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#unsereuni und das Social Web

63 Kommentare

Donnerstag Nachmittag. Ich sitze im Büro und werfe einen kurzen Blick in Twitter. Draußen ist es kühl, ein leichter Wind weht, als ich die Nachricht lese. Das Audimax wurde besetzt. #unibrennt. Ich schaue noch einmal hin. Sofort suche ich nach weiteren Meldungen mit dem Hashtag. Studenten haben Österreichs größten Hörsaal besetzt. Ich überlege, ob ich noch hinschaue, fahren dann aber doch in die Wohnung. Im Laufe des Abends schlagen immer mehr Tweets zum Thema auf, sodass ich am Freitag selbst hinschauen musste.

besetzte-uni
Photo (cc-by-nc) Richard Pyrker

Die Geschichte wie sich Studierende dezentral organisiert haben und ich ihnen half hunderttausende Menschen zu erreichen. Eine Chronik der Ereignisse könnt ihr im Wiki oder Kellerabteil nachlesen. Ich werde euch von meinen Erlebnissen erzählen und ein paar Einblicke zur internen und externen Kommunikation bieten.

Hinweis: Normalweise ist das für mich selbstverständlich, aber in diesem Fall besonders wichtig. Alles in diesem Blogbeitrag ist meine Meinung und nicht die der Studierenden. Es handelt sich um eine heterogene Gruppe, die unterschiedliche Ziele und Meinungen hat. Es kann nicht eine Person für alle sprechen.

Die Hashtag Diskussion

Seit Donnerstag befindet sich der Hashtag #unibrennt in den deutschen Twittercharts. Er ist am Beginn der Besetzung am Donnerstag entstanden und hat sich bis heute gehalten. Wie bereits erwähnt habe ich durch Twitter von der Besetzung erfahren. Als ich am Freitag im Audimax war, habe ich einige Studierende zu Twitter befragt. Ob sie es kennen und ob sie es nutzen. Die meisten kannten es, aber nur wenige haben es genutzt. Viele haben durch Freunde von der Besetzung erfahren. Oder über Facebook. In meinen Augen hat der Account @unibrennt eine wichtige Rolle gespielt. Die Person dahinter hat übrigens zuvor nicht getwittert und ist durch #iranelection dazu inspiriert worden bei der Besetzung über Twitter nach außen zu kommunizieren. Doch dies nur am Rande. #unibrennt hat sich also rasend verbreitet. @Koprax, welchen ich im Audimax traf, hat dann dazu aufgerufen #unsereuni zu nutzen, weil es positiv ist im Vergleich zu dem leicht misszuverstehenden #unibrennt. Es bedeutet, dass es Zeit ist, dass es dringend ist. Nicht, dass die Uni brennt. Doch die klassischen Medien mögen es. Ich bin auch der Meinung, dass #unsereuni ein besserer Hashtag ist, weil er mehr aussagt. Weil er zeigt, dass es unsere Uni ist und die Politik damit nicht machen kann was sie will. Mehr zum Duell.

Inhalte vs. Party

In den klassischen Medien wird den Besetzern vorgeworfen, dass sie nur Party machen würden. Als ich am Freitag in die Uni kam, lag Müll herum, die Luft im Audimax selbst war stickig, weil so viele geraucht haben, meine Augen brannten nach kurzer Zeit und es wurde laut Musik gespielt. Doch dann war ich das erste Mal bei einem Plenum dabei. Das Audimax füllte sich mit Menschen und es wurden einzelne Programmpunkte durchgegangen. Was passiert ist, was noch passieren muss. Jeder konnte sich zu Wort melden, gemeinsam wurde abgestimmt. Erst noch durch klatschen, schon bald durch Handzeichen, als der Antrag dazu eingebracht wurde. Das Orga-Team wechselt jeden Tag. Jeder solle in einer Arbeitsgruppe mitmachen, jeder kann eine neue aufmachen. Es wurde diskutiert und später in den Arbeitsgruppen an Inhalten gearbeitet. Inzwischen gibt es 82 Arbeitsgruppen, manche haben sich wieder aufgelöst, andere gerade neu gegründet. Nach dem mehrstündigen Plenum, spielte eine Band im Audimax. Es wurde Bier getrunken und gefeiert.

Ja, die Studierenden feiern im Audimax.
Ja, die Studierenden arbeiten konstruktiv.

