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Was Spaß macht. Und was nicht.

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Es macht Spaß mit Freunden bei einem Glas seines Lieblingsgetränkes zu sitzen und über alte Zeiten zu reden. Keinen Spaß macht es wenn man merkt, dass man selber nichts erlebt hat. Es tut gut zu sehen, dass es anderen ähnlich geht, tut weh wenn man mit dem Schienbein gegen das Bett stoßt. Wofür leben wir eigentlich, was arbeiten wir und mit welcher Begründung? Immer wieder sehen wir uns vor Entscheidungen, die unser weiteres Leben beeinflussen, dann versuchen wir abzuwägen, indem man sich vorstellt, was sein wird, wenn man sich für oder gegen etwas entscheidet und vergleicht es mit Dingen in der Vergangenheit, ob sie einem gut getan haben oder nicht. Hier gibt es nichts über Technik zu lernen, nichts über den Alltag Medienzukunft und auch nicht über das Bildungssystem. Viel mehr geht es um mein Leben, das sich im letzten Jahr zu sehr versteckt hat. Wenn ihr gerade Blogs auf die neusten News und besten Beiträge scannt, springt weiter. Falls ihr ein paar Minuten Zeit habt, um euch Gedanken über euch selbst und die Welt zu machen, lest weiter.

Was Spaß macht, und was nicht.

Die kleinen Erfolge machen Spaß, aber auch die Großen. Keinen Spaß machen sie, wenn andere sie feiern. Spaß macht es, wenn man selbst groß genug ist, um darüber hinwegzusehen und lächelnd auf die Menschen schaut, die keine eigenen Erfolge haben und sie deswegen den anderen wegnehmen. Spaß macht es mit der Achterbahn zu fahren, keinen Spaß macht es, wenn man sich danach übergeben muss. Noch weniger Spaß macht es, wenn man sich währenddessen übergeben muss. Spaß macht es Texte zu schreiben, keinen Spaß macht es, wenn andere das Thema vorgeben. Spaß macht es, Dinge zu machen, von denen man überzeugt ist. Keinen macht es, wenn jemand einem ständig dreinredet. Spaß macht es, wenn man mit sich selbst zufrieden ist. Spaß macht es auch, wenn man aufrecht gehen kann. Keinen macht es, wenn man deswegen immer wieder getreten wird. Wenn der Neid der anderen, einen in die Knie bringt. Auch keinen Spaß macht es, wenn man nicht mehr genießen kann, weil man zuviel an Menschen denkt, die es nicht so gut haben. Auch keinen Spaß macht es, wenn man sieht wie andere ignorieren, dass es nicht allen gut geht. Spaß macht es anderen Menschen zu helfen, keinen macht es, wenn ständig andere glauben einem helfen zu müssen. Spaß macht es an Herausforderungen zu machen. Keinen macht es, wenn man sie gar nicht bekommt. Noch weniger Spaß macht es, wenn man ihnen zerschellt. Spaß macht es, wenn man in der Früh ausgeschlafen aufwacht, keinen macht es, wenn man in die Arbeit muss, wo ein Berg Aufgaben macht. Dagegen macht es Spaß, wenn man es kaum erwarten kann an einem Projekt weiterzuarbeiten. Spaß macht es den erfolgreichen Abschluss desselbigen zu feiern. Keinen, wenn man dann nur noch herumsitzt und nichts neues anfangen will, um nicht die Freude über das letzte zu verdängen. Wie wenn man das beste Stück am Ende isst. Es macht auch keinen Spaß, wenn man ständig mit kleinen Aufgaben beworfen wird, die nicht schwer sind, aber einen davon abhalten etwas zu machen, das Spaß macht. Auch keinen macht es, wenn man ständig kontrolliert wird. Wenn man das Gefühl hat nur noch auszuführen und selbst das einem nicht zugetraut wird. Genauso wie es keinen Spaß macht alleine vor einem großen Berg zu stehen und zu wissen, dass es niemanden interessieren wird, wenn man oben ist. Dafür macht es Spaß, wenn man gelobt wird. Weniger Spaß macht es, wenn man für Dinge gelobt wird, die man selbst nicht schätzt. Für die kleinen Aufgaben, die jeder machen könnte. Wie wenn man einem kleinen Kind den Kopf tätschelt, wenn es aufs Klo gegangen ist. Spaß macht es dafür wenn man belohnt wird. Auch für die kleinen Aufgaben. Noch mehr Spaß macht es, wenn man auf dem Berg steht und gemeinsam feiert. Wenn man mit den Augen den Weg zurückgeht und spürt, was man erreicht hat. Keinen Spaß macht es, wenn man auf den Weg hinauf sein Handy verloren hat. Auch keinen Spaß macht es, wenn man sich den Fuß gebrochen hat. Noch weniger Spaß, wenn man alleine ist. Doch am wenigsten, wenn es keiner bemerkt. Spaß macht es, wenn man beschleunigt. Keinen Spaß macht es, wenn sich die Mitfahrer darüber beschweren. Noch weniger, wenn sie einen anfeuern. Spaß macht es, wenn man um die Kurve fährt und in den Sitz gedrückt wird. Keinen, wenn plötzlich das Auto wegrutscht und man gegen einen Baum knallt. Noch weniger, wenn man dabei jemanden verliert. Dann gibt es kein Böse mehr, keinen Spaß und keine Worte. Man bleibt liegen. Gut ist es, wenn Freunde einen wieder aufrichten. Spaß macht es keinen. Spaß macht es, wenn man über den eigenen Schatten springt. Spaß macht es, wenn man neue Herausforderungen annimmt. Spaß macht es, wenn man merkt wie man besser wird. Spaß macht es auch, wenn man Dinge schafft, die man sich nicht zugetraut haben. Spaß macht es auch, wenn man Dinge schafft, die andere einem nicht zugetraut haben. Veränderungen machen manchmal Spaß. Und manchmal nicht. Spaß macht es in eine bessere Wohnung zu ziehen. Keinen wenn man dadurch weiter weg von seinen Freunden ist. Spaß macht es erfolgreich zu sein. Keinen, wenn man sieht, dass es die anderen nicht sind. Spaß macht es sich gehen zu lassen. Keinen, wenn man sieht, dass man zu weit gegangen ist. Spaß macht es. Das Leben. Und keinen Spaß macht es auch.

