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Somewhere: Weil ein Lebenslauf wenig aussagt

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Gestern schrieb mich Monika an. Ob ich Somewhere schon kennen würde. Der Name kam mir bekannt vor und als ich die URL eintippte fragte mich mein Browser, ob ich zu dem Tab springen möchte, wo die Seite bereits geöffnet ist. Als ich sie sah, erinnerte ich mich wieder, dass ich sie offen gelassen habe, um mich später genauer damit zu beschäftigen. Wie ich ursprünglich dazu gekommen bin, weiß ich nicht mehr.

Was ist Somewhere?

“Show what you really do — Find inspiration and insights — Connect to like-minded people and companies” —­ About
Ich finde Somewhere noch schwer zu begreifen, da es zwar ein recht konkretes Ziel hat, aber es noch jung ist, wodurch noch vieles daraus werden könnte. Daher wage ich nur den Versuch es so zu beschreiben, wie ich es bisher verstanden habe.

Präsentiere nicht wo du gelernt und gearbeitet hast, sondern zeige was du erzeugt hast.

Man positioniert sich damit schräg gegenüber von Linkedin. Dort geht es relativ kühl zu, klar strukturierte Lebensläufe mit den unterschiedlichen Stationen. Aber das passt mit vielen Arbeitsrealitäten nicht mehr zusammen. Als Selbständiger könnte man für jeden größeren Auftrag einen Punkt anlegen. Wird unübersichtlich und ist nicht im Sinne von Linkedin, weil die Daten plötzlich etwas anderes bedeuten. Also schreiben viele Selbständig rein und man erkennt nicht mehr, ob und was sie tatsächlich so machen. Ungefähr da setzt Somewhere an. Und geht noch einen Schritt weiter. Auf Somewhere gibt es nicht mehr einen statischen Lebenslauf, sondern die eigene Arbeitswelt bekommt einen Stream, in dem man alles hinweinwerfen kann, was man für relevant hält.

Somewhere angetestet

Luca Hammer Somewhere Profil

Aktuell kommt man nur mit Invite Code rein. Gefühlte Exklusivität, sanfter Serverausbau oder was auch immer. Ich denke, dass ich Freunden und Personen, die gut zur Plattform passen Codes besorgen werden kann. Ihr wisst, wie ihr mich erreicht.

Sparks
Bei Twitter heißen Beiträge Tweets, bei Facebook Posts und bei Somewhere Sparks. Funken. In der chemischen Metapher können sie Feuer entfachen, in der elektrischen Dinge anstoßen. Und das Nervensystem könnte man sicher auch noch reinpacken. Jedenfalls stehen Sparks im Mittelpunkt bei Somewhere. Diese Sparks kann man sowohl auf seinem eigenem Profil als auch in sogenannten Collections veröffentlichen. Natürlich geht es auch Sparks sowohl in Collections als auch dem Profil auftauchen zu lassen. Ein Spark kann aus maximal 250 Zeichen und optional (immer) einem Bild bestehen. Die Bildauswahl ist dabei sehr praktisch über filepicker.io geregelt, welches man mit Instagram, Facebook, flickr und Dropbox verbinden kann, um Bilder direkt aus dem jeweiligen Service zu wählen. Natürlich kann man auch etwas vom lokalen Speicher hochladen. Veröffentlichte Sparks, kann man dann kommentieren und favorisieren. Sparks sollen einerseits die Persönlichkeit der jeweiligen User widerspiegeln und andererseits inspirieren.

Sparks erstellen ist einfach, aber sie sind noch nicht vollkommen ausgereift, aber dazu komme später noch.

Collections
Man kann Sparks direkt in Collections veröffentlichen. Etwa in Favourite Projects. “What project are or were you involved in that still fills you with pride? What project would you love to put on top of your résumé?”. Aktuell gibt es hier keine Zugangsbeschränkung, es kann also jeder alles in jeder Collection veröffentlichen. Allerdings soweit ich es bisher verstanden habe, keine neuen Collections hinzufügen. Während bei Favourite Projects noch die eigenen Projekte im Mittelpunkt standen ist es bei
Favourite Infographics nicht mehr so klar. Hier werden nun Infographiken queerbeet gepostet. Das finde ich nicht gut. Inhalte, die man gut findet postet man auf allen anderen Plattformen auch und wenn ich nun beginnen muss zu überprüfen, welche Dinge, die Leute selbst erstellt haben und welche sie bloß gut finden, artet das ganze in Arbeit aus. Außerdem fördert es duplicate content und der nervt mich bekannterweise.

Companies
Neben Personenprofilen gibt es auch Unternehmen. Allerdings können Unternehmen selbst nichts posten, sondern der Stream besteht aus den Beiträgen aller Mitarbeiter. Beispiel: EyeEm. Das finde ich ziemlich klug. Weil sich ein Unternehmen nun einmal aus seinen Mitarbeitern zusammensetzt und diese ausschlaggebend für die Kultur und alles sind. Leider gibt es auch hier zwei Schwierigkeiten. Die Leute, die sich hauptsächlich um Kommunikation in den unterschiedlichen Unternehmen kümmern, veröffentlichen wesentlich mehr als alle anderen Mitarbeiter. Und plötzlich steht im Mittelpunkt jedes Unternehmens Marketing. Verzerrtes Bild. Die zweite Schwierigkeit kommt auf die neue Art des projektbasierten Arbeiten aus der Einleitung zurück. Ich bin nicht nur für ein Unternehmen tätig. Das macht die Unternehmensseiten spannender, weil auch Projekte der Mitarbeiter, die sie außerhalb des Unternehmens machen, aufscheinen. Aber es macht den Blick ins Unternehmen kaputt, weil wiederum bestimmte Personen überrepräsentiert sind. Und was passiert mit meinen Sparks, wenn ich das Unternehmen wechsle?

