Monat: Juli 2008

  • Die glorreichen Sieben [stöckchen]

    Stöckchen sind langweilig und machen Blogs kaputt. Stöckchen interessieren nicht und werden von Bloggern nur verwendet, weil ihnen selbst nichts mehr einfällt.

    Hier kommt der Gegenbeweis.

    Denis von gorgmorg hat ein Stöckchen entworfen, das anders ist. Ein Stöckchen, das nicht einfach im Blog liegen bleibt, sondern gegen einige Übel unserer Welt ankämpft. Vor allem geht es um Fantasie, Geschmack und Kunst. Es geht ums Kochen. Es geht um das Kreieren eines Gerichtes. Die Zutaten dafür werden vorgegeben.

    Die Glorreichen Sieben Regeln:

    1. Eine der sieben Zutaten musst du durch eine eigene ersetzen. Ausnahme: Wenn du auf vegetarisch/vegan einstellt bist, kannst du auch die anderen unpassenden Aspekte ersetzen.
    2. Bitte nimm nichts ausgesprochen Kostspieliges oder Exotisches, damit man es auch wirklich nachkochen kann. Wenn es geht, halte die Beschreibungen der Zutaten möglichst neutral, also am besten keine Markennamen, wenn es geht.
    3. Kleinigkeiten wie "Ein Esslöffel Öl”, Essig oder Gewürze zählen nicht.
    4. Du musst es nicht wirklich nachkochen, aber genau beschreiben, was du mit all dem Kram (und nicht nur einem oder zwei) machst – wenn du es kochst, was wirklich grandios wäre, dann idealerweise mit Bild!
    5. Wie immer bei Stöckchen wäre ein Link zum inspirierenden Beitrag ganz super!
    6. Wenn es schmeckt, packs doch in den fressmorg, wenn du magst.
    7. Das Gericht braucht unbedingt einen Namen!

    Die Glorreichen Sieben Zutaten

    1. Kartoffeln
    2. Speck
    3. Eier
    4. Putenbrust
    5. Zitronen
    6. Erdbeeren
    7. Brötchen/Semmeln

    Die ZutatenEs geht los. Zuerst ersetze ich die Brötchen, welche ich durch die Kartoffeln nicht brauche, durch Marillen. Die erste Idee war eine exotische Soße aus diesen zu machen. Es kam jedoch anders.

    Zuerst habe ich den Speck gewürzt. Ein bisschen Kreuzkümmel und viel Pfeffer. Gefüllte HühnchenDanach würden die Hühnchenbrust in Stücke geschnitten und diese aufgeschnitten, sodass Taschen entstanden. In diese wird der Speck gesteckt. An dieser Stelle habe ich einen kleinen Fehler gemacht. Ich habe die Stücke zu dick gemacht und dadurch musste ich sie am Ende länger als gut abbraten. Dadurch wurden sie außen zu dunkel und innen gerade einmal durch. Besser wäre es gewesen, wenn der Speck schon ordentlich Geschmack an das Hühnchen abgibt.

    PanadeDie gekochten Kartoffeln werden zu einem Püree zerdrückt und mit den Eiern vermischt. Falls die Masse zu flüssig wird, kann man etwas Mehl oder Kartoffelstärke hinzugeben. Gewürzt wird mit ein bisschen Salz und viel Zitrone.

    Nun muss man sich entscheiden, ob man Hühnchen in Zitronemantel oder Hühnchen und Zitronenpuffer machen möchte. Ich habe mich für das erste entschieden und die gefüllten Hühnchenstücke in der Zitronen-Kartoffel-Panade verpackt. Danach wurden sie in ein bisschen Sonnenblumenöl abgebraten.

    Fertig! Aufgrund der dicken Panade, welche man auch als Puffer servieren könnte, habe ich ich auf Beilagen verzichtet. Die ansonsten typischen Zitronenscheiben werden ebenfalls nicht benötigt. Eine Quarksoße könnte das Gericht noch etwas auflockern.

    Stop! Wo sind die Marillen? Und die Erdbeeren?

    Mit diesen habe ich ein leckeres Marillen-Erdbeer-Sorbet gemacht. Für alle, die mit dem Geschmack des Gerichtes nichts anfangen können. Es werden einfach Marillen und Erdbeeren entkernt und von Grünzeug befreit, in einen Mixer geworfen. Je nach Eigengeschmack Zucker hinzufügen. Danach kommt es in den Tiefkühlschrank. Soll es ein echtes Sorbet werden, muss man es etwa drei Stunden dort lassen. Immer wieder kontrollieren und etwas umrühren, damit es gleichmäßig gefriert. Am Ende wird es noch einmal kurz gemixt und dann serviert. Ich habe mich damit begnügt, dass es kalt war und nicht mehr ganz so flüssig war. Sehr lecker.

