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Das perfekte Winterfoto

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Das perfekte Foto macht man nicht im Vorbeigehen. Für das perfekte Foto muss man sich anstrengen, Leidenschaft haben, sich und seine Kamera kennen. Die richtige Technik und das passende Licht. Ein Freund von mir wollte ein Winterfoto machen. Was wäre dafür besser geeignet als meine Heimat Tirol? Ich habe angeboten gute Locations zu suchen und mich um die Unterkunft zu kümmern. Eine Woche später ging es los.

Später Nachmittag, es schneit. Wien versinkt im weiß. Ich bin mit der U-Bahn zum Westbahnhof unterwegs, die Menschen schauen zu Boden, etwas abwesend, wie immer. Dabei sind die Straßen nicht matschig, sondern wie einer zarten Schneedecke belegt. Wie ein Teppich. Alle Geräusche sind gedämpft. Ich lächle. Freue mich auf die zwei Tage mit meinen Freunden. Am Bahnhof treffe ich Tony, wir holen das Auto ab. Ein BMW, ich kenne mich damit nicht aus, aber er gefällt mir. Schneeketten sind im Kofferraum. Ansonsten wird es in Tirol schwierig. Jedenfalls wenn ein bisschen abseits von den Hauptverkehrswegen unterwegs ist. Ein Sonnenaufgang wäre etwas tolles, hat er im Email geschrieben.

Wir holen seine Frau und das Kind ab. Als wir aus Wien hinausfahren wird der Schneefall stärker. Anstatt zügig gen Westen zu fahren tuckern wir mit 50 km/h über die Autobahn. Die dritte Spur ist unbefahrbar, die zweite ist gerade noch frei. Einige Autos ziehen an uns vorbei. In einer Kurve sehen wir eines wieder, im Graben liegend. Es sit nichts passiert, aber an den Spuren sieht man wie es sich mehrmals gedreht hat bevor ist hinausgerutscht ist. Ich erinnere mich an mein Schleudertraining beim ÖAMTC. Immer wieder über die Schleuderplatte gefahren und nur ein einziges Mal den Wagen wieder unter Kontrolle gebracht. Wir bleiben auf der ersten Spur. Als es später wird, sind weniger Autos auf der Autobahn. Die Schneeflocken erinnern an einen Bildschirmschoner wie sie auf die Windschutzscheibe zukommen zu scheinen. Beleuchtet von den Scheinwerfern. Es macht einen verrückt. Wir machen Pause an einer Raststätte, essen etwas, dann geht es weiter. Der Schneefall hat etwas nachgelassen. Kurz nach Salzburg ist er ganz weg.

Ich rufe meinen Vater an, sage ihm, dass wir etwas später kommen werden. Tirol schläft schon. Ich freue mich immer wieder wenn ich in Tirol ankomme, die Berge zieren den Weg. Früher war es für mich normal, ich fand es langweilig. Dann bin ich nach Wien gezogen. Um elf Uhr kommen wir an. Ich zeige meinen Freunden ihr Zimmer und setze mich mit meinen Vater an den Küchentisch. Wir reden etwas übers Leben, dann gehen wir noch einmal die möglichen Locations durch. Ich und Tony wollen um vier Uhr aufstehen, um bis zum Sonnenaufgang an einem guten Platz zu sein. Mein Vater zweifelt ob das Wetter mitspielt. Anstatt den höheren Punkt entscheide ich mich für einen besserer erreichbaren.

Samstag Früh. Ich bereite eine kleine Jause und Tee für das Warten vor, dann wecke ich Tony. Wir fahren los. Es schneit. Es ist nebelig. Ich befürchte wir kommen nicht hoch genug. Ich befürchte es gibt kein hoch genug. Wir probieren es dennoch. Eine halbe Stunde später sind wir da. Man sieht vielleicht 100 Meter, Parkplatz lässt sich keiner finden. Als wir versuchen bei einer Abzweigung stehen zu bleiben, drehen die Räder durch. Ich schiebe den Wagen, Tony fährt. Wir wackeln uns frei. Inzwischen wird es hell. Sonnenaufgang gibt es nicht. Wir reden über alternative Orte. Entscheiden uns dann dafür umzudrehen, vielleicht gibt es auf den Weg noch etwas. Wir sind enttäuscht und müde. Am Rückweg verfahren wir uns.

Wieder zuhause frühstücken wir, dann besuchen wir Bekannte. Sie sind weiter entfernt als gedacht. Ich habe erst überlegt auf den Gletscher zu fahren, doch der ist inzwischen über eine Stunde entfernt, also schaue ich mich nach anderen Skigebieten in der Umgebung um, wo man mit dem Lift hochfahren könnte. Freie Sicht über die Berge. Die Axamer Lizum ist in der Nähe.

Oben angekommen sehen wir grau. Wolken rund um den Bergstation verhindern den Blick auf die Gipfel. Ich will schon wieder umdrehen, als die Wolken weiterziehen. Tony macht ein paar Testschüsse. Er ist zufrieden. Wir gehen in das Panormarestaurant. Anja bleibt mit dem Kind dort. Mit der Kamera vor dem Auge geht Tony umher. Man hat einen tollen Blick über die Wolken. Spatzen sitzen auf einem Kabel, dick aufgeblustert gegen die Kälte. Tiroler sind die Kälte gewohnt und verlieren manchmal eine Wette. Dann müssen sie in Boxershorts snowboard fahren. Die meisten gehen es ruhiger an. Tony hat ein Auge für Farben und Motive. Licht und Schatten. Als der Sonnenuntergang näher kommt, erfahren wir, dass der die Bahn um vier Uhr zum letzten Mal hinunter fährt. Ein paar Minuten später würde die Sonnen hinter den Gipfeln verschwinden. Doch wir haben keine Wahl, wir müssen wieder runter. Schlafplätze gibt es keine und Ski um selbst zu fahren haben wir nicht dabei. Es sind einige tolle Fotos dabei.

Bevor wir in die Bahn einsteigen, macht Tony ein letztes Foto. Beinahe im Vorbeigehen. Er nennt es „The Space Station„. Es wird das am öftesten angeschaute Fotos mit den meisten Kommentaren und wird am häufigsten von den Leuten als Favorit gekennzeichnet. Wochenlang hält es sich in der weltweiten Bestenliste der Plattform. Ich liebe die Reflektionen, die Farben, die Eiszapfen, den Hintergrund.

Am Sonntag lassen wir das frühe Aufstehen weg und legen einen entspannten Tag ein. Ich besuche meine Oma. Am Abend fahren wir zurück nach Wien. Keine besonderen Vorkommnisse.

PS.: Bevor wir hinunter gefahren sind, habe ich noch einen Schneeball abbekommen.

Dieser Beitrag ist Teil des „Bloggen gegen die Kälte“ Gewinnspiel von wienerpost.at

Alle Fotos wurden von Tony Gigov gemacht.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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