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Wo ist deine Bakk. Arbeit?

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Ich studiere im siebten Semester Publizistik- und Kommunikationswissenschaften. Angeblich braucht man sechs Semester, um den Bakkalaureus bzw. Bachelor abzuschließen. Mein Ziel ist bis zum nächsten Sommer fertig zu werden. Doch auch dieses Ziel wackelt im Moment. Ein paar Gedanken, warum Digital Residents Probleme mit wissenschaftlichen Arbeiten haben und erste Lösungsansätze.


Foto: Tony Gigov, Foto zuvor, Volltreffer;

Ich kann nur für mich sprechen und ob es anderen Digital Residents auch so geht, weiß ich nicht. Es geht auch nicht nur, um wissenschaftliche Arbeiten, sondern grundsätzlich um Aufgaben, die länger als zehn Minuten dauern.

Mehr Informationen!

Ich bin es gewohnt große Mengen an Informationen zu verarbeiten. Jeden Tag lese ich tausende Tweets und hunderte Artikel. Lesen ist der falsche Ausdruck. Vielmehr ist es ein überfliegen, ein scannen. Die tausenden Informationsstücke, durch die ich Tag für Tag klicke, werden in Sekundenbruchteilen bewertet. Mein Kopf ist wahnsinnig gut darin geworden unwichtiges auszusortieren und so habe ich nie das Gefühl von einer Informationsflut erschlagen zu werden. Vielmehr kommt es dazu, dass ich nach mehr Informationen lechze. Es gab Zeiten, wo ich den Hauptstream von soup.io leer gelesen habe.1 Im Google Reader habe ich mir vorgeschlagene Artikel unter Explore reingezogen und auf Twitter bin ich immer mehr Leuten gefolgt. Konnte nicht genug bekommen.

Inzwischen hat sich die Lage etwas normalisiert. Ich bin auf Twitter sehr kritisch, wem ich folge. Sortiere regelmäßig aus, um den Übrigen mehr Aufmerksamkeit schenken zu können. Im Reader lese ich im Schnitt 150-200 Artikel und bei soup.io wird nur ein bisschen im Stream der Freunde gebadet.

Ich konsumiere nach wie vor eine Vielzahl an Informationen.

Es ist nicht entscheidend, dass ich exakt weiß, was in den ganzen Artikeln steht. Wichtiger ist zu wissen, dass es die Artikel gibt und worum sie ungefähr gehen. Eine gewisse Grundaussage, die man aus bestimmten Beiträgen mitnimmt. Immer wieder merke ich in Gesprächen, dass ich dazu schon etwas gelesen habe und wenn ich einen Computer in der Nähe oder das Handy in der Nähe habe, kann ich innerhalb von kürzester Zeit den Beitrag wieder finden. Manchmal bin ich dann selbst überrascht wie viel ich noch davon weiß, ohne ihn im Detail gelesen zu haben. Hilfreich sind auch Tweets, die im Idealfall in einem Satz zusammenfassen, was der Text aussagt.

Information skippen

Wenn man mit so vielen Informationen zu tun hat, werden Dinge, die nicht im ersten Moment als wichtig erscheinen, übersprungen. Schließlich wartet eine große Zahl an Informationen, die es ist. Ich muss mich nicht mehr mit unwichtigen Dingen aufhalten, weil ich das beste auswählen kann. Das zeigt auch wieder wie wichtig es sein kann, wie Informationen verpackt werden.

Es ist schon eine Zeit lang her, aber ich kann mich erinnern es auf Nerdcore2 gelesen zu haben: In der Überschrift muss stehen, was im Beitrag vorkommt. Wenn da ein Video mit tanzenden Katzen ist, dann sollte der Titel „Video: Tanzende Katzen“ oder so ähnlich lauten. Das gleiche kann man heute für Twitter behaupten. Wenn jemand nicht schreibt, was sich hinter dem Link verbirgt, werde ich dem Link höchstwahrscheinlich nicht folgen. Man baut ein Vertrauen in die Personen auf und wenn sie falsche oder ungenaue Beschreibungen zu den Links liefern, werden sie entfolgt oder zumindest nur noch selten auf Links geklickt. Nach dieser Regel ist auch der Titel dieses Beitrags nicht ideal. Besser wäre „Fähigkeit viele Informationen zu verarbeiten behindert wissenschaftliches Arbeiten“. Kürzer und knackiger. Ist mir im Moment aber auch egal.

Wissenschaftliche Texte brauchen Zeit

Wissenschaftler sind eher selten gute Autoren. Ich sehe ein, dass bestimmte Dinge nicht vereinfacht werden sollen, da sie sonst nicht mehr das aussagen, was sie aussagen sollen, doch wenn ich einen Absatz dreimal lesen muss, um ihn zu verstehen, hat der Autor ebenso versagt.3

Ein anderes Problem, und das ist vermutlich entscheidender, ist mein antrainiertes Rezeptionsverhalten. Wenn es nicht sofort interessant ist, wird es ignoriert. Doch wissenschaftliche Texte entfalten sich manchmal erst, wenn man sie komplett gelesen hat. Auch braucht es Hintergrundwissen und in manchen Bereichen muss man dann bei Grundlagen beginnen, die einfach nicht spannend sind. Als müsste man erstmal lernen was der Begriff Blog bedeutet.

Meine Aufmerksamskeitsspanne ist tatsächlich recht gering, wenn mich ein Thema nicht besonders interessiert oder es jemand empfohlen hat, dem ich vertraue. Fünf bis zehn Minuten bei einem Buch, die es hat um mich zu fangen. Manchmal stelle ich mir die Frage, ob ich das falsche studiere.

Wissenschaftliche Artikel muss man mit einer gewissen Ruhe lesen. Die Kernaussagen erfassen. Weil sie nur Sinn machen, wenn man die Hintergründe kennt oder weil sie der Autor schlecht verpackt hat.