Ich muss dazu sagen, dass ich mich nicht vollkommen wohl in der Nacht dort gefühlt habe, aber es kam bisher nicht zu gröberen Ausschreitungen. Aber die Stimmung ist ein Wahnsinn. Produktiv untertags und ausgelassen in der Nacht.

Ideologie und Politik

Ein Punkt den ich explizit ansprechen möchte, weil er mich besonders stört. Ich habe schon geschrieben, dass ich mit vielen in der Bewegung nicht zufrieden bin, aber diese ist eine der problematischen Dinge. Ideologisch durchdrungene Organisation und Einzelpersonen, die die Besetzung für sich missbrauchen wollen. Sie wissen wie man Leute für sich gewinnt, sie bekommen tosenden Applaus und zugleich dreht es mir den Magen um. Es mögen nette Forderungen sein, aber es geht hier um Bildung und nicht um die Einführung des Kommunismus. Selbst wenn eine Frau auf der Bühne steht und davon spricht, dass dies ein linker Raum ist, muss ich die Augen verdrehen. Es geht nicht um links oder rechts, nicht um neoliberal, kommunistisch oder hinduistisch. Es geht auch nicht um Feminismus oder Sexismus. Es geht um die Bildung. Um mein Studium. Ich will nicht, dass solche Leute die Bewegung in eine Richtung ziehen, wo sie nicht hingehört. Selbst wenn ich in einigen Punkten mit ihnen übereinstimme ist es falsch, sich jetzt damit zu beschäftigen. Man sollte sich auf die Dinge konzentrieren, wegen denen die Besetzung entstanden ist. Ich verstehe, dass jeder seine Ziele hat und andere Probleme mit dem System, aber wenn man sich auf die größten gemeinsamen Nenner konzentrieren kann erreicht man mehr, als wenn jeder versucht alle für seine extremen Gedanken zu gewinnen. Ich weiß von vielen Studierenden, die wegen diesen Gruppierungen nicht an der Besetzung teilnehmen, sie gar verurteilen. Weil die Bildung untergeht in einem Sumpf aus Ideologie und Politik.

Volle Transparenz

Schon am Freitag habe ich mit meinem Handy einen Livestream gemacht, um der Welt zu zeigen was passiert. Am Samstag war ich dann mit mehr Equipment vor Ort und habe die Plenarsitzungen komplett übertragen. Die Zuseherzahlen sind im Sekundentakt gestiegen. Twitter hat den nötigen Boost dazu gegeben und so haben mehrere hundert Zuschauer den Stream verfolgt. Am Abend habe ich mich dann mit einigen Leuten zusammengesetzt und die Website besprochen, welche neu gemacht werden sollte. Über Nacht habe ich dann die neue Seite aus dem Boden gestampft. unsereuni.at. Diese wurde seitdem fleißig weiterentwickelt und mit Inhalten befüllt. Plötzlich sehen die Studenten einen Sinn in den Dingen, die für mich selbstverständlich sind. Sie interessieren sich dafür und ich helfe ihnen gerne weiter. Innerhalb von drei Tagen hatte die Seite über 200.000 Zugriffe. Der Livestream wurde auch verbessert. Direkt an die Technik des Audimax angeschlossen und als ich am Montag krank wurde, habe sie eine bessere Kamera aufgetrieben und bis zu 3000 Menschen haben den Stream zugleich geschaut. Ich habe mich dann noch ans ustream Hauptquartier gewendet und so wurden wir zu einem gefeaturten Channel, der nun auch übers iPhone abrufbar ist. In vier Tagen hatte der Channel über 140.000 Zugriffe.

Immer wieder kam Kritik, dass man das nicht alles zeigen sollte. Dass man zumindest den Ton abschalte. Dass die Staatspolizei das doch auch schauen würde. Ein klassisches Denken. Angst. Auch den Chat wollten einige abschalten, weil dort viele Beleidigungen und Kritik an der Besetzung geäußert wurden. Doch ich habe mich gewehrt. Spätestens als Misik in seinem Vortrag davon gesprochen hat, dass viele Journalisten nun vor dem Computer sitzen und gespannt den Livestream verfolgen, nicht weil es ihr Job ist, sondern weil sie merken, dass da etwas großes passiert, sollte den meisten klar sein, wie wichtig der Livestream ist. Und mit jeder Sendung werden es mehr Zuschauer. Den Chat habe ich dann heute auch noch in den Griff bekommen, indem ich aktiv daran teilgenommen habe, offen auf Kritiker zugegangen bin und Beleidigungen konsequent gelöscht habe.