    Name des Gerichtes: Hühnchen in Zitronenmantel und Marillen-Erdbeer-Sorbet
    Die Kreativität ist schon für das Gericht verbraucht worden.

    Weitere Gerichte: MAYLAS OFENBERGE, caesars mediterrane Putenbrust mit Erdbeerbrötchen, Apfelbrust mit Sesamsprossen und Bambuskartoffeln (à la Ikarus), Ein Gourmet-Genuss;

    Ich werfe das Stöckchen weiter zu Martin.

  • Feedreader [stöckchen]

    Der MC Winkel hat ein Stöckchen einfach an alle Blogger, die er liest weiter geworfen und mich gleich noch in den Beitrag gepackt. Sonst könnte man ja behaupten, dass man nicht gewusst hat, dass man gelesen wird. Bei mir gibt es es dann einfach zur freien Entnahme. Das Glorreiche Sieben Stöckchen ist noch in Bearbeitung kommt, aber auch bald.

    Nun zum Feedreader-Stöckchen.

    1. Welchen Feedreader benutzt Du und seit wann?
    Früher habe ich Brief verwendet. Ein Firefox-Plugin, mit welchem man aber auch offline lesen kann. Dann bin ich auf Flock umgestiegen und habe den integrierten Feedreader genutzt.

    Als Firefox 3 kam, bin ich wieder umgestiegen und habe eine Zeit lang Brief verwendet. Doch ich war nicht wirklich zufrieden und so bin ich zum Google Reader zurück gekommen. Das dürfte vor ein paar Monaten gewesen sein.

    Hin und wieder verwende ich auch Feedly. Einfach so.

    Ich verwende den Reader jedoch nur zum schnellen scannen von Beiträgen. Den Ordner persönlich lese ich über das Bookmarklet, das der Google Reader zur Verfügung stellt. Dieses erlaubt es mir direkt zu den neuen Beiträgen der abonnierten Blogs zu navigieren.

    2. Wieviele Feeds hast Du abonniert, wieviele davon sind Blogs (in %)?
    147 Feeds. Über 95% sind Blogs.

    3. Wieviele feeds liest Du täglich (wöchentlicher Schnitt)?
    Feeds lese ich täglich 80% von denen die aktualisieren. Das schwankt.
    Beiträge lese ich täglich etwa 50.

    4. Dein meistgelesenster Feed/deutscher Blog-Feed?
    Niemandsdinge

    5. Welche Nachrichtenseiten hast Du abonniert (nenne max. 3)?
    Telekom-Presse

    6. Dein erstes und Dein letztes Blog im Reader?
    … I must be dreaming
    VS Geheim

    7. Lesegewohnheit: alphabetisch, chronologisch, durcheinander?
    Mit dem Bookmarklet, also die persönlichen Blogs, chronologisch.
    Im Reader thematisch>alphabetisch>chronologisch.

    8. Hast Du Blogs/Feeds, von denen Du nicht zugeben würdest, dass Du sie liest, im Reader?
    Nicht, dass ich wüsste.

  • Blogs sind scheiße! [metablogging]

    Als Einstieg empfehle ich Julie Paradise. Wieder da? Nichts verstanden? Kein Problem, ich versuche einen sanften Einstieg schließlich soll ich ja Leser haben, die ansonsten gar keine Blogs lesen und somit auch wenig von solchen Blogsphäre-Diskussionen mitbekommen.

    Gestoßen bin ich auf darauf bei Patsy Jones, die zuerst auf Don Dahlmann, f!xmbr und Nerdcore verweist bevor sie ihre Meinung zu Nullen und Einsen bringt. Die ganzen Beiträge, die nicht unbedingt kurz sind, sollte man sich nur zu Gemüte führen, wenn man sich für das Thema interessiert oder andere Meinungen lesen möchte. Ich werde jetzt eine kurze Zusammenfassung aus meiner Sicht schreiben und anschließend ein paar Punkte von mir hinzufügen.

    Dahlmann meint, dass die deutsche Blogosphäre sich in einem Tief befindet. Er macht das an der sinkenden Verlinkung innerhalb der deutschen Blogcharts (s.a.:Piratenblogcharts) fest. Er spricht von Professionalisierung, die durch mehrere bloggende Journalisten erreicht werden soll. Weiters soll es den Deutschen an Diskussionskultur und Medienkompetenz fehlen.

    Chris (f!xmbr) sieht das Problem wiederum in den käuflichen Journalisten, die sich in den Blogcharts breit machen. Blogger sollten unabhängig sein und wer Geld mit seinem Blog verdient ist sowieso schlecht und kann die Welt nicht verändern. Abschließend schließt er f!xmbr in diese Kritik mit
    ein.