Hin und wieder sollte man sich zurücklehnen und schauen, was man erreicht hat. Man sollte nicht ständig in einer fiktiven Zukunft leben, um die Gegenwart zu rechtfertigen. Man soll Erfolge feiern und Veränderungen zulassen. Man soll zu seinen Freunden stehen und sich den Spaß am Leben nicht verderben lassen. Man sollte glücklich sein. Auch wenn es nicht alle anderen sind. Man sollte ihnen helfen, wenn man es kann. Man sollte nicht alles hinterfragen, aber auch nicht alles hinnehmen. Man muss nicht jeden Mensch akzeptieren und nicht jeden ändern, der einen nicht passt. Man sollte man selbst sein und zulassen es nicht zu sein. Man sollte genießen und trauern. Man sollte vieles. Doch wie vieles kann man machen? Was sind die richtigen Entscheidungen? Wie viele Chancen hat man schon verpasst? Und wie viele hat man ergriffen? Kann man alles in Frage stellen ohne verrückt zu werden?

Ich bin glücklich, weil ich es sein will. Ich werde es nicht immer sein. Dafür werde ich mir Mühe geben Spaß zu haben. Und dagegen anzukämpfen, wenn mir etwas keinen macht.

Und ihr so?

Bild: kevindooley

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Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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  1. Ein großartiger Artikel. Danke Luca. Hat viel wichtiges drinnen. Ganz viel. Besonders hervorheben möchte ich diese drei Sätze:

    Die kleinen Erfolge machen Spaß, aber auch die Großen. Keinen Spaß machen sie, wenn andere sie feiern. Spaß macht es, wenn man selbst groß genug ist, um darüber hinwegzusehen und lächelnd auf die Menschen schaut, die keine eigenen Erfolge haben und sie deswegen den anderen wegnehmen.

    Sie beschreiben eine Fähigkeit, die ich für grundlegendst für ein glückliches, erfülltes und spannendes Leben halte. Gelassenheit, Akzeptanz und Güte – die andere Backe hinhalten können, weise lächeln und wissen, dass es nicht um der Boshaftigkeit Willen sondern der kläglichen Kleinheit derer passiert, die es nicht besser schaffen. Alle bemühen sich. Viele scheitern. Bauen wir sie auf, machen sie groß, stärken sie, geben ihnen Halt. Das Leben macht Spaß. So besonders. Mir zumindest.

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  2. Eine Ode an das Leben. Ganz wunderbar geschrieben. Jeder Satz ist so wahr.

    „Spaß macht es. Das Leben. Und keinen Spaß macht es auch.“ Ich habe nichts hinzuzufügen.

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  3. „Ich bin glücklich, weil ich sein will.“ – eine gute Lebenseinstellung!

    … und mir macht es Spaß , schöne Musik bis in die Seelenspitzen zu spüren ……

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  4. Pingback: Tweets that mention Was Spaß macht. Und was nicht. | Alltag Medienzukunft -- Topsy.com

  5. Auch mir hat der Artikel sehr gut gefallen. Dies ist eine perfekte Einleitung für das Jahr 2010. Außerdem finde ich das neue Layout gelungen.

    Auf 2010, möge es uns viel Freude bringen!

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  6. Wie man hier schon öfter geschrieben hat: ein großartiger Text. Lebensbejahend mit dem nötigen Fünckchen ‚trotzdem‘, wenn du verstehst, was ich meine.

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  7. Es mag Haarspalterei sein, aber ich empfinde einen deutlichen Unterschied zwischen Spaß und Freude. Spaß ist kurzfristiges Amüsement, Freude dagegen anhaltende Befriedigung im besten Sinne. Über einen Gag lacht man, weil er Spaß macht. Der Beruf dagegen soll Freude machen, nicht Spaß.

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  8. Ein schöner Beitrag, der hilft, mal stehen zu bleiben. Seine Sorgen weiterziehen zu lassen und sich über das zu freuen, was Spaß gemacht hat :)

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