Ich glaube, dass man auch die Partys zeigen sollte. Die Menschen müssen lernen, dass man nicht mehr nur durch Pressekonferenzen kommunizieren kann. Die Leute sitzen drinnen und twittern. Anstatt zu versuchen, zu verhindern, dass Informationen nach außen gelangen, die man kritisieren könnte, sollte man ein komplettes Bild geben und die Öffentlichkeit, die man dadurch bekommt nutzen. Jeder Kritiker ist ein Potential für Verbesserungen und in Folge möglicherweise sogar ein Unterstützer. Ich gehe auch davon aus, dass die Polizei zumindest einen Informanten ständig vor Ort hat. Es sind 2000 Studenten, die die Universität besetzen und radikale Gruppierungen. Sollte da etwas eskalieren, wollen die das wissen. Der Livestream zeigt lediglich, dass es nicht schlimm ist. Während man sich sonst Gedanken machen würde, was da hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Die Menschen interessieren sich dafür, was da vor sich geht und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass klassische Medien umfassend und neutral darüber berichten.

Dezentrale Organisation

Es gibt kein Mastermind, keinen Anführer der Besetzung. Selbst wenn man das Organisationsteam, das sich täglich neu bildet ausschalten würde, ginge die Bewegung weiter. Die einzelnen Personen handeln weitgehend autonom und organisieren sich dezentral. Die Arbeitsgruppen stehen im ständigen Austausch und durch das Wiki vernetzt man sich auch immer besser ortsungebunden. Die Leute übernehmen Verantwortung, es wird darauf geachtet, dass nichts beschädigt wird, einmal pro Tag wird geputzt, es hat sich eine Küchenteam gebildet, das die Besetzer mit Essen versorgt, ein IT-Team baut Infrastruktur auf und vieles mehr. Wenn etwas benötigt wird, twittert es jemand und es spielt keine Rolle, ob der Person viele Menschen folgen, weil man dem Hashtag folgt. Man ruft in die Menge (materiell oder virtuell) und bekommt in kurzer Zeit eine Antwort. Die Menschen achten aufeinander, jeder bringt seine Fähigkeiten ein. Es ist ein soziales Experiment mit großen, realen Zielen. Es ist eine unaufhaltbare Welle, die man lediglich durch totale Überwachung und Unterdrückung zurückdrängen könnte. Jeder einzelne hat eine Stimme und die nutzt er auch. Dadurch kommen viele Dinge auf, die meiner Meinung nach, nicht dort hingehören, aber darin liegt auch viel Kraft. Ziele die sich überschneiden halten den Schwarm zusammen.

Eine Räumung des Audimax kann die Bewegung nicht aufhalten. Zu stark sind die einzelnen Personen involviert. Jeder ist sein eigener Anführer der sich mit den anderen verbündet hat. Wenn das Audimax heute geräumt wird, sind morgen doppelt so viele Menschen dort. Das Audimax müsste permanent bewacht werden und selbst dann würde die Bewegung einfach ein anderes Gebäude übernehmen. Erst wenn der Großteil befriedigt ist, besteht die Möglichkeit, den Rest zu stoppen. Jedenfalls wenn die Leute nicht aufgeben, weil ihnen ideologisch druchtränkte Gruppen die Energie rauben.

Wie es weitergehen kann

Ich halte es für wichtig mehr Menschen zu erreichen. In immer mehr Unis werden Hörsäle besetzt. Es gibt alle möglichen Solidaritätsbekundungen und ich wurde schon mehrmals gefragt, was noch gebraucht wird, ob es schon ein Spendenkonto gibt. Die Unterstützung wächst und daran muss man arbeiten. Kritiker ins Audimax einladen. Ihnen eine Plattform bieten, sich dazu zu äußern. Offen damit umgehen. Materiell sowie virtuell. Meinungen akzeptieren, Kompromisse finden. Gemeinsame Ziele definieren.

Für mich ist besonders spannend, ob man klassische Medien braucht. Ob diese die Bewegung von alleine unterstützen oder erst, wenn in der Bevölkerung genug Zuspruch da ist.

