Monat: Februar 2012

  • Ich schaffe nicht zu polarisieren

    Stellt euch hier ein Zitat aus einer Email vor, das mich darauf hinweist, dass ich früher emotionaler geschrieben habe.

    Es geht um den Startup Blog. Ich habe noch nichts von mir online gestellt, aber intern fliegen einige Entwürfe herum. Mein Ziel ist wöchentlich drei Beiträge zu schreiben und zumindest einen zu veröffentlichen. Das Thema ist teilweise neu für mich, das schreiben hilft mir Informationen zu verarbeiten und bessere Entscheidungen zu fällen. Irgendwann fühle ich mich sicher genug alles zu veröffentlichen, momentan passiert das Gegenteil. Neben der Sprache sind die Scheren im Kopf das Hauptproblem. Hier fällt es mir erstaunlich leicht zu schreiben. Es geht lediglich um mich. Seit ich meinen Namen in den Titel gegeben habe, fühle ich mich nicht einmal mehr verpflichtet ein bestimmtes Thema zu bedienen. Ich kann einen Beitrag bestehend aus einem Bild veröffentlichen oder einen 12k Wörter rant. Die Leser melden sich schon oder verschwinden einfach. Bei all dieser Leichtigkeit vergisst man schnell, dass der Blog entscheidender Impulsgeber für mein Leben in den letzten fünf Jahren war. Studium, Jobs, Vorträge, Startup. Alles im Zusammenhang mit dem Blog entstanden.

    Bei einem Startup ist man nicht nur für sich verantwortlich, sondern auch für die anderen. Man verlässt sich auf sich gegenseitig und ich habe konstant Angst Fehler zu machen. Dabei muss ich Fehler machen. Das haben wir auch intern schon geklärt und wie ihr vielleicht mitbekommen habt, 2012 als Jahr der Fehler ausgerufen. Solange man nichts veröffentlicht, kann man nicht wirklich Fehler machen. Damn.

    Schon wenn ich beginne zu schreiben, melden sich all die Scheren in meinem Kopf. Was ich früher anderen Menschen versuchte beizubringen, schaffe ich selbst nicht mehr. Ein Blog ist nichts absolutes. Es wächst mit der Zeit. Gerade zu Beginn ist Platz zum experimentieren. Ein bisschen spielt auch mit, dass die Erwartungen bereits gewachsen sind, ohne dass wir viel nach außen getragen haben. Und dass Bruno verdammt gut schreiben kann. Ich gehe daneben unter, aber es ist nicht sein Job zu schreiben. Zumindest nicht nur. Er muss das ganze Schiff zusammenhalten und so hat er mir das Megaphon in die Hand gedrückt und gesagt: “Mach mal.”. Also mach ich mal. Erst viel zu ausführlich, dann zu wischi-waschi und im Moment gar nicht mehr.

    Ich bin nicht mehr Beobachter, der daneben steht und kommentiert, was andere sagen oder machen. Ich bin nun Akteur, wie ich es immer haben wollte. Etwas verändern. Dafür muss man auch agieren. Und dafür muss man Positionen einnehmen. Abwägen aller Möglichkeiten ist gut für den Meinungsbildungsprozess, aber irgendwann muss man sich festlegen, in welche Richtung es weitergehen soll. Es werden nicht alle damit zufrieden sein, aber das ist in Ordnung. Das muss so. Ich bin es nur nicht gewöhnt. Über die Jahre des bloggens bin ich viel zu gut geworden, Dinge so zu umschreiben, dass es jeder akzeptieren kann. Als sei ich ein mittelmäßiger Politiker.

    Wir wussten, dass ich in die Rolle reinwachsen muss, jedoch war mir nicht klar, wie lange es dauern würde und wie schwer ich mich teilweise täte. Ich stolpere. Zumindest jetzt wieder vorwärts und nicht auf der Stelle.

    Falls ihr Tipps habt, wie man den Drang von allen gemocht zu werden, umgehen oder zumindest reduzieren kann, gerne in die Kommentare oder per Mail.

  • Warum eigentlich ein Startup?


    Anfang 2012. Ich sitze im Wohnzimmer und arbeite an der Integration von anderen Services in work|i|o. Es geht darum die Reichweite über zufriedene Quester zu erhöhen. Im Zentrum stehen Bundles. Gerade stecke ich etwas fest und blogge, um den Kopf zurück zu setzen.