Die Qualitätssperre

Egal ob es um meine Bakk. Arbeit geht oder um einen Blogpost. Ich habe das Gefühl eine gewisse Qualität liefern zu müssen. Ein Maßstab den ich selbst setze und das oft zu hoch. Bin dann extrem unzufrieden mit mir, weil es nicht so gut ist, wie ich es gerne hätte. Lösche einzelne Absätze bis hin zu ganzen Beiträgen. Es reibt mich auf und ich will mich schon gar nicht mehr hinsetzen, weil ich Angst habe, es am Ende doch wieder wegzuwerfen.

Beim wissenschaftlichen ist es noch schlimmer. Ich fühle mich verpflichtet für jede Aussage einen Beleg zu haben. Traue mich nicht Dinge zu schreiben, wie ich sie wahrgenommen habe und es einfach anzugeben. Ich verliere mich in der Recherche für Nebensätze und lösche sie dann wieder. Die Erwartungshaltung ist weit über den Wolken und wenn ich nicht anfange und übe, werde ich sie niemals erreichen. Wobei ich mir recht sicher bin, dass ich sie sofort höher stellen werde, sobald ich in die Nähe komme.

Suche nach dem perfekten Tools

Ich liebe Dienste, die mein Leben erleichtern. Dropbox, um Dateien zu sichern oder Kontakten zu teilen. Papers zum sammeln und sortieren wissenschaftlicher Arbeiten. CloudApp zum schnellsten Teilen überhaupt. Irgendwann werde ich einen eigenen Beitrag zu den ganzen Helfern schreiben.

Immer wieder bin ich auf der Suche nach etwas besserem. Ich gebe mich nicht zufrieden, mit den Dingen die ich schon habe und nutze sie, sondern teste neues und werde somit nicht besonders gut in ihnen. Am Ende sitze ich wieder mit TextEdit da und tippe innerhalb kürzester Zeit das ganze als Plain Text runter.4 Das Problem ist, dass ich eben Dinge rund um die Arbeit mache, anstatt die Arbeit selbst. Etwa diesen Blogpost schreiben.

Konzentration

Oh, da drüben glitzert etwas. Bei mir wäre es eher ein neues Service oder eine Veröffentlichung von Wikileaks, die mich ablenkt. Jeden Tag gibt es hunderte Dinge, die interessanter als die Arbeit an meiner Arbeit sind.

Mit Freude stelle ich aber auch fest, wie ich mich in Themen stürzen kann und mehrere Stunden daran arbeite. Selbst die Tweets, die regelmäßig via Twitterjunkie und Growl auf meinem Bildschirm auftauchen, können mich nicht ablenken. Ich bin dann in einem Flow, wo ich andere Dinge tun kann, ohne den Faden zu verlieren. Die Synapsen sind warm geglüht und hören nicht so schnell auf zu arbeiten.

Entscheidend ist das Thema. Wenn es mich interessiert, ist es in kurzer Zeit erledigt. Oft sogar überraschend gut. Doch wenn nicht, dann muss ich alle Notifications abdrehen. Darf weder Twitter, noch Facebook öffnen und das Handy am besten abstellen. Pausen sind schon gefährlich. Eigentlich sollte man solche Themen gar nicht beginnen, doch das kann man sich nicht immer aussuchen.

Lösungsansätze

  • Anfangen.
  • Ein Thema wählen, das einen wirklich interessiert.
  • Wenn man nicht weiterkommt, alles liegen lassen und rausgehen.
  • Uninteressante Literatur am Ende lesen.5
  • Langsame Mediennutzung trainieren. Siehe auch Slow Media Manifest.
  • Zeit nehmen.
  • Qualität wächst mit der Arbeit.
  • Interessante Aspekte finden.
  • Wenn alles nicht mehr hilft, einen Blogpost über die eigene Unfähigkeit schreiben. Aufmunternde Kommentare mit tollen Tipps bekommen und diese mit den gefunden Lösungsansätzen anwenden.
  • Den Fortschritt transparent machen.

Und ihr so?

Update
Links zum Thema
Forschung Spezial – TV Serien – Vorwort
Cory Doctorow: Writing in the Age of Distraction6
focus : a simplicity manifesto in the age of distraction6
How to Focus6
Six Ingredients of a Good Life7

Dieser Blogpost hat 1289 Worte und wurde in einer Stunde und achtundzwanzig Minuten geschrieben.

  1. Des Tages. Nicht bis zum ersten Post seit bestehen. []
  2. Vielleicht hier? []
  3. Dieser Satz ist Unsinn. Bitte Kommentare beachten. []
  4. Das ist eine Befürchtung. Schon passiert. []
  5. Vielleicht ist sie dann interessanter. []
  6. Danke jk [] [] []
  7. Danke Heinz []

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite freiberuflich als Social Media Analyst und veröffentliche jährlich einen Blogbeitrag.

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  1. Pingback: Forschung Spezial – TV Serien – Vorwort – Dominik Gubi

  2. Wow. Viel Stoff zum darauf-eingehen auf einmal. Wo fange ich an … *oh, ein Katzen-Video* ;)

    Nein, im Ernst – ich denke, das Problem kennen viele, die so wie Du (und ich) ständig an irgendeinem Informations-Stream hängen. Und viele andere haben es vielleicht nur noch nicht als Problem erkannt sondern feiern als es ihren Lifestyle. (Der dann dazu führt, dass Falschnmeldungen Twitter überfluten, weil die Aufmerksamkeitsspanne nicht dazu reicht, nach der ersten Empörung noch zu schauen, was dran ist an dem, was da gerade im Growl-Fenster aufpoppte. Retweeten ist ja leichter, als erst lesen & dann eine Meinung bilden & dann retweeten. Aber ich schweife ab, auch wenn dieses Thema imho auch sehr zum von Dir geschriebenen passt.)

