Mühlrad

Mort schreckte auf, wie aus dem seltsamsten Traum den er sich vorstellen konnte. Er hustete, bis das Wasser seine Lungen verließ, um gierig Luft holen zu können.

Schemenhaft bewegte sich ein gigantisches Wesen neben ihm, gleichförmig und monoton wie ein Ersatzwort für Synonym. Seine Gedanken waren wirr. Alles rauschte ziemlich laut. Dumpf hörte er ein anderes Geräusch hinter dem Rauschen, wie ein schlecht eingestelltes Radio.

Er versuchte sich zu konzentrieren, sodass seine Augen wieder in dieselbe Richtung blickten, und bemerkte, dass die Bewegung neben ihm zu einem riesigen Zahnrad wurde. Die Welt gewann zunehmend an Schärfe, bis Mort erkannte, das es sich um ein rauschendes Mühlrad handelte.

Sein Atem klang seltsam unregelmäßig, wohl eine Nachwirkung seines nahen Ertrinkens.

Mort begann nachzudenken. Er stieß auf einige Ungereimtheiten in den letzten Minuten seiner Erinnerung. Darunter die Tatsache, dass er noch am Leben war. Das wiederum führte ihn zu der Frage, wieso. Wie kam er zu der Mühle? Und was war mit der triebenden Frau geschehen?

Mit größter Mühe drehte er seinen Kopf nach links, um die Erklärung zu finden.

Sie war wunderschön.

Erstaunt richtete Mort sich auf, hustete und betrachtete das Mädchen, das mit geschlossenen Augen direkt neben ihm im Gras lag und leise atmete. Das nasse Haar klebte an ihrem hübschen jungen Gesicht; sie konnte kaum älter sein als er selbst.

Er wandte sich ab, um eine Ladung verschlucktes Dreckwasser auszuwürgen.


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