    Ich hatte noch nie einen Plan fürs Leben. Lange Zeit stand die Schule im Mittelpunkt. Zeithorizont das Ende des Semesters und Ende der Schulzeit. Dann irgendwo Uni. Als ich nach Wien ging, wusste ich nicht was, ich machen würde. Technische Informatik. Wirtschaft begonnen. Auf Kommunikationswissenschaft gewechselt. Ich bin noch immer nicht fertig. Während der Uni etwas gearbeitet. Zeugs kennen lernen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, mich in unterschiedliche Berufe einzulesen. Die Hauptarbeit ist interessant, aber rundherum sind viele Dinge, die entweder anstrengend und/oder langweilig sind. Den perfekten Beruf gibt es nicht. Perfekte Dinge gibt es nicht. Außer für den Moment. Im Studium habe ich Einblicke in weitere Berufe bekommen, meist wurde gesagt, dass man das mit dem Studium machen kann, die vortragende Person aber ganz anders dazu gekommen ist. Zumindest würde ich mit dem Studium nicht in eine bestimmte Richtung festsitzen, dachte ich mir. Außerhalb bekam ich mit, dass das meiste über Kontakte läuft. So kam ich zu unterschiedlichen Vorträgen und ins Fernsehen. Mit Vorträgen ließe sich Geld verdienen. Mit Fernsehen nicht so. Beim bloggen kam manchmal etwas rein, ich fühlte mich dabei meist ein bisschen schmutzig. Schreiben gefiel mir, aber immer die Angst, dass es keinen Spaß mehr macht, wenn man es machen muss. Schon wenn man nur indirekt über Werbung Geld bekommt, verändert sich das schreiben, weil man weniger für sich selbst und mehr für die Leser und die Reichweite schreibt. Und Vorträger wollte ich auch nicht werden. Kann man sowieso nur gut, wenn man selber macht. Meine Eltern und der Staat haben mich über Wasser gehalten. Alles andere waren Zuverdienste. Zumindest habe ich mich bei dem Geld nicht schlecht gefühlt, wenn ich es ausgab. Vor allem, um zur Freundin zu fahren. Einen Schrank habe ich mir nie gekauft. Auch sonst blieb mein Zimmer minimalistisch. Nicht stylisch minimalistisch. Nur minimalistisch. Das Zugfahren war auch einer der ersten Zeitpunkt, wo mir Geld wichtiger wurde. Zuvor habe ich es soweit es ging ignoriert. Aber wenn man durchrechnen muss, wie oft man Menschen sehen kann, die einem wichtig sind und sich entscheidet, ob zu wem man fährt, ist das weniger schön. Und ich habe den Vorteil, dass ich überhaupt darüber nachdenken kann. Jedenfalls habe ich mich irgendwann entschieden, dass ich mehr Geld haben möchte, als man mit gelegentlichen Websitejobs, Vorträgen und Werbung auf dem Blog bekommt. Man könnte alles hochskalieren, aber Websiten für andere machen, war nur zu Beginn schön. Immer wieder bekam ich Angebote von Marketingagenturen. Konnte mich aber nie durchringen, etwas anzunehmen. Erst die Uni. Und ich war bei der kleinen Agentur, wo ich glaubte, irgendwann Anteile zu bekommen. Mit der Zeit gab ich die Vorstellung auf, je einen konkreten Beruf zu haben. Einerseits weil ich mich nicht entscheiden konnte und andererseits, weil ich nicht an Berufe glaube. Irgendwer machte dann noch die Aussage (oder war es eine Studie?), dass man Menschen für Berufe ausgibt, die es noch gar nicht gibt.

    Startups haben mich schon länger fasziniert. Das Bild der drei Programmierinnen, die in ihrer WG sitzen und ein cooles Webservice zusammenschrauben. Ich habe das meiste aus Anwendersicht mitbekommen. Wurde darin immer besser (hihi) und gab den Leuten auf der anderen Seite Feedback, warum mir etwas gefiel oder nicht. Bei den Vorträgen habe ich dann noch anderen erzählt, wie man etwas benutzen kann. Über Barcamps kam ich dann mit den Hinterleuten stärker in Kontakt. Langsam kam ich mit der Wiener Startupszene in Kontakt, wobei das erst so richtig losging, als ich selbst bei einem war. Zuvor waren es einzelne, die man kannte. Vielleicht mit einem Entwickler etwas gesprochen. Aber nicht viel mehr. Ich finde es immer noch großartig, dass Bruno mich gefunden und kontaktiert hat. Dass er die Idee Startup in meinen Kopf gepflanzt hat. Beziehungsweise sie aufblühen ließ.

