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Zukunft von Blogs und so

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Etwas geschafft komme ich nach Hause. Jacke aufhängen, Schuhe ausziehen, Laptop anschalten.

Gunkl hat mir geschrieben. Gunkl? Dorfers Donnerstalk. Eigentlich Günther Paal. Doch was will der von mir?

Ernüchterung. Nicht Gunkl sondern Gunkel und nicht Günther sondern Nic. Der ist fünfzehn Jahre alt und hat ein paar Fragen an mich. Tante Google kann mir nicht wirklich weiterhelfen, mein erster Gedanke ist dennoch, dass ich mich über unerwünschte Post aufrege. Doch zuvor einmal lesen. Was der zu schreiben hat. Der Nic.

Hallo Luca Hammer,

wahrscheinlich kennst du mich gar nicht. Also sollte ich mich mal kurz vorstellen: Ich bin Nic Gunkel, 15 Jahre jung und Betreiber des Blogs http://rate-it.blog.de. Der Blog setzt sich mit Themen wie Web2.0-Angeboten, Marketing, Technik und ganz generell der Entwicklung der Blogosphäre auseinander. Ich glaube, dass unser Blog Zukunft hat, da die Autoren sehr engagiert und begeisterungsfähig sind. Leider ist die Leserschaft noch relativ überschaulich (aber das wird schon…!!).

Eigenwerbung kann ja nicht schaden. Gerade als Einleitung von unerwünschten Mails macht sie sich gut. Schauen wir uns einmal den Blog an. Der Name kommt mir bekannt vor. Auch wenn ich nicht verstehe was er aussagen soll. Von der Nachwuchsbloggerblogparade.

Weder Impressum noch eine About Me Seite ist auf dem Blog zu finden. Zumindest steht eine Beschreibung unter dem Header. Der ist zwar grafisch nicht sehr anspruchsvoll, nimmt im Ausgleich dafu aber meinen ganzen Bildschirm ein. Der Klick auf Notausgang bringt mich auch nur wieder auf die Startseite. Doch zurück zu Beschreibung.

Wir setzen uns mit Web2.0-Themen kritisch auseinander und halten sie mit interessanten Beiträgen, Videos und Links über die Entwicklung im Netz auf dem Laufenden. Weitere Themen sind Suchmaschinenmarketing und Blog-News.

Blub. Viel mehr fällt mir da auf den ersten Blick nicht ein. Web 2.0 also. Ganz was neues. Aber liegt ja voll im Trend. Klingt gar nicht ausgelutscht. „Wir“. Ein Gruppenblog also. Der Autor ist allerdings immer ein gewisser RateIt. Aber vielleicht hat dieser Persönlichkeitsstörungen.

Kritisch gefällt mir. Heutzutage werden viele Dinge einfach so hingenommen. Ohne sie zu hinterfragen. Gerade in der Blogosphäre wird oft unreflektiert abgeschrieben. Keine eigenen Gedanken. Dazu schaue ich mir doch gleich noch ein paar Beiträge an, ob dieser RateIt wirklich kritisch ist.

Zu Yigg meint er, dass der Rank-Algorithmus veraltet sei. Ansosnten gibt er einem anderem Blogger Recht. Wusste zwar nicht dass da ein spezieller Algorithmus am Werk ist, als User kann man halt einen Beitrag „yiggen“ und somit bekommt er einen Punkt mehr, aber vielleicht habe ich mich auch noch nie mit dem Thema beschäftigt.

Dann hat er auch die Website entdeckt, wo aus der Technorati-Authority ein Geldwert für den Blog ausgerechnet wird. Habe ich auch mal gemacht. Damals im Juli. Was stand da noch im Header?

und halten sie […] auf dem Laufenden.

Zumindest wurde erkannt, dass Technorati „sicherlich nicht das Maß aller Dinge“ ist „sonder nur eine Orientierungshilfe – und dazu eine, welche einfach manipuliert werden kann.“. Da hat er Recht. Schließlich wurde genau das von ihm gemacht.

Dass es bei der Blog-Hierarchie eher um die Journalisten geht, hat er aber nicht wirklich bemerkt. Auch fehlt mir in diesem Beitrag der Sinn. Wenn es nur um das Bild geht, hätte man das zumindest korrekt einbauen können.

