Monat: Dezember 2008

  • Spenden ohne zu spenden

    Uns geht es gut. Sehr gut. Wir haben einen Computer und Internet. Wahrscheinlich sitzen wir in unserer beheizten Wohnung, werden am Abend auf einem Weihnachtsmarkt Punsch trinken oder mit Freunden einen Film genießen. Es geht nicht allen so gut. Um ihnen zu helfen, müssen wir aber kein Geld verschenken. Über eine neue alte Art zu spenden.

    Spenden gestern

    Kalter Winternachmittag. Hunderte Menschen wusseln durch Einkaufstraßen. An ihrer Hand Kinder, die vor jeder Auslage mit großen Augen stehen bleiben. Sie zeigen auf riesige Plüschbären, eine elektrische Eisenbahn oder den bunten Nussknacker. Ihre Eltern ziehen sie weiter. Hin und wieder stehen Menschen mit einer Blechdose da. Sie erzählen etwas von verwaisten Kindern, Heimatlosen und der Kälte. Manchmal wirft jemand ein paar Münzen in die Dose. Nur selten Scheine. Es funktioniert, weil die Leute ein schlechtes Gewissen bekommen. Anderen geht es schlecht, während sie Geschenke einkaufen. Oft Dinge, die nicht nützlich sind. Einmal davon abgesehen, dass Kinder ohne Spaß ein Problem haben. Aber dafür braucht es keine elektrische Eisenbahn, die nach einmal aufbauen und ein bisschen herumfahren wieder langweilig ist. Die Spenden sind punktuell und meist sehr klein.

    Spenden heute

    Ich bin auf dem Weg zur Arbeit. Ich sehe sie schon von weitem. Sie stehen mit ihren Mappen mitten auf dem Gehsteig, sprechen Leute an, von denen sie glauben, sie könnten sie überzeugen. Ich sehe sie meist freundlich an. Wie die meisten Leute. Dann kommen sie auf mich zu. Ich schüttle den Kopf, grinse etwas. Manchmal stellen sie sich mir einfach in den Weg, manchmal halten sie mich beim Arm weg. Dann werde ich meist etwas aggressiv. Was sie sich dabei denken. Viel öfter habe ich ein paar Minuten. Als erstes sage ich, dass es verschwendete Zeit ist. Doch sie denken anders, da ich bereits stehen geblieben bin. Mehr als viele andere machen. Sie beginnen zu erzählen. Meist von Menschenrechten oder Tierschutz. In ihren Mappen haben sie ekelige Bilder, um ihre Erzählung zu verstärken. Ich höre aufmerksam zu. Wenn sie schon beim Formular angekommen sind, manchmal früher, beginnt mein Part. Ich stelle Fragen. Beim Tierschutz geht es meist um Wissen, das sie nicht haben. Ich beginne mit Logik. Füge Dinge zusammen und erklären ihnen, warum es so nicht funktioniert, warum es sinnlos ist hier zu stehen, warum ich nicht unterschreiben werde. Nach ein paar Minuten kommt dann der Gruppenleiter. Entweder er wimmelt mich ab oder übernimmt selbst. Immer auf einen Abschluss drängend. Bis sie aufgeben und ich weitergehe. Teilweise bin ich oder meine Familie bereits Mitglied bei den Organisationen.

    Sie bauen auf die Trägheit der Menschen, wollen einen Vertrag abschließen, damit sie monatlich oder jährlich abbuchen dürfen. Die einzelnen Beträge klein, doch es summiert sich und wenn man bei verschiedenen Organisationen ist, wird es schnell zu viel. Oft werde ich mehrmals pro Woche angesprochen. Manchmal sogar mehrmals täglich. Die Spenden sind regelmäßig, aber ich baue eine Abneigung gegen Organisationen auf, die mich immer öfter nerven.

