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Keynote Digitales Managen Symposium

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Eine Keynote, die ich nicht halten werde. Als ich zwei Stunden vor dem Event geduscht habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass diese Keynote langweilig ist. Immer wieder gesagtes. Screenshots. Es geht schlimmer, aber ich habe heue keine Lust sowas zu machen. Und das tolle am Internet? Sie ist nicht umsonst gewesen. Ich stelle sie einfach ins Blog und Teilnehmer des Digitales Managen Symposium und ihr alle können sie lesen. Die Folien sind am Ende des Textes.

Es handelt sich um eine Rohfassung mit ein paar nachträglich hinzugefügten Links. Alternativ empfehle ich diese Keynote.

Guten Morgen. Etwas früh, findet ihr nicht? Als mich Jan gefragt hat, ob ich bereit sei eine Keynote zu halten war ich kritisch. Weder kannte ich das Thema, noch empfand ich mich als sonderlich geeignet für sowas. Ich halte gerne Vorträge, keine Frage, aber Keynotes haben für mich meist einen gewissen Beigeschmack dies visionären und das darf in diesem Zusammenhang auch negativ gesehen werden. Da stehen Leute auf einer Bühne, die ein bisschen Ahnung haben und erzählen Leuten, die weniger Ahnung haben von ihren großen Visionen. Wie XY die Welt verändern wird. Letztes Jahr war ich auf einem Digitalkongress, oder so ähnlich, wo mir tatsächlich jemand vom Web 5.0 erzählte. Er war davon richtig überzeugt, fantasierte wilde Dinge und untermauerte seine Thesen mit pixeligen YouTube Videos. Ich kochte vor Empörung. Dabei saß ich in der ersten Reihe und der Herr neben mir musste glauben, ich habe das Tourette Syndrom. Vdmte schße. Knn doch ncht sein. Trottl. Danach habe ich das Gelände schnaubend verlassen. Was mich so aufgeregt hat, war nicht nur der Typ auf der Bühne, sondern auch das Publikum. Das an seinen Lippen hang und ganz begeistert war von dem Unsinn, den er erzählte. Er war ein richtiger Verkäufertyp. Die Art von Menschen, die ich nur schwer ausstehen kann. Auch wenn ich sie akzeptiere. Irgendwie. Schließlich muss Zeug verkauft werden. Aber so jemand sein, will ich nicht. Später sagte mir Jan, dass ich aus meinem Alltag erzählen solle. Nicht von der Zukunft erzählen, sondern wie es ist. Für mich. Jeden Tag. Ich bin Blogger, nichts lieber als das. Von mir selbst erzählen. Als würde der Doktor dem Alkoholiker sagen, Alkohol würde ihn heilen. Nur dass es hier tatsächlich die Anforderung ist. Dann fangen wir einmal an.

Zu Beginn muss ich kurz auf die Begrifflichkeit eingehen. Digital Native. Man geht davon aus, dass die Person mit dem Internet oder zumindest digitalen Dingen aufgewachsen ist. Und sich daher gut damit auskennt. Und überhaupt. Das ist Schwachsinn. Ein Medienbegriff wie auch Web 2.0. Bis ich 6 war hatten wir keinen Fernseher und bis 10 durfte ich maximal Universum schauen. Vielleicht einmal Pumuckl. Oder die Nachrichten. Dann bekam irgendwann meine Mutter einen Computer, weil sie ihn beruflich brauchte. 96/97 war das. Ich durfte ein paar Lernspiele spielen. Das Internet verstand ich sowieso nicht. Richtig angefangen habe ich vielleicht mit 13 Jahren. In meinen Augen ist das weit weg von der Digital Native Definition weg, daher verwende ich viel lieber die Begriffe von Peter Kruse. Digital Residents für Personen wie mich, also Leute die im Internet zuhause sind und es eigentlich täglich nutzen. Auf der anderen Seite die Digital Immigrants. Leute, denen das ganze fremd vor kommt. Sie nutzen es auch, aber bei weitem nicht so intensiv. Sie haben wenig Vertrauen und das Internet macht ihnen etwas Angst. Von der übrigen Forschung von Kruse sollte man sich selbst eine Meinung bilden, aber die Begriffe finde ich gut. Digital Residents gibt es überigens in jeder Altersschicht und ich bin mir sicher es sitzen einige unter ihnen. Und nur weil jemand mit dem Internet aufgewachsen ist, heißt das noch lange nicht, dass er gut damit umgehen kann. Man sollte da lieber von Digital Naive sprechen.

