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PUA – Pick-Up Artist

oder: Über notgeile Idioten

Hinweis: Dieser Artikel beschäftigt sich nur mit einem Teil von PU. Es geht um Männer, die sich als PUA sehen, weil sie bestimmte Techniken anwenden, um Frauen ins Bett zu bekommen. PU hat jedoch noch andere Seiten. In diesem Zusammenhang bitte die Kommentare beachten.

Wir stehen zu viert auf der Tanzfläche, als ich zum dritten Mal beobachte, wie ein Mann mit rotem Shirt äußerst offensiv ein Mädchen antanzt. Er nimmt sie an den Handgelenken, um so ein schnelles weitertanzen ihrerseits zu verhindern. In der Dunkelheit und dem blitzenden Licht nur schwer zu erkennen, ob sie sich dagegen wehrt. Bei genauerem hinsehen fallen ihre abweisenden Bewegungen auf, wie sie versucht sich aus seinem Griff zu winden. Er hält sie nicht brutal fest, ist jedoch stark genug, dass sie sich losreißen kann. Stattdessen lächelt er ihr freundlich ins Gesicht und tanzt. Ich bewege mich in ihre Richtung, schreie einem Freund noch ins Ohr, dass sich der notgeile Sack an sein drittes Opfer ranmacht. Bei ihr angekommen, greife ich ebenfalls nach ihren Armen. Durch einen kurzen Blickwechsel sichere ich meine Annahme ab, dass sie aus der Situation raus will. Während ich sie wegziehe, schiebe ich meinen Körper zwischen sie. Doch er gibt nicht einfach auf, geht ihr hinterher, wieder nach den Ohren greifend. Mit meinem Körper wehre ich ihn ab und lotse sie zu meinen Freunden. Wie bilden einen Kreis um sie und tanzen. Nach mehrmaligen erfolglosen umkreisen geht er auf und sie wieder zu ihren Freundinnen.

So eine Aktion kann ins Auge gehen. Ich hätte schon bei der zweiten eingreifen können, doch war ich mir nicht sicher. Es hätte sein können, dass meine Annahme falsch und das handeln unberechtigt war. In diesem Fall war es das nicht. Als wir den Club verließen, habe ich mich kurz umgesehen. Man weiß nie wie solche Typen reagieren. Gedanken, die sich um diesen einen Abend drehen. Warum muss ich mich zwischen wildfremde Menschen drängen?

Pick-Up Artist?
Sie nennen sich Pick-Up Artists, abgekürzt PUA, nennen Frauen targets, stufen sie auf einer zehnteiligen Skala ein und meist ist ihr einziges Ziel eine ins Bett zu bekommen. Ich weiß nicht, ob es sich in diesem konkreten Fall um einen Pick-Up Artist gehandelt hat, aber er hat sich ähnlich verhalten. Eine aufdringliche Art, die die Frau zwar bedrängt, aber ihr dennoch das Gefühl geben soll frei entscheiden zu können. Was er nicht wirklich gemacht hat.

Es ist schon Jahre her, dass ich das erste Mal mit Pick-Up Artists in Berührung gekommen bin. Damals war es in irgendeinem Forum, ich habe mich dann kurz eingelesen und es wieder vergessen. Doch das Thema hat sich immer wieder in meinen Weg gestellt und so habe ich mich wieder damit beschäftigt. Dieser Typ im Club war nur die letzte Erscheinungsform, die mich wieder dazu gebracht hat darüber nachzudenken und jetzt auch zu schreiben.

Es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass man das Thema am besten erst gar nicht zum Gespräch machen sollte. Ich sehe es anders. Man kann es mit anderen Dingen vergleichen, wo es besser ist darüber zu sprechen, auch wenn man dadurch Nachahmer auf die Bildflächer rufen kann, als es zum Tabu zu machen. Ich möchte meine Überlegungen dazu festhalten und warum ich so negativ dazu eingestellt bin.

Wer sich genauer über die Geschichte der PickUp Artists informieren möchte, sollte einmal bei Wikipedia reinschauen.

The Game
Aus meiner Sicht geht es um das Spiel jemanden kennen zu lernen, wobei es von den meisten in die Richtung missbraucht wird, dass sie nur mit jemanden schlafen wollen. Es gibt vielerlei „Lehrbücher“ und überteuerte Workshops von „großen“ Pick-Up Artists. Im deutschsprachigem Raum wurde es nach einer medialen Aufbereitung bekannter. Viele aus der Szene behaupten, dass es dadurch zerstört wurde und alle die jetzt anfangen den Ursprung nicht verstehen oder was auch immer. Ein Muster wie man es oft erkennen kann. „Wir waren die ersten und deshalb habt ihr keine Ahnung.“

Grundgedanke ist, wie schon erwähnt, dass es sich um ein Spiel handelt. Mit dem kleinen Unterschied, dass nicht alle Beteiligten eingeweiht sind. Daher sage ich, dass sie mit den Frauen bzw. deren Gefühlen spielen. Liebe ist auch für mich in einem gewissen Sinne ein Spiel. Doch es gibt Grenzen und es müssen beide Personen ihren Spaß daran haben. Pick-Up Artists reden sich selbst ein gutes Gewissen ein, indem sie behaupten, dass Frauen das wollen. Sie wollen umworben werden und sind eigentlich auch nur auf Sex aus. Das ist einfach zu sagen, doch wenn man es genauer betrachtet Schwachsinn. Eine Frau will umworben werden, aber nicht lediglich zum Vorteil, zur Lustbefriedigung des Mannes. Umwerben bedeutet für mich auch zu geben ohne zu erwarten, dass etwas zurückkommt. Es geht darum der Frau eine Freude zu machen, nicht ihr dadurch ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn sie dafür nichts macht. Doch Pick-Up Artists gehen noch weiter. Sie sehen beispielsweise nicht ein warum sie einer Frau einen Drink spendieren sollten. Und wenn sie es doch tun, dann lediglich um sie für ein paar Minuten an sich zu binden, wo sie sie weiter bearbeiten können.

