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Roter See

2 Kommentare

Ich renne durch den Nebel. Große Schritte. Das Wasser aus den Pfützen spritzt gegen meine Hose. Die Schuhe sind längst durchnässt.

Nur noch weg. Der Gedanke schießt immer wieder durch meinen Kopf. Ich kann mich nicht mehr halten. Die Kälte ergreift meinen Nacken. Ein fester Druck, der mich straucheln lässt. Ich weiche aus. Runter vom schlammigen Feldweg über die Wiese. Das hohe Gras erschwert die Schritte.

Die Erinnerung an ihr Gesicht. Stoßartiges Atmen. Immer schneller.

Ich hätte mich nicht dazu hinreißen dürfen ihr zu folgen. Es war vorbei. Doch die Eifersucht stach immer wieder in den schwachen Körper. Das Leben ist nicht fair. Keine Ausrede half. Ich musste wissen wer er war. Warum so kurz darauf. Ich war es der nicht mehr konnte. Der ihr die Worte des Endes brach.

Ein lauer Sommerabend. Ein Eis essen gehen. Wir müssten reden. Scheiß Telefone. Ich muss dich sehen. Beinahe glücklich sagte sie mir einen Treffpunkt. Eine halbe Stunde zuvor stand ich da. Bedrückt von meiner eigenen Last, die ich abwerfen wollte. Ich fror, zog die Jacke enger, doch es half nichts. Passanten in T-Shirts starrten mich kurz an, wie ich im Hauseingang kauerte. Ein grässlicher Anblick. Zuviel hatte ich aufgestaut. All die Dinge, die ich ihr nicht sagen konnte. Nun sollte es soweit sein. Die Wahrheit. Sonst nichts. Ein paar erklärende Worte. Ich glaubte nicht, dass sie verstehen würde. Sonst hätte ich es ihr schon früher gesagt.

Dann kam sie auf mich zu. In einem weißem Kleid mit großen Blumen und dem Top, das wir zwei Wochen zuvor ausgesucht hatten. Sie strahlte. Bis sie mich erkannte. Ich vermute, dass sie in dem Moment daran dachte, warum ich sie seit Tagen nicht mehr sehen konnte. Ständig irgendwelche Ausreden. Nun stand ich vor ihr. Besser gesagt kauerte.

Meine Sätze kamen stockend. Sie schüttelte den Kopf. Unaufhörlich. Wollte nicht wahr haben, dass ich es bin, der vor ihr stand. Der ihr Dinge erzählte, die sie nicht wissen wollte. Ein Schlag nach dem anderen und ihre Gesicht verzog sich. Den Tränen nahe. Ich wollte ihre Hand nehmen, sie stieß mich weg. Erst ein leises „Hau ab. Hau einfach nur ab.“ Als ich sie weiter ansah, schrie sie mich an, bevor sie die Straße runter rannte. Rein in den nächsten Bus. Als er vorbeifuhr, sah ich wie sie ihren Kopf in den Armen vergrub.

Ich fühlte mich noch schrecklicher als zuvor. Wollte nicht mehr, doch es ging nicht. Ich war zu schwach. Der lange Weg nach Hause. Nur noch ihr zerstörtes Gesicht vor Augen. Die ewige Busfahrt. Kurz vor der Haustüre, wurde mir schwarz vor den Augen. Ich brach zusammen. Erst als es finster war, kam ich wieder zu mir. Mein linker Oberschenkel schmerzte, der Arm war aufgeschürft.

Eine Woche ging ich nicht mehr vor die Türe. Aß nur selten und wollte nur noch schlafen. Dann der Anruf. Sie trifft sich heute mit Manfred. Warum hat sie angerufen? Ich legte mich auf die kalten Fließen. Hörte auf zu atmen. Doch mein Körper wollte nicht. Irgendwie quälte ich mich in die Dusche. Eiskaltes Wasser, dampfend heiß. Zurück in die Welt aus der ich geflüchtet war. Fertigpizza und Cola. Zwei Stunden Schlaf.

Ich konnte nicht warten. Hatte nichts auf das ich warten konnte. Die weißen Turnschuhe. Eine Runde Laufen würde mich ablenken. Ich wusste wohin ich lief, wusste, dass sie dort sein würde. Mein Magen verkrampfte sich. Ich musste kotzen. Mitten auf den Weg. Der Wunsch meine Innereien herauszureißen. Es trieb mich weiter.

Manfred. Er zog sie hinter sich her. Ich sah sie schon aus der Ferne. Spazieren nannte sie es. Um einen kleinen See. Selten andere Leute. Es war unser Teich. Warum nach so kurzer Zeit? Ich war es, der ihr die Worte des Endes brachte.

Dann drückte er sie gegen einen Baum. Sie sackte zusammen. Ich fiel zu Boden. Meine Schuld. Es war alles meine Schuld. Er sah mich an. Ein lebloser Blick, der mich nicht zu erfassen schien. Mir ruhigen Schritten kam er auf mich zu. Ich begann nach hinten zu krabbeln. Wieder auf den Beinen begann ich zu rennen. Weg, nur noch weg.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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2 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Oi.
    Schön. Interessant.
    Auch was Rechtschreibung und Grammatik angeht sehr gut. Nur wenige Fehler… Überwiegend Tippfehler.
    Du hast nicht zufällig vor, ein Buch zu veröffentlichen?

    Beliar
    (der jetzt irgendwie hier auch mitliest… und – wenn er sich recht erinnert – auch einen Link zu dir bei sich in der Blogroll hat.)

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