So wie wir uns nicht darüber unterhalten, ob wir Fahrzeuge verwenden, um von A nach B zu kommen, so stellt sich für mich gar nicht die Frage, ob ich online bin oder nicht. Ich mache mir Gedanken welches Fahrzeug, welches Device ich dafür nütze, aber dass ich es nütze ist selbstverständlich. Ich besitze keine Uhren mehr, weder am Arm noch neben dem Bett. Mein Mobilgerät ist mein persönlicher Assistent, der mich morgens weckt, mir untertags sagt, welche Termine ich habe, über den ich meine Zugtickets kaufe und der mir jederzeit Zugriff auf alle wichtigen Daten geben kann. Das ist nicht neu sagen sie. Dann frage ich, ob sie ihr Handy aus dem Fenster werfen kann und innerhalb von wenigen Minuten alle Daten auf einem neuen Gerät habe? Ohne es irgendwo anzuschließen. Meine Daten sind in der Cloud, zu einem großen Teil bei Google. Email, Kontakte, Kalender. Warum? Weil es am einfachsten und günstigsten zum synchronisieren ist. Dokumente und Dateien sind bei Dropbox, wo man 2GB Speicher kostenlos bekommt und um 100$ im Jahr auf 50GB erweitern kann. Backups nutze ich fast nicht, weil sich andere darum kümmern. Ich bin unabhängig von meinen Geräten. Es gibt das eine oder andere Programm, dass es online noch nicht gibt oder nicht die gleiche Qualität liefert, aber die meisten Dinge kann ich von jedem beliebigen Computer erledigen. Auch von meinem Handy. Dadurch habe ich eine enorm hohe Verfügbarkeit und kann dabei sehr mobil bleiben. (Dass gerade in Zügen mobiles Internet noch ziemlich schlecht ist, möchte ich hierbei unter den Tisch fallen lassen.)

Dass ich nachwievor den Großteil meiner Zeit vor Bildschirmen verbringe ändert dies zwar nicht, aber das ist auch nicht an sich etwas schlechtes.

Haben sie auch schon einmal gehört wie viel Zeit Facebook und Twitter verbrauchen? Während der Arbeitszeit gehen die Leute dorthin und klicken sich durch Statusupdates und private Fotoalben. Schrecklich ist das. Sollte man am besten alles verbieten. So denken sie natürlich nicht, sonst wären sie ja nicht da. Oder? Was würden sie dazu sagen, wenn ich ihnen erzähle, dass ich in Echtzeit Pop Ups bekomme sobald ich eine Benachrichtigung bei Facebook erhalte oder eine Nachricht/Reply auf Twitter? Damit noch nicht genug, ich bekomme von manchen Personen jede einzelne Nachricht eingeblendet, während ich arbeite. Klingt schrecklich? Empfinde ich als genial und vielleicht verstehen sie auch gleich warum. Menschen gehen auf Facebook, weil sie Angst haben etwas zu verpassen, das gleiche passiert mit Twitter. Steve Rubel hat eine Methode dagegen. Er nennt es das Social Media Bad (Link nicht mehr gefunden, vielleicht war es auch jemand anders). Dreimal pro Tag stattet er den ganzen Services einen Besuch ab. Macht er mit Email übrigens ähnlich. Damit hat er dazwischen Phasen um konzentriert zu arbeiten. Das funktioniert für viele Menschen. Für mich nicht. Ich werde nervös, müsste ich so lange warten. Und so geht es auch anderen. Also schaut man stündlich, wenn man sich zurückhält oder alle fünf Minuten auf Facebook, um zu sehen, ob es etwas neues gibt. Meistens ist das aber gar nicht so wichtig. Wichtig ist, wenn man selbst involviert ist. Wenn also jemand ein Kommentar schreibt oder eine Nachricht schreibt. Und genau die Dinge bekomme ich in Echtzeit. Somit kann ich viel ruhiger arbeiten, weil ich weiß dass ich alle wichtigen Dinge sowieso mitbekomme. Kein unnötiges nachschauen und aktualisieren mehr. Außerdem hat es den Vorteil, dass ich innerhalb von Sekunden reagieren kann. Damit beeindruckt man Leute. Aber auch bei mir gibt es Aufgaben, wo ich alles abschalte und mich nur darauf konzentriere.

