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Der beste Fernseher

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Ich helfe hin und wieder Freunden und Bekannten bei der Auswahl neuer technischer Geräte. Geschäfte mit guter Beratung wurden weitgehend ausgerottet und die Ketten, die übrig blieben sind mit Verkäufer_innen vollgestopft, die meist nur die Daten von den Schildchen ablesen, welche teilweise sogar falsch sind. Hinzu kommen teilweise von den Marken bezahlte Verkäufer, die sich besser auskennen, aber darauf drängen die Marke, von der so kommen, zu kaufen.

Gerade sind es die Eltern meiner Freundin, die einen neuen Fernseher suchen, da ihr Röhrengerät gerade den Geist aufgibt. Seit Weihnachten. Jetzt kann man es gar nicht mehr nutzen. Mehr als 500€ sollte es das neue Gerät nicht kosten. Nachdem klar war, was benötigt wird, habe ich mich auf Amazon etwas umgeschaut, was es denn so gibt in der Preisklasse, recht schnell war klar, dass es 40 Zoll Gerät wird, was auch zum Sitzabstand passt. Ebenfalls kein Modell der aktuellsten Generation, sonder der vorhergehenden. Und siehe da, die meisten Marken haben für die Preisklasse recht ähnliche Modelle. Innerhalb von +/- 50€. Hier als Widget zusammengefasst.

Ich habe die Geräte noch nicht konkret verglichen, gehe aber davon aus,d ass sie sich sehr wenig geben. Dass man die nicht einfach so findet, sondern sich erst durch zig Ergebnisseiten klicken muss ist eher doof. Hängt aber mit anderen Faktoren zusammen.

Marketinggetriebener Unsinn
Was ich hier schreibe ist sicherlich nichts neues, aber die Gedanken sind mir heute Morgen durch den Kopf gegangen bevor ich aufgestanden bin und fand sie teilenswert.

Am Abend hat mich ihr Vater gefragt, was die ganzen Dinge, die das Gerät hat bedeuten und als ich bei einem beispielhaft alles durchgegangen bin, hat er sehr richtig geschlussfolgert: “Also alles was man nicht braucht.”. Ich bin auch der Meinung, dass der Großteil der Dinge, mit denen die Geräte angepriesen werden für den Großteil der Nutzer überflüssig sind. Smart TV und 3D sind der aktuelle Unsinn. Teilweise bin ich durch Apple verblendet, die das Weglassen von Unsinn recht gut hinbekommen und selten ihre Geräte mit technischen Spezifikationen vermarkten, sondern durch Funktionen und Übertreibung. Teilweise.

Ich fürchte, dass viele Entwicklungen bei großen Unternehmen heutzutage marketing- und nicht produktgetrieben sind. Es geht nicht darum das beste Display zu machen, sondern die meisten Funktionen hineinzupacken. Displays spielen eine große Rolle, aber man ist auf einem Niveau, wo für den Endnutzer Unterschiede sehr schwer, wenn überhaupt, erkennbar sind und es oft vorkommt, dass ein Hersteller die Hälfte der Marken mit dem Display beliefert und dort nur das rundherum gemacht wird. Also versucht man sich durch Unsinn zu differenzieren und alle andere ziehen mit, stecken einen ähnlichen Unsinn in das Gerät und packen noch weiteren Unsinn dazu, um sich zu differenzieren. Irrsinn.

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Wie würde ich den besten Fernseher bauen?
Durch mein aktuelles abhängen mit Startup Menschen, habe ich mir eine solche Sicht angelegt, wodurch ich das ganze als Unternehmen angehen würde.

Zuerst wird der Fernseher auf seine Bestandteile heruntergebrochen, dann auf seine Funktionen. Zweiteres ist für mich ohne tieferes Wissen einfacher. Der Fernseher muss Bilder in fantastischer Qualität darstellen. Alles andere gehört aus meiner Sicht nicht in einen Fernseher für die heutige Zeit. Einen Triple Tuner in einen Fernseher zu packen ist unsinnig. Auch wenn die Kosten dafür minimal sind. Einige Menschen, ich etwa, brauchen gar keinen Tuner, da sie nicht klassisch Fernsehen. Ein externer Tuner kostet meist gleich viel, wie der der Aufpreis für den Fernseher, wenn er integriert ist. Zumindest für DVB-S2. Der externe bietet meist bessere Qualität und kürzere Umschaltzeiten. Dank HDMI braucht es auch keine eigene Fernbedienung, um den Fernseher and oder auszuschalten. Diese würde ich daher auch wegrationalisieren. Bei den Eingängen ist HDMI relevant. Wer etwas anderes braucht, soll sich einen Adapter holen. OSD macht ohne Fernbedienung wenig Spaß. Hier denke ich an eine automatische Kalibrierung. Klingt für Leute, die sich auskennen, vielleicht unmöglich, halte es aber für sinnvoll und man müsste es probieren. USB, Codecs, WLAN, Streaming, Apps, bla kommt alles weg.

Am Ende sollte ein Fernseher bleiben, der von den Funktionen eher an einen Computerbildschirm erinnert. Aber großartig aussieht und für Filme optimiert ist. Ohne genaueres zu wissen, gehe ich davon aus, dass man das Gerät 10-20% unter dem Preis von gleichwertigen anbieten könnte. Hier ist zu überlegen, ob man nicht 10-20% draufschlagen sollte. Aus Marketinggründen.

Zu Beginn würde man nun zum Hersteller mit den Displays gehen (Samsung?) und einen Deal aushandeln. Dann setzt man großartige Produktdesigner in einen Raum und arbeitet mit ihnen an Aussehen und Funktionen. Idealerweise kommt der Großteil der Leute aus anderen Bereichen oder ist offen genug für komplett neue Wege und Ideen. Dann braucht man noch jemanden, der das Ding produziert. Vertrieben wird nur über die eigene Website. Es gibt zwei Modelle, die sich lediglich durch die Größe unterscheiden. Direkt dazu kann man sich passende Boxen, die keinen externen Verstärker brauchen (etwa so eine Leiste) und ein Apple TV, einen Tuner oder etwas anderes bestellen.

Später, wenn man genug Geld für Entwicklung hat, kümmert man sich selbst um die Displaytechnologie und verbessert immer weiter. Fernseher mit Retina Display? Nice.

Vermarktet wird ohne technischen Blabla. Es ist ein Fernseher. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist der beste Fernseher in der jeweiligen Kategorie. Das mit der Kategorie sagt man nicht dazu. Dass es kein Schnickschnack gibt, sagt man auch nicht.

Das meiste ist von Apple abgeschaut. Es geht darum ein einfacheres und besseres Produkt zu bauen.

Wenn ich bei work|i|o nicht mehr täglich gefordert bin und sich noch niemand darum gekümmert hat, werde ich es vielleicht probieren. Und wenn es mit Fernsehern funktioniert, macht man weiter mit allen anderen sinnvollen Elektrogeräten. Und danach Haushaltsartikel, die man sich im Abo bestellen kann. Pro Kategorie ein Produkt. Ohne Schnickschnack, einfach etwas gutes. Klopapier, Zahnbürsten, Socken, Katzenfutter.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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