    René (nerdcore) schreibt, dass Blogs, auch deutschsprachige, funktionieren und nimmt seinen eigenen als Beispiel. In seinen Augen sind nichtssagende Überschriften und unnötige Ausführungen eine Gefahr. Er meint, dass manche Blogs nicht funktionieren, weil sie Katzenbilder posten und über Blogs schreiben und zugleich findet er das gut.

    Patsy Jones findet, dass die Themen uninteressant, die Blogs hässlich und die Blogcharts sinnlos sind. Blogger kommen beinahe alle aus dem Medienbereich und Leute aus anderen Bereichen keine Lust zum bloggen haben. Die meisten Blogs, die sie selbst liest, erzählen sowieso Geschichten und haben keinen Anspruch zu informieren. Eigentlich sind wie sowieso alle Arschlöcher.

    Und noch ein paar Blogs, die für mich nicht funktionieren:
    maYo weil sein Beitrag einfach langweilig ist. Testspiel weil ich nichts davon habe. electru weil ein Satz mit drei Links maximal ein Tweet sein dürfte. Moppelkotze weil er die Leser vor den achso langen Texten warnt. wildbits weil ihn die Diskussion nicht interessiert, er aber dennoch darüber schreibt. NetzNews weil mir beim Lesen des Beitrags schlecht wurde.

    Ich finde die Diskussion spannend und sinnlos, gerate in eine selbstanklagende Situation und erkenne ein ständiges sich selbst widersprechen.

    Das liebe Geld und Amerika
    Eine Sache, die ich immer wieder lese und nicht verstehen ist die Geldfrage. Auf der einen Seite schaut man ständig zu den großen Blogs in Amerika, wo teilweise hauptberufliche Blogger dahinterstehen, und sagt dann, dass man mit dem Blog kein Geld verdienen soll, weil man dann käuflich ist und nur noch für hohe Besucherzahlen schreibt. Ich schreibe hauptsächlich für meine Leser, teilweise für Besucher, teilweise für Google. Ich schreibe bezahlte Beiträge und bin bereit Werbebanner zu schalten, reiße mich jedoch nicht darum und halte meinen Preis hoch. Blogs haben in Amerika vielleicht mehr Macht, aber sie sind auch käuflich, wie einige Skandale gezeigt haben. Verdiene ich meinen Lebensunterhalt mit Bloggen habe ich jeden Tag viele Stunden Zeit, um zu recherchieren und mich mit den Themen auseinanderzusetzen. Dadurch könnte ich eine höhere Qualität bieten. Auf der anderen Seite stünde ich unter Druck. Bleiben die Besucher aus hat es teils dramatische Folgen. So etwas kann man durch kluge Werbeformen vermeiden. Frei ist niemand. Irgendwoher muss die Zeit fürs bloggen kommen.

    Was heißt funktionieren?
    Von all den Bloggern ist sich keiner wirklich sicher was funktionieren heißt. Manche sprechen von Besucherzahlen, andere von Einnahmen und wieder andere von Macht und Einfluss. Funktionieren an sich kann etwas nicht. Ein Auto funktioniert nicht, sondern das Fahren mit dem Auto funktioniert. Das Einschalten des Fernsehers funktioniert. Das Geld verdienen mit dem Blog funktioniert. Das Macht ausüben mit dem Blog funktioniert. Das schreiben was man will funktioniert. Wie oben angedeutet funktionieren Blogs für mich, wenn ich sie gerne lese. Widerspruch? Ja. Funktionieren gibt es nicht. Zuerst muss man definieren, was funktionieren bedeutet.

    Die oben als nicht funktionierenden Blogs aufgeführten funktionieren für mich nicht, aber sie sind ein Teil der Blogosphäre und leiten ihre Leser auf die Blogs, die die wichtigen Beiträge haben. Daher sind auch diese wichtig. Die helfen die Blogosphäre zusammenzuhalten.

    Keiner liest uns
    Es gibt viele Blogs. Blogs werden meist von Bloggern gelesen. Wenn man aus irgendwelchen Statistiken rauslesen möchte, wie viele Leser man haben könnte, dann sollte man erst nachschauen, was die Statistik bedeutet. Jemand ist online kann bedeuten, dass er ein 56k-Modem im Keller liegen hat, dass er einmal pro Woche seine Email abruft oder dass er täglich drei Stunden surft. Warum sollte man euch lesen? Behandelt ihr so wichtige Themen, die sonst nirgends vorkommen und niemanden interessieren? Seid ihr Sprachrohr für eine Minderheit? Muss die ganze Welt wissen, dass eure Katze heute nichts gegessen hat? René wird gelesen weil er Dinge postet, die Leute im Internet gerne haben. Da muss nicht viel Sinn dahinter sein, kann aber. Ich werde gelesen, weil ich meine Sicht der Dinge schreibe. Ich schreie einfach meine Meinung raus, manchmal gibt es Informationen, aber meistens nur Sichtweisen.

    Die Massenmedien beachten uns nicht
    Und das ist mir vollkommen egal. Ich besitze keinen Radio. Ich besitze keinen Fernseher. Ich besitze kein Zeitungsabo. Dennoch kann ich bei den meisten Themen mitreden, habe Informationen, die andere nicht haben. Während sie nicht einmal alle Infos aus der ursprünglichen Agenturmeldung bekommen, kann ich mit ein paar Klicks weitere Hintergrundinformationen erfahren, die es nie in ein „klassisches Medium“ schaffen würden. Die anderen vertrauen den Medien meist blind, weil die Zeitung, der Sender doch Reputation hat. Ich muss alles in Frage stellen und kann manchen vertrauen, weil ich sie kenne. Meine Infos sind oft durch mehrere Gehirne gelaufen, die wirklich Ahnung davon haben und auch die Zeit, die dazu nötig ist. Was im Beitrag vergessen oder verheimlicht wurde, erfahre ich in Kommentaren, Trackbacks und anderen Blogs. Mir wird keine Objektivität, die nicht möglich ist, vorgemacht, sondern ich erfahre verschiedene Meinungen. Ich kaufe mir vielleicht einmal eine Zeitung/Magazin, weil ein Blogger darin einen Artikel veröffentlicht hat, weil ich den Journalisten kenne.

    Wie erreiche ich die Nichtblogger?
    Ganz sicher nicht indem man darüber schreibt, ob Blogs funktionieren oder nicht. Die Menschen sind da draußen und ich behaupte, dass ein großer Teil Blogs lesen würde, wenn er wüsste was es ist und wie er damit umzugehen hat. Dafür muss die Medienkompetenz gestärkt werden. Man kann es auch Aufklärung nennen. Blögger, wo ich die operative Leitung übernommen habe, versucht unter anderem genau das. „Interessierte Laien informieren“. Wir versuchen Wege zu finden die Leute da draußen zu erreichen. Immer wieder treffe ich auf Menschen, die ich für Blogs begeistern kann. Manche fangen selbst an zu bloggen, manche lesen nur. Ich glaube nicht, dass jeder bloggen sollte, aber ich bin der Meinung, dass zumindest jeder wissen sollte, was ein Blog ist. Gespräche an der Uni mit Publizistik- und Kommunikationswissenschaften-Studenten haben mich schockiert. Viele wissen nicht einmal was ein Blog ist.

    Man kann innerhalb der Blogosphäre noch so oft über das Thema diskutieren, so lange man es nicht schafft, die Menschen da draußen zu erreichen, bringen sie sowieso nichts.

    Und jetzt gehe ich kochen und blogge danach drüber…

    Bild 1: joelogon, Bild 2: robinhamman, Bild 3: donaldtownsend, Bild 4: doviende

  • PUA – Pick-Up Artist

    oder: Über notgeile Idioten

    Hinweis: Dieser Artikel beschäftigt sich nur mit einem Teil von PU. Es geht um Männer, die sich als PUA sehen, weil sie bestimmte Techniken anwenden, um Frauen ins Bett zu bekommen. PU hat jedoch noch andere Seiten. In diesem Zusammenhang bitte die Kommentare beachten.

    Wir stehen zu viert auf der Tanzfläche, als ich zum dritten Mal beobachte, wie ein Mann mit rotem Shirt äußerst offensiv ein Mädchen antanzt. Er nimmt sie an den Handgelenken, um so ein schnelles weitertanzen ihrerseits zu verhindern. In der Dunkelheit und dem blitzenden Licht nur schwer zu erkennen, ob sie sich dagegen wehrt. Bei genauerem hinsehen fallen ihre abweisenden Bewegungen auf, wie sie versucht sich aus seinem Griff zu winden. Er hält sie nicht brutal fest, ist jedoch stark genug, dass sie sich losreißen kann. Stattdessen lächelt er ihr freundlich ins Gesicht und tanzt. Ich bewege mich in ihre Richtung, schreie einem Freund noch ins Ohr, dass sich der notgeile Sack an sein drittes Opfer ranmacht. Bei ihr angekommen, greife ich ebenfalls nach ihren Armen. Durch einen kurzen Blickwechsel sichere ich meine Annahme ab, dass sie aus der Situation raus will. Während ich sie wegziehe, schiebe ich meinen Körper zwischen sie. Doch er gibt nicht einfach auf, geht ihr hinterher, wieder nach den Ohren greifend. Mit meinem Körper wehre ich ihn ab und lotse sie zu meinen Freunden. Wie bilden einen Kreis um sie und tanzen. Nach mehrmaligen erfolglosen umkreisen geht er auf und sie wieder zu ihren Freundinnen.

