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Du.

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Zugedröhnt mit Gedanken an dich sitze ich in der Ecke. Es gibt niemanden, mit dem ich reden will. Schmerzen.

Ich spiele die Erinnerung ab. Meine Suche nach dir. Die Einbildung dich gefunden zu haben. Vor acht Jahren. Viel Zeit. Und wieder und dann wieder. Immer wieder die Enttäuschung. Du warst es nicht. Ich habe dich in Personen gedacht, die nicht einmal annähernd du waren. Es tut mir Leid.

Ich kann mich noch genau an die Anfänge erinnern. Mein erster Brief an dich. Du hast ihn nie erhalten. Stundenlang bin ich am Schreibtisch gesessen, durchs Zimmer geirrt. Ein paar Sätze haben es auf das Blatt geschafft bevor ich es zerknüllt und in die Ecke geworfen habe. Dan sprang ich auf, wütend auf mich selbst, auf die Welt. Warum muss es so schwer sei? Ich habe mich dazu gezwungen. Mich in Trance versetzt. Sogar vergessen zu erklären. Du wurdest in meine Welt gesaugt und es war für mich selbstverständlich, dass du verstehst. So viel Träumerei. Später wurde es mir vor den Kopf geschlagen. Ich wurde hinauskatapultiert in die Realität. Jahrelang trug ich einen Zettel von ihr, welche ich für dich hielt in meiner Geldtasche.

Verdammt, es war falsch. Ich hätte es früher erkennen müssen. Doch es war wichtig für mich. All die Tränen. Erst dadurch habe ich zu lieben gelernt. Eigentlich müsste ich ihr dankbar sein. Nun bin ich ihr fremd. Viele Jahre, nur kurz unterbrochen und dann das plötzliche Ende.

Auch das dazwischen ist noch greifbar. Die warme Hand, während wir im Schnee saßen und das Feuerwerk betrachteten. Das warst du. Viel zu kurz. Ich kann mich nur an die eine Nacht erinnern. Kälte, die uns nichts ausmachte. Aneinandergelehnt auf dem Hang. Wir vergaßen die Welt. Nur noch wir. Das Bild hat sich eingebrannt. Bis auf den Zeitpunkt, wo es von ihr verwischt wurde. Als ich erfuhr, dass sie auch nicht du war. Ich flüchtete.

Zurück in die Vergangenheit. Geklammert an etwas, das es nie gab und nie geben sollte. Für mich war es da. Irgendwo in der Tiefe verborgen und ich müsste es nur wecken. Ein unmögliches Abenteuer. Täuschung als Taktik zur Vertrautheit. Schwachsinn, wie jeder erkennt. Ich nicht.

Das abrupte Ende, welches nur ich mitbekam. Niemand wusste, dass ich nie abgeschlossen hatte. Dann war es klar. Auch für mich. Zwei Wochen. Wunderschön. Dann das erwachen. Das Leben ist anders. Irgendwann scheint das Ich durch, auch wenn man den Menschen noch so schön modelliert hat. Leere.

Es war vorbei und ich kehrte nirgendwohin zurück. Leere. Andere Dinge, die in den Mittelpunkt rückten. Doch dahinter Leere. Der lange Fall. Plötzlich griff ich um mich. Nicht wahllos, aber doch ohne großen Versuch zu erkennen.

Wie lange noch?

Du fehlst mir.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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4 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Zuerst muss ich dir sagen, dass mir dein neues Design sehr gut gefällt. Auch, das es nun wieder eine Seite ist. Irgendwie kann man sowas doch nicht immer so trennen.

    Sodala. Nun zu dem Text. Wunderbar geschrieben. Zwischendurch musste ich leise nicken, weil ich dich zu gut verstand.Ja. Viel zu gut. wunderbarer Text und wunderbare Seite. Mein Kompliment

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  2. Auch mir gefällt dieser Text. Er ist außergewöhnlich. Die Erinnerungen an das was war, und an das was nicht war, immer wiede das Verwischen bis zum entgültigen Ende: „Du fehlst mir.“

    Habe mich an einigen Stellen wiedererkannt.

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  3. Und wenn man mit niemandem reden will, ist Schreiben das Einzige, das den Druck nimmt. Wenn der Kopf so voll ist, dass er zu explodieren droht. Wenn man soviel zu sagen haette und koennte und wollte und dann aber auch wieder nicht, aber nicht reden will…

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