Aufreißen nach System
Was mich aufregt ist das systemische denken und handeln. Pick-Up Artists versuchen eine Gebrauchsanleitung für Frauen zu erfinden. Sie handeln nach einem Schema und gehen davon aus, wenn sie Aktion A machen, dass Ergebnis B herauskommt. Sie handeln nicht nach Gefühlen, sondern nach einer speziellen Struktur. Sie ordnen sich auch selbst auf einer Skala ein und sind dann wahnsinnig stolz auf sich, wenn sie mit einer Frau, die auf der Skala höher steht, geschlafen haben. Zum aufwärmen machen sie sich an Frauen, die unter ihnen stehen heran. Sie suchen sich Frauen, die unglücklich oder verzweifelt aussehen, wo sie sich hohe Chancen ausrechnen und sobald sie sie um den Finger gewickelt haben, lasse sie sie fallen. Das einzige was sie sich davon erwarten ist Selbstvertrauen für das eigentliche Ziel des Abends. Sie lernen mit Körben umzugehen, werden so kalt, dass es sie nicht mehr berührt und sie ohne mit der Wimper zu zucken weiterjagen können. Eine Frau nach der anderen. Hat es nicht funktioniert, nicht weiterprobieren sondern zur nächsten übergehen. Auf die Jagd gehen sie nicht alleine, sondern im Team. Sie studieren Situationen ein, wo zwei oder mehr Personen eingebunden sind. Sie treffen sich, um vergangene Erfolge zu besprechen und weitere Jagden zu planen. Frauen sind Zielobjekte und Trophäen. Sonst nichts. Beinahe verwunderlich, dass neben dem Aussehen auch die Intelligenz eine Rolle spielt, wenn eine Frau eingeordnet wird. Betrachtet man es jedoch von der Seite, dass es bei intelligenten Frauen schwieriger ist, logisch.

Männer, die nicht mit Taktik spielen, sind Nice Guys. Ihre Treffer bloß Glück. Da würde ich gerne einmal das Verhältnis sehen. Wie viele Frauen ein Pick-Up Artist ansprechen muss und wie viele ein „Nice Guy“. Es gibt solche, die ein gutes System haben, denen es leicht fällt eine Frau um den Finger zu wickeln und dieser wird nicht auffallen, dass er spielt. Die meisten scheinen mir jedoch eher verzweifelte, notgeile Idioten zu sein, die dank ihrer Intelligenz vollkommen versagt haben und nun in diese Szene flüchten, um sich Tipps zu holen, wie sie es doch noch schaffen könnten. Profis wissen genau was sie tun und haben ihre Opfer fest im Griff. Die anderen gehen einfach über die Masse. Wenn sie zwanzig Frauen ansprechen, werden sie schon eine finden, bei der es klappt. Das wäre der eine Teil. Das Ziel billiger Sex. Pick-Up Artist ist aber schon eine Lebenseinstellung.

Polygame Beziehung
Höchstes Ziel eines Pick-Up Artist ist eine Beziehung mit mehreren Frauen, die voneinander wissen und dies akzeptieren. Sollte eine Frau jedoch einen anderen kennen lernen oder gar mit ihm schlafen, steht sie sofort auf der schwarzen Liste. Diese Einseitigkeit macht sie noch unsympathischer, auch wenn es wohl nur wenige gibt, die in solch eine Situation kommen. Sie setzen aber ihr Wissen gezielt in Beziehungen ein. Dies beginnt bei Kleinigkeiten, wie das abwarten mit dem Antworten auf eine SMS, weil man ansonsten ja signalisieren könnte, dass sein Leben ansonsten nichts zu bieten hat und man nur darauf gewartet hat, bis hin zu absichtlichem zu spät kommen, eifersüchtig machen und nachspionieren. Man macht der Frau ein schlechtes Gewissen und sorgt dafür, dass man sie vollkommen in der Hand hat.

Eine Gefahr?
Weder als Mann noch als Frau muss man Angst haben, dass nun eine Horde notgeiler Idioten durch die Lokale streift und sich alles schnappt, das zwei Brüste und eine Vagina hat. Einerseits gibt es nach meinem Wissen nicht besonders viele und andererseits stellen sich die meisten dämlich an. Dennoch sind es die wenigen, die viel unterwegs sind und viele anmachen und einzelne sind darin gut. Was eher Sorgen machen sollte sind die Folgen bei einer Frau, die von solch einem Idiot ausgenutzt wird und es dann bemerkt. Sobald sich jemand versucht an sie anzunähern hält sie ihn für einen PickUp Artist und geht in die Defensive. Sie verliert das Vertrauen. Je nachdem wie weit der notgeile Idiot gegangen ist, wird es für sie sehr schwer wieder eine Beziehung einzugehen.

Kurzfristig und Langfristig
Mit System mag es einfacher sein jemanden für sich zu gewinnen, doch auf Dauer kann dies nicht funktionieren, da man die Person ständig belügt indem ihr etwas vormacht das nicht ist und sie ausnützt. Es ist nichts dagegen einzuwenden jemanden beim ausgehen kennen zu lernen und möglicherweise Spaß mit dieser Person zu haben, aber man sollte immer fair bleiben und sich Gedanken darüber machen wie weit man geht.

Langfristig kann ich mit einer Person nur glücklich werden, wenn das Fundament ehrlich und aufrichtig ist.

Bild 1: stevewhite, Bild 2: robotgoboom, Bild 3: DCvision2006, Bild 4: nattu


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