Ich werde weiterhin daran arbeiten weitere Kommunikationskanäle aufzumachen, helfen den Fluss von Informationen zu ermöglichen.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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63 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Luca, ich finde super, dass Du das auf Deine Art unterstützt. So kann jede Person ihren Teil beitragen, damit dieser Ausdruck von Unzufriedenheit seh- und hörbar wird und weitere Menschen ermutigt, für ihre Rechte und ihre Meinung aufzustehen.

    Schön wenn Web2.0 und Politics2.0 zusammenkommen. :)

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  2. „Ich habe schon geschrieben, dass ich mit vielen in der Bewegung nicht zufrieden bin, aber diese ist eine der problematischen Dinge. Ideologisch durchdrungene Organisation und Einzelpersonen, die die Besetzung für sich missbrauchen wollen. Sie wissen wie man Leute für sich gewinnt, sie bekommen tosenden Applaus und zugleich dreht es mir den Magen um.“

    kann mich da nur voll anschließen!

    dennoch denk ich, dass man das momentan ganz gut im griff hat – der forderungskatalog wurde inzwischen immerhin auf relativ vernünftige, wenig ideologisch motivierte kernpunkte beschränkt .

    trotzdem glaub ich heißts weiter aufpassen, dass man – unter anderem aus eben jenem grund, dass alle ihre vorschläge immer wieder eingebracht sehen wollen – nicht zu breit kommuniziert. vor allem gegenüber den klassischen medien, potenziellen mitstreitern und diversen kritikern. ich seh vor allem in der kommunikation wirklich ein dezentes komplexitätsproblem, dem man nur mit einer ausgeprägt professionellen öffentlichkeitsarbeit entgegensteuern könnte.

    wie auch immer: ich bin beeindruckt, in welche richtung sich das ganze in so kurzer zeit entwickelt hat – dein anteil daran war sicher wesentlich, danke dafür!

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  3. hallo

    ich finde diese ideologischen welterklärungs-streitereien auch sehr mühsam. aber das problem beginnt doch etwas vorher, beim definieren von „… es geht um:…“
    du schreibst:

    „Es geht um die Bildung. Um mein Studium.“

    gut, um deins, um das der anderen. ich weiß nicht, was du studierst, aber die im plenum vielzitierte „gesamtgesellschaft“ bleibt da doch nicht außen vor.

    „es geht nicht um sexismus“ ist wirklich eine sehr gewagt eaussage. für dich als mann, geht es also offenbar nicht darum. die dringende notwendigkeit von bildung, bewusstseinsbildung zu diesem thema hat sowohl mit den universitären räumen, als auch mit den besetzten räumen, als auch mit politik, willensbildung, meinungsbildung, etc zu tun. eine sexismus-debatte ausklammern zu wollen zeugt nicht von einem tiefen verständnis für die prozesse, die da ablaufen. die foderungen der studierenden (50% frauenquote, antidiskriminierung) werden dann gehör finden, wenn die bewegung stark ist. und die bewegung wird geschwächt von spaltungen und aufwiegelungen männer-gegen-frauen, also ist ein nachdenken und diskutieren über sexismus und wie alle, männer, frauen, andere geschlechter-identitäten damit umgehen können wirklich notwendig.

    die „ideologie-vor-der-türe-lassen“ frage ist kompliziert und sollte auch wohlüberlegt angegangen werde.

    liebe grüße, lukas

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  4. Danke insbesondere für dein Eintreten für und Ermoglichen von Transparenz und offenen Kommunikationskanälen – das ist mehr als ein „Beitrag auf deine Art“, es ist ein Schlüssel.

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  5. ein sehr interessanter Beitrag!
    Vielen Dank dafür und toll dass du dich engagierst und anscheinend so wesentlich zur vernetzung beigetragen hast! Der livestream ist eine super sache.. gerade für Leute wie mich die schon im Berufsleben stehen aber trotzdem dabei sein wollen und sich mit der Bewegung solidarisieren bzw sogar identifizieren

    Bei den Kritikpunkten – dagegen dass die Bewegung von vielen Gruppierungen instrumentalisiert wird muss ich dir leider zustimmen..