    Spenden morgen

    Ich surfe durchs Web. Lese ein paar Blogs, da entdecke ich ein Weihnachstgeschenk. Ein Buch, das sich jemand schon lange gewünscht hat. Ich rufe Amazon auf, schnell ist es gefunden. In ein Einkaufskorb damit. Noch ein paar Dinge für mich. Ich klicke auf bestellen. Zwei Tage später kommen die Pakete an. Eines bei mir und eines bei meinem Freund. Das Geld wurde einfach von meinem Konto abgebucht. Spenden war noch nie so einfach.

    Das Ganze funktioniert über eine Firefox-Extension von Sebastian Moser für den Verein Laafi. Amazon wird dabei gesagt, dass Laafi zum Kauf dieses Produktes bewegt hat und somit gibt es einen Prozentsatz (um die 5%) als Werbekostenrückerstattung für den Verein. Ich habe dadurch keine Mehrkosten und spende genau dann, wenn ich auch Geld ausgebe. Es ist einfach zu verwenden und ihr könnt beim Weihnachtseinkauf etwas Gutes tun ohne Geld dafür herzugeben. Amazon profitiert davon auch noch, weil ihr dort und nicht woanders einkauft. Weitere Infos.

    Spenden mit Gegenwert

    Eine bewährte Methode. Jemand erstellt etwas ehrenamtlich und verkauft dies. Eine weitere Methode des Spenden ohne zu Spenden, die allerdings schon lange existiert. Wir kennen das klassische Bild der Pfadfinder, die von Türe zu Türe gehen und Kekse verkaufen. In Europa weiter verbreitet sind Kuchen die bei Schulveranstaltungen verkauft werden. Hier kommt eine Sache ins Spiel, die immer wichtiger wird. Vertrauen. Was passiert mit dem Geld danach? Wer garantiert mir, dass das Geld auch wirklich zum angegebenen Zweck verwendet wird? Im Social Web kommt die persönliche Verbindung zum tragen. Ich möchte an dieser Stelle zwei weitere Aktionen vorstellen.

    Der Laafi-Kalender
    Ein Kalender mit großartigen Fotos aus Afrika. Gespendet wird damit für den Laafi-Verein. Wenn ich lese, dass ein Fußball-Kalender 20€ kostet, erscheinen mir 10€ als günstig. Etwa 8€ gehen dabei als Spende an den Verein. Hinter dem Kalender steht unter anderem Helge Fahrnberger, der auch einige der Fotos gemacht hat. Helge keine ich seit ich in Wien bin und er hat mein Vertrauen, dass das Geld seinem Bestimmungszweck zugeführt wird. Wer noch ein Weihnachstgeschenk für Eltern, Tanten, Freunde sucht, kann den Kalender hier bestellen.

    Weihnachtsauktion
    Hans-Peter Manzenreiter versteigert in seinem Blog ein Bild von Sandra Schierz. Das Bild könnt ihr links sehen. Die Auktion läuft 14 Tage. Der Gedanke dahinter ist, dass man über eine solche Auktions-Aktion mehr Geld auftreiben kann, als wenn man einfach spendet. Man spendet seine Fähigkeit in einem speziellen Bereich. Der Erlös wird an Licht ins Dunkel gespendet. Auch Hans-Peter kenne ich persönlich und vertraue ihm. Eine größere Version des Bildes findet ihr hier. Mein erstes Gebot habe ich bereits abgegeben. Das Bild würde sich gut über meinem Sofa machen. Dennoch fordere ich alle auf gegen mich zu bieten, damit das Bild zu einem guten Wert versteigert wird. Mitsteigern.

    Zusammengefasst: Firefox-Extension installieren, Afrika-Kalender bestellen und Bild ersteigern. Alles für einen guten Zweck und ohne Geld zu verschenken.

  • Facebook Connect verbindet alles

    … mit Facebook.

    Wie Facebook sich erneut zum Mittelpunkt des Internet macht indem es durch Einfachheit und falsche(?) Offenheit glänzt. Ein neuer Service, der Entwicklern und Usern das Netzleben einfacher machen soll. Und wie man das ganze im eigenem WordPress-Blog integriert.

