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verdrängt

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Das kannst du nicht wissen. Ich habe dir nie davon erzählt und hatte dies auch nicht vor.

Es gibt Momente im Leben, die lieber für mich behalte. Die ich in einem kleinem dunklen Eck meines Gehirns abstelle und so gut wie möglich mit anderen Dingen verdecke. Situation, wo mir die bloße Erinnerung zu Schweißausbrüchen im Niagarafälle-Niveau verhilft. Manche sind über zehn Jahre alt und dennoch will ich es nicht auf die Unwissenheit schieben. Ich wusste meist ganz genau, was ich tat, allerdings fehlte mir damals der Blick für die Konsequenzen. Andere sind nur ein paar Wochen alt. Vielleicht nicht einmal mit voller Absicht, aber wenn man begonnen hat, kommt man nur schwer wieder raus. Schnell baut man eine Burg herum und schon spielt das eigentliche gar keine Rolle mehr. Man versucht abzulenken oder zu vertuschen und es funktioniert. Zu gut, wenn man meine Meinung wissen will. Im eigenen Fall erfreulich, aber für die Gesamtheit schlecht. Manche reden sich auf Erfahrungen, die sie dadurch gemacht haben heraus und dass man das ja nie wieder machen würde. Dann sieht man sich um und wöchentlich begehen Menschen den selben Fehler. Dem einen erscheint er klein, für den anderen ist es ein halber Weltuntergang. Schlimm wird es wenn mehrere Personen daran beteiligt sind. Wenn weitere hineingezogen werden. Man kann nicht einfach sagen das geht mich nichts an. Das kann man nie. Würde es einen gar nichts angehen, dürfte man es nicht mitbekommen. Die kleinen Dinge werden vergessen, der Großteil als Negativbeispiel oder Erinnerung aufgeführt und die wirklich schlimmen Sachen verdrängt.

Ich werde es dir nicht erzählen. Auch jetzt nicht, nach all den Jahren. Ich schäme mich. Auch für die aktuellen Dinge.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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  1. Nun, man weiss absolut nie was man tut, eben weil man eben nur eine trügerische Ahnung darüber haben kann, was das eigene tun für folgen haben wird.

    So richtig schämen sollte man sich wohl nur dafür, wenn man ‚eigentlich‘ etwas hätte tun sollen, irgendwas, es aber vermieden hat.

    Zu scheitern, auch an den eigenen Ansprüchen, ist nicht so schlimm.

    Ich klinge zu altklug, glaube ich.

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