    Da passieren immer wieder Vorfälle die gegen die ganze Idee stehen – zum Beispiel die Einführung des Ordnerdienstes und so manches diskriminierende Verhalten gerade jener die am lautesten nach Toleranz und Akzeptanz schreien….

    But nobody is perfect und Ich muss sagen Ich bin immer noch so elektrisiert von den ganzen Vorfällen und sehe es ganz klar so dass die positiven Dinge überwiegen
    und sehe hier noch so viel Potential dass mein Herz frohlockt

    Weiter so!

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  6. auf „die größten gemeinsamen Nenner“ konzentrieren, finde ich auch wichtig und richtig. dieser nenner wird aber kleiner, wenn z.b. sexismus toleriert wird. (genauso rassismus, klassismus und jedes andere exklusive, elitistische denken, wo leute mit den maximalsten fächer-kenntnissen mehr „wahrheit“ zu besitzen glauben als halb- oder schlecht- oder einseitig-gebildete.)

    liebe grüße, lukas

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  7. Sehr interessant, dieser Blick hinter die Kulissen. Sass gestern gelangweilt vor dem TV und zappte zwischendurch in den Audimax-Livestream, wovon ich mich tatsächlich nicht mehr losreissen konnte. Ihr macht das ganz toll.

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  8. Sehr treffende Zusammenfassung!

    “Ideologisch durchdrungene Organisation und Einzelpersonen, die die Besetzung für sich missbrauchen wollen. Sie wissen wie man Leute für sich gewinnt, sie bekommen tosenden Applaus und zugleich dreht es mir den Magen um.”
    Da kann ich mich zu 100% anschließen.

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  9. lieber luca,

    noch x kudos und darüber hinaus aber auch: dein eintrag hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass du einen beeindruckenden wie bemerkenswerten aspekt von „#unsereuni und das social web“ unterschlagen hast. ;-)

    wenn ich beim audimax vorbeischaue, wenn ich für ein paar stunden im presseraum arbeite, wenn ich zwischendurch mit leuten telefoniere und wir irgendetwas organisieren … immer sitzen rechts links drüben da andere personen, die ich ursprünglich mit avataren und online-identitäten kennen gelernt habe.
    diese social web hat gar nichts virtuelles, geht aber auf das social web „web2.0“ zurück. nur jetzt, jetzt bildet es einen von mehrern backbones vorort, samt schweiß, körperlichkeit, müden augen und blitzenden augen.
    senza avatar

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  10. super Luca!

    deine mischung aus bericht und reflexion ist sehr gelungen.

    völlig losgelöst vom studentenprotest, hast Du auch ein neues phänomen beschrieben: unsere (computer) gesellschaft entwickelt neue muster der kommunikation. damit wird sie sich neu konstruieren.

    viele haben das noch nicht ‚am schirm‘, wollen nichts davon wissen oder negieren die vermeintliche bedrohung dessen.

    ich finde es gut, wenn wir uns dafür einsetzen, quasi als ‚botschafter‘ zu wirken, um ein gemeinsames verständnis zur neuen kommunikation zu erwirken. und ereignisse dieser größenordnung liefern dazu paradebeispiele.

    sunshine!
    Jan A. Poczynek

    * * * mit der perspektive eines organisationsberaters * http://ow.ly/w2yk

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  11. Danke für die Berichterstattung – allerdings muss ich mich im Punkto ‚Seximus‘ lukas anschließen.
    Ja, es wäre schön, wenn Sexismus nicht notwendig wäre zu erwähnen. Angesichts der Vorfälle und sexistischen Angriffe, die Studentinnen bei der Besetzung im Audimax erfahren mussten (und Frauen allgemein im täglichen Leben oft noch immer erfahen müssen), ist es unerläßlich, diese auch zur Sprache zu bringen! Wenn es rassistische Vorfälle gebe, würden diese ja genauso erwähnt und bekämpft werden. Daher gilt das Gleiche für Sexismus.