    So eine Aktion kann ins Auge gehen. Ich hätte schon bei der zweiten eingreifen können, doch war ich mir nicht sicher. Es hätte sein können, dass meine Annahme falsch und das handeln unberechtigt war. In diesem Fall war es das nicht. Als wir den Club verließen, habe ich mich kurz umgesehen. Man weiß nie wie solche Typen reagieren. Gedanken, die sich um diesen einen Abend drehen. Warum muss ich mich zwischen wildfremde Menschen drängen?

    Pick-Up Artist?
    Sie nennen sich Pick-Up Artists, abgekürzt PUA, nennen Frauen targets, stufen sie auf einer zehnteiligen Skala ein und meist ist ihr einziges Ziel eine ins Bett zu bekommen. Ich weiß nicht, ob es sich in diesem konkreten Fall um einen Pick-Up Artist gehandelt hat, aber er hat sich ähnlich verhalten. Eine aufdringliche Art, die die Frau zwar bedrängt, aber ihr dennoch das Gefühl geben soll frei entscheiden zu können. Was er nicht wirklich gemacht hat.

    Es ist schon Jahre her, dass ich das erste Mal mit Pick-Up Artists in Berührung gekommen bin. Damals war es in irgendeinem Forum, ich habe mich dann kurz eingelesen und es wieder vergessen. Doch das Thema hat sich immer wieder in meinen Weg gestellt und so habe ich mich wieder damit beschäftigt. Dieser Typ im Club war nur die letzte Erscheinungsform, die mich wieder dazu gebracht hat darüber nachzudenken und jetzt auch zu schreiben.

    Es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass man das Thema am besten erst gar nicht zum Gespräch machen sollte. Ich sehe es anders. Man kann es mit anderen Dingen vergleichen, wo es besser ist darüber zu sprechen, auch wenn man dadurch Nachahmer auf die Bildflächer rufen kann, als es zum Tabu zu machen. Ich möchte meine Überlegungen dazu festhalten und warum ich so negativ dazu eingestellt bin.

    Wer sich genauer über die Geschichte der PickUp Artists informieren möchte, sollte einmal bei Wikipedia reinschauen.

    The Game
    Aus meiner Sicht geht es um das Spiel jemanden kennen zu lernen, wobei es von den meisten in die Richtung missbraucht wird, dass sie nur mit jemanden schlafen wollen. Es gibt vielerlei „Lehrbücher“ und überteuerte Workshops von „großen“ Pick-Up Artists. Im deutschsprachigem Raum wurde es nach einer medialen Aufbereitung bekannter. Viele aus der Szene behaupten, dass es dadurch zerstört wurde und alle die jetzt anfangen den Ursprung nicht verstehen oder was auch immer. Ein Muster wie man es oft erkennen kann. „Wir waren die ersten und deshalb habt ihr keine Ahnung.“

    Grundgedanke ist, wie schon erwähnt, dass es sich um ein Spiel handelt. Mit dem kleinen Unterschied, dass nicht alle Beteiligten eingeweiht sind. Daher sage ich, dass sie mit den Frauen bzw. deren Gefühlen spielen. Liebe ist auch für mich in einem gewissen Sinne ein Spiel. Doch es gibt Grenzen und es müssen beide Personen ihren Spaß daran haben. Pick-Up Artists reden sich selbst ein gutes Gewissen ein, indem sie behaupten, dass Frauen das wollen. Sie wollen umworben werden und sind eigentlich auch nur auf Sex aus. Das ist einfach zu sagen, doch wenn man es genauer betrachtet Schwachsinn. Eine Frau will umworben werden, aber nicht lediglich zum Vorteil, zur Lustbefriedigung des Mannes. Umwerben bedeutet für mich auch zu geben ohne zu erwarten, dass etwas zurückkommt. Es geht darum der Frau eine Freude zu machen, nicht ihr dadurch ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn sie dafür nichts macht. Doch Pick-Up Artists gehen noch weiter. Sie sehen beispielsweise nicht ein warum sie einer Frau einen Drink spendieren sollten. Und wenn sie es doch tun, dann lediglich um sie für ein paar Minuten an sich zu binden, wo sie sie weiter bearbeiten können.

