Artikelformat

Weitermachen

7 Kommentare

Ich habe den Fehler erneut gemacht. Dabei gab ich das Versprechen, dass es nicht mehr passiert. Dass ich versuche, dass es nicht mehr passiert.

Wenn mich die Welt erschlägt, meist mit Arbeit, manchmal mit Emotionen, verkrieche ich mich, baue einen Kokon und schalte ab. Anstatt mich langsam durch die Aufgaben, die Dinge die gemacht werden sollten, tauche ich ab. Stille. Es müssen nicht viele Dinge sein, es reicht aus, wenn ich für einen Moment Angst bekomme. Ich hasse mich für diese Labilität. Die letzten Wochen sah machte es sich dadurch bemerkbar, dass ich keine Mails mehr las, in Skype offline war, fast nichts mehr twitterte und Facebook mied. Früher hätte ich noch das Telefon abgedreht, aber Anrufe bekomme ich schon länger nicht mehr. Mein Kopf verneint ein Problem, ich lebe weiter. Meist nachts nagt es an mir. Aufgaben poppen auf, ich bekomme Schweißausbrüche. Angst vor dem Versagen. Doch ich stelle mich der Angst nicht, sondern schiebe sie weg. Ein Fehler. Wissen wir alle. Manchmal erledige ich pseudomäßig Dinge. Kleinigkeiten, die nicht besonders wichtig sind, aber mir das Gefühl geben nicht ganz nutzlos zu sein. In einer anderen Welt häufen sich immer mehr Dinge und sobald ich die Türe einen Spalt öffne, tut es weh. Schnell wieder flüchten.

Powerless
Bild: Laura

Stabilität und Planbarkeit wären wichtig. Gerade in einer Phase, wo das meiste ungewiss ist. Ich sehe mich immer wieder als Belastung. Verantwortung für bestimmte Dinge, die liegen bleiben. Vor Kommunikation flüchtend.

Es ist mir schon einmal passiert, aber mir wurde Vertrauen entgegen gebracht. Der Glaube, dass ich mich in den Griff bekomme. Ich bin unglaublich dankbar dafür. Andere hätten mich schon längst aufgegeben. Das ist auch der Grund, warum ich weitermache. Weitermachen will. Es schaffen will. Nicht mehr enttäuschen. Erwartungen erfüllen und die Energie zu Verfügung zu stellen, um abzuheben.

Heute ist Neustart. Ich habe zu lange gebraucht und es tut mir Leid. Ich kann nicht versprechen, dass ich nicht mehr abstürze, aber ich weiß was ich will und ich habe einen Plan.

Thomas Schranz (mein Vorbild in der Startupwelt) hat einen Link getwittert. Marc Andreessen’s personal productivity tips. Ein Blogpost von 2009. Aber das ist unwichtig. Inhaltlich wenig neu. Aber eine Erinnerung, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben. Umso mehr je freier mit sie ihrer Zeiteinteilung sind. Ich weiß nicht mehr, ob es Christian oder Harald war, der mir empfahl Management und Arbeit zu trennen. Beim einem organisiert man Aufgaben und schaut wann man was macht und beim anderem tut man es einfach. Ohne es erneut in Frage zu stellen. Ansonsten kommt man in einen Strudel und es passiert gar nichts mehr. Marc geht dieses Problem durch zwei zentrale Punkte an. Einerseits drei Listen. Dinge die man tun muss, weil sie wichtig sind, eine mit Dingen die man im Augen behalten muss, etwa weil jemand anders reagieren muss, und eine mit Dingen, die man gerne machen würde, aber die nicht wichtig sind. Was nicht in diese Listen passt wird verworfen. Der zweite Punkt ist sich am Abend (oder in der Früh), 3-5 Dinge zu überlegen, die man am nächsten Tag machen wird. Man soll natürlich mehr machen, aber diese sollten unbedingt erledigt werden. Und alles weitere, das man macht schreibt man auch auf. Um am Abend zu sehen, was man alles geschafft hat ohne zu müssen.

