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Nokia N97 – Das Producer Handy

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Was ist ein Prosumer und was hat das mit dem Nokia N97 zu tun? Über technologische Entwicklungen, ihre Einordnung in den Alltag und warum nicht alles glänzt, was Gold ist. Wir schreiben das Jahr 2009, ein ehemaliger Computerhersteller kämpft gegen einen ehemaligen Reifenhersteller um Marktanteile des Mobilfunkmarktes.

Das Producer Handy: Nokia N97
Bild: bfishadow

Die Sprache ist von Apple und Nokia, die restlichen Mitbewerber blende ich mangels persönlicher Erfahrung aus.

Seit etwa einem Jahr besitze ich ein iPhone 3G und bin sehr zufrieden damit1. Zuvor hatte ich ein Siemens M55, was mit den sogenannten Smartphone2, die man aktuell kaufen kann nicht vergleichbar war. Dazwischen habe ich mich ein Monat lang mit einem Nokia N97 und einem T-Mobile G1 beschäftigt. Aktuell bin ich mit einem N97 unterwegs, welches mir von Nokia zu Verfügung gestellt wurde3. Doch zurück zum Anfang.

Mobil telefonieren

Damals© nutze ich das Handy vor allem zum telefonieren. Es hatte weder eine Kamera, noch konnte man das WAP als Internet bezeichnen. Programme gab es allerdings schon. Irgendwann habe ich einmal ein Spiel um drei Euro gekauft. Am Computer. Dann wurde mir eine SMS mit einem Link geschickt, der führt zu einem WAP-Portal, wo das Spiel geladen wurde und dann ging es auch schon los. Mit miserabler Grafik und ebensolchen Spielvergnügen. Ich will damit nicht sagen, dass es keine guten Handy-Spiele gab, aber es hielt sich sehr in Grenzen und mich hat keines erreicht. Snake war ganz nett.

Unterwegs war ich weder Produzent, noch Konsument. Das Handy diente als Uhr und zur 1zu1 Kommunikationen. Wie ein Telefon. Nur ohne Kabel und geographischer Einschränkung.

Der Prosumer

Irgendwann im letzten Jahr ist erstmals der Begriff des Prosumers aufgekommen. Vielleicht finde ich den entsprechenden Link dazu, anosnten freue ich mich über eine Ergänzung in den Kommentaren4.

Der Prosumer entstand um Menschen zu beschreiben, die sowohl Inhalte konsumieren (Consumer) als auch produzieren und veröffentlichen (Producer). Je nach Definition sind das nur das eine Prozent, die Inhalte im Web veröffentlichen oder die zehn, die sie kommentieren und/oder sharen (über Twitter weiterschieben, Freundne mailen,…).

Für mich ist entscheident, dass Prosumer mehr als reine Konsumenten oder Produzenten sind. Ansonsten gäbe es vermutlich keine Produzenten mehr, weil ich keinen kenne, der keine Inhalte von anderen Personen konsumiert. Daher gehört für mich zum Prosumer die Interaktion mit den anderen Prosumern. Dies bedeutet, dass man Inhalte erstellt und weiter mit ihnen interagiert, direkt auf Feedback reagiert und Teil der Consumer ist. Man spricht mit den anderen Prosumer über die Erstellung und Konsumation der Inhalte. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Amateur und Profi.

Das typische Prosumer Handy ist das iPhone. Dafür gibt es aus meiner Sicht zwei entscheidende Faktoren. Die Bedienung ist so gehalten, dass man gerne damit interagiert und man ohne Probleme über längere Zeiträume Inhalte konsumieren kann und dank Apps von Plattform zu Plattform springen kann. Es hat zugleich Apps, die darauf ausgelegt sind Inhalte zu produzieren, auch wenn die Kamera nur begrenzt dafür geeignet ist.

Das Producer Handy Nokia N97

Die Bedienung des N97 ist schrecklich. Vor allem wenn man zuvor ein iPhone gewöhnt war. Es gibt viel Verbesserungspotential. Vor allem verstehe ich nicht warum man zwei Homescreens macht, aber nur einen mit Inhalten befüllen kann. Zugegeben der zweite ist kein echter Homescreen, sondern lediglich der normale ohne Inhalte. Dafür ist das wechseln zwischen den beiden schön gestaltet. Man wischt den einen auf die Seite und er verschwindet dann nach hinten während der andere auf der anderen Seite nach vorne kommt. Das ist leider schon der einzige Übergang der mir bisher am N97 gefallen hat. Finde es schade, dass der selbe nicht in Programmen genutzt wird.

