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Warum ich Cablegate richtig finde

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Wikileaks hat nach einer gewissen Zeit von kleineren Veröffentlichungen drei richtig große gemacht. War Logs, Diary Dig und jetzt Cablegate. Die kleinen hat fast niemand beachtet, leider finde ich sie momentan nicht mehr auf der Website, ich hoffe jedoch, dass sie wieder kommen. Die kleinen findet man weiterhin unter http://mirror.wikileaks.info/ (Danke Richard für den Hinweis). Schließlich waren auch einige interessante aus Österreich und der EU dabei. Die großen Veröffentlichungen sind ein Aufstampfen, durch die Zusammenarbeit mit großen, anerkannten Zeitungen wurde die Aufmerksamkeit weltweit erreicht.

Inzwischen lese ich immer öfter, Wikileaks und Assange seien nur mediengeil. Man will immer mehr Aufmerksamkeit, immer größer werden, immer mehr Spenden erhalten.

Ich finde das gut und wichtig. In meinem Bakk. Seminar hat sich letztens ein Student zu Wort gemeldet, der seine Arbeit über Wikileaks schreiben möchte und dies damit begründet, dass es so neu ist. Er hat vor allem Bestätigung bekommen, welch ein interessantes Thema. Ich warf ein, dass Whistleblowing nicht etwas neues ist, nur dass bisher die Informationen direkt zu den Zeitungen kamen und nicht über einen Drittanbieter wie Wikileaks. Außerdem gibt es da auch noch Cryptome, welches nicht auf große Veröffentlichungen schaut, sondern einfach tut was es tut. Dies ist aus meiner Sicht auch der Grund, warum es nur wenigen bekannt ist.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Veröffentlichung aller Cables, die Wikileaks erhalten hat und nicht nur der brisanten. Man müsse nur die richtigen Zeitungen lesen und wüsste das gleiche, das die Diplomaten an die Zentrale melden. Die Analyse von Politiker sei ihr ganz normaler Job und der sollte nicht untergraben werden, indem diese Nachrichten veröffentlicht werden. „Völlig trivialer Scheiß.“ wird da geschrieben.

Ich muss zugeben, dass ich noch nicht dazu gekommen bin, sehr viel zu lesen. Ich habe einzelne Cables direkt gelesen, aber noch ist nur ein winziger Teil veröffentlicht, und andererseits ein paar Schlagzeilen überflogen und finde, dass zumindest der Guardian doch einige interessante Dinge gefunden hat. Jetzt kommt der große Unterschied, zwischen klassischen Whistleblowing und Wikileaks. Bisher hat die Zeitung nur die Dinge veröffentlicht, die sie für relevant hielt (dazu haben sie sich bei Cablegate auch entschieden), Wikileaks veröffentlicht jedoch alles. Darunter ist sehr viel unwichtiges Zeug, aber es ermöglicht jeden, den es interessiert selbst nachzulesen was los ist. Man kann den, oft sinnvollen aber nicht immer ausreichenden, Filter der Zeitungen beiseite schieben und die Originale lesen. Positiver Nebeneffekt ist die Möglichkeit für andere Medien, die nicht direkt mit Wikileaks zusammenarbeiten, dass sie auch Zugang zu dem Material haben und somit nicht einige wenige entscheiden, was relevant ist sondern alle.

Cablegate wurde mit Klatsch und Tratsch über Promis verglichen.

Dem stimme ich zu. Doch geht es in dem Fall nicht um Einzelpersonen, die in der Öffentlichkeit stehen weil sie nackt um einen Baum gehüpft sind, sondern um Diplomaten, die für die Kommunikation zwischen unseren(!) Staaten verantwortlich sind. Es werden keine privaten Briefe veröffentlicht, sondern Analysen, auf denen Entscheidungen über Krieg oder nicht Krieg getroffen werden. Die die Grundlage für Verhandlungen sind und auch Stück unser aller Leben. Ich bin der Meinung, dass es richtig ist, dass diese Dinge öffentlich gemacht werden. Es sollte nicht über uns hinweg regiert werden. Doch das ist eine persönliche Meinung. Ich glaube, dass Transparenz die Politik verbessert. Weiters glaube ich, dass Transparenz nur funktioniert, wenn sie von allen Staaten betrieben wird. Aber irgendwer muss anfangen.

Nett dazu fand ich den Link von Kellerabteil:

Open covenants of peace, openly arrived at, after which there shall be no private international understandings of any kind but diplomacy shall proceed always frankly and in the public view.

Dass es aber auch berechtigte Fragen und Vorwürfe gibt zeigt Don Dahlmann.

Wer sind die Quellen?
Man kann mit Wikileaks auch wunderbar Politik machen, indem man Staaten schädigt mit echter oder falscher Information. Dennoch spielt es für mich eine zweitrangige Rolle. Zu wichtig der Schutz der Personen, die Dinge an Wikileaks weitergeben. Wenn die Dokumente echt sind, ist es nicht so wichtig von wo sie kommen.

Die Fixierung auf die USA.
Es gab früher viele Dokumente aus anderen Staaten, dich niemals so große Veröffentlichungen. Ich hoffe sehr, dass die Aufmerksamkeit dafür sorgt, dass auch Menschen in anderen Staaten Dokumente leaken. Wichtige Dokumente. Um die Politik zu mehr Ehrlichkeit und Transparenz zu zwingen. Nicht nur die USA. Sonst funktioniert es wieder nicht.

Instrumentalisierung der Medien.
Ich sehe es etwas anders als Dahlmann. Dadurch dass die Dokumente komplett online gestellt werden, bietet Wikileaks Medien eine zeitliche Exklusivität an, die diese nutzen können und somit mehr Aufmerksamkeit für die Dinge und Wikileaks schaffen. Aber alle Medien haben Zugriff darauf, sobald sie online sind. Dass der Ruf von Wikileaks mit anerkannten Medien verbessert wird, ist so. Finde ich aber in Ordnung.

Wären die Dossiers ohne Wikileaks veröffentlich worden?
Weiß ich nicht. Empfehle euch aber nochmals Dahlmanns Artikel.

Unterschiedliche Blickwinkel gibt es bei opalkatze.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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  1. Nur mal zu den Begrifflichkeiten:

    „Cablegate“ ist kein Whistleblowing, sondern Postraub.

    Ein Whistleblower „enthüllt nicht tolerierbare Gefahren, Risiken und Fehlentwicklungen, Korruption, Verstöße gegen internationale Abkommen, die das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft oder die Umwelt bedrohen“ sagt die Wikipedia. Das wahllose Veröffentlichen von Papieren, die einfach nur interessant und/oder geheim sind, gehört nicht dazu.

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