    Ich habe in der letzten Zeit eher zufällig als gesteuert, eher notwendig als gewollt viel über solche Dinge erfahren. Habe erfahren, dass zB ein gewisser Druck von außen (Deadline. Geld. Wartende Kollegen. …) die Konzentration auf ein Ding leichter machen kann. Dass ich inzwischen Twitter, Mail, Reeder, und was da sonst noch so ist abstelle wenn ich weiss, dass ich jetzt zB die nächsten 3 oder 4 Stunden an einem Problem sitzen müsste.
    3 oder 4 Stunden sind übrigens eine ungewohnt lange Zeit, in der man erstaunlich viel schafft, wenn man wirklich an der Sache dran ist und nicht alle $Reload-Intervall Sekunden Growl leer-liest.

    S. hat sich beruflich viel mit Lernverhalten, -techniken und unter anderem auch dem Erreichen von Flow-Zuständen befasst. Runtergebrochen auf meine (und Deine?) Situation lautet die Zusammenfassung wohl in etwa: Ablenkungen ausschalten und das, womit ich mich beschäftige genau so dosieren, dass es vom Anspruch her knapp über dem liegt, was ich gerade kann. Also immer machbar, aber auch immer leicht anregend.
    Das ist natürlich in ihrem Fall für die Schule und für Lernumgebungen geschrieben und wenn man nun dummerweise derjenige ist, der sich selbst den Anspruch, das Ziel, das Niveau, die Zeit usw vorgibt wird das schon schwieriger.
    Denn dann mus man für sich selber die Rollen trennen: Erst die Aufgabe stellen, den Rahmen vorgeben und dann – sich an diese Regeln haltend – ausführen. (Und man würde – um noch einmal eben auf die oben ja schon abgestellten Ablenkungen einzugehen ja auch jedem anderen Menschen empfehlen, sie abzustellen, oder?)

    Aber ich denke, die wahre Kunst ist:
    Sich selbst erst(!) einen realistischen Rahmen geben und ihn dann(!) ausfüllen.
    Sich selber vertrauen, dass man sich selbst den Rahmen gut gesteckt hat, bevor man begonnen hat.
    Nicht während der Arbeit die Ebenen wechseln. Nicht während des Ausführens reflektieren, sondern zu einem mit sich selbst vereinbarten Punkt danach.
    Immer nur in einer Rolle sein: Entweder Stukturgeber oder Ausführer.

    Glaube ich. Ich arbeite dran :) Und wäre sehr an weiterem Austausch interessiert. (Sehen wir uns?)

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    • Dass man in vergleichsweise kurzer Zeit, einigen Stunden, viel erledigen kann, kann ich nur bestätigen. Ebenso mit Druck. In der Nach vor der Abgabe oder sogar ein paar Stunden vor dem Termin, bin ich äußerst effizient. Was mich daran nervt, ist die fehlende Zeit, wenn etwas schief geht oder ich etwas überarbeiten möchte. Und natürlich das viel größere Problem, des sich ständig Vorwürfe machen, dass man das schon längst erledigt haben sollte, dass man dafür so viel Zeit gehabt hat, dass man kein schlechtes Gewissen haben müsste, wenn man auf den ersten Blick unsinnige Dinge macht, wäre die Pflicht schon erfüllt.

      Das mit dem Rollen trennen finde ich spannend. Habe ich bisher nie gemacht, jedenfalls nicht bewusst. ToDo Listen, Arbeitspakete ja, aber dann während der Arbeit zu viel herumgesprungen. Mal da, mal dort und immer wieder von der Menge der Aufgaben erschlagen. „Das schaffe ich nicht. Jetzt denke ich so lange über die beschissene Situation nach und wie es vielleicht doch ginge, bis die Zeit verstrichen ist und ich gar nichts erreicht habe.“ Als sein eigener Manager, sollte man wohl öfter Entscheidungen treffen, was am wichtigsten ist und sich dann dazu bringen es zu machen und den Rest für die Zeit zu vergessen.

      Was mir noch zusätzlich eingefallen ist und mich in letzter Zeit öfters beschäftigt, ist Erfolg. Gerade bei Webprojekten ist fällt mir öfters auf, dass es mir schwer fällt anzufangen, aber sobald ich erste Erfolgserlebnisse habe, „Hui, das hat jetzt aber schnell funktioniert.“, habe, ich immer besser und motivierter werde. Wodurch die Spirale sich dan angenehm nach oben dreht und ich stundenlang im Flow bin.

      Jeder weitere Austausch ist willkommen.

      Ich fahre am Dienstag nach Paderborn und bin dann bis Anfang Jänner dort. Sollte sich also etwas ausgehen. Ich freue mich darauf.

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  3. Die Einstellung zu dem _wie_ man die Dinge tut ist extrem wichtig.
    Ich kenne eine (im Web recht bekannte und deswegen anonymisierte) ****** – die legt immer erst 2 Tage vor der Deadline los. Von außen betrachtet kann ich inzwischen sagen: Das ist ihr Arbeitsstil und sie arbeitet gut und erfolgreich so.
    Und wenn sie (oder ich oder Du) dann die Gelassenheit hätte, sich vorher nicht zu ärgern und sich Vorwürfe zu machen, wäre ja alles gut.

    So sehen kann ich das total gut bei anderen – wenn ich selber wieder rumprokrastiniere bis der Druck überhand nimmt ärger‘ ich mich natürlich auch. So eine Einsicht ist ja bei anderen imer viel leichter als bei einem selbst.
    Und ich denke, wir leben zwar alle in ach-so-flexiblen Zeiten, haben aber die alten Modelle und Ideale von „geregelter Arbeit“ immer noch sehr im Kopf.
    Zwischenfazit eins also: Loslassen :)

    @Erfolg: Der inzwischen co-wissende Lerntheoretiker sagt: Klar, völlig logisch. Erfolgsmotivation ist wichtig und eine der stärksten (soweit ich mich ans Abfragen der Liebsten vor der Klausur richtig erinnere ;) )
    Bleibt als Lösung für uns, dass wir uns am Anfang einer Aufgabe andere Motivationen schaffen müssen.