    Aufreißen nach System
    Was mich aufregt ist das systemische denken und handeln. Pick-Up Artists versuchen eine Gebrauchsanleitung für Frauen zu erfinden. Sie handeln nach einem Schema und gehen davon aus, wenn sie Aktion A machen, dass Ergebnis B herauskommt. Sie handeln nicht nach Gefühlen, sondern nach einer speziellen Struktur. Sie ordnen sich auch selbst auf einer Skala ein und sind dann wahnsinnig stolz auf sich, wenn sie mit einer Frau, die auf der Skala höher steht, geschlafen haben. Zum aufwärmen machen sie sich an Frauen, die unter ihnen stehen heran. Sie suchen sich Frauen, die unglücklich oder verzweifelt aussehen, wo sie sich hohe Chancen ausrechnen und sobald sie sie um den Finger gewickelt haben, lasse sie sie fallen. Das einzige was sie sich davon erwarten ist Selbstvertrauen für das eigentliche Ziel des Abends. Sie lernen mit Körben umzugehen, werden so kalt, dass es sie nicht mehr berührt und sie ohne mit der Wimper zu zucken weiterjagen können. Eine Frau nach der anderen. Hat es nicht funktioniert, nicht weiterprobieren sondern zur nächsten übergehen. Auf die Jagd gehen sie nicht alleine, sondern im Team. Sie studieren Situationen ein, wo zwei oder mehr Personen eingebunden sind. Sie treffen sich, um vergangene Erfolge zu besprechen und weitere Jagden zu planen. Frauen sind Zielobjekte und Trophäen. Sonst nichts. Beinahe verwunderlich, dass neben dem Aussehen auch die Intelligenz eine Rolle spielt, wenn eine Frau eingeordnet wird. Betrachtet man es jedoch von der Seite, dass es bei intelligenten Frauen schwieriger ist, logisch.

    Männer, die nicht mit Taktik spielen, sind Nice Guys. Ihre Treffer bloß Glück. Da würde ich gerne einmal das Verhältnis sehen. Wie viele Frauen ein Pick-Up Artist ansprechen muss und wie viele ein „Nice Guy“. Es gibt solche, die ein gutes System haben, denen es leicht fällt eine Frau um den Finger zu wickeln und dieser wird nicht auffallen, dass er spielt. Die meisten scheinen mir jedoch eher verzweifelte, notgeile Idioten zu sein, die dank ihrer Intelligenz vollkommen versagt haben und nun in diese Szene flüchten, um sich Tipps zu holen, wie sie es doch noch schaffen könnten. Profis wissen genau was sie tun und haben ihre Opfer fest im Griff. Die anderen gehen einfach über die Masse. Wenn sie zwanzig Frauen ansprechen, werden sie schon eine finden, bei der es klappt. Das wäre der eine Teil. Das Ziel billiger Sex. Pick-Up Artist ist aber schon eine Lebenseinstellung.

    Polygame Beziehung
    Höchstes Ziel eines Pick-Up Artist ist eine Beziehung mit mehreren Frauen, die voneinander wissen und dies akzeptieren. Sollte eine Frau jedoch einen anderen kennen lernen oder gar mit ihm schlafen, steht sie sofort auf der schwarzen Liste. Diese Einseitigkeit macht sie noch unsympathischer, auch wenn es wohl nur wenige gibt, die in solch eine Situation kommen. Sie setzen aber ihr Wissen gezielt in Beziehungen ein. Dies beginnt bei Kleinigkeiten, wie das abwarten mit dem Antworten auf eine SMS, weil man ansonsten ja signalisieren könnte, dass sein Leben ansonsten nichts zu bieten hat und man nur darauf gewartet hat, bis hin zu absichtlichem zu spät kommen, eifersüchtig machen und nachspionieren. Man macht der Frau ein schlechtes Gewissen und sorgt dafür, dass man sie vollkommen in der Hand hat.

    Eine Gefahr?
    Weder als Mann noch als Frau muss man Angst haben, dass nun eine Horde notgeiler Idioten durch die Lokale streift und sich alles schnappt, das zwei Brüste und eine Vagina hat. Einerseits gibt es nach meinem Wissen nicht besonders viele und andererseits stellen sich die meisten dämlich an. Dennoch sind es die wenigen, die viel unterwegs sind und viele anmachen und einzelne sind darin gut. Was eher Sorgen machen sollte sind die Folgen bei einer Frau, die von solch einem Idiot ausgenutzt wird und es dann bemerkt. Sobald sich jemand versucht an sie anzunähern hält sie ihn für einen PickUp Artist und geht in die Defensive. Sie verliert das Vertrauen. Je nachdem wie weit der notgeile Idiot gegangen ist, wird es für sie sehr schwer wieder eine Beziehung einzugehen.