People
Personen setzen sich aus Metainformationen (Über mich, Website, Ort, Unternehmen, Following, Favorites, etc.) und ihren Sparks zusammen. Ein Coverbild gibt es natürlich auch. Die Sparks kann man nach Collections anzeigen lassen. Auch hier das Spannungsfeld zwischen Dingen, die man selbst gemacht hat und Dinge, über die man sich definiert. Bei einigen Personen habe ich Zitate, Bücher, Filme und andere Medien gesehen. Dinge, die die Person sehr wichtig für sich findet, die Teil ihrer Kultur sind. Auf dem Personenprofil finde ich solche Sparks noch eher passend. Aber auch dort bin ich mir nicht sicher, ob Somewhere der richtige Ort dafür ist. Ist ein Zitat gleich wichtig wie ein Bild vom letzten Teambuilding? Sagt ein Film mehr über eine Person als ihr Arbeitsplatz? Ich weiß es nicht und ich vermute, dass es von Person zu Person unterschiedlich ist. Zugleich definiert einen auch alles, was man auf Twitter und anderen Plattformen postet, ich gehe aber nicht davon aus, dass man das auch alles auf Somewhere posten würde.

Dashboard
Man kann Personen, Collections und Companies folgen und bekommt als Folge alle Sparks der jeweils Betroffenen in sein Dashboard geliefert. Dort kann man sie wiederum favoriseren oder kommentieren. Erinnert ein bisschen an Pinterest, aber ist durch die Ausrichtung und bestimmte Funktionen auch wieder anders.

Über allem leuchtet die große Frage “What are you working on?”. Auf der Seite gibt es weitere Fragen, zu unterschiedlichen Collections passend, etwa was einem am wichtigsten ist, wenn es ums arbeiten geht, was man in der Arbeit macht und Projekte, an denen man in der Vergangenheit gearbeitet hat.

Über ein Discover Seite kann man unterschiedliches Zeug entdecken.

Lucas Wunschliste

Sparks datieren
Als ich begann mein Profil zu füllen, habe ich einige Projekte von früher hinzugefügt. Diese verdecken nun Projekte, an denen ich aktuell arbeite. Zeitstrahl fände ich dann auch super.

Bilder vergrößern
Hochgeladene Bilder sind selbst in der Spark-Einzelansicht sehr klein. Es wäre toll, wenn man die größer machen kann.

Sparks nachträglich in Collections hinzufügen
Ist bereits geplant, soweit ich informiert bin.

Sparks Unternehmen zuteilen
Damit könnten Personen klar machen, was sie für ein bestimmtes Unternehmen und was für ein anders oder außerhalb gemacht haben. Auf Unternehmensseiten könnte man dann entweder visuell unterscheiden oder die Möglichkeit geben auszuwählen, was man sehen möchte.

I made this
Vielleicht reicht eine Collection, in die man alle Dinge werfen kann, die man selbst gemacht hat. Sollten meiner Meinung nach auch prominenter auf dem Profil sein, als die Dinge, über die man sich definiert.

Weitere Wünsche können im Laufe der nächsten Wochen noch folgen.

Ähnliche Plattformen wie Somewhere

Ich habe bereits erwähnt, dass Somewhere etwas an Pinterest erinnert, aber das hängt lediglich mit der Präsentationsform zusammen. Die eigentlich höhere Ähnlichkeit hat die Plattform mit Portfolioseite. Diese sind aber meist eher statisch ausgerichtet und man würde ältere Dinge eher wieder entfernen statt sich als eine Stream wahrnehmen, wo ständig neue Dinge hinzukommen.

dribbble und behance
Die vermutlich populärsten und am besten funktionierenden Vertreter von Portfoliostreamseiten. Beide klar auf Designer und visuelle Arbeiten ausgelegt. Ist im Web auch oft das einfachste. Nicht ohne Grund spielen auch bei Somewhere Bilder eine wichtige Rolle. Bei dribbble und behance geht es aber weniger um Fotos als eben um grafische Kreativarbeit. Ich würde selbst nie auf die Idee kommen dort etwas zu posten. Somewhere spricht mich da schon stärker an.

Weiter weg, im klassischen Portfolibereich, sind Carbonmade und Viewbook unterwegs. Dort geht es auch nicht mehr um die Interaktion zwischen den Personen.

Fazit

Somewhere beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Lebenslauf in Zeiten von projektbasierter Arbeit aussehen könnte. Interaktion und Inspiration kommen im bisherigen Lösungsvorschlag nicht zu kurz. Entscheidend wird sein, wie man sich von anderen Services differenzieren kann und zugleich Attraktiv genug bleibt, um regelmäßig genutzt zu werden.

Ich bin auf das für die nächsten Tage angekündigte Update gespannt, vor allem was die Sparks betrifft.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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