Genug von der Arbeit. Sprechen wir ein wenig über Unterhaltung und Medien. Lesen sie noch Zeitung? Ich besitze weder Fernseher, noch Radio. Ich habe in meinem gesamten Leben nur vier CDs gekauft und drei davon waren Geschenke. Keine einzige DVD. Früher habe ich last.fm genutzt um Musik zu hören, heute ist es grooveshark und morgen wahrscheinlich Spotify. Alles vollkommen legale Services. Ich höre die Musik, die ich hören will. Einmal oder auch mehrmals. Ich stelle Playlists zusammen oder höre die von anderen. Und da ist da noch blip.fm. Ein wenig wie Twitter, aber mit Musik. Es wird jeder ein bisschen zum DJ und kann Musik blippen und die hört man sich dann an. Ganz wunderbar. Und will ich einmal Informationsbeiträge gibt es Podcasts, die sich autoamtisch runterladen und ich sie konsumieren kann, wann ich möchte. Beim Fernsehen ist es ähnlich. Es ist schon eine Zeit her, aber da habe ich das Programm von ORF1 analysiert. Der Großteil sind amerikanische Serien. Ein halbes Jahr bis Jahr nach ihrer Erstausstrahlung in den USA. Als Torrent sind sie einen Tag danach in HD-Auflösung verfügbar. Alles vollautomatisch. Oder man schaut sie auf einer der zahlreichen Streamingseiten. Weil ich nicht einsehe, dass ich warten soll bis es bei uns eine miese Übersetzung gibt. Und dann soll ich mich auch noch zu genau der Zeit vor den Fernseher setzen, wo der ORF meint sie ausstrahlen zu müssen. Oder sie werden mitten in der Staffel abgesetzt, weil sie doch nicht so erfolgreich sind, wie erwartet. In den USA gibt es das großartige Angebot Netflix. Für 9$ im Monat kann man jeden Film aus ihrem Archiv, das ständig erweitert wird streamen. Oder man bekommt die DVD per Post zugeschickt. Die kann man so lange behalten wie man möchte, aber muss ihn zurückschicken, um eine andere auszuleihen. Dann gibt es da noch die Zeitungen. Ich stehe total auf RSS und Twitter. In meinen Google Reader bekomme ich die Artikel von den Blogs und Websites automatisch geliefert, die ich abonniert habe und kann sie bequem über das Endgerät meiner Wahl lesen. Außerdem kann ich Artikel mit Kontakten teilen und bekomm die Artikel, die sie geteilt haben. Weitere Links zu Dingen bekomme ich über Twitter. Viel individueller als jede Zeitung es könnte, dabei schneller und tiefergehend. Außerdem habe ich meist die Möglichkeit den Autor zu kontaktieren, wenn ich mehr Infos möchte oder eine Frage haben. Und weil da ja keine journalistische Sorgfalt dahinter steht, überfliege ich die Kommentare, wo jeder Rechtschreibfehler ausgebessert wird. Und mit einem Klick bin ich bei einer weiteren Quelle.

Natürlich ist mir das alles etwas wert. Deshalb bin ich bei flattr. Dort zahle ich einen monatlichen Betrag und jedes Ding, sei das ein Video, ein Bild, ein Text oder etwas anderes, das einen flattr Button hat und mir gefällt bekommt einen Teil davon. Am Ende des Monats wird der Betrag gleichmäßig an alle geklickten Websites verteilt.

Und damit habe ich erst an der Oberfläche gekratzt, doch für mehr ist jetzt keine Zeit.

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Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni. | | | Newsletter

6 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Vielen Dank, die Resident-Geschichte ist sehr angenehm als Vorstellung, viel angenehmer als aufgrund eines Geburtsdatums lebenslang nicht dazugehören zu können.
    Und danke für den Spotify-Tipp. :-)

    Beste Grüße;
    Andreas.

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  2. Die Präsi ist super interessant und irgendwie belustigt sie mich auch ein wenig! Ich freu mich jetzt schon aufs web 5.0 :D

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