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  12. Pingback: Michael Kulovits (kulo) 's status on Wednesday, 28-Oct-09 13:46:29 UTC - Identi.ca

  13. Vielen Dank für die Einblicke. Ich bin nicht in Wien, habe aber selbst schon einmal eine Uni-Besetzung mitgemacht.
    Dabei gibt es immer wieder unerwünschte Mechanismen die eintreten. Bisher macht ihr das ganz großartig. Eventuell würdest du denenigen, die „Angst“ haben bzw. eher defensiv reagieren recht geben müssen, sollte beispielsweise in wenigen Tagen der Hörsaal von der Polizei umstellt und vor der Räumung stehen.
    Diese Erfahrung haben einige eventuell schon gemacht, deshalb ist es wichtig, alle Erfahrungen zu berücksichtigen, die man später vielleicht sogar noch braucht. Es sei denn, du könntest glaubhaft erklären, dass es niemals in diese Richtung gehen wird.

    Solidarische Grüße aus dem Norden. Wir ziehen nach, keine Frage…

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  14. Dein Engagement für Transparenz find ich bewunderswert.

    Zur Dezentralität ist zwar eine schöne Sache. Hat aber auch Nachteile, die leicht nach hinten losgehen können. Es ist nämlich nicht klar, mit wem man verhandeln sollte. Irgendwie tut sich da doch die ÖH-Vertretung hervor, bzw. wird angesprochen, da von anderen gesellschaflichen System niemand weiß, wie man sonst damit umzugehen hätte, wenn man nicht einen Vertreter hat. Historisch gibts zB Beispiele von den Metallarbeitern versus Textilarbeitern. Erstere hatten (und haben heute noch!) viel bessere Arbeitsbedingungen/Verträge, da sie sich besser (damals zB d.h. zentraler) organisieren konnten. Rührt nicht zuletzt auf geographische Gegebenheiten, dass Metaller immer auf kleinen Zonen mit entsprechenden Bodenschötze konzentriert waren, während Textilarbeiter verteilt und einzelnd ihre Proteste halten mussten.

    Sallop gesagt glaub ich manchmal, Österreich hohlt wohl 2009 nach, was es 1968 verschlafen hatte. Sois jeune et tais-toi. (wobei das Kommentar bitte nicht überanalysieren, ist nur so eine dahingesagte Vermutung mal)

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  15. Das klingt alles sehr aktionistisch. Wo sind die Inhalte? Über was diskutierst du? Was sind deine Ziele? Wie gehst du mit der Beschimpfung von Rechts und von den Buschis um, die eben schon die Bewegung als solches als „ideologisch“ / „links“ meinen diffamieren zu können? Nun bedienst du den selben Diskurs. Das finde ich seltsam.
    Frauen kritisieren den Sexismus. Kritisiert wird die Diskriminierung und elitäres Verhalten. Nehmen wir den Sexismus der Burschis. Sexismus ist diskriminierend. Studiengebühren und die Beschränkung der Bildung für die Elite, das ist Diskriminierung. – Die Kritik dagegen ist doch völlig nachvollziehbar. Warum defamierst du dann die Kritik an alle Formen der Diskriminierung als „Ideologie“? Es gibt eine Dissens zwischen denen die diskriminieren und denen, die darunter leiden. Wenn du zu diesen Dissens gegenüber Hahn & Co. zu recht eine Öffentlichkeit schaffst, so solltest du auch gegenüber allen anderen, die gegen Ausgrenzung und Unterdrückung ihre Erfahrungen ins Spiel bringen, fair bleiben und nicht als „ideologisch“ diffamieren.

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  17. @volker_e

    >IMHO „Jeder ist sein eigener Anführer“ != „eine Bewegung“

    Wonach beurteilst du Bewegung? Im konkreten Fall scheint es, als ob das individuelle sich Einbringen zu einem Gesamtergebnis führt, das als Ergebnis des Kollektivs angenommen wird. Reicht dir das nicht? Müssen ja nicht alle Teil einer Jugendbewegung sein, um eine gemeinsame Bewegung zu machen.

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  18. die gesamte informationsverbreitung ist einfach eine 1a sache.
    klappt bestens wie man sieht.

    da soll noch jemand sagen, internet ist schwachsinn.

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  21. Vielen vielen Dank Luca, dass du den Stream und die website ermöglicht hast. Überhaupt ist der stream extremst(!) wichtig, um außenstehenden zu zeigen und mitzuverfolgen wie sich Meinungsströme in diesem Protest (der immer mehr zur Bewegung wird!) entwickeln. Überhaupt hat der stream gezeigt, auf welchen hohen Niveau die Diskussionen geführt werden. Last but not least – hat der stream gezeigt, dass man nicht mehr primär von der Gnade der Medien (sprich: ORF) abhängig ist, sondern sein eigenen News-channel fahren kann. Das ist eine extrem eindrucksvolle demonstration! Bravo!
    Vielen Dank nochmal.