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    CC credit: Andrew Feinberg

    Kurze Geschichte

    Es gib verschiedene Services, die versuchen das Account-Chaos vieler User in den Griff zu bekommen. Gemeint sind sogenannte Single-Sign-On Systeme. Das bekannteste unter ihnen OpenID. Man kann sich entweder bei einem OpenID-Anbieter anmelden oder seinen eigenen OpenID-Server aufsetzen. Nachdem Google, IBM, Myspace und Microsoft sich hinter den Standard gestellt haben, sahen ihn viele bereits als durchgesetzt an. Auch bitten eine Großzahl von Webdiensten OpenID als Registrierungsmöglichkeit an. Dennoch ist der große Boom ausgeblieben. Vor allem User, die nur wenig im Web unterwegs sind, können mit dem Dienst wenig anfangen, weil sie noch nicht verstanden haben, warum sie sich auf einer weiteren Website anmelden sollen, wenn sie doch zu einer anderen wollen. Nun kommt Facebook und meint die User kennen Facebook, haben dort einen Account und mit dem könnten sie sich auch woanders anmelden. Das Profil von Facebook nehmen sie einfach mit. Zusätzlich ist es möglich wieder Daten an Facebook zu schicken, weil die User ja zeigen wollen, was sie alles machen.

    Ähnliches hat Facebook bereits im November 2007 versucht. Sie nannten es Beacon und taten sich mit großen Webdiensten, darunter beispielsweise Amazon, zusammen. Kaufte man nun einen Artikel bei Amazon, erschien dies im Profil bei Facebook. Damals ging ein Aufschrei durch die Blogosphäre und Facebook musste das Feature zurückziehen.

    Wie funktioniert Facebook Connect?

    Facebook Connect könnte man auch Beacon 2.0 nennen. Aber 2.0 ist das neue 2000. Daher nennt man es freundlich Connect und alle sind glücklich. Ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Facebook Connect bringt im Gegenteil zu Beacon eine Verbindung in zwei Richtungen und der User muss sagen, dass er den Service mit seinem Account verbinden will.

    Man kann sich nun mithilfe von Facebook Connect bei jeder Seite registrieren, die dies ermöglicht. Momentan sind mir nur sehr wenige bekannt, aber ich bin mir sicher, dass sich dies bald ändern wird. Vor allem kleine Seiten werden sich auf Connect stürzen. Das liegt ganz einfach daran, dass Facebook Connect Traffic bringt. Und darauf stehen ja alle. Es sind jedoch nicht irgendwelche Google-Besucher, die eine spezielle Info suchen und dann wieder verschwinden, sondern die Freunde und Bekannten von einem User, der etwas aktiv auf der Seite gemacht hat. Als Beispiel nehme ich jetzt einfach meinen Blog, wo ich Facebook Connect probeweise integriert habe. Kommt ein User auf den Blog sieht er in der Sidebar den Facebook Connect Button. Klickt er darauf, öffnet sich ein ihm bekanntes Pop-Up, wo er sich zu Facebook einloggen kann. Danach ist er Mitglied der Community der Seite. Sein Bild wird in der Sidebar und der Community-Seite angezeigt. Von WordPress wird er forthin als registrierter User behandelt. Dadurch wäre es auch ein leichtes zusätzliche Features für Community-Mitglieder anzubieten. Das Profil wird einfach mit den Facebook-Daten gefüllt.

    Vorteile von Facebook Connect

    Facebook hat mit seiner Öffnung für Dritt-Entwickler sehr erfolgreich gezeigt, wie man andere Leute für sich arbeiten lassen kann. Die Entwickler profitierten von den großen User-Zahlen und Facebook durch die unendlichen Features, die eine geschlossene Plattform nicht bieten kann. Damals hat man sich Leute geholt, damit sie innerhalb der Facebook-Plattform ihre Applications bereitstellen. Mit Facebook-Connect geht man einen Schritt weiter.

