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Quantified Self Präsentationsvorbereitung

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Im Rahmen des Human Enhancement Seminars werde ich am 7.1.2014 eine Präsentation halten. Dieser Beitrag dient mir zur Vorbereitung.

Persönliche Erfahrungen

Ich kann mich nicht mehr exakt erinnern, aber es dürfte vor zwei bis drei Jahren gewesen sein, dass ich das erste Mal mit dem Begriff Quantified Self in Kontakt gekommen bin. Die Selbstvermessung geht allerdings viel weiter zurück. Sowohl historisch, als auch in meinem Leben. Ich unterscheide zwei Herangehensweisen, die eng miteinander verknüpft sind. Die Selbstvermessung, um sich mit anderen zu vergleichen, und daneben die Selbstvermessung, um sich selbst besser zu verstehen.

Zahlen reduzieren Komplexität und ermöglichen uns Dinge einzuordnen und/oder zu verstehen. Jeder sportliche Wettkampf ist eine Art von Selbstquantifizierung. Manchmal in Relation zu anderen (Beispiel Boxen) aber meist zugleich auch in Zahlen (Hochsprung, Rennen und ähnliche). Schon lange vor dem eigentlichen Wettkampf kämpfen Sportler gegen die Zahlen. Sie wollen höher als sie selbst springen, schneller als sie selbst laufen, besser als sie selbst sein. Quantified Self richtet sich in meinem Verständnis vor allem an eine Massenkultur der Selbstvermessung und eine Ausdehnung der gemessenen Werte, die wiederum zueinander in Relation gestellt werden können. Nicht nur die am Ende gelaufene Zeit ist wichtig, sondern wie sich der Puls entwickelt hat, was man gegessen hat, wie die Blutwerte aussehen und vielleicht auch Dinge wie die Außentemperatur, die Luftfeuchtigkeit, der Streckenbelag, die Lautstärke des Publikums, die gehörte Musik und wann man das letzte Mal Sex gehabt hat.

Wir quantifizieren uns ständig. In vielen Fällen ohne jemals den Wunsch danach geäußert zu haben. Ich weiß wie lange ich im letzten Monat telefoniert habe, wie viele Emails ich schrieb, wie viele Kontakte ich auf Facebook habe oder wie viele Tweets ich versandte. Selbst das Geld auf dem Konto und was man verdient könnte man als eine Art der Quantifizierung betrachten.

Konkretes Beispiele: Meine Bewegung

Als ich mich dafür entschied zum Thema Quantified Self die Präsentation zu halten, habe ich mir die App Moves heruntergeladen, um alle meine Bewegungen der folgenden Monate zu quantifizieren.

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Konkretes Beispiele: Meine Stimmung

Schon Monate früher habe ich Expereal und Mr. Mood genutzt, um meine Stimmung zu tracken.

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Texte und Radiobeitrag

Folgende Texte wurden den Seminarteilnehmer_innen zur Vorbereitung zur Verfügung gestellt.

Villa, Paula-Irene: Die Vermessung des Selbst. Einsichten in zeitgenossische Formen der Korperarbeit
In: AVISO. Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst in Bayern Nr. 3. 2012. S. 14-19. Link

Der Text nutzt Quantified Self als Aufhänger, um über den Körper als Rohstoff und wie die Gesellschaft damit umgeht zu schreiben. Bemerkenswert ist die von der Autorin beschriebene Selbstbeschreibung der Quantified Self Bewegung: besonders „[Personen], die
ihr Leben selbst in die Hand nehmen, indem sie es nach rationalen Prinzipien beobachten, um auf der Grundlage möglichst objektiver Daten besonders rational handeln zu können.“. Weiters wird darauf eingegangen, dass der Körper nicht von unserem sozialen Selbst losgelöst, sondern ein Teil davon ist. Der Körper als Visitenkarte in der Gesellschaft. Daraus folgert die Autorin, dass die Arbeit am Körper (sowohl durch Körperpraxis als auch externe Bearbeitung) eine Fortsetzung der rationalen Vernunft ist. Ein trainierter Körper würde zugleich in der modernen Gesellschaft wünschenswerte Charakterzüge symbolisieren. Quantified Self sei der Versuch die Unberechenbarkeit des Körpers in den Griff zu bekommen indem die Körperdaten mit Selbsterkenntnis gleichgesetzt werden.