    Ich werd das mal mit ihr bereden, was sie da an anderen Motivations-Möglichkeiten anzubieten hat – wozu hat man schließlich so einen Theoretiker im Haus …

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  4. :-)

    ALLGEMEINES ZU MEINEM STUDIUM IM VERGLEICH ZUM BACHELOR
    Fühle mich in dem, was du beschrieben hast, zu Hause. Studiere zum Glück noch nach alter Prüfungsordnung und habe dort viel mehr Freiheiten, als es die hier an meiner Uni in Deutschland studierenden Bachelors haben.

    Und da gibt es immer die, die zack mit 21 ihre Bachelorarbeit durch haben und im Hauruckverfahren ihren Master durchziehen. Und die, die besser noch nach alter Prüfungsornung studiert hätten.

    Ich studiere Kunst für das gymnasiale Lehramt. Doppelfach. Das heißt, es gab drei Jahre, in denen man als zweitfach zu Kunst Kunst nehmen konnte. Kunstlehrermangel als Ursache. (ab 2011 soll es das jetzt wieder geben für die Bachelors, jedoch können diejenigen, die bereits zwei Fächer haben, nur unter der Bedingung wechseln, wenn sie bereit sind, 3 Jahre auf den ersten Master in der Kombi zu warten) Ich hatte anfangs erst noch Deutsch mit drin, habe dann nach einem Semester die Uni und das Zweitfach getauscht.

    KUNST IM DOPPELPACK IN DORTMUND: AKADEMIE feat. UNI
    In Dortmund ist das Fach Kunst so ein Mittelding zwischen Lehrer werden können und freie Kunst studieren. Man darf, man muss sich entwickeln, eine eigene Künstlerische Position finden. (Das war an der Uni vorher zu dem damaligen Zeitpunkt nicht so). Und in der künstlerischen Arbeit, die so gut die Hälfte ausmacht, gehe ich so richtig auf. Zu je einem Viertel gehören noch Kunstgeschichte und Kunstdidaktik dazu. Und das erziehungswissenschaftliche Begleitstudium. Kunstdidaktik als auch EW waren für mich bisher voll die Stiefkinder und ich habe mich mit wissenschaftlichen Texten als auch dem verfassen von Hausarbeiten immer arg gequält.

    PRAKTISCHE ERFAHRUNG IN DER SCHULE – KUNSTUNTERRICHT KANN AUCH GUT SEIN
    Wenn ich in die Schule gegangen bin für Praktika, dann hat aber alles super geklappt. Gutes Feedback von Schülern und Lehrern. Denn ich nutze unter Anderem den PC und das Internet, um einen Schülernahen Kunstunterricht zu gestalten, der fernab von DIN-A 3 Blättern ist, auf denen die ganze Klasse mit Borstenpinsel in Größe 2 und 4 mittels Wasserfarben aus dem Pelikanfarbkasten braune Eulen malt. Fürchterlich.

    BRÜCKENSCHLAG MEDIENJUNKY – STUDIUM

    Ich bewege mich in den sozialen Netzwerken. Ich liebe sie. Im Kunstunterricht sehe ich einen Raum, mit Schülern über die Netzwerke zu diskutieren und Nutzen und Gefahren herauszuarbeiten. Ich selber schreibe alles, zu dem ich vor JEDEM stehe. Egal ob Arbeitgeber, Mutter, Kinder, ….

    Um auf die Kunstdidaktik zurückzukommen und mein Problem mit der ihr innewohnenden Theorie: Bisher war das für mich so abstrakt, weil meine Energie nicht dort war. Ein Dozent meinte zu mir mal: „Andra, sie machen guten Unterricht, aber hergott nochmal, sie müssen lernen, das was sie tun auch zu begründen und zu legitimieren.“
    Ich war gerade an dem Punkt, an dem ich dachte, Augen zu und durch. Mach den Rest gut und bei Didaktik einfach durchs Examen. Und just in dem Moment trifft mich die Erleuchtung in Form einer Ringvorlesung, zu der jede Woche ein anderer Kunstdidaktiker seine Position vorstellt. Die reisen ausa ganz Deutschland an. Und ja, es gibt sie, die didaktiker, auf die ich mich berufen kann. Die offene Unterrichtsformen fordern und die die digitalen Möglichkeiten nutzen. Und die genau damit die Schüler mit ins Boot ziehen.

    Der Beste Kunstunterricht ist meiner Meinung nach der, in dem die Schüler intrinsisch motiviert sind. Und endlich kann ich das auch begründen.

    FAZIT:
    Auch ich brauche intrinsische Motivation, um lernen zu können. Wenn die aber dann da ist, dann klappts auch mit dem Stiefkind der Didaktik.

    (Ich glaube, das war jetzt ne Menge Text und ich konnte mittels dem Versuch, kleine Überschriften zu machen, das ganze sortieren)

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  5. Nochwas:

    Ich wünsche mir von dir einen Beitrag zu dem im Text genannten Papers. Suche derzeit nach etwas, was meine wissenschaftlichen Arbeiten systematisiert. Vielleicht ist es das ja

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  6. gerade was deine aussage „wissenschaftler sind eher selten gute autoren“ betrifft, stimme ich dir 100%ig zu… auch im rest des posts erkenne ich mich sehr oft wieder. ich überfliege das meiste auch nur noch, scanne es, und stelle dann fest, dass es für mich zwar reicht, für eine wissenschaftliche arbeit aber noch lange nicht. und oft hab ich einfach keine zeit, die komplizierten satzstrukturen und endlosen sätze noch mal und noch mal zu lesen, nur, damit ich sie auch 100%ig verstanden hab.

    für mich beginnt langsam die diplomarbeit und ich habe mich für ein werkstück entschieden, gerade auch, um möglichst vieler wissenschaftlicher literatur aus dem weg gehen zu können…

    wünsche dir auf jeden fall viel erfolg bei deiner bakk. arbeit! und wen interessiert’s, ob du die nun nach 6,7 oder vllt auch 8 semestern geschrieben hast…?!