In einem anderen Beitrag meint er was von „Erweitertes Aufgabengebiet „Produkttests“„. Man soll doch irgendwo ein Kommentar hinterlassen und sein Produkt vorstellen. Dann würde man mit dem Autor in Kontakt treten. Der Grund ist ganz klar.

Unser Vorteil gegenüber anderen Produkttestern ist ganz klar unser Alter (15)[…]

Sie sind also alle 15. Oder so.

Doch plötzlich. Da ist ein Beitrag der passt nicht zum restlichen Geschwurbel. Eine Geschichte über Kleinbloggersdorf. Die gefällt mir. Auch wenn ich mit dem Inhalt nicht einverstanden bin. Eine nette Idee und die Umsetzung ist für einen Fünfzehnjährigen in Ordnung.

Dann wieder ein langweiliger Beitrag über Trigami. Nichts neues, nichts wichtiges. Alles schon hundertmal geschrieben.

Der zweiten Seite, möchte ich nicht mehr soviel Aufmerksamkeit zukommen lassen. Normalerweise wäre ich auch schon längst weitergesurft, aber die aufdringliche Mail hat mich doch dazu verleitet mir das alles genauer anzusehen.

Ein Hilfeschrei wegen Google Analytics, Geschwurbel über Blu-Ray vs. HD-DVD, Bekanntgabe des neuen Designs (sonst hätte es ja niemand bemerkt), Blogparade, ein zumindest teilweise verwertbarer Vergleich mit der amerikanischen Blogosphäre, unwichtiges über Rabatte, bla bla bla. Ich höre besser auf.

Kommen wir aber wieder auf die Mail zurück:

So mein eigentliches Anliegen:

Ich möchte ein neues Projekt „Zukunft Blogosphäre“ starten. Ich habe geplant, eine Art Interview mit vielen Top100-Bloggern der Deutschen Blogcharts über die Zukunftschancen und Perspektiven der deutschen Blogszene zu führen. Mich hat es schon immer gestört, dass jeder einzelne Blogger bei diesem Thema sein „eigenes Süppchen“ kocht. Aus diesem Grund möchte ich die unterschiedlichen Prognosen bündeln.

Hierzu möchte ich die 3 folgenden Fragen an dich richten.

Weitere Informationen auf http://rate-it.blog.de/2008/01/27/neues_projekt_zukunft_blogosphare~3639844

Dass im Beitrag das gleiche steht, lassen wir einfach mal außer Acht und kommen zur ersten Frage.

1.) Glaubst du, dass die deutsche Blogosphäre im internationalen Vergleich zurückhinkt ?

(Damit spreche ich zum einem das rivalisierende Verhältnis zwischen den Bloggern und den traditionellen Medien in Deutschland an. Desweiteren spiele ich auf den toleranteren Umgang von Selbstvermarktung und Werbung auf dem eigenen Blog an, wie er beispielsweise in den USA populär ist.)

Jein. Im Vergleich zu Amerika hinken wir in bestimmten Fällen sicher hinterher. Vor allem was Leserzahlen und Anerkennung in der Gesellschaft betrifft. Zu anderen Ländern ist die deutsche Blogosphäre aber nur selten hinten. Sagt mir zumindest mein Gefühl. Zum Thema Werbung habe ich mich bereits geäußert.

2.) In den USA wird uns vor Augen geführt, wie gut die Zusammenarbeit von Blogs und traditionellen Medien funktionieren kann. (z.B wird bei Nachrichtenagenturen häufig ein Überblick über die themenrelevanten Diskussionen in den Blogs präsentiert) Warum funktioniert diese Cooperation in Deutschland nicht ?

Mein Blog wurde in einer Zeitung vorgestellt, mehr aber auch nicht. Ich bin der Meinung, dass das Thema nicht die Journalisten sonder die Gesellschaft ist. Dies war auch ein Grund für die Gründung des Blögger-Projekt, in welchem ich mich engagiere.

3.) Was muss die deutsche Blogosphäre tun, damit ihr größere Anerkennung und größerer Respekt zu teil wird ? (schwierige aber wichtigste Frage)

Als erstes muss einmal jeder auf sich selbst schauen. Danach schaut man sich ein bisschen um und dann kommt die Gesellschaft dran.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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