    Startup. Für mich ist der aufbrechende Charakter entscheidend. Vielen reicht es, dass ein Unternehmen jung ist, um es Startup zu nennen. Manchen meinen, es müsste was mit Internet zu tun haben. Ich erwarte von einem Startup, dass es ein Problem aufgreift, das noch nicht oder nur schlecht gelöst wurde. Es kann auch sein, dass sich niemand des Problems bewusst ist. Macht das ganze etwas schwerer. Alter des Unternehmens ist relativ. Es sollte bisher keine anderen Dinge gemacht haben, zumindest nicht erfolgreich. Und natürlich ist auch Startup ein völlig überbewertetes Buzzword. (Buzzword, hihi).

    Selbständigkeit habe ich mir manchmal überlegt, aber ich arbeite ungern auf Zuruf von anderen und habe nahezu keine Konsequenz, wenn ich alleine arbeite. Außerdem habe ich eine Abneigung gegenüber Rechnungen (schreiben) und Priorisierung nach finanziellen Gesichtspunkten. In einem größeren Unternehmen arbeiten ist auch nicht so meins. Arbeiten in einem Startup ist nicht einfach. Man weiß nie so genau wo man steht, es ist Selbstverantwortung gefordert, weil wenn man es nicht macht, dann macht es auch sonst niemand und meist kümmert sich, auch niemand, ob man etwas gemacht hat, was man sich selbst vornahm. Die Leute sind voneinander abhängig, jeder investiert Zeit und manchmal auch Geld. Wenn eine Person versagt, kann es das Ende für alle bedeuten. Es gibt Stress und Zeitdruck. Auch wenn man das oft vernachlässigt. Keine klaren Strukturen, man weiß nie so genau, wer jetzt für was verantwortlich ist und jeder ist für alles verantwortlich. Wenn man etwas neues machen möchte, muss man es selbst machen oder die restlichen davon überzeugen, dass genau das das richtige ist. Alles ist davon abhängig, ob die Annahmen, mit dem man begonnen hat, zutreffen und wie gut man auf Abweichungen reagieren kann. Wenn die Menschen das Produkt nicht verstehen, kann man versuchen es zu ändern oder es ihnen zu erklären. Wenn niemand bereit ist zu zahlen, änder man den Preis oder such ein anderes Geschäftsmodell. Oder überzeugt sie, dass es das Wert ist. Wenn einem niemand zuhört, schreit man lauter oder entwickelt eine andere Strategie. Ein ständiges arbeiten in der Luft. Daten sind wichtig, weil sie zumindest ein bisschen zeigen, ob man in die richtige Richtung geht. Wenn man korrekt interpretiert. Den richtigen Weg gibt es nicht. Meist sind alle Entscheidungen irgendwie richtig, man muss sie nur treffen. Es kann aber auch sein, dass es eine Sackgasse ist. Habe ich schon den Druck erwähnt. Man hat nicht die Zeit, sollte sie sich zumindest nicht nehmen, alles lang und breit zu diskutieren, sondern sich auf das Gefühl verlassen und voll durchziehen.

    Ich hasse es. Ich liebe es. Es macht mir Angst. Die letzten Monate habe ich viel mit mir selbst gekämpft. Immer wieder eingeigelt, gewartet, nachgedacht, verzweifelt, neuen Mut gefasst. Viel zu wenig getan. Ich glaube auch das gehört dazu. Diesen Sommer wird mein Geldfluss versiegen. Bis dahin muss klar sein, ob wir auf eine Goldader gestoßen sind, zumindest eine kleine, zumindest den Anfang und es sich lohnt meine Ersparnisse aufzubrauchen sowie mich von meiner Freundin aushalten zu lassen oder ob ich mich nach etwas neuen umsehe. Im Moment bin ich mir sicher, dass es das richtige ist. Grandioses Team. Gute Idee. Bisherige Umsetzung viel zu langsam, dafür aber sehr gut. Interesse der Menschen ist da. Alle sehen Probleme. Soll mir Recht sein. Wir sind da, um die Probleme zu lösen. Um das Ding zusammenzubauen und dann abzuheben.

    Ich schwebe schon etwas. Und jetzt wird weitergearbeitet. Das nächste Mal vielleicht mehr darüber, was wir eigentlich machen. Das Bild oben ist von Flo, einem der Entwickler bei work|i|o.

  • Telefonnummern sind nicht privat

    [compact english version]

    Die letzten Tage gab es etwas Aufruhr bezüglich Path und dass sie das Adressbuch auf ihre Server luden ohne nachzufragen. Inzwischen wurden die Daten vom Server gelöscht, neue Versionen der App mit Opt-In veröffentlicht und sich in einem Blogpost entschuldigt. Ich halte das für nett, aber überflüssig. Wir sollten uns mehr Gedanken über das darunter liegende Problem machen.

    Kontaktdaten werden meist nicht von denen verwaltet, zu denen sie gehören.

