Monat: Januar 2014

  • Das kleine Publikum

    Erinnert ihr euch noch, wie oft ich darübe schrieb, dass ich in erster Linie für mich selbst schreibe, dass der Akt des Schreibens mir hilft Gedanken zu fokussieren und Überlegungen zu Ende zu führen? Es kam mir heute wieder in den Sinn als ich auf Facebook war und über dessen Untergang gesprochen wurde. Mal wieder. Unsinn. Es geht um das Gefühl, dass man auf Facebook und Twitter ein Publikum aufgebaut hat. Oder es dort zumindest ein paar Menschen gibt, die sich dafür interessieren, was man von sich gibt. Und deshalb nutzt man die jeweilige Plattform. Ist ja schon da. Ist praktisch. Kann man machen.

    Ich würde lügen, wenn ich schreiben würde, dass ich mich nicht freue gelesen zu werden. Ich schaue auch immer wieder in die Statistik und weiß, dass ich zahlreiche Beiträge hab, die nur eine zweistellige Zahl an Menschen erreichen. Trotz 100k Besuchern im Jahr. Nicht alles interessiert alle. Feedreader waren früher etwas für technisch versierte und scheinen heute weiter in die Niche gerückt zu sein. Feedly meint, dass mich dort 95 Personen abonniert haben. Also den Blog. Ich selbst habe etwa 200 Feeds abonniert. Davon lese ich von etwa 50 jeden Beitrag. Also komme ich übern Daumen auf etwa 20 regelmäßige Leser und ich halte diese Zahl für realistisch. Besucher gibt es viel mehr. Ein Beitrag, der einmal die Runde auf Facebook und Twitter macht oder einer, der bei Google an erster Stelle steht.

    Sieht es bei den 1000 Kontakten auf Facebook oder den 5000 Followern auf Twitter anders aus? Werden dort meine Tweets und Postings von mehr Menschen gelesen? Wenn ich die Interaktion betrachte, stelle ich das in Frage. Meist sind es gleichen Personen, die mit mir interagieren. Es gibt etwas mehr Streuung und ich werde dort vermutlich von mehr als 20 Personen effektiv gelesen, aber es ändert wenig am Umstand, dass die Reichweite des einzelnen Postings gering ist. Schon lange nicht mehr gemacht, aber 50-100 Klicks waren Durchschnitt für Links.

    Bei den 20 Bloglesern bin ich mir sehr sicher, dass sie meine Beiträge auch woanders lesen würden. Bei den Personen auf Facebook und Twitter sieht es etwas anders aus. Vor allem, weil die meisten Beifang sind. Personen, mit denen ich irgendwie in Kontakt kam, man fand sich gegenseitig oder einseitig interessant, vielleicht gab es etwas Kommunikationsgeplänkel und das war es dann. Hin und wieder sieht man einen Beitrag. Manches findet man gut, manches nervt, dann fliegt die Person wieder raus. Schwache Verbindungen nennt man das, wenn ich mich richtig erinnere. Sind nützlich, aber nicht unersetzbar. Über die Zeit vergisst man die Person und wenn man nicht immer wieder erinnert wird, warum man sie gut findet, ist das Interesse irgendwann ganz weg und es ist nur noch Gewohnheit, weshalb man sie nicht rauswirft. Gesichter, die man seit Jahren immer wieder gesehen hat. Fühlt sich komisch an, sie zu entfolgen. Dabei sind gerade schwache Knoten etwas sehr fluides, da es von beiden Seiten wenig Commitement braucht die Verbindung herzustellen. Also sammelt man. Und hat irgendwann einen Haufen Menschen, die man nett findet, aber die sonst nicht viel bedeuteten. Natürlich kann sich das ändern. Beziehungen ändern sich ständig, manche werden stärker, manche schwächer.

    Auf Facebook kann man längere Gedankenzusammenhänge posten, auf Twitter nicht. Auf beiden Plattformen fehlt ein gut zugängliches Archiv. Bei Twitter allgemein und bei Facebook die Sortier- und Suchmöglichkeiten. Graph Search hat zwar die Möglichkeit Personen, Pages, Bilder und Gruppen zu suchen stark verbessert, aber nach Postings kann man gar nicht mehr suchen.