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  7. Spannender Beitrag, Luca. Ich kann deine Erfahrungen in dieser Hinsicht sehr gut nachvollziehen. Geht mir ähnlich. Sowohl was den Scan-Vorgang (also das rasche Aussortieren der Information) als auch den Perfektionismus betrifft. Ich hatte sogar mal eine Zeit, in der ich mir wirklich schwer tat, „längere“ Texte zu konsumieren. Einfach weil meine Aufmerksamkeitsspanne auf sehr kurze Distanzen trainiert war.

    Schlussendlich hat sich die Geschwindigkeit meiner Informationsaufnahme aber ganz gut eingependelt. Auch wenn ich so gut wie gar keine Magazine / Bücher auf totem Holz mehr lese.

    Im Bakk-Studium hab ich einen anderen Weg als du gewählt: Die Flucht nach vorne. Ich hab den Publizistik-Bakk unter den 6 Semestern abgeschlossen. Einfach, weil ich langfristig nicht mehr Zeit in etwas investieren wollte, was mir mehr Zeit und Aufmerksamkeit raubt als Mehrwert bringt. Und weil ich vor allem Spaß am Organisieren und Strukturieren habe. Und nicht am Auswendiglernen von irrelevanten Detailinformationen.

    Deshalb sitz ich jetzt vor 450 Folien, die ich auf 12 Seiten zusammengefasst habe. Und schreibe dieses Kommentar, weil ich nach dem Strukturieren und Scannen keine Lust mehr habe, den Inhalt nochmal und nochmal zu lesen, um ihn mir im Detail zu merken.

    Und, was deine Bakk-Arbeit betrifft: Machmal muss man sein Imposter-Syndrom eben auch ein wenig zügeln ;)

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    • Bei der Literaturrecherche war ich super. Innerhalb von kurzer Zeit eine große Anzahl an Büchern und Papers gesichtet, überflogen und einsortiert. Den Inhalt grob erfasst, nochmals nach der Relevanz für meine Arbeit bewertet und nun warten sie darauf, dass ich mit dem besten anfange sie zu lesen. Doch ich fange immer wieder an und lasse es dann wieder.

      Den Inhalt im Detail aufarbeiten, das scheint das Problem zu sein. Und kann wohl nur durch tun gelöst werden.

      Einfach loslegen. Ich werde es auch probieren.

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      • Ja, einfach tun ist ein guter Plan. Aber nicht um jeden Preis. Wenn ich grad nicht mag, lass ich’s. Gehe Kopf auslüften. Zehn Minuten später geht alles wieder viel leichter (und plötzlich liest sich das alles auch wesentlich spannender) :)

        Go go go!

        PS: Ich mach heute schon die geschätzte 4587458. Pause. Stehe aber immerhin auf Seite 7 von 12 – wenn auch nur im 1. Durchgang ;) T-14 …

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  8. 1) du bist nicht allein — da draußen sind ganz viele, denen es auch so geht wie dir (online und auch offline)

    2) supertricks von mir (aber durchaus ernst gemeint)
    2) a) häppchen machen (noch etwas vereinfacht, falls das geht: geh jeden tag einmal in eine festgelegte ecke eines festgelegten zimmers und kack dort hin. und nach ner weile hast du einen schönen großen haufen, auf den du stolz sein wirst. — ich habe mich mal gezwungen bei einer recherche alle klicks die ich gemacht habe zu dokumentieren, mit hintergedanken und so. erst aufschreiben, dann klicken. sau anstrengend, aber auch sauinteressant hinterher nachzulesen.)
    2) b) such Dir etwas sauwichtiges, was du dann prokrastinieren kannst, und dich dadurch auf die kleinen momente freuen kannst, wo du endlich wieder an der arbeit was tun darfst
    2) c) the perfect is the enemy of the good. stell dir vor du wirst bezahlt für einen wichtigtuer report; da schafft es doch eigentlich jeder, die notwendigen abstriche zu machen. man schreibt nicht so lange, bis man es super findet. man gibt sich (meist) mühe, und es kann auch was gutes bei rauskommen. das meine ich nicht. aber man schreibt und denkt nicht immer weiter, bis man es richtig gut findet, hochwertig, allumfassend, nachhaltig, was weiß ich. schreib doch deine arbeit als einen wichtigtuer report, von dem du nicht denkst, dass er gut und vollständig ist. alles was noch zu sagen bleibt, darfst du hinterher dann in ruhe aufschreiben oder sagen.
    2) d) schreib dir heute auf, was du für interessante Fragen hältst. wenn du morgen die antwort erfährst betrügt dich dein geist, und sagt dir, dass diese antwort du ja eigentlich schon immer ahntest und dass sie gar nicht sooo bemerkenswert ist. daher sollten eigentlich alle abschlußmacher dieser welt am besten tagebuch führen und nicht, wie es die meisten wohl eher tun, erst mal nachdenken und tun, und am ende aufschreiben.

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    • Arbeit als Wichtigtuer Report sehen, finde ich eine tolle Idee. Ebenso das alles tagebuchmäßig aufschreiben.

      Vielleicht versuche ich zu oft erst alles zu wissen, um es dann in einem runterzuschreiben, was aber in der Wissenschaft nicht funktioniert. Jedenfalls nicht, wenn man gerade am Anfang steht. Wahrscheinlich nie, wenn man es gut machen möchte.