    Facebook wirft seine Krakenarme aus und versammelt das Social Web um sich. Man legt Verbindungen zu allen Arten von Seiten, behält aber dennoch die User bei sich. Ein Blog, ein Unternehmen, wasauchimmer muss nicht mehr eine Page bei Facebook anlegen und so seine Fans organisieren. Jetzt kann man das Community-Feature auf seine Seite holen. Die Aktivitäten der User auf der eigenen Seite können an Facebook gesendet werden, wo sie dann wieder in der Timeline der Freunde auftauchen.

    Facebook macht aus dem gesamten Web ein riesiges Social Network mit sich selbst als Knoten für alles.

    Konkurrenz

    OpenID wird deshalb nicht einfach verschwinden, möglicherweise setzen sie darauf, dass sie dezentral sind und jeder sein eigenes Süppchen kochen und sich dennoch mit anderen verbinden kann. Auch wenn ich persönlich dezentrale Dienste bevorzuge, sehe ich momentan keine Möglichkeit an Facebook vorbei zu kommen.

    Auch Google bietet mit FriendConnect einen Single-Sign-On Service an. Jedoch geht hier die Funktionsweise nicht über den Login hinaus und daher ist man Facebook klar unterlegen. Google hat das Vertrauen (hihi) von vielen Usern, aber auch Friendconnect ist fast nicht verbreitet.

    Update: Wie ich gerade bei Robert gelesen habe, ist es auch mit Google FriendConnect Möglich seine Aktivitäten woanders wieder anzeigen zu lassen. Müsste man sich noch genauer anschauen.

    WordPress mit Facebook verbinden

    Für WordPress ist bereits ein Plugin erscheinen, welches es sehr einfach ermöglicht Facebook Connect sinnvoll in den Blog zu integrieren. Facebook Connector WordPress Plugin.

    Die Sprache ist noch eine Mischung aus spanisch und englisch, aber das kann man ja anpassen. Da die Lizenz momentan unklar ist, kann ich leider noch keine deutsche Version davon anbieten.

    Installation von Facebook Connect für WordPress
    1. Plugin herunterladen
    2. Plugin entpacken
    3. Plugin-Ordner „fbconnect“ auf in das Plugin-Verzeichnis des Blogs laden
    4. Plugin aktivieren
    5. Konfigurationsseite des Plugins aufrufen
    6. Facebook Developer Seite öffnen
    7. Eine neue Application erstellen
    8. Als Callback-URL die Startseiten-URL des Blogs angeben
    9. API und Secret-Key in die Konfigurationseite des Plugins kopieren und speichern
    10. Comments Template auf der Konfigurationsseite des Plugins erstellen
    11. Widgets-Seite in WordPress aufrufen
    12. Facebook Connector Widget der Sidebar hinzufügen und konfigurieren
    13. Speichern. Fertig.

    Nun können User sich via Facebook für den Blog registrieren. Wenn sie Kommentare schreiben und das Kästchen unter dem Kommentarfeld angekreuzt lassen, sollte dieses in ihrem Facebook-Profil erscheinen. (Funktioniert bei mir momentan noch nicht). Auf der Community-Seite (noch nicht gestylet) sieht man alle Community-Mitglieder und seine eigenen Freunde in dieser Community. Weiters kann man über das Widget Freunde zur Community einladen. Jedes Mitglied hat ein Profil im Blog, wo der aktuelle Facebook-Status, Avatar, Name, Nick, Mitglied seit, Website und Über mich steht.

    Bei Heinz findet ihr auch noch zwei Videos zum Plugin.

    Und dann?

    Obwohl Facebook in einigen Wochen das Geld ausgehen soll, entwickeln sie sich großartig. Man merkt, dass hinter Facebook Connect einiges an Denkarbeit steckt. Communities für Blogs sind in meinen Augen erst eine erste Spielerei, die Connect ermöglicht. Das Social Web rückt wieder einmal etwas zusammen, die Menschen kommen in den Vordergrund und man darf nie vergessen das ganze in Frage zu stellen.