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Eintag

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Länger als gewollt bleibe ich liegen, im Bett, meine Augen folgen den Flocken, die vor dem Fenster tanzen. Kurz die Augen schließen, ein Lächeln.

Mit einem Ruck ziehe ich die Bettdecke weg, springe auf und gehe ins Bad. Wieder mein Gesicht im Spiegel. Ich ziehe an meinen Haare, das Gesicht bleibt gleich. Ein paar Hände voll eiskaltem Wasser, den Spiegel ignorieren. Es macht keinen Sinn sich darüber aufzuregen, manche Dinge muss man einfach akzeptieren und in Japan erfreut sich meine Fratze Beliebtheit. Zumindest würde sie das, wenn sie bekannter wäre, haben mir gestern Korranid und Arunothai versichert.

Das heiße Wasser fließt über meinen Körper, erfüllt ihn mit Leben und vertreibt schlechte Gedanken. Nichts als rauschen, Entspannung. Das Gefühl keine Verantwortung zu haben, vollkommen frei. Nur für Sekunden. Die Zeit läuft weiter, ich ihr hinterher. Schnell in eine Hose. Hemd oder T-Shirt? Unwichtig, nicht auffallen. Nicht heute. Warum eigentlich? Fürchte ich mich vor jemanden? Ich weiß es nicht, kein Interesse dafür.

Als Frühstück eine Schüssel Milch und ein paar gepresste Körner drin. Schokolade- und Orangenstücke verwöhnen ein bisschen. Der Laptop läuft daneben. Kurz die Mails überfliegen, manche mit Sternchen versehen, andere löschen. Die Social Networks bieten nichts neues. Wie auch in den paar Stunden Schlaf.

Die Stiefel sind mir zu klein, nicht viel, aber mich stört es, wenn meine Zehen sich nicht frei bewegen können. Die Straße ist geräumt der Gehsteig nicht. Jacke, Schal, Mütze. Mir ist zu warm. Die S-Bahn kommt erst in ein paar Minuten. Ich trete Kreise in den Schnee. Die Gesichter leer, Handy am Ohr. Ich habe es noch nicht eingeschalten. Habe jetzt keine Lust dazu.

Schon wieder stehen viele auf der falschen Seite des Zuges. Wenn man täglich an der gleichen Station aussteigt, müsste man sich doch merken auf welcher Seite die Türen aufgehen. Minutenlang stehen sie da. Ich warte bis der Zug steht und gehe dann raus. Die Rolltreppe runter zur U-Bahn. Wieder Menschen, dick eingepackt. Sie starren an die Leinwand, die ständig das gleiche zeigt oder versuchen sich mit der Gratiszeitung zu beschäftigen.

Zweimal umsteigen, dann bin ich da. Meine Gedanken nicht. Ich habe sie irgendwo auf dem Weg verloren und nun irren sie durch dunkle Gebiete voller Einsamkeit. Sie kommen nur selten mit. Erzählen mir erst am Abend von ihren Erlebnissen. Es ist besser so. Sie würden nur stören. Mich ablenken von den Dingen, die ich machen muss.

Wieder in die U-Bahn. Woanders hin. All diese Menschen scheinen mir so fremd. Ich versuche durch ihre Masken zu sehen, doch das geht nicht. Nicht in einer U-Bahn ohne Kommunikation. Das Rattern und Quitschen der Räder bringt ein paar Gedanken zurück. Beim Aussteigen bleiben sie sitzen.

Es geht mit dem Bus weiter, dann die Stiegen rauf. Wärme. Wie verschieden die Atmosphäre ist. Sind es die Menschen, der Ort selbst. Man kann es nicht auf einzelne Faktoren reduzieren.

Zurück, mit dem Bus, der U-Bahn, der S-Bahn und wieder Schnee. Mit ihm die Gedanken.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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