    Reichweite hängt nicht mehr nur vom eigenem Netzwerk ab. Reichweite entsteht leichter viral. Im englischsprachigen Raum durch reddit oder hackernews wesentlich intensiver. Branding spielt für die Viralität insofern eine Rolle, weil Menschen Inhalte weiterverbreiten bevor sie sie gelesen haben, was am besten funktioniert, wenn sie der Meinung des Titels sind und der Autor_in vertrauen, dass sie gut schreiben kann. Nenne ich auch gerne falsche Reichweite. Zugleich führt sie zur echter Reichweite, wenn sie Menschen erreicht, die den Text komplett lesen. Und wir sind wieder bei den Besuchern. Leser sind quasi die Anzahl der Versuche, die ich zum Starten der Viralität habe. Dinge auf Viralität auslegen halte ich für falsch. Zugleich halte ich es für falsch Artikel nicht gut lesbar und teilbar zu machen. Ein Titel, der sagt, was im Artikel steht, ist ideal. Habe ich von René gelernt.

    Wo ich den Artikel veröffentliche ist zweitrangig. Leser sind zweitrangig. Viralität ist drittrangig.

    Schreiben ist wichtig.

  • Südkorea und das Geld

    Unser Forschungsprojekt Gaming in Südkorea ist weiter vorangeschritten und mir wurden wieder die Besonderheiten vom Arbeiten in halbzusammengewürfelten Teams vorgeführt. Doch darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen. Bei der Arbeitsverteilung habe ich mich für das Paket „Geld“ entschieden. Unser Forschungsinteresse ist, wie Koreaner_innen Multiplayer-Online-Games spielen. Mit einem Fokus auf die kulturellen und ökonomischen Aspekte. Neben einer umfassenden Literaturrecherche wird es einen quantitativen Onlinefragebogen geben und falls es die Zeit zulässt zusätzlich qualitative Interviews.

    Pre-Alpha der Fragen rund ums Geld

    • Wie viel verdienst du pro Monat in deinem Hauptberuf?
    • Wie viel Geld kannst du zum Spielen pro Monat ausgeben?
    • Verdienst du Geld mit dem Spielen? (Mehrfachauswahl)
    • Wie viel?

    Ökonomie in Südkorea

    Bevor ich zu den für uns interessanten Daten über die einzelnen Personen und/oder Haushalte komme, möchte ich wissen, Sükorea ökonomisch aufgestellt ist. Wikipedia gibt mir einen ersten Überblick. Sükorea war in den 1960ern wirtschaftlich schlechter unterwegs als viele lateinamerikanischen und afrikanische Länder unterhalb der Sahara. Durch einen nationalen Fokus und Hilfe aus dem Ausland hat kam es zu einem sehr starken Wachstum und Südkorea liegt heute auf Platz 15 gereiht nach dem Bruttoinlandsprodukt. 2013: 1.197.506 Mio. USD (+2,84% zu 2012).

    Laut einem Whitepaper der Regierungsorganisation Korea Creative Content Agency (KOCCA) hat der Markt für Videospiele in 2012 ein Volumen von 9,16 Milliarden USD. Games Export wird mit 2,3 Milliarden USD beziffert (+48% zu 2011).

    Vom MIT gibt es eine gute Visualisierung der Export Daten (Datenquelle: UN comtrade).
    The Observatory _ What does Korea, Rep. export_ (2010) - Mozilla Firefox 2014-01-19 10.51.18

    Articles for arcade, table or parlor games machen 2010 0,04% des Exportvolumens bzw. knapp 210 Millionen USD aus. Ob dies direkt mit dem Spieleexport gleichgesetzt werden kann, weiß ich noch nicht. Wenn die Zahlen der KOCCA stimmen, wären es heute etwa 0,4%, was ungefähr dem Export von LKWs entspricht. Also ein Zwanzigstel des größten Sektors, dem Elektronikexport. (Achtung ungenau.)

