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Du, ich und alles

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Du sprichst von Schatten, ich vom Licht. Eine künstliche Distanz, die jeder aufbaut. Die Gesellschaft hat es uns gelehrt. Bestimmte Dinge macht man nicht. Sie sind nicht verächtlich, aber es kostet Überwindung. Es ist ungewohnt.

Als ich dich das letzte Mal gesehen habe, wusste ich nicht wovon du gesprochen hast. Erst Stunden später, als meine Gedanken wieder Platz hatten, durchbrachen deine Worte meine Wand. Es war zu spät und ich konnte mich nicht mehr entschuldigen für all die Dinge, die ich gesagt habe. Seitdem flüchte ich. Vor meinen Gedanken, vor dir, vor der Welt.

Jegliche Ablenkung ist willkommen und ich stürze mich darauf. Noch immer, weil ich es nicht ertrage daran zu denken. An mein Verhalten und wie ignorant ich war. Ich umschrieb es, aber am Ende war es das gleiche.

Noch einmal vollkommen frei sein. Die Leute nennen es neu beginnen. Sowas gibt es nicht. Es gibt keine unbefangenen Anfänge. Ist man es nicht selbst, sind es andere Menschen, die einen beeinflussen. Jegliche Bewegungsfreiheit nehmen, sodass man nur noch schneller gehen kann. Richtungswechsel unmöglich.

Ich glaube nicht an Vorherbestimmung. Halte nichts vom Schicksal und all seinen Geschwistern. Mein Leben wird von meinen Mitmenschen und mir bestimmt. Niemand hat alleine die Macht und niemand kann frei bestimmen wer er ist oder was er macht. Das System würde zusammenbrechen, wenn plötzlich alle glauben aussteigen zu müssen, weil sie es besser wissen.

Doch das hat alles nichts mit dir zu tun. Es ist nur der Gedanke, der sich durch mein Gehirn windet und nicht mehr herausfindet. Ein Labyrinth aus Überlegungen und Erklärungen. Sie rücken alles so zurecht, damit ich nicht daran zerbreche.

Hin und wieder ein Blick von oben. Wenn ich erkenne wo ich bin. Was ich hier mehr habe und wichtiger was vor mir liegt. Ich könnte jeden Tag ein neues Leben anfangen oder einfach aus diesem verdammten Spiel ausscheiden. Es war nicht nur so dahingesagt. Zu viele Stunden habe ich darüber nachgedacht nur um mir sicher zu sein, dass es so ist.

Ein befreiendes Gefühl, auf das Niedergeschlagenheit folgt. Die Unfähigkeit Verantwortung zu übernehmen, Beziehungen einzugehen. Es ist falsch. Man muss sich dem Gefühl Hoffnung hingeben und selbst versuchen das beste daraus zu machen.

Auch mit dem Egoismus lag ich nicht ganz falsch. Es erleichtert mir die Dinge, die ich mache, wenn ich behaupte im Endeffekt nur für mich zu arbeiten. Es verhindert allzu große Lobhudeleien und ist auch ein Batzen Wahrheit. Ob es mir direkt zu Gute kommt oder nur gut für mein Ego, meine Gefühle ist. Ich mache es für mich, auch wenn der Nutzen für die anderen größer ist.

Einfach hinausschreien was sich wieder angestaut hat. Den Ausgang verstopft. Ein Gestrüpp, das verhindert, dass sich die feinen Fäden finden und sich zu einem Stoff verstricken. Nicht brutal, aber mit einer gewissen Zielstrebigkeit reiße ich sie heraus. Sie werden nachwachsen. Ich bin gegen starke Gifte. Auch wenn sie manches einfach machen würden. Nebenwirkungen und unbekannte Effekte. Das Risiko alles zu verlieren.

Immer wieder deine Augen. Wie kann man nur so unbeholfen agieren. Es tut mir nicht einmal Leid. Ich rege mich nur über mich selbst auf. Den kleinen Jungen, der auf gut Glück gegen die Mauer gelaufen ist. Vielleicht ist sie ja dieses Mal durchlässig. Nein. Man kann es nicht auf etwas anderes schieben. Es war meine Naivität und verirrten Gedanken.

Ich bin nicht unzufrieden. Sehnsucht die mich hin und wieder packt, durch die Gegend schleudert und abrupt fallen lässt. Man kann sie nicht beschuldigen. Manchmal wäre es schön sie einfach anzugrinsen und sie müsste wieder abziehen, doch es geht nicht. Nicht im Moment. Vielleicht irgendwann in der nahen oder fernen Zukunft.

Ein schönes Leben habe ich hier. Viel Dinge, die mir vor die Füße fallen. Ich muss sie nur aufheben und in meinen Rucksack stopfen. Der wird immer größer. Kein Problem ihn zu tragen. Genug Nahrung, die mir zugeworfen wird.

Eigentlich sollte ich einfach glücklich sein. Vieles scheint so einfach. Doch das ist es nicht.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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2 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Mein Nachbar sagt immer man solle sich selbst nicht in Frage stellen und aufhören seine Zeit mit Gedanken zu verschwenden.

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  2. Eine Leben ohne ständiger Selbstreflexion stelle ich mir fad vor. Wenn man nicht drüber nachdenken würde, wüsste man gar nicht, dass es mehr gibt. Vermutlich wäre man einfach glücklich. Aber einfach glücklich reicht mir nicht. Erst durch Höhen und Tiefen spüre ich das Leben.

    Auch wenn man es sich so oft schwerer macht, mag ich es lieber.

    Deinem Nachbarn kannst du schöne Grüße ausrichten und er möge sich einmal ein paar Gedanken über sein bisheriges Leben machen. ;)

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