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  9. Oh, in dem Text finde ich durchaus wieder. Mich und eine ganze Handvoll meiner Freunde. Da nun schon einiges an guten Kommentaren aufgefahren wurde, setze ich ein paar Punkte dazu:

    1. Ich selbst hielt mich auch immer für jemanden den man als „gut im filtern von Informationen“ treffend beschreiben kann. Tatsächlich muss ich mir aber eingestehen, dass ich es ganz und gar nicht bin: Wie lange ist es her, dass ich allein zuhause mit laufendem Rechner in Reichweite einen langen Text (ein Buch?) am Stück durchgelesen, einen Film ohne Unterbrechungen angeschaut – oder gar… einen längeren Text einfach heruntergeschrieben habe? Genau. Ich muss zugeben, das fällt mir erstmal nichts ein. Ich bin beschissen im Filtern. Ich rede mir das Gegenteil ein. Darum: Aus mit dem Krams, wenn ich arbeiten will.

    Meine de facto produktiveren Freunde machen mich in schöner Regelmäßigkeit unsicher, wenn sie mir zwei Stunden lang nicht auf Google Talk antworten, manchmal sind die tagelang weg. Ich kann nur schwer nicht kommunizieren oder dieses aufschieben. Die schon. Die sind exakt deswegen aber auch keine Social Media Halbgötter und haben sicher nicht meinen Durchblick, was das aktuelle Weltgeschehen angeht.

    2. Etwas gebacken bekommen ist deutlich wichtiger als den Rest des Lebens an Perfektionsansprüchen zu scheitern. Etwas Unvollkommenes lässt sich verbessern, Niemals Fertiggestelltes …

    Will sagen: Machs erstmal fertig und polier dann die doofen Nebensätze und all die anderen Macken auf Hochglanz.

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    • Länger nicht zu kommunizieren macht mich nervös. Außer ich stecke wirklich tief im Flow. Ansonsten baut sich der Wunsch kurz nachzuschauen, was es neues gibt immer weiter auf, bis ich nicht mehr klar denken kann und dann nachgebe. Was das Verhalten natürlich fördert. Vielleicht müsste ich mich zwingen es nicht zu tun. Und wenn ich mich nicht mehr konzentrieren kann, etwas anderes tun. Aber eben nicht in dieses Internetz schauen.

      Ich glaube, dass das Social Media Gedöns mir sehr viel bringt, aber es schreibt eben nicht meine Arbeit, die ich so gerne schreiben würde.

      Werde mit etwas wackeligen anfangen müssen. Und dann kommt das Fundament dazu und am Ende noch eine hübsche Farbe und ein Dach.

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  10. Guter, spannender Eintrag, der viele Fragen aufwirft.

    Allen Anschein nach haben wir es bei der „Wissenschaft“ und dem „Web“ mit zwei verschiedenen Informations- und Wissenskulturen zu tun: Wer mit der Informationen in dem ersten Bereich umgehen kann, vermag sich nicht automatisch auch im zweiten zurechtzufinden und umgekehrt.

    Du arbeitest diese Unterschiede ja schön heraus: Ein Blogeintrag muss den Leser in den ersten Zeilen packen, die Rezeption von vielen Inhalten im Web ist eher ein Scannen, man macht sich ein Bild über den Inhalt, idealerweise fasst man den Text in einem Satz zusammen, etc.

    In der Wissenschaft setzt man sich mit einem bestimmten Thema intensiver auseinander. Hier hilft Scannen nur noch, um relevante Texte von nicht relevanten zu trennen. Einen relevanten Text aber muss ich dann auch halt tatsächlich lesen – sprich die Menge an Info, die in ihm steckt, (mühsam) a-u-f – l-e-s-e-n. Und wenn man einen wissenschaftlichen Text dann mühelos in einem Satz zusammenfassen kann, dürfte es sich um einen eher dürftigen Text handeln.

    Wenn Du Dich in der ersten Informationskultur soviel mehr zu Hause fühlst, würde ich Dir raten: Erledige Deine Abschlussarbeit und bleib dann der Wissenschaft fern. (Muss ja nicht jeder akademisch arbeiten; Expertise im ersten Bereich ist zurzeit eh gefragter als alles andere.) Gleichzeitig empfände ich diesen Rat an Dich auch ein Stück weit pervers, denn wenn man Deinen Blog liest, sieht man ja: Du beschäftigst Dich mit einzelnen Fragestellungen intensiv, zeigst Probleme an und – das ist entscheidend – gehst dabei stringent vor. Du zeigst, dass Du gerne strukturiert denkst. Damit müsste der Rat ja sein: Die Wissenschaft wäre etwas für Dich. (Mal völlig unabhängig davon, dass es verschiedene Wissenschaften gibt und dass auch Wissenschaft einer Transformation unterworfen ist.)

    However, nur Deine These „Die Fähigkeit, viele Informationen zu verarbeiten, behindert wissenschaftliches Arbeiten“ kann ich nicht nachvollziehen und erkenne auch keine Argumente im Text, mit denen sie belegt wird. (Es sei denn, Du meinst sie im Sinne von „Das Internet lenkt Dich vom Schreiben der Arbeit ab“, aber das wäre banal und das wirst Du eher nicht gemeint haben.)

    Antworten

    • Ich sollte die These umformulieren. Die Fähigkeiten viele Informationen zu verarbeiten und sich intensiv mit ihnen auseinander zu setzen, beeinflussen sich nicht direkt miteinander. Ich habe jedoch in das sortieren und bewerten viel mehr Zeit investiert und somit fällt es mir leichter als das langsame auflesen, wie du es nennst, von Informationen.

      Im Social Web erfahre ich viel schneller Erfolge und tue mir leichter als im wissenschaftlichen Arbeiten. In diesem muss ich mich erst zurecht finden und es wird auch etwas einfacher werden, je mehr ich trainiere/mache.