    Wenn man einen Telefonanschluss anmeldet bekommt man automatisch einen Eintrag im Telefonbuch. Soweit ich mich erinnern kann, musste man früher extra dafür zahlen, dass man nicht im Telefonbuch steht. Telefonbücher haben ja einen Sinn. Ein Telefon hat man meist, um erreicht werden zu können. Doch wie erreiche ich jemanden, von dem ich die Nummer nicht weiß und ihn somit auch nicht danach fragen kann? Man könnte einen Brief schreiben. Bitte sende mir deine Nummer, damit ich dich anrufen kann. Ziemlich umständlich. Im Telefonbuch kann man einfach nachschauen. Doch die Zeiten ändern sich und es gibt neue Möglichkeiten. Internet. Email. Skype. Facebook. Wasauchimmer. Eine Nummer finden ist heute recht einfach. Es sei denn die Person möchte nicht gefunden werden und veröffentlicht die Nummer nirgends und gibt sie nicht her.

    Adressbücher kann man entweder als private Telefonbücher sehen oder als Favoritenliste. Da die meisten Nummern (und Adressen) öffentlich verfügbar sind, tendiere ich zu zweiterem. Somit ist nicht mehr die Information im Adressbuch interessant, sondern dass sie dort ist. Das sind also die Favoriten der Person. Das sind jene, mit denen häufig kommuniziert wird. Netzwerkanalyse juche. Wenn man beachtet, dass diese Verbindungen durch Social Networks in vielen Fällen auch öffentlich zugänglich sind, wird das Adressbuch noch uninteressanter.

    Zurück zum Problem. Die Adressen sagen nicht nur etwas über mich aus, sondern auch, und das ist das Problem, über die Personen, die abgespeichert sind. Einerseits sind es die Daten selbst und andererseits die Verbindung, die sie zwischen zwei Personen herstellen.

    Wenn Path und hunderte andere Apps, die bisher das Adressbuch automatisch ausgelesen haben, weil Apple es ermöglicht, nun nachfragen bringt das ziemlich wenig. Menschen zustimmen lassen, dass die Daten anderer Personen genutzt werden dürfen, ist pseudo. Dürfen wir das Nacktfoto deines Ex Freundes posten? Klar. Es ist nicht sinnvoll möglich, die betroffenen Personen selbst zu fragen, ob ihre Kontaktdaten verwendet werden dürfen.

    Kontaktdaten öffentlich.
    Sobald ich meine Daten jemanden gebe ohne explizit zu sagen, dass sie privat sind, mache ich sie öffentlich. Ich kann nicht erwarten, dass jeder meine Visitenkarten oder meine Telefonnummer für sich behält. Das fängt an, dass mich jemand fragt, mit wem wir letztens unterwegs waren, weil er die sehr sympathisch gefunden hat und geht zu Dingen, dass ich Entwickler empfehle und auch dort Telefonnummern ohne zu zögern rausrücke. Im ersten Fall schon eher. Aber heute reicht der Name alleine.

    Ich verwende Gmail, Facebook und zig andere Services, wo ich als einen der ersten Schritte die Freundeslisten abgleichen lasse, um nicht Namen für Namen suchen muss, sondern aus einer Liste wählen kann, wer jeweils passt.

    Es gibt Fälle, wo ich es für vollkommen gerechtfertigt halte, dass Daten sensitiv behandelt werden. Solche Personen füge ich aber nicht zu einem Adressbuch hinzu. Im Idealfall würde ich die Daten gar nicht digital speichern, aber das fällt mir sehr schwer und war bisher nicht nötig. Mit solchen Personen würde man sich aber auch nicht über so unsichere Kommunikationsarten wie Email oder Telefon austauschen.

    Mal wieder der User
    Was die Apps machen, finde ich ziemlich in Ordnung. Sie nutzen das Adressbuch, um die Leute zu finden, mit denen ich vermutlich öfter kommuniziere. Ob das Ding am Server gespeichert wird oder nicht ist eher unwichtig. Die Menschen brauchen ein Verständnis dafür, dass Kontaktdaten nichts geheimes sind, denn dann könnten sie nicht kontaktiert werden. Der Unterschied ob sie per Telefon oder über Path kontaktiert werden ist klein. Wenn jemand nicht gefunden werden möchte, dann darf er seine Daten nicht hergeben oder muss darum bitten, dass sie privat behandelt werden. Ich werde weiterhin den Apps Zugriff auf mein Adressbuch geben, da für mich der einzige Wert darin liegt, dass ich die Leute schneller finde, die dort gespeichert sind.

    Andreas regt sich darüber auf, dass Telefonnummern sowieso veralteter Scheiss sind und es unnötig schwer machen, jemanden zu erreichen.