Artikelformat

Blick zurück

8 Kommentare

Vor mir sehe ich das Ende des letzten Jahres. Die Feier, welche ich veranstaltet habe. Es war in einer Phase der Hoffnung. Während der Party mussten einige Dinge geklärt werden. Nicht mein Leben. Nicht meines und doch war es wichtig für mich. Im Keller gab es laute Musik, überall Alkohol. Ein Glas, welches Baileys enthielt steht noch immer leicht versteckt hinter dem Fernseher. Ich sträubte mich jedes Mal es wegzuräumen. Jedes Mal, wenn ich mich hinsetzte und den Fernseher anmachte erinnerte es mich an das geschehene.

Doch Silvester 06/07 war nur ein kleiner Höhepunkt in einer Reihe von Vorfällen, Begebenheiten. Ich war vielleicht mehr drin, als die verwickelten Personen selbst. Der, der etwas außerhalb stand und versuchte den Überblick zu wahren. Befangen mit der Sichtweise von einer Seite. Nicht immer sicher, was ich für gut und was für schlecht befand. Quelle vieler Emotionen, die mich noch heute beschäftigen. Was wirklich geschah, werde ich wie so viel anderes in meinem Archiv vertauen und nur noch für eigene Reflexionen verwenden. Es geht sie nichts an.

Das Jahr bestand jedoch nocht nur aus einer Party, schon gar nicht nur aus der Silvesterparty. Ich würde es als das bisher wichtigste meines Lebens beschreiben.

Der erfolgreiche Abschluss einer achtjährigen Phase des berieseln lassens. Ein letzter Aufschrei, um zu zeigen, dass man mich falsch eingeschätzt hat. Ich habe all die Jahre nicht viel dagegen unternommen, aber plötzlich war das Verlangen da. Am wichtigsten Punkt musste ich rebellieren. Sie mussten es hinnehmen, weil nicht zu leugnen war, dass der Rest in Ordnung war.

Erstmals ging es mir wirklich besser. Ich war ruhig, während andere zitternden. Mein Ego musste nichts erfinden und dennoch sah es aus, wie immer. Ich frage mich manchmal, ob mich jemand durchschaut hat. Im Nachhinein ist es lächerlich, aber damals kam für mich gar nichts anderes in Frage. Ich war nicht stark genug.

Das Ende einer anderen beinahe achtjährigen Phase. In meinem Zimmer steht noch immer eine verschlossene Holzkiste. Den Schlüssel trug ich bei mir. In ihr Erinnerungen. Eigene und fremde, die ich mir aneignete. Gestohlen und ohne schlechtem Gewissen behalten. Heute werden viele froh sein, wenn diese Dinge nie wieder an die Oberfläche kommen. Dazu gehöre auch ich. Vielleicht entsorge ich sie auch, vielleicht behalte ich sie um mich daran zu erinnern, dass ich es besser kann. Dass ich mich nie wieder so verhalte.

Fast acht Jahre, die ich gelitten habe und die mich geprägt haben. Es hätte ander laufen können und ich hätte niemals begonnen zu schreiben. Hätte mich niemals an andere Menschen vertraut. Ich kann mir vorstellen, wie ich geworden wäre, und es ist schrecklich. Nein, hellsehen ist etwas anderes. Ich kombiniere lediglich Erfahrungen und schaue, was dabei herauskommt. Keine Tatsachen.

Im Sommer war es dann vorbei. Wieder einmal Party. Zwei Wochen, eine davon offiziell. Es war eine tolle Zeit. Danach zerbrach ich. Jedoch nur kurz. Es war nicht zu vergleiche mit den Jahren zuvor. Ich hatte etwas gelernt und mein Ego wurde auf Normalgröße aufgepumpt. Das Chaos, das ich zu Beginn empfand kann ich fast nicht mehr nachvollziehen. Zu weit weg ist alles und meine Entwicklung ist explosionsartig voran geschritten.

Die Europareise. Eine Aneinanderreihung von spontanen Entscheidungen. Wieder gelernt das Leben zu lieben und nicht bloß Personen, die es so nicht gab. Valencia, Paris, Berlin. Ich lehne mich gerne zurück und versinke in dem Gefühl frei zu sein. Es tat gut, raus zu kommen und festigte meinen Wunsch nach Wien zu gehen. Die wichtigste Entscheidung in diesem Jahr.

Alleine, jedoch mit einem Platz zum wohnen und essen. Es ging mir zeitweise mies. Fühlte mich hilflos und einsam. Mitten im Leben und doch irrte ich umher ohne etwas davon mitzubekommen. Mein Inneres fährt seitdem Achterbahn. Noch immer geht es auf und ab. Loopings, die mich beinahe zerreisen. Ich bin süchtig danach.

Neue Personen, die den Verlauf meines Seins bereits jetzt auf den Kopf gestellt haben. Es tut gut. Nun bin ich bereit zu begreifen und ich weiß, wie wichtig es für mich war. Wie wichtig es noch werden könnte. Alleine bin ich weiterhin, doch dagegen können sie nichts machen. Das liegt zu einem großen Teil in meiner Verantwortung und ein bisschen woanders.

Nur noch ein paar Stunden.
Mein einziger Vorsatz für 2008 ist, dass es 2007 übertrifft.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

| | | Newsletter

8 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Dieser Vorsatz ist großartig. Den werd ich für mich auch übernehmen :-) …

    Irgendwie kommt es mir so vor, als würde 2007 schon viele Jahre andauern. So viel ist passiert und so vieles nicht. Komisches Gefühl.

    Antworten

  2. 2007 war viel los. Aber nicht zuviel. Es hat mir einen kleinen Einblick gegeben was möglich ist, jetzt geht es daran den Weg fortzusetzen und neue Zielen entgegenzustreben.

    Antworten

  3. Der beste Vorsatz ever. Ich wünsch DIr noch, dass Du es in der Hand hast, ihn zu erreichen.

    Happy New Year!

    Und danke für die Erfahrungen des vergangenen.

    Antworten

  4. hallo

    wie bekomme ich den rahmen weg in der style.css

    wie kann ich das auskommentieren.

    gruß aus isenburg gutes neues jahr 2008 noch

    rainer

    Antworten

  5. Pingback: 2-Blog » Vorsätze ‘08 [Blogparade]

  6. Pingback: Matthias Lehming » Blog Archive » Blog-Parade: Vorsätze für 2008 (Zwischenstand)

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.