Für mich ist es noch wichtig den Druck rauszunehmen. Wenn ich die Dinge jetzt nicht schaffe, dann ist es so. Es ist nur meine Schuld, wenn ich es nicht probiere. Nur wenige Sachen sind tatsächlich so zeitrelevant, wie sie erscheinen. Dafür geht es mir viel zu gut. Ein gesichertes Leben. Größtenteils. Vieles kann man später machen, anderes muss man nie machen und man hat auch nicht viel verpasst.

Ich neige dazu den Berg an Aufgaben zu sehen und mir andere Dinge zu verbieten, bis alles erledigt wird. Doch dann wird der Akku leer und ich lade ihn nicht auf, weil das wäre ja Zeitverschwendung.

Kleine Schritte. Und dann macht es wieder Klick, ich steige auf und alles passiert wie von selbst. Dann habe ich Nachts wieder geniale Ideen statt Angstzustände.

Hört sich alles einfach an. Wird es nicht immer. Aber ich bleibe dran.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

| | | Newsletter

7 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Hi Luca, folge dir auf Twitter, seit du mich damals bzgl. meines Google Chrome Artikels verlinkt hattest.
    Du hattest zuletzt ja schonmal einen Artikel in der Richtung wie diesen geschrieben. Und ich fand es da schon bemerkenswert, wie das Online-Bild, dass man sich von anderen aufbaut, von dem unterscheiden kann, im Vergleich zu dem, wie sich derjenige selbst sieht. (sorry für den verschwurbelten Satz)
    Leider muss ich sagen, dass ich mich in oben beschriebenem Kreislauf selbst allzu sehr wiedererkenne. Ich drücke dir die Daumen, dass die Befolgung der Andreesen Listen für dich funktioniert. Habe schon öfter verschiedenste Varianten dieser GTD Arten gesehen/versucht umzusetzen. Meiner Meinung nach ist es aber eher eine Sache des sich um sich selbst drehen. Mir hat in der Regel eher geholfen, wenn von außen Unterstützung kam, um aus solchen Spiralen auszutreten.
    Diese Schwäche bzw. den Hang in eine solche Spirale zu geraten, zu akzeptieren und sich eben Hilfe zu holen ist ja aber auch schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.
    Wie gesagt, drücke die Daumen,
    Andi

    Antworten

    • Da sieht man wie viel mehr ein Blogbeitrag zeigen kann, während es woanders kleine Lichter gibt, die man zu einem großen leuchtenden Ball verbindet, statt dran zu denken, dass das eben nur die Lichter sind und dazwischen auch Dunkelheit. Äh. Wie auch immer.

      Ja, Hilfe von außen ist wichtig. Kann teilweise aber auch schon durch einen solchen Blogbeitrag oder nur das lesen passieren, weil man eben wieder neuen Input bekommt und sich die Perspektive verändert. Auch wenn man sich noch nicht konkret mit den einzelnen Dingen beschäftigt.

      Grundsätzlich gehöre ich zu den Menschen, die möglichst alles alleine schaffen wollen und niemanden wegen irgendwas belästigen wollen. Und zugleich allen anderen helfen wollen.

      Danke.

      Antworten

  2. Kenn ich das Problem, tritt immer dann auf wenn ich nicht an dem arbeite, das _mir_ wirklich wichtig ist. Ich glaube zwar, dass ich etwas wichtiges zu tun haette, aber in Wirklichkeit sind das nur Werte von Anderen. Da diese Anderen aber ziehmlich cool/besser drauf sind als ich, glaube ich deren Werte sind muessen die meinen sein. Glaub mir, ich habe schon Jahre damit versch*** Dinge zu tun um die Wertesysteme Anderer zu befriedigen von denen ich geglaubt habe das seinen auch meine Werte.

    Vergiss die ganze Produktivitaetspornografie, solange du nicht an etwas arbeitest das dir _wirklich_ am Herzen liegt, wirst du immer nur ausbrennen.