    Einkommen und Ausgaben

    Laut OECD verdienen Koreaner im Schnitt fast 40.000.000 koreanische Won. Fast 30.000 EUR. Davon sind laut OECD Better Life Index 17.337 USD disposable income. Fast 20.000.000 Won. Wenn ich die Währungsumrechnung richtig hinbekommen habe.

    Nun würde mich interessieren, wofür dieses verfügbare Einkommen ausgegeben wird. Im besonderen wie viel auf Videospiele entfällt. Das sollte man dann in der Umfrage möglicherweise weiter auflösen, um zu sehen wie viel in Hardware, Software, Abos und InGame-Käufe fließt. Gerade in Korea spielen Internetcafés, sogenannte PC bangs, eine große Rolle, welche meist eine stündliche Gebühr von etwas weniger als einen USD haben. Hardware (Gaming PC 700-1500 USD) würde die Ergebnisse verzerren, falls man nicht gesondert abfragt. SuperData gibt den durchschnittlichen Gewinn je zahlenden User mit 12 bis 30 USD an. Wenn die Annahme stimmt, dass free2play Games mit entweder Abooption und/oder Itemverkauf, besonders stark in Korea sind, könnte man dies als Anhaltepunkt zur Erstellung der Kategorien nutzen. In einem amerikanischen Forum reichen die Antworten auf die Frage nach den jährlichen Gaming-Ausgaben von 100 bis 7000 USD. Sinnvolle Antwortkategorien quasi unmöglich. Newzoo liefert einen weiteren Richtwert. 100-150 USD je Spieler und Jahr.

    Spielen als Job

    Pro-Gamer verdienen bis zu 100.000 USD im Jahr. Aber wie sieht es mit dem durchschnittlichen Spieler aus? Gerade free2play Games setzen oft auf Items, die gekauft oder erspielt werden können. Und immer öfter ermöglichen die Hersteller den Spielern untereinander mit Items zu handeln und kassieren dafür eine gewissen Prozentsatz des jeweiligen Verkaufswertes. Es gibt seltene Items, die für mehrere hundert Euro verkauft werden, aber auch sehr viele, die für wenige Cent bis zu ein paar Dollar verkauft werden. Neben den offiziellen Marktplätzen gibt es, gerade wenn kein offizieller angeboten wird, gibt es Schwarzmärkte. Bisher habe ich noch keine guten Daten dafür gefunden.

  • Dorfwellen

    Johannes beschreibt Dörfer und Städte, zieht dabei Parallelen zum Internet. Jawl nimmt das Thema auf und geht auf eine aktuell(?) herrschende schlechte Stimmung mit einem Verweis auf serotonic ein. Ich schreibe darüber, weil ich auch dazu gehören möchte. Oder so.

    Durch die Verweise verändert sich die Anordnung des Dorfes. Oder verfestigt sich. Über Bilder mit Punkten und Linien könnte man wie auf einem Stadtplan versuchen das Ganze symbolisch darzustellen. An die Realität kommt man nie ran, aber eine Annäherung wäre es. Zu beachten wäre auch, dass sich die Anordnung je nach Perspektive radikal ändern kann. Im Gegensatz zu Stadtplänen. Darum soll es aber dieses Mal nicht gehen.