    Kurzfristig und Langfristig
    Mit System mag es einfacher sein jemanden für sich zu gewinnen, doch auf Dauer kann dies nicht funktionieren, da man die Person ständig belügt indem ihr etwas vormacht das nicht ist und sie ausnützt. Es ist nichts dagegen einzuwenden jemanden beim ausgehen kennen zu lernen und möglicherweise Spaß mit dieser Person zu haben, aber man sollte immer fair bleiben und sich Gedanken darüber machen wie weit man geht.

    Langfristig kann ich mit einer Person nur glücklich werden, wenn das Fundament ehrlich und aufrichtig ist.

    Bild 1: stevewhite, Bild 2: robotgoboom, Bild 3: DCvision2006, Bild 4: nattu


  • Was ist Schönheit?

    Schlank„Sieh mal die Kleine da drüben. Die ist ja heiß.“
    „Ih, die ist ja viel zu fett. Dass die sich überhaupt traut etwas bauchfreies zu tragen. Da schwabbelt ja alles.“
    „Na besser als deine magersüchtige Freundin. Das ist ja pervers, wenn die im Bikini unterwegs ist. Man sieht jede einzelne Rippe.“
    „Na klar sieht man die. Weil sie eben nicht so fett ist wie die da drüben. Schau dich mal um, Rubens ist gestern.“

    Jedes Gramm ist zuviel. Am besten sieht eine Frau aus, wenn sie nur noch ein Skelett mit ein paar Hautfetzen ist. Diese dürfen aber auf keinem Fall glänzen. Könnte ja Fett sein. Schon Kleinkinder müssen Diät machen und bekommen eine spezielle Ernährung, die verhindert, dass sie dick werden. Begründet wird es mit der Möglichkeit, dass das Kind gehänselt werden könnte. Dicke Kinder haben es sowieso schwerer. Im Sport, beim Freunde finden, beim Schönheitswettbewerb.

    Habt ihr schon einmal dünne Eltern mit dicken Kindern gesehen? Dicke Eltern mit dünnen Kindern? Abgesehen von einigen Ausnahmen sehen Kinder oft so aus wie ihre Eltern. Sind diese etwas fülliger, machen sie sich auch nicht so viele Sorgen, wenn ihre Kinder es sind. Bei schmalen Eltern ist es sofort eine Katastrophe, wenn die Kinder ein paar Gramm zuviel auf den Hüften haben.

    Es ist pervers bei Kindern von Fett auf den Hüften zu sprechen und es ist pervers, wie manche Kinder aussehen. Immer wieder fallen sie mir in der U-Bahn auf. Gerade letztens ein Junge, der eine McDonalds-Tüte auf dem Arm hatte. Gefüllt mit Hamburgern und Pommes. In der Hand ein halber Liter Cola. Seine Wurstfinger verschwanden immer wieder in der Tüte und stopften das all die leckeren Dinge in sein kleines Mäulchen. Dass ihm dabei schon die Soße aus den Mundwinkeln lief und auf sein Shirt tropfte viel ihm gar nicht mehr auf. Er merkte auch nicht, wie ich in von der Seite beobachtete, musterte. Erziehungsberechtigte oder Freunde konnte ich keine ausmachen. Der Zeit nach kam er gerade aus der Schule und war nun auf dem Nachhauseweg. Zuvor noch schnell zu „Mecces“. Weil es ja so lecker ist. All die Geschmacksverstärker, die den Gaumen umspielen. Der saftige Abgang und die kräftige Süße des Colas. Welch ein Genuss.

    Ich schaue weg. Warum er das macht? Warum das Kind so ist? Seine Eltern oder die Gesellschaft? Beides?

    Früher war ich gerne beim McDonalds. Auch bei Burgerking. Schnell, preiswert und lecker. Auch heute bin ich noch manchmal dort. Ich genehmige mir auch öfters eine Pizza unterwegs. Oder ein Kebap. Wenn ich selbst koche habe ich nichts gegen ein bisschen mehr Butter. Es muss immer zum Gericht passen, doch Fett habe ich nie aus der Küche verbannt. Dafür ist es zu gut.

    Was unterscheidet mich von dem Jungen?

    Ein paar Meter weiter sitzt ein Mädchen. Auf den Boden blickend. Etwas unglücklich. Sie hat dunkle Augenringe, ein weißes Shirt und enge Jeans. Ich würde sie gerne fragen, wie sie sich fühlt. Wie viele Kilo sie wiegt und für wen. Sie gehört zu den Menschen, die in der Früh ein Glas Wasser trinken, zu Mittag vielleicht ein Stück Obst oder auch nur einen kleinen Fruchtsaft. Am Abend ein Stück Brot. Sie hat keine Fressanfälle und bringt sich nicht zum erbrechen. Sie ist nur wenig. Sehr wenig. Ihr Körper ist heruntergekommen. Hat all seine natürlichen Rundungen verloren. An ihrer verkrampften Sitzweise sieht man, dass der Druck auf ihre Knochen nicht durch einen kleinen Fettpolster verteilt wird. Punktueller Druck.