    Folgendes habe ich mir von Dr. John Demartini zusammengeschrieben:

    How to find out what’s you life’s purpose

    – What does you life already show?
    – How do you fill your space?
    – Physical – how do you fill your room
    – Mental – what are you thinking about most
    – How do you spend your time
    – How do you spend your money
    – What do you talk about, internally and externally
    – What dou you visualize
    – How do you spend your energy
    – Where do you have the most order?
    – Where are you most extroverted?
    – Every time you have tears of inspiration in your eyes, write down everything that led to that emotion

    Folgendes war auch ein Durchbruch fuer mich, um diverse „Erfolgsstrategien“ abzuschuetteln, die einfach nicht zu meinem psychologischen Profil passen obwohl sie doch so strahlend vor einem glaenzen (/me != Donal Trump):
    http://erikunger.com/roger-hamiltons-wealth-dynamics/

    Da findest du vielleicht auch etwas Inspiration und Motivation:
    http://erikunger.com/favorite-speeches/

    Antworten

  3. Schöner, ehrlicher Text, der Dinge beschreibt, die wohl nahezu alle Menschen kennen. So blöd es klingt: Mir hilft früh aufstehen. Wenn ich um halb sechs am Schreibtisch sitze, liegt der Tag wie ein unbeackertes Feld vor mir. Man hat das Gefühl genug Zeit zu haben, und wenn man dann tatsächlich ins Arbeiten reinkommt, hat man um 9 Uhr bereits ein Tagwerk vollbracht, das einen ruhig schlafen lässt. Und dann im Grunde noch immer den ganzen Tag vor sich.

    (Was für dieses Tagwerk auch hilfreich ist: Offline arbeiten. Sonst passiert, was grad passiert: Ich sitz hier, stoße via Facebook auf deinen Blog, kommentier, und die Zeit vergeht ;)

    Antworten

    • Früh aufstehen ist großartig. Wird ab nächster Woche wieder gemacht, bis dahin ist mein morgen noch etwas verworren.

      Offline arbeiten habe ich immer wieder probiert, hat aber nur manchmal funktioniert. Einerseits brauche ich für viele Dinge das Internet und andererseits hilft es mir nicht durchzudrehen. Wenn ich im Arbeitsflow bin, dann fällt es mir leicht die Ablenkungen zu ignorieren. Wenn ich nicht drinnen bin, denke ich auch offline an die ganzen Dinge und habe das Bedürfnis reinzuschauen. Sodass mein Kopf mit dem Konflikt “online oder nicht” blockiert ist und erst recht wieder nichts weiter geht. Aber das reinkommen ist das schwierige und da glaube ich, dass ich mich selbst überrumpeln muss und erst gar nicht darüber nachdenke. Daher am Abend zurechtlegen, womit man in der Früh anfängt oder sogar was man über den Tag macht und dann sofort damit anfangen. Emails und Aufgabenmanagement erst nach dem erledigen der ersten Dinge machen. Was wieder deiner Praxis ähnelt, dass man beginnt bevor das Land aufsteht.

      Antworten

  4. Interessant und vor allem vertraut… Vollgekritzelte Listen, das Vor-Sich-Herschieben, der Teufelskreis und das komplette Abschotten – „Laßt mich einfach sein!“ Das geht mir sogar nach meiner Auswanderung nach Neuseeland noch so. Wer hätte das gedacht…

    Und das Internet? Haßliebe oder? Manchmal möchte ich den Computer durch die Scheibe feuern, dann entpuppen sich fb und gPlus als irre Ansammlungen von Belanglosigkeiten und „Social-Wirrwarr“, dass man am liebsten seinen nackten A. ablichten möchte. Der gibt wenigstens ein ehrliches Bild wieder: zu wenig Sonne. ;)

    Mal im Ernst: Das Internet ist Therapie und Problem gleichzeitig. Schön, wenn man Ehrlichkeit und „Authentizität“ (sagen wir besser: Mensch-Sein) hier entdeckt. Schlimm, wenn es aber so selten hervorsticht, dass ein „authentischer Mensch“ schon als Besonderheit gilt.
    Mach weiter!

    Antworten

  5. Das ist schon ein Teugelskreis. Ich bin auch öffters in so einer Situation. Ich habe so viel Arbeit, dass ich gar nicht weiß wann ich das alles schaffen soll. Aber ich habe mir meine eigenen Strategien entwickelt damit umzugehen. Das fängt schon bei der Planung an. Ist die erst einmal gemacht, läuft der Rest wie von selber. Es muss ja schließlich immer weiter gehen. Ein Stillstand, auch wenn er nur vorläufig ist, bringt kaum jemanden weiter.

    Antworten

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.