sie versuchen jedes Stücken sinnvoll zu verbrauchen, vergessen dabei jedoch, dass es auch andere Dinge gibt, die wichtig sind.

Es gibt mehrere Faktoren, die mich auf dieses Thema gebracht haben. Hauptsächlich Gespräche, aber auch ein Kommentar im Blog und eine Diskussion über den Tod in einem Forum.

Noch einfacher ist es nicht nur zu jammern sondern sein Leben in die Hnd zu nehmen und was draus machen.

Ich bemitleide mich oft selbst in Texten, aber wenn man genau hinsieht, wird man auch bemerken, wie oft ich mich selbst tadle. Ich rege mich über meine Unfähigkeiten auf. Ich schreibe mir selbst Briefe, was ich doch für einen Schwachsinn verzapfe. Bin mir selbst einer der größten Kritiker. Versuche mich zu hinterfragen, überlege was ich mit dem Text aussagen will. Meist sind es Selbsterkenntnisse. Ich bemerke, dass ich etwas falsch gemacht habe. Es gibt auch Beiträge, die lediglich eine aktuelle Veränderung in meinem Leben wiederspiegeln. Andere machen keinen Sinn. Wirklich nicht. Sie sind bloß Gedanken, die ich ohne Kontrolle direkt in die Tastatur haue. Manchmal sind es auch Experimente.
Doch im Endeffekt jammere ich nur, um mir selbst zu zeigen, was ich falsch mache.
Da ist es leicht zu schreiben, dass man das selbst in die Hand nehmen soll. Es gibt immer irgendetwas, das ein Hindernis darstellt. Manchmal ist es der sogenannte Schweinehund, manchmal etwas anderes.
Vor einigen Monaten schrieb ich darüber, dass viele Tipps, die ich anderen gebe mich selbst betreffen. Auf die Schnelle finde ich den Beitrag nicht mehr, aber das ist auch nicht wichtig. Ich möchte nur sagen, dass ich mein Leben ständig anpasse und verändere.

Ich bin nach Wien gegangen, obwohl ich in Innsbruck alles gehabt hätte. Dort hätte ich eine Wohnung, Freunde, Familie. Ich kenne die Stadt, würde bei jedem noch so kleinen Problem Hilfe bekommen. Doch ich bin nach Wien gegangen. Viele andere haben behauptet sie würden es auch machen. Ich habe es geglaubt. Es erschien mir bei ihnen realistischer, als bei mir. Jetzt bin ich alleine hier. Vielleicht kommen noch welche nach dem Zivildienst, doch ich bezweifle es bei fast allen.

Die letzten Wochen waren toll. Ich habe neue Leute kennen gelernt und es ist erst der Anfang. Plötzlich tun sich Perspektiven auf, die ich nicht einmal erahnen konnte. Das heißt nicht, dass es selbstverständlich ist, dass man alles bekommt, ich werde mich dafür anstrengen müssen. In Innsbruck hätte ich nicht einmal die Möglichkeit dazu gehabt.

In der Diskussion in dem Forum ging es darum, was nach dem Tod mit der Seele passiert. Viele Theorien, Himmel, Wiedergeburt, Parallelwelten. Eine Userin, von der ich viel halte, meinte, dass das alles Unfug sei. Es sei falsch sich an Jenseitstheorien zu klammern und dadurch den Blick fürs wesentlich zu verlieren. Die Aussage von ihr lag darin, dass man jetzt leben muss. Es darf keine Rolle spiele, ob sich das jetzige Verhalten auf ein mögliches Danach auswirkt oder nicht. Man muss seinem Leben Sinn geben und darf nicht auf etwas hoffen, das es nicht gibt.

Nun denke ich wieder an meine ehemaligen Klassenkollegen. Ich glaube nicht, dass sie sich an das Leben nach dem Tod klammern, aber bei einigen befürchte ich, dass sie sich an Fantasien klammern. Beim reden mit ihnen kommt öfters das „später einmal“ auf. Sie fühlen sich nicht reif für den ersten Schritt. Doch das habe ich mich auch nicht. Ich wurde ständig von der Sorge geplagt, dass ich es nicht schaffe, dass ich versage. Nach außen habe ich das vollkommen unterdrückt. Es war meine Sache und ich wollte damit selbst fertig werden. Man fühlt sich fast nie reif für etwas, aber wenn man nicht einmal beginnt, wird es nie etwas.
Ich kann es auch mit einer Arbeit vergleichen. Entweder man setzt sich hin und fängt an oder sie wird nie fertig.

Natürlich gibt es eine zweite und eine dritte und eine vierte Chance, aber es wird nie das gleiche sein. Man ist kein zweites Mal neunzehn und die Zeit schreitet voran. Unaufhörlich. Unstopbar, wie ich es zu Beginn nannte.
Man muss sein Leben in die Hand nehmen, aber der Gedanke, dass jede Sekunde eine verlorene ist, ist falsch.

Dies ist ein Aufruf sich über die eigene Situation Gedanken zu machen. Es ist das was ich will, was ich mir erwartet habe?
Wenn nicht, wie kann ich es erreichen?

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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