Passig, Kathrin: Unsere Daten, unser Leben
In: Merkur Nr. 756. 2012. S. 420-426. Link

Ich mag Kathrin Passig und ihre Texte. Da ist dieser Text keine Ausnahme und ich kann nur wärmstens empfehlen in zu lesen. Viele interessante Gedanken. Im folgenden zentrale Aussagen, die ich für die Präsentation mitnehme.

  • Quantified Self bringt wissenschaftliche Praktiken in den privaten Alltag.
  • QS ist keine Wissenschaft, sondern es geht um Selbstwahrnehmung.
  • QS oft negativ konnotiert. Außer im Sport. Dort ist jegliches Messen super.
  • Lange Geschichte der Selbstaufzeichnung. Beispiel: Haushaltsbuch.
  • Wunsch nach Rationalisierung, Selbstdisziplinierung und Selbstoptimierung.
  • Dinge, die leicht zu messen sind, werden eher gemessen, als die die einen großen Einfluss auf die Lebensqualität haben, aber schwer zu messen sind.
  • QS oft ohne konkretem Ziel.
  • Legitimierung je nach Publikum. Vergleich mit Polarforschung.
  • Wenig funktionierende Methoden zur individuellen Leistungssteigerung. -> QS: Was funktioniert für MICH
  • Datenaustausch führt zur gegenseitig bedingten Selbstkontrolle.
  • Mögliche Gründe für aktuelle Popularität: Verfügbarkeit der Tools (günstige Sensoren, Smartphones); Neues Verständnis von Privatsphäre; Staat und Unternehmen wissen mehr über uns als wir selbst

Vorsprung durch Technik. Durch Selbstvermessung zum besseren Leben?

Bayern 2 Zündfunk vom 21.09.2013. (Radiobeitrag)

Test unterschiedlicher Geräte (Schlaftracking, Stress, Gewicht, Bewegung, Kalorien, und Hinterfragung der gesamten Bewegungen. Schon im 16. Jahrhundert Quantified Self durch Selbstbeobachtung und Aufzeichnung. Quantified Self ist Sichtbarmachung des Unsichtbaren wie etwa Schlaf. Vielen Nutzern wird vorgeworfen, sie würden die Zahlen mit Glück gleichsetzen. Die Datennpunkte alleine sagen noch nicht viel aus, erst im Vergleich (mit sich selbst oder anderen) werden sie spannend. Öffentlich Teilen wird vom Journalisten sehr kritisch gesehen. Kann man Schlaf optimieren? Ja. Nicht viel Schlaf, sondern bestimmte Schlafphasen (Tiefschlaf) sind wichtig. Journalist kann mit Hörspielen am besten schlafen. Unterschiedliche Schwellen beim Körperfett, wo der Körper auf neu hinzugefügte Nahrung anders reagiert. Angst, dass sich die Bedürfnisse nicht selbst melden/optimieren. Technische Über-Ich. Verhaltensänderung, weil man an Tagesziele denkt. Bestimmte Apps funktionieren nicht richtig (Stresstest). Positive Sicht nach Sloterdijk: Nach oben gezogen werden. Und: Vergleich ist die Höllenmaschine des Menschen. Fitnessstudiokonzept für Menschen mit wenig Zeit. Elektrische Stimulation der Musekln während des Trainings, um Training zu optimieren. Glück messen ist sehr schwierig. Hormone wären eine Option, aber nicht ausreichend, zugleich schwierig. DNA Analyse für jeden. Gefährliche Fehlanalysen bei Rechenfehlern. Methoden nicht immer ideal. eHealth als Revolution des Gesundheitssystems? Als nächstes Totalüberwachung? Keine freie Entscheidung mehr, ob und wann etwas gemacht wird, sondern den Algorithmen unterworfen? Sollte das eigene Risiko (Burger essen, Rauchen, etc) bestraft werden? Heller: Jetzt Spielerei, später sinnvolle Anwendung. Wie es umgesetzt wird, hängt von uns allen ab. Offensiv Probleme ansprechen. Probleme beginnen bei Quantified Mass (Staat und Unternehmen missbrauchen persönliche Daten).

Meine Folien

https://skydrive.live.com/redir?resid=37013D77982EFFA%212356

Vielleicht finde ich bis Dienstag noch weitere Beispiele, wie Quantified Self in Medien behandelt wird. Spