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Badezimmer

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Die Musik dröhnt in deinen Ohren. Du sitzt schon wieder auf dem kalten Badezimmerboden. Wie wäre es, wenn du einmal aufstehen würdest. Ständig lässt du dich fallen, wartest darauf, dass dich jemand an der Hand nimmt und zurück ins Leben führt. Es wird nicht immer jemanden geben, der dies macht und sie werden dir nicht mehr helfen, wenn du nicht einmal zeigst, dass du auch einmal selbst ein paar Schritte machen kannst.

Ich warte bis die Dusche warm ist. Die Musik in meinem Zimmer ist halb aufgedreht, das reicht bereits, dass alle anderen Geräusche verschwinden. Ich setze mich auf den Boden, lege meinen Kopf zurück und lass schau mir einen Film des Unterbewusstseins an. Er ist traurig, doch gibt mir Kraft weiter zu machen. Aus den Fehlern lernt man, und Narben sind lediglich widerstandsfähigere Haut. Schön sehen sie nicht aus, aber kein Mensch ist perfekt.

Du blickst auf, siehst wie der Spiegle langsam anläuft. Winzige Wasserperlen, die an der glatten Oberfläche hängen bleiben. Wasserdampf füllt den Raum. Du bist nicht fähig dich zu bewegen. Tränen rinnen über dein Gesicht. Merkst du nicht, dass das nichts bringt. Niemand will dich so sehen. Du hast die Tür versperrt, obwohl du alleine bist. Du bist alleine. Die Einsamkeit ist dein Problem und trotzdem suchst du sie ständig. In Gesellschaft fällt es dir leicht zu lachen.

Die Erinnerungen kommen wieder hoch. Es gibt keinen Zusammenhang, außer dass dies alles mir passiert ist. Ich möchte nichts ungeschehen machen, auch wenn es mir weh tut, wenn ich daran denke. All die Dinge, die ich heute anders machen würde. Damals habe ich es nicht und wenn doch, wären viele Türen verschlossen geblieben. Ich inhaliere den Wasserdampf. Meine Haut fängt die winzigen Tropfen auf und lässt sie langsam hinunterfließen.

Es spielt keine Rolle, was du ihnen erzählst. Wichtig ist, wie du es machst. Du bist müde, doch du kannst nicht schlafen. Deine Gedanken haben zu viel macht über dich. Du versuchst nicht sie zu vertreiben. Behauptest sogar, dass du glücklich traurig wärst. Welch ein Unsinn. Viel zu oft habe ich dich in diesem Zustand gesehen. Du verletzt dich damit selbst, aber willst es nicht wahrhaben.

Manchmal habe ich das Gefühl meine Worte haben keinen Inhalt. Ich schreie etwas hinaus, doch niemand versteht es, weil ich kein Geräusch von mir gebe. Ich will nicht unhöflich sein. Oft lasse ich mich unterbrechen. Wenn sich das Gespräch dadurch in eine andere Richtung bewegt, schweige ich. Phrasen, wie „was ich vorher noch sagen wollte“ sind mir unangenehm. Sie zerstören den Fluss und das will ich nicht.

Jetzt steh endlich auf, ich habe nicht die ganze Nacht Zeit. Es gibt noch so viel anderes, was ich machen will. Du bist unwichtig und das weißt du. So unwichtig wie jeder andere Mensch auf dieser Welt. Wenn das nur einmal jemand verstehen würde. Es wird nicht mehr lange dauern und wenn es soweit ist, greifen sich alle an den Kopf und verzweifeln. Weil sie plötzlich ihre Nichtigkeit begreifen.

Ich bin alles, was ich habe. Die anderen sind vergänglich. Meine Angst jemanden zu nah an mich heranzulassen begründet sich auf zwei Dingen. Wer mich kennt kann mich verletzen und wen ich ins Herz geschlossen habe, geht nicht ohne einem Teil von mir. Gemeinsam sind wir stark, doch alleine bin ich unverwundbar.

Du hast dich selbst verraten. Deine verdammte Welt dreht sich um dich, doch die da draußen dreht sich um die Sonne. Wenn sie einmal verbrutzelt, wird niemand an dich denken. Jeder denkt dann bloß noch an sich. Was du sagst, heißt nichts anderes, als dass du zu schwach bist an andere zu denken. Doch das ist egal, denen geht es gleich. Ihr unterscheidet euch nur darin, dass sie es dennoch machen.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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