      Dass ich Informationen schnell erfassen und bewerten kann, ist sogar hilfreich für das wissenschaftliche Arbeiten, weil es ein Teil davon ist.

      Ob ich nach dem Abschluss weiter wissenschaftlich arbeiten möchte, weiß ich noch nicht. Ich mag die Wissenschaft, die Idee dahinter. Ich möchte nicht leere Aussagen tätigen, wie ich es manchmal beim bloggen oder twittern machen (welche auch ihren Wert haben), sondern auf Theorien aufbauend arbeiten, meine Behauptungen zumindest vorläufig verfizieren können und zu unserem gemeinsamen Wissen beitragen.

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  11. doch wenn ich einen Absatz dreimal lesen muss, um ihn zu verstehen, hat der Autor ebenso versagt.

    Überlege dir bitte nochmal was du da gesagt hast. Das ist nämlich ein Aufruf zu Subjekt, Prädikat, Objekt Sätzen a la „Mimi geht in die Schule“. Nicht den Anspruch zu haben etwas zu verstehen, sondern dem Autor die Schuld geben, dass er etwas nicht verständlicher ausdrückt führt zu Kronenzeitung, heute und Österreich. Den Staberl und was Wolf Martin in den Wind reimt versteht jeder. Aber erklären sie damit irgendeinen Sachverhalt ausreichend.

    Ich habe und finde es noch immer belohnender einen Absatz Derrida mehrfach lesen zu müssen um ihn dann vielleicht zu verstehen, als in der selben Zeit 50 Seiten News „gelesen“ zu haben. Oder um einen Wissenschaftler und nicht den Boulevard zum Vergleich herzunehmen: Lieber drei mal den gleichen McLuhan lesen als drei Bücher des leicht zu lesenden Neil Postman.

    Stimmt schon, nicht jeder Wissenschaftler hat das Talent eines Malcom Gladwell oder Steven Johnson – aber die nennen sich nicht umsonst Wissenschaftsjournalisten.

    Zur Abschlussarbeit: die Leistung einer ersten wissenschaftlichen Abschlußarbeit liegt genau darin, was dir und vielen anderen gerade ein Problem bereitet, nämlich sich ausführlich und eingehend mit einem Thema auseinanderzusetzen und jetzt kommt die Schwierigkeit, dieses Wissen in einem schriftlichen, lesbaren, einen roten Faden verfolgenden, mehrere Perspektiven einbeziehenden, gegliederten längeren Text aufzubereiten.

    Und das ist, v.a. beim ersten Mal schwer, mühsam und anstrengend. Ganz unabhängig ob man sich als Digital Resident beschreibt oder als Kind der Buchkultur.

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    • Du hast Recht. Dass alles supereinfach und hauptsächlich schnell verständlich sein muss, ist eine Ausuferung meiner Faulheit.

      Ich hatte gestern kurz die Diskussion mit jemanden bei der Gruppe Internetforschung, dass es auch nichts bringt, wenn alle wissenschaftlichen Arbeiten als Bilderbücher veröffentlicht werden, nur damit sie jeder verstehen kann. Wissenschaft besitzt eine gewisse Komplexität und soweit zu vereinfachen, dass die Erkenntnis verbogen wird, ist Unsinn.

      Statt zu sagen, dass der Autor versagt hat, könnte man auch behaupten der Leser habe versagt. Man würde beides Mal falsch liegen. Sowohl der Autor sollte sich so verständlich wie möglich, aber so kompliziert wie nötig ausdrücken, als auch der Leser sollte sich so lange/intensiv damit beschäftigen, bis es verstanden wird. Und je mehr man liest, desto mehr versteht man. Man muss nur irgendwo damit anfangen.

      Dass auch andere damit Probleme haben, möchte ich gar nicht verneinen. Ich habe vor allem versucht herauszufinden, was bei mir die Schwierigkeiten sind. Nämlich, dass ich viel Material sammle und bewerte, mich damit aber nicht ausreichend auseinandersetze. Und es mir teilweise an Vorwissen mangelt, das ich mir aneignen muss, um das Material zu verstehen.

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      • Ich stimme deiner Analyse deiner Probleme zu und will sie mit dem Hinweis, dass auch andere das Problem haben nicht entwerten. Es ist dein individuelles Problem, die dahinterstehende Problematik zieht aber weite Kreise.

        Anyway, irgendwie finde ich es tröstlich, dass sich die Probleme beim Erstellen einer Abschlußarbeit nicht wirklich verändert haben. Mir würden da einige Namen einfallen, die in den 90ern ganze Ordner mit Material für Abschlußarbeiten kopiert und angelegt haben und mind. einen Laufmeter Bücher aus der Bibliothek mitgenommen haben. Das wurde dann alles überflogen, manuell sortiert und geordnet, zum Teil mit post-its „getagged“ und Outlines erstellt. Das würde deinem computergestützten Sammeln entsprechen. Die Quantität kann dadurch natürlich noch zunehmen. Und als es dann ums Schreiben ging, musste man leidlich erkennen, dass die Kenntnis von Inhaltsverzeichnissen und Buchdeckelbeschreibungen nicht ausreicht um einen eigenen Text zu schreiben. Man hat ein Bild vom Thema, kann anderen in ihren Ausführungen zum Thema folgen und eigene Überschriften bilden, allerdings fehlt der Text zwischen den Überschriften. (Vielleicht hat sich das durch das Internet als Kulturtechnik verschärft. Ist aber ein anderes Thema.) Und in dem Moment beginnt die harte Arbeit.

        Du kannst es ja auch als Negativindikator sehen. Immer dann wenn alles andere wichtiger und leichter wird (zb Putzen, Steuererklärung machen) als das eigentlich Wichtige (Arbeit schreiben), dann bist du an einem wichtigen und richtigen Punkt angekommen.

