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Ein besonderes Spiel

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„Was machst du hier?!“
„Ich war gerade in der Gegend und da dachte ich, dass ich mal vorbeischaue.“

Sie weiß, dass es nicht stimmt. Ich blicke wieder auf die Speisekarte und warte auf eine Reaktion.

„Kann ich ihnen etwas empfehlen?“

Sie arbeitet in dem Kaffee immer Montags und Mittwochs. Früher bin ich oft vorbeigekommen. Sie hat mich angelächelt und mir meinen Cappuccino gebracht. Keine Worte. Doch die wenigen Sekunde, die sie mir in die Augen blickte, reichten als Grund. Es war eine schöne Zeit. Manchmal trafen wir uns zum Kino oder Essen. Nie Ausgehen, nie feiern. Niemand wusste etwas von uns.

„Also eigentlich wollte ich“
„Heute empfehlen wir, dass sie ruhig aufstehen und das Lokal verlassen. Sie können das nächste Mal bezahlen.“

Stille.

„Das Angebot klingt verlockend, aber mir ist eher nach einem tiefsinnigem Glas Wein und dazu ein paar warme Worte. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie das anbieten. Ansonsten bringen sie mir etwas starkes, das mich wieder in die Realität katapultiert.“

Wortlos dreht sie sich um. Ich blicke ihr hinterher. Mein Bauch beginnt sich zu verkrampfen. Stoßweise. Schweiß tritt auf meine Stirn. Die Hand klammert sich in die Bank.

Es war meine Schuld, dass sie nicht mehr auf meine Nachrichten reagierte. Ich habe ihr ertwas verheimlicht. Der Tag an dem sie es erfuhr, war der Anfang des Ignorieres.

Sie könne mir nicht mehr vertrauen. Ich sei ihr fremd. Alles Lügen. Was auch immer meinen Mund verlassen hatte. Was war richtig? Was falsch? Was habe ich mir dabei gedacht? Sie dachte es sei etwas besonderes zwischen uns. Etwas, das niemand zerstören könne, doch da hatte sie nicht an mich gedacht. Je näher du einen Menschen zu dir lässt, desto schlimmer kann er dich verletzen.

Etwas besonderes.

Ich weiß nicht ob, ich sie geliebt habe. Es war so selbstverständlich. Dieses Geheimnis. Dass wir uns auf offener Straße nicht grüßten. Die Augen, die sich anfixierten. Ein fast nicht wahrnehmbares Lächeln. Dann die Berührung. Ein angedeutetes Ausweichen. Sanft die Hand des Anderen berühren. Niemals umdrehen.

Ein Spiel. Ein besonderes Spiel.

Ich war niemals in ihrer Wohnung. Weiß nicht wie sie lebt. Hat sie Haustiere? Ist sie ordentlich? Wie groß ist ihr Badezimmer? Wie lange braucht sie in der Früh?

Wir haben nie über solche Dinge gesprochen. Die Welt interessierte uns nur am Rande. Wir hatten uns.

„Kennst du mich?“, habe ich sie gefragt. Sie strich mir durchs Haar und gab mir einen Kuss.

Nein, wir kannten uns nicht. Wir haben uns nie weltlich kennen gelernt. Bis zu diesem einen Tag. Es war nicht geplant. Sie meinte, dass es ihr ein Freund gesagt hätte, wer ich bin. Wie entsetzt er gewesen sein. Warum ich das nie erwähnt hätte? Ich konnte nicht. Ich hatte Angst. Angst, dass sie nicht versteht. Befürchtete eine Reaktion, wie sie kam. Es war falsch und richtig. Die Beziehung. War es eine Beziehung? Das besondere Spiel. War das eine Beziehung?

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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