    Eine These. Früher™ reichte zur Abgrenzung die Nutzung des Internets aus. Später musste es eine bestimmte Art der Nutzung sein, etwa ins Internet schreiben. Und heute reicht auch das nicht mehr aus. In der Soziologie spricht man von der Atomisierung in der Stadt, wenn ich mich recht erinnere. Gemeint ist die Auflösung sozialer Zusammenhänge. Zum Beispiel, dass man im Wohnhaus, das eigentlich weniger Personen und eine kleinere Fläche als ein Dorf hat, die unterschiedlichen Personen nicht kennt und meist auch kein Interesse daran hat. Der Ort ist nicht mehr ausschlaggebend. Die Menschen leben in sehr unterschiedliche Welten und es gibt fast keine Gemeinsamkeiten mehr. Also spricht man, wenn es denn sein muss, über das Wetter, Populärpolitik und Allgemeines zur Arbeit. Wir sind nicht mehr Teil einer Gemeinschaft, sondern von vielen (Ausbildung, Arbeit, Hobbys, etc.) und mit unterschiedlicher Intensität. Dadurch kann es auch passieren, dass jemand nirgends so richtig Teil ist. Zugleich haben wir für jede Gemeinschaft eine eigene Persona („Maske“), die in den meisten Fällen nur unterschiedlich viel oder unterschiedliche Seiten preis geben, teilweise sich aber auch selbst widersprechen, weil Reibung (etwa: andere Meinung als in der jeweiligen Gemeinschaft vorherrschend) auszehrt. Das Internet war früher™ ein Hobby und somit eine eigene Gemeinschaft, heute ist in erster Linie Kommunikationskanal für fast alle Gemeinschaften, an denen man Teil nimmt. Weil es aber weiterhin ein eigener Raum ist, kommt es zu Überschneidungsproblemen, weil es schwer ist im Internet als unterschiedliche Personas zugleich zu agieren. Meine Lösung war es meine übrigen Personas aufzugeben oder in Pseudonymen zu packen. Andere Personen haben andere Strategien.

    In einer klar abgegrenzten Gemeinschaft gibt es meist auch eine klare Hackordnung. Bei offenen Gemeinschaften, wie ich die meisten Internetplattformen sehen würde, gibt es ein ständiges Bedürfnis sich abzugrenzen, gegen außen und gegen andere innerhalb, um eine Rangordnung herzustellen. Dieses Bedürfnis schwindet, zumindest in meiner Erfahrung, erst wenn die Gruppe klein und/oder divers genug ist, dass die Möglichkeiten der Einzelnen nicht die der anderen einschränken. Gemeinsame Ziele helfen auch (Bsp.: Akzeptanz des Hobbys).

    Jawl schreibt von einer schlechten Stimmung und zählt als Beispiele etwa verletzenden Humor auf. Twitter und Facebook sind dafür besonders anfällig. Es ist einfach sich über bestimmte Gruppen lustig zu machen. Etwa indem man sich über deren Verhalten aufregt. Oder das Verhalten als lächerlich präsentiert. Gegen wenige abgrenzen, um eine große Gemeinschaft zu schaffen. Einfacher Humor wird von vielen verstanden und jeder bekommt eine kleine Glückgefühlausschüttung, wenn er es versteht. Als ob man ein kleines Rätsel gelöst hätte.

    Ich habe mich in den letzten Monaten verglichen zu früher™ stark aus dem Web zurückgezogen. In erster Linie hat das mit meiner Frau und meinem Kind zu tun, weil Zeit und Energie anders verbraucht wird. Zugleich haben sich meine Prioritäten und Einstellungen geändert. Und zu allerletzt gibt es sicher auch eine Veränderung des Webs selbst. Persönlich habe ich mich unter anderem in geschlossene Netzwerke wie Path zurückgezogen, wo der eigene Vorteil außen vorgelassen wird. Weiters gibt es etwas mehr direkte Kommunikation mit einzelnen Personen. Ich finde es aber weiterhin wichtig, dass man sich öffentlich austauscht.

    Und ich muss endlich einmal etwas zu Schweigespirale und Anonymität schreiben. Hängt auch mit dem ganzen zusammen.

  • Quantified Self Präsentationsvorbereitung

    Im Rahmen des Human Enhancement Seminars werde ich am 7.1.2014 eine Präsentation halten. Dieser Beitrag dient mir zur Vorbereitung.

    Persönliche Erfahrungen

    Ich kann mich nicht mehr exakt erinnern, aber es dürfte vor zwei bis drei Jahren gewesen sein, dass ich das erste Mal mit dem Begriff Quantified Self in Kontakt gekommen bin. Die Selbstvermessung geht allerdings viel weiter zurück. Sowohl historisch, als auch in meinem Leben. Ich unterscheide zwei Herangehensweisen, die eng miteinander verknüpft sind. Die Selbstvermessung, um sich mit anderen zu vergleichen, und daneben die Selbstvermessung, um sich selbst besser zu verstehen.