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  12. Die meisten, die die eine oder andere Abschlussarbeit geschrieben haben kennen das Gefühl, hat denk ich weniger mit Socialmedia und Informationsflut zu tun. Zur Diplomarabeitszeit hab ich liebend gerne Wohnung geputzt, denn wenn man putzt, braucht man nicht denken. Denken und Schreiben ist nunmal eine Schwerarbeit. Hier könnte man vielleicht die Parallele zu Socialmedia ziehen, wo wir laufend Chunks rauswerfen, ohne das sie uns Mühe oder Gedanken machen.

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    • Ich bin mir nicht sicher, ob Social Media immer so unreflektiert passiert. Zumindest ist es schneller. Selbst wenn ich mich eine halbe Stunde mit einem Update beschäftige (manchmal recherchiere ich nach), ist es nichts im Vergleich zu den Wochen, die man mit einer Arbeit verbringt. Und wie schon erwähnt hat man schneller Erfolgserlebnisse, die anspornen mehr zu machen.

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  13. tja – im Sinne von Information overflow und „wie packe ich meine Leser“ – dein Eintrag würde vier A4 Seiten befüllen – dies könntest du auch leicht in einem Satz verpacken – wieso tust du es nicht?
    Deine Abwehrhaltung bzw. wenig reflektierte Meinung über Wissenschaftliche Texte find ich arrogant und bedenklich. Nein die damaligen RICHTIGEN Wissenschaftler verfolgten nicht das Ziel, dass irgendwelche „Residents“ ihre Texte überfliegen und in Sekundenschnelle entscheiden ob sie es brauchen oder nicht. Sie möchten zum reflektieren anregen. he und wenn man für einen Satz zu lang braucht, gibts Kollegen mit denen man das gemeinsam reflektieren kann, bzw. neuinterpretieren oder auslegen. soll nicht feindlich klingen, aber bin ein Verfechter der Wissenschaft und wissenschaftlicher Texte. lg

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    • Deine Abwehrhaltung bzw. wenig reflektierte Meinung zu meiner Person finde ich arrogant und bedenklich.

      Ich habe den Beitrag in einem Satz zusammengefasst und auf Twitter gestellt. Über die Zwischenüberschriften ist es möglich den Text zu überfliegen. Er hat ein Struktur, die zumindest ansatzweise an das Problem heranführt, versucht es zu erfassen, zu bearbeiten und am Ende zu lösen.

      „die damaligen RICHTIGEN Wissenschaftler“
      Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt als Wissenschaftler bezeichnet. Vielleicht beziehst du dich, auf Wissenschaftler, die kommentiert haben. Fände ich nicht gut. Ich glaube auch nicht an dieses richtig oder falsch. Gerade wenn man die Wissenschaft verteidigen möchte, finde ich solche Aussagen unangebracht.

      Ich habe einen ganzen Absatz der Tatsache gewidmet, dass wissenschaftliche Texte Zeit brauchen. Nur weil ich auch kritisiere, dass sie teilweise umständlicher als nötig geschrieben sind, heißt das noch nicht, dass ich sie grundsätzlich ablehne.

      Hoffentlich ist es jetzt klarer, dass ich Wissenschaft mag. Ansonsten bitte die Kommentare und meine Antworten lesen.

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  14. fürs erste dreh in phasen, in denen du konzentriert schreiben möchtest, alle pop ups und notifikationen usw ab. schau bewusst nicht ins web und check deine mails/tweets etc nicht. dreh auch dein handy ab. schreib dann mal eine stunde und mach dann eine pause zum surfen, lesen, wasser trinken… :-) nach jeder unterbrechung muss das hirn von vorne anfangen, um sich wieder in ruhe konzentrieren zu können.

    was das lesen von wissenschaftlichen texten betrifft: bei mir hat sich das mit dem alter verändert (mit ein grund, warum ich der meinung bin, dass studieren in mindestzeit geistig kaum machbar ist, also so, dass es auch das meiste bringt).
    als ich selbst noch studiert hab, hab ich diese teilweise so geschraubten sätze gehasst. heutzutage (und ich hab ein ähnliches newsfeed/twitter-verhalten wie du) bin ich froh, wenn ich mal wieder einen satz lese, bei dem ich ein bissl mitdenken muss. ach ja: und auch für wissenschaftliche texte gilt, dass man nur das relevante lesen muss, man muss keinen wissenschaftlichen text von a-z auswendig lernen.

    nimm dir kurze arbeitseinheiten vor (etwa eine stunde, dann pause) und mach das, worauf du mehr lust hast: lesen, recherchieren, schreiben, was auch immer. immer eins nach dem anderen.

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  15. Ich hab mich auch lange geplagt, seit einer Woche versuch ich’s mit Ludovico Einaudi. Und es funktioniert plötzlich. Im Mai soll die Diplomarbeit dann Geschichte sein, ich bin guter Dinge.

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  16. Pingback: In Lebensgefahr: Das geschriebene Wort

  17. Hi!

    Bei wissenschaftlichen Arbeiten stellt sich immer die Frage, ob man diese auch wirklcih schreiben will, weil sie einen interessieren, oder ob man sie schreiben muss, damit man etwas schafft, so z.B. mit dem Studium fertig wird.
    Bei ersterem tut man sich meist viel viel einfacher: Hat man einmal mit dem Schreiben der Arbeit begonnen, schreibt sich eine Bakk-Arbeit schon fast wie ein Blog-Beitrag.
    Bei zweiterem ist es natürlich sehr schwierig und man schiebt die Arbeit immer weiter und weiter hinaus, weil es viel Spannenderes zu tun gibt, zumal es keine Deadline für die Arbeit gibt und auch keine Konsequenzen drohen, wenn sich die Arbeit verzögert.

    VlG aus Graz,
    Alexander Stocker

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