    PS TIP: Es wäre jedoch gut mind. 2 Kameras aufzustellen und diese mit einem Software-Videomixer umzuschalten. Das gehört noch professionalisiert.
    Außerdem gibts noch einen störendes Audiobrummen.
    Software dazu gibts kostenlos im Netz. Damit die wilden chaotischen Schwenks aufhören und die Perspektiven zunehmen. ;-)

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  24. quote:
    Es geht um die Bildung. Um mein Studium. Ich will nicht, dass solche Leute die Bewegung in eine Richtung ziehen, wo sie nicht hingehört.

    ——–

    Sehr schön gesagt Luca. Auf den Punkt gebracht. Man kanns nicht oft genug sagen.

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  26. Der Stream geht auf Dein Konto? Dann bist DU mein Held! Danke sehr, vielmals!! Es ist das beste Bewegtbild dieses Landes seit etlichen Jahren!

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  28. Eigentlich sollte eine Uni immer so funktionieren wie Du beschreibst „jede/r ist der eigene An fuehrer, Gruppen bilden sich, organisieren Arbeiten und loesen sich wieder auf“ Wir haben verlernt flexibel, kreativ und unternehmerisch zu sein, und auf der Uni lernt man das fast nicht mehr. Gut, dass ihr uns zeigt, dass es geht, wenn man will.

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  30. Pingback: Talking Anthropology » TA04 “AudiMax” – Revolución de la universidad

  31. Euch allen meine große Hochachtung, meine Solidarität! Ihr seid die große Hoffnung unseres Landes, – couragiert, kompetent, parteiungebunden.

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  32. auch von mir ein riesen dankeschön!!!

    ich muss dir leider auch im punkto ideologien und -ismus-diskussionen zustimmen. So wichtig diese dinge auch in jeder lebenssituation sind, haben sie in dieser bewegung nicht immer sinn diskutiert bzw. auf transparenten mit herumgetragen zu werden.
    Ich finde dass man damit nur den „politischen gegnern“ in die Händespielt die uns ja nur als „linkslinke Gutmenschen“ hinstellt die ohnehin in einer Traumwelt leben und utopische Forderungen stellen. Was wir weder sind noch tun.

    Allerdings finde ich es schön dass jeder eine stimme hat und um etwaige wogen die ich aufgebauscht habe zu glätten, in dem fall nicht „ein mann eine stimme“ sondern „Ein Mensch-eine stimme“. Das alleine sollte der Welt schon ein Vorbild sein!!!

    Danke danke danke luca und danke danke danke an alle Audimaxisten, jeder von euch ist ein Zahnrad dieser Bewegung und es geht ohne keinen von Euch, wir schreiben Geschichte, eine Geschichte der Freiheit!!!

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  33. ja klar aber es schreckt halt doch viele potentielle ab und rückt uns bei vielen wohl auch in ein falsches licht in gewisserweise.

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  35. Pingback: Präsentation von Luca am barcamp Hamburg « #wienbrennt #unsereuni

  36. ich denke es wird niemals einen studi-streik ohne die üblichen ideologien geben – die gehören glaub ich einfach dazu, auch wenn man sie nicht mag. und nachdem sie sich ja noch nicht mal 1968 durchgesetzt haben, sondern nur ein teil der bewegung waren, braucht man sich da heute kaum dran zu stören:)

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  38. Hey, ich finds auch total spannend… find ich echt klasse, wie sich das hier alles entwickelt! ich streike auch mit sobald es um die stuiengebühren geht! ohne witz… jeder politiker hat i-was studiert… er weiß wie hart es mit dem geld zur studienzeit ist… und dann führt er sowas ein…. wie assozial is das denn?! steht die politik ncih stellvertretend für das volk? sowas will aber keiner!

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  39. Auch unsere Universität ist mittlerweile besetzt.
    Ich finde es erstaunlich wie viele Universitäten mittlerweile von den Stundeten geführt werden. In Münster war die Verwaltung und Präsidium nicht so tolerant und hat das AudioMax räumen lassen.

    Ich hoffe das die ganze Mühe sich lohnen wird.

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