Es geht weiter mit Kritik, die darauf hinaus läuft, dass es mit dem N97 anstrengend ist Inhalte zu konsumieren.

N97 Homescreen
Bild: Brajeshwar

Wir bleiben beim Homescreen. Dieser kann vom User mit Inhalten bevölkert werden, was nicht perfekt gelöst wurde, aber recht gut von der Hand geht. Diese Inhalte sind alle sogenannte Widgets, die verschiedene Funktionen haben. Da wäre zum Beispiel das Facebook-Widget, das mir die letzten Statusmeldungen meiner Freunde direkt auf den Homescreen bringt, sowie anzeigt wie viele neue Pokes, Nachrichten oder ähnliches habe. Weiteres hatte ich das Email- und das Wetter-Widget im Einsatz. Ein Blick auf das Handy und schon hat man einen Überblick, was gerade los ist. Klingt toll, wäre es auch. Das Problem ist, dass die Widgets ihre Infos aus wem Internet laden müssen und die Akkulaufzeit erheblich beeinträchtigen. Daran wurde aber auch gedacht. Man kann den Homescreen einfach offline schalten. Klingt ziemlich witzlos, ist es auch. Alte Mails, Facebook-Meldungen und ähnliches haben weniger Nutzen als der Startscreen mit ausgeblendeten Symbolen. Der sieht zumindest nett aus5.

Aktuell habe ich am Homescreen zwei Programm Schnellwahl Widgets, mehr sind nicht möglich, mit jeweils vier Programmen, damit ich nicht jedes mal dreimal klicken und zweimal scrollen muss, wenn ich den Browser und ähnliches öffnen will. Ein weiteres Programm kann man auf die rechte Schnellwahl-Taste legen, womit man neun direkt verfügbar hat. Das reicht für den Anfang, dennoch hätte man ruhig mehr Schnellwahl Widgets zu Verfügung stellen können. Neben diesen neun Programmen habe ich noch den Mediaplayer, damit ich auch ohne Kopfhörersteuerelement schnell Musik weiterschalten kann und vor allem sehe, was ich gerade spiele. Zugleich kann ich damit den Player selbst öffnen. Dann ist da noch der Kalender mit den nächsten drei Terminen und eine Kontakt Schnellwahl mit vier Personen, die ich so direkt anrufen kann.

Der Ovi Store, das Äquivalent zum App Store, ist momentan ein Witz. Ein schlechter. Massenhaft Klingeltöne um ein bis drei Euro und Videoclips zum gleichen Preis. Und ja ich habe mir die Arbeit angetan und mich einmal durch den gesamten Store durchgeklickt um jedes Programm gesehen zu haben. Aber dazu wird es noch einen eigenen Artikel geben, denn es gibt Ausnahmen.

Grafisch ist das N97 kantig. Nicht nur von den Formen. Wenn ich das Handy drehe, wird der Bildschirm kurz schwarz, was wohl ein Übergang sein soll. Im Breibildmodus, als wenn man das Telefon längs hält, sind in den Menüs die beiden Buttons, die normalerweise am unteren Bildschirmrand sind, auf der rechten Seite. In der gleichen Größe und Form. Doch weil zwischen ihnen Leerraum wäre, hat man den kurzerhand grau gemacht, wenn es keine weiteren Bedienelemente gibt. Zehn Prozent des Bildschirms sind ja gerade bei mobilen Geräten vollkommen egal. Es gibt ein paar Effekte, die die Bedienung angenehmer machen, etwas im Fotoalbum, aber im Vergleich zum iPhone ist es ein einige Jahre zurück. Vor allem wenn man sich die Apps von Drittentwicklern ansieht. Da sollte Nokia bessere Tools anbieten, um sie schöner zu gestalten.

Auch der Touchscreen ist enttäuschend. Im Gegensatz zu G1 und iPhone braucht er Druck, 5 Gramm wurde mir gesagt, was zur Folge hat, dass man nicht lässig über den Screen streicht, sondern den Finger oder den beigelegten Stift gedrückt halten muss. Oft reicht auch ein einfacher Druck nicht aus, sondern muss man doppelt drücken. Was mich immer wieder verwirrt.

Ein weiterer großer Schwachpunkt sind die Menüs. Dass ich bei einem Foto nicht sagen kann, dass ich das nächste Foto sehen will, sondern das aktuelle schließen muss, sagt schon vieles. Das schließen von Apps und Menüs ist bezeichnend. Dafür ist es sehr einfach Fotos zu machen. Kamerklappe auf und abdrücken. Um in den Filmmodus zu wechseln ein Klick aufs Menü, Video auswählen und fertig.