    Es gibt einen Witz. Der Dicke sagt zum Dünnen: „Wenn man dich so ansieht, könnte man meinen, dass eine Hungersnot ausgebrochen ist.“ Der Dünne zum Dicken: „Und wenn man dich ansieht, weiß man auch wer daran Schuld ist.“

    Ich habe ihn früher nicht lustig gefunden und kann auch heute nicht drüber lachen. Dennoch drückt er etwas aus. Wir haben genug Nahrungsmittel, schaffen es aber nicht damit umzugehen. Man schiebt die Schuld auf alles mögliche. Die Gesellschaft, die Erziehung, die Werbung, Gruppendruck und Liebe. „Für dich nehme ich ab.“ „Ich will nur, dass du dich wohl fühlst.“

    Im Zentrum steht ein Schönheitsideal. Eines?!
    Aus den Hochglanzmagazinen lächeln uns gephotoshopte Models mit und ohne Magersucht an. Manche Unternehmen geben vor möglichst natürliche Menschen zu verwenden und machen das nicht einmal so schlecht. Im Fernsehen sehen wir Shows, in denen gut geformte Menschen weniger gut geformten Menschen zeigen wie sie sich selbst formen können. Im Freundeskreis gibt es jene, die essen können ohne Ende und dennoch nicht zunehmen. Wir kennen Personen, die den gephotoshopten Models ähnlich sehen und welche, die besser in eine Fernsehshow für Übergewichtige gehören. Wir sind politcally correct und sagen, dass das doch alles normal wäre. Wir empfehlen den einen mehr zu essen und den anderen Sport. Wir lesen von tausenden Diäten, die in kürzester Zeit die Kilos purzeln lassen und von anderen, nach denen man am besten gleich sein ganzes Leben ändert, da man sonst in den nächsten fünf Jahren einen Herzinfarkt bekommt. Das Fitnesstudio lockt mit günstigen Preisen und der Lebensmittelhandel mit Produkten ohne Fett.

    Wir dürfen keinen Zucker mehr essen und nichts mit Fett essen. Süßungsmittel sollen schlecht sein und Getreide auch. Uns wird etwas von Ernährungspyramiden erzählt und wir müssen Sport machen. Neu entwickelte Sportarten, die ganz viele Muskeln beanspruchen und besonders viel Fett verbrennen. Wir müssen supertolle Spezialgetränke trinken und uns an spezielle Geräte anschließen, damit auch alles überwacht wird. Am Ende stellen wir uns doch nur auf die Waage, drehen uns einmal vorm Spiegel und sind noch immer unzufrieden. Man sagt uns, dass Muskeln ja schwerer als Fett sind. Man könnte auch sagen, dass sie kleiner sind, das tut man aber nicht.

    In unserem Kopf ist noch immer das Bild vom gephotoshopten Model.

    Ich schaue wieder zu dem Jungen. Er schleckt sich seine Finger ab. Dann sieht er mich und starrt mich an. Ich lächle gespielt und schau zum Mädchen. Es nimmt einen Schluck aus seiner Wasserflasche. Auch ihr Blick trifft mich. Noch ein gezwungenes lächeln, dann steige ich aus. Meine Hand fährt über meinen Bauch und zieht durch das Shirt daran. Ich fühle das Fett zwischen meinen Fingern.

    Ich glaube nicht daran, dass man schön ist, nur weil man sich in seinem Körper wohl fühlt. Auch der dicke Junge hat sich wohl fühlen können. So etwas kann man sich einreden. Bis der Kopf es glaubt. Manche Eltern unterstützen so etwas. Bewusst oder unbewusst.

    Mein BMI entspricht dem Idealwert. Wohl fühle ich mich deshalb nicht unbedingt. Ich mache zu schnell schlapp, wenn ich laufe. Ich sehe meinen Bauch im Spiegel und schäme mich. Auch dafür, dass ich so unzufrieden mit mir bin. Andere Menschen behaupten dennoch, dass mein Körper gut aussieht. Das ist nett und politically correct. Bringt mir aber nichts. Ich weiß, dass mein Körper nicht so ist, wie er sein sollte. Das kann ich mir auch von einem Arzt bestätigen lassen.

    Was ist Schönheit?
    Gesund ist schön.

    Update: Denis sagt:

    Schönheit ist in einem Lächeln und in einem Augenblick.

    Stimmt.

    Dominik hat eine Aktion gestartet. Abnehmen 2.0. Ich bin dabei. Für die Gesundheit.

    Bild: sean dreilinger