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Kinder, die schreien, schlafen nicht

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Kurz vor Acht. Wir sitzen auf dem Sofa, Mia schaut auf ihrem Handy Videos, ich habe den Laptop auf den Schoß und überlege, ob ich noch ein bisschen schreiben sollte.

Erst saust ein Huster herüber, danach eine Mischung aus Schluchzen und Meckern. “Vollmond“, sagt sie. Ich lege den Laptop neben mich, stehe auf. “Scheiß Vollmond.”

Es ist das zweite Mal. Erst das zweite Mal, dass ich ins Schlafzimmer gehe und schaue was los ist. Wenn ich Glück habe, ist nur der Schnuller raus und sie dabei aufgewacht. Schnuller rein und wieder raus. Noch bevor ich mich wieder hingesetzt habe, erneutes weinen. Zurück, Schnuller rein und die Hand halten. Sie umklammert meinen Finger und atmet ruhig vor sich hin. Als ich nach einigen Minuten versuche wieder zu gehen, öffnet sie die Augen und sieht mich an. Manchmal klappt es. Ich drehe mich um, ziehe die Türe hinter, schon weint sie wieder. Also aus dem Gitterbett nehmen, sie sieht sich im hell erleuchteten Gang um. Ich lege sie auf meinen linken Arm. Die Hebamme meinte, man solle die Seiten immer mal wechseln. Fällt mir schwer. Sobald ihr Kopf auf meinem grünem Pullover liegt, sind die Augen wieder zu. Ihre linke Hand liegt auf meiner Brust. Ich wippe noch kurz und setze mich dann hin. Laptop mit einer Hand herüberziehen und weitertippen. Die linke Hand hat lediglich den Zeigefinger zum tippen, sonst würde der Kopf zu weit runterrutschen. Theoretisch könnte ich Mittel- und Ringfinger auch noch nutzen, aber aufgrund der Haltung würde es nur einen minimalen Unterschied machen und ich mir eher im Weg sein.

Wir waren schwimmen. Das zweite Mal. Nächste Woche wird sie neun Monate alt. Der Parkplatz war wie meist ziemlich voll. Das Becken dagegen ruhig. Der Großteil ist wegen der Saunalandschaft und den anderen Angeboten hier. Das Salzwasser brennt fast nicht in den Augen. Während sie das letzte Mal noch vorsichtig war, als wir langsam ins Wasser gingen, scheint ihr dieses Mal jegliche Angst zu fehlen. Fröhlich strampelt sie. Erst gleitet sie mit Mia durchs Becken, dann mit mir. Nur beim Sprudel zeigt sie etwas Unwohlsein. Ich versuche sie immer tief genug im Wasser zu halten, da die Luft kühler ist und sie manchmal zittert. In ihrer Hand ständig die gelbe Quietschente. Später ins warme Becken bevor es nach Hause geht. Fast eine Stunde im Wasser gewesen.

Sie atmet gleichmäßig und laut. Die Hand inzwischen über ihren Kopf gerutscht. Gleich versuche ich sie wieder in ihr Bett zu legen.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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