Und nun weiter mit positiven.

Telefonieren kann man ganz gut mit dem N97. Aber ich habe es Producer Handy genannt. Dann muss man damit auch produzieren können und nicht nur nicht reden können.

Die Kamera

Für mich eines der besten Argumente für das N97. Als Livestreaming angefangen hat, haben sich einige Personen zusätzlich oder als neues Handy das N95 gekauft, weil es sowohl eine annehmbare Kamera hatte und die entsprechende Software. Das Nokia N97 führt dies weiter. Ich teste momentan vier verschiedene Livestreaming-Applications und bin von den Videos der Kamera begeistert. Bei den Fotos muss ich noch etwas üben, da ich es nicht gewohnt bin, dass man plötzlich so viel einstellen kann. Am iPhone braucht es da schon eigene Programme um die Fotos anders aussehen zu lassen. Carl Zeiss Objektiv, 5 Megapixel und die zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass man lieber Fotos und Videos macht, als diese zu bearbeiten oder gar zu konsumieren.

Jederzeit livestreamen oder ein Video in nHD machen.

Die Tastatur

Bei einer Umfrage auf Twitter für das N97 Gewinnspiel (bis 30. kann man noch eines von fünf N97 gewinnen) wurde die Tastatur am öftesten genannt, wenn es darum geht was das N97 gegenüber dem iPhone einen Vorteil verschafft. Ich persönlich kann mit ihr nur begrenzt umgehen, weil ich es gewöhnt bin ohne Tastendruck zu schreiben und die Tastatur des N97 ist sehr stark an die des Computers angelehnt, auch was die Umlaute betrifft. Wobei mir vor allem der Punkt als eigene Taste fehlt bzw. eine Funktion wie beim iPhone, dass durch doppeltes drücken der Leertaste ein Punkt und ein Leerzeichen entsteht. Jedoch habe ich inzwischen schon von mehreren Personen gehört, dass sie mit der N97 Tastatur wesentlich besser schreiben können als mit dem iPhone. Dieser Vorteil wird noch größer, wenn man früher einen Nokia Communikator genutzt hat und von daher diese Tastatur gewöhnt ist.

Angeblich kann man damit ganze Blogbeiträge schreiben.

Ovi

Das neue Herz der Nokia Services. Die in meinen Augen wichtigste Funktion von Ovi ist die Freigabe von Bildern und Videos, welche dann auch wieder mit dem eigenen Computer synchronisiert und online freigegeben werden können. Somit ist es ein leichtes Inhalte für andere zur Verfügung zu stellen. Zum konsumieren am N97 stellt Ovi allerdings kein Programm zur Verfügung. Weiters können über Ovi Mails, Kontakte, Kalender und mehr synchronisiert werden.

Inhalte freigeben.

Ich habe mich entschieden mein iPhone während meines Urlaubs einem Freund zu leihen und stattdessen das N97 mitzunehmen. Zu dieser Entscheidung hat mich vor allem die Überlegung bewegt, dass ich ich im Urlaub keine Zeit habe Feeds zu lesen oder mir Videos anzusehen, aber ich werde Fotos und Videos machen wollen, die ich möglicherweise am Abend im Hotel-Wlan hochlade. Und dafür eignet sich das N97 einfach besser.

Fazit

Das Nokia N97 ist ein gutes Stück Hardware und eignet sich bereits jetzt schon gut um vor allem Bilder und Videos live oder später mit anderen zu teilen. Die größte Schwäche ist momentan die Software, die zu kompliziert und unnötig aufgeblasen daherkommt. Sie lässt den User zwar sehr viele Freiheiten, aber im Alltag nerven diese Freiheiten eher, sodass man das Telefon nur in die Hand nimmt, wenn man schon genau weiß was man machen will und wie man es macht.

Disclaimer: Ich habe das Nokia N97 bekommen um es zu testen und darüber zu bloggen und twittern. Nach dem Test kann ich das Gerät behalten. Diese Abmachung ist mit keinen Verpflichtungen verbunden, aber wir haben ein Briefing bekommen, worauf Nokia besonderen Wert legt, nämlich den Services rund um Ovi.

  1. wenn nicht gerade der Akku leer ist oder ein telefonieren will []
  2. Telefone sind nicht smart, aber Computertelefone klingt doof []
  3. Disclaimer: Ich darf es nach dem Test behalten []
  4. #lazyweb []
  5. Je nach Hintergrundbild []

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite freiberuflich als Social Media Analyst und veröffentliche jährlich einen Blogbeitrag. | | | Newsletter

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