    Zahlen reduzieren Komplexität und ermöglichen uns Dinge einzuordnen und/oder zu verstehen. Jeder sportliche Wettkampf ist eine Art von Selbstquantifizierung. Manchmal in Relation zu anderen (Beispiel Boxen) aber meist zugleich auch in Zahlen (Hochsprung, Rennen und ähnliche). Schon lange vor dem eigentlichen Wettkampf kämpfen Sportler gegen die Zahlen. Sie wollen höher als sie selbst springen, schneller als sie selbst laufen, besser als sie selbst sein. Quantified Self richtet sich in meinem Verständnis vor allem an eine Massenkultur der Selbstvermessung und eine Ausdehnung der gemessenen Werte, die wiederum zueinander in Relation gestellt werden können. Nicht nur die am Ende gelaufene Zeit ist wichtig, sondern wie sich der Puls entwickelt hat, was man gegessen hat, wie die Blutwerte aussehen und vielleicht auch Dinge wie die Außentemperatur, die Luftfeuchtigkeit, der Streckenbelag, die Lautstärke des Publikums, die gehörte Musik und wann man das letzte Mal Sex gehabt hat.

    Wir quantifizieren uns ständig. In vielen Fällen ohne jemals den Wunsch danach geäußert zu haben. Ich weiß wie lange ich im letzten Monat telefoniert habe, wie viele Emails ich schrieb, wie viele Kontakte ich auf Facebook habe oder wie viele Tweets ich versandte. Selbst das Geld auf dem Konto und was man verdient könnte man als eine Art der Quantifizierung betrachten.

    Konkretes Beispiele: Meine Bewegung

    Als ich mich dafür entschied zum Thema Quantified Self die Präsentation zu halten, habe ich mir die App Moves heruntergeladen, um alle meine Bewegungen der folgenden Monate zu quantifizieren.

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    Konkretes Beispiele: Meine Stimmung

    Schon Monate früher habe ich Expereal und Mr. Mood genutzt, um meine Stimmung zu tracken.

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    Texte und Radiobeitrag

    Folgende Texte wurden den Seminarteilnehmer_innen zur Vorbereitung zur Verfügung gestellt.

    Villa, Paula-Irene: Die Vermessung des Selbst. Einsichten in zeitgenossische Formen der Korperarbeit
    In: AVISO. Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst in Bayern Nr. 3. 2012. S. 14-19. Link

    Der Text nutzt Quantified Self als Aufhänger, um über den Körper als Rohstoff und wie die Gesellschaft damit umgeht zu schreiben. Bemerkenswert ist die von der Autorin beschriebene Selbstbeschreibung der Quantified Self Bewegung: besonders „[Personen], die
    ihr Leben selbst in die Hand nehmen, indem sie es nach rationalen Prinzipien beobachten, um auf der Grundlage möglichst objektiver Daten besonders rational handeln zu können.“. Weiters wird darauf eingegangen, dass der Körper nicht von unserem sozialen Selbst losgelöst, sondern ein Teil davon ist. Der Körper als Visitenkarte in der Gesellschaft. Daraus folgert die Autorin, dass die Arbeit am Körper (sowohl durch Körperpraxis als auch externe Bearbeitung) eine Fortsetzung der rationalen Vernunft ist. Ein trainierter Körper würde zugleich in der modernen Gesellschaft wünschenswerte Charakterzüge symbolisieren. Quantified Self sei der Versuch die Unberechenbarkeit des Körpers in den Griff zu bekommen indem die Körperdaten mit Selbsterkenntnis gleichgesetzt werden.

    Passig, Kathrin: Unsere Daten, unser Leben
    In: Merkur Nr. 756. 2012. S. 420-426. Link

    Ich mag Kathrin Passig und ihre Texte. Da ist dieser Text keine Ausnahme und ich kann nur wärmstens empfehlen in zu lesen. Viele interessante Gedanken. Im folgenden zentrale Aussagen, die ich für die Präsentation mitnehme.

    • Quantified Self bringt wissenschaftliche Praktiken in den privaten Alltag.
    • QS ist keine Wissenschaft, sondern es geht um Selbstwahrnehmung.
    • QS oft negativ konnotiert. Außer im Sport. Dort ist jegliches Messen super.
    • Lange Geschichte der Selbstaufzeichnung. Beispiel: Haushaltsbuch.
    • Wunsch nach Rationalisierung, Selbstdisziplinierung und Selbstoptimierung.
    • Dinge, die leicht zu messen sind, werden eher gemessen, als die die einen großen Einfluss auf die Lebensqualität haben, aber schwer zu messen sind.
    • QS oft ohne konkretem Ziel.
    • Legitimierung je nach Publikum. Vergleich mit Polarforschung.
    • Wenig funktionierende Methoden zur individuellen Leistungssteigerung. -> QS: Was funktioniert für MICH
    • Datenaustausch führt zur gegenseitig bedingten Selbstkontrolle.
    • Mögliche Gründe für aktuelle Popularität: Verfügbarkeit der Tools (günstige Sensoren, Smartphones); Neues Verständnis von Privatsphäre; Staat und Unternehmen wissen mehr über uns als wir selbst

    Vorsprung durch Technik. Durch Selbstvermessung zum besseren Leben?

    Bayern 2 Zündfunk vom 21.09.2013. (Radiobeitrag)

    Test unterschiedlicher Geräte (Schlaftracking, Stress, Gewicht, Bewegung, Kalorien, und Hinterfragung der gesamten Bewegungen. Schon im 16. Jahrhundert Quantified Self durch Selbstbeobachtung und Aufzeichnung. Quantified Self ist Sichtbarmachung des Unsichtbaren wie etwa Schlaf. Vielen Nutzern wird vorgeworfen, sie würden die Zahlen mit Glück gleichsetzen. Die Datennpunkte alleine sagen noch nicht viel aus, erst im Vergleich (mit sich selbst oder anderen) werden sie spannend. Öffentlich Teilen wird vom Journalisten sehr kritisch gesehen. Kann man Schlaf optimieren? Ja. Nicht viel Schlaf, sondern bestimmte Schlafphasen (Tiefschlaf) sind wichtig. Journalist kann mit Hörspielen am besten schlafen. Unterschiedliche Schwellen beim Körperfett, wo der Körper auf neu hinzugefügte Nahrung anders reagiert. Angst, dass sich die Bedürfnisse nicht selbst melden/optimieren. Technische Über-Ich. Verhaltensänderung, weil man an Tagesziele denkt. Bestimmte Apps funktionieren nicht richtig (Stresstest). Positive Sicht nach Sloterdijk: Nach oben gezogen werden. Und: Vergleich ist die Höllenmaschine des Menschen. Fitnessstudiokonzept für Menschen mit wenig Zeit. Elektrische Stimulation der Musekln während des Trainings, um Training zu optimieren. Glück messen ist sehr schwierig. Hormone wären eine Option, aber nicht ausreichend, zugleich schwierig. DNA Analyse für jeden. Gefährliche Fehlanalysen bei Rechenfehlern. Methoden nicht immer ideal. eHealth als Revolution des Gesundheitssystems? Als nächstes Totalüberwachung? Keine freie Entscheidung mehr, ob und wann etwas gemacht wird, sondern den Algorithmen unterworfen? Sollte das eigene Risiko (Burger essen, Rauchen, etc) bestraft werden? Heller: Jetzt Spielerei, später sinnvolle Anwendung. Wie es umgesetzt wird, hängt von uns allen ab. Offensiv Probleme ansprechen. Probleme beginnen bei Quantified Mass (Staat und Unternehmen missbrauchen persönliche Daten).

    Meine Folien

    https://skydrive.live.com/redir?resid=37013D77982EFFA%212356

    Vielleicht finde ich bis Dienstag noch weitere Beispiele, wie Quantified Self in Medien behandelt wird. Spiele mit all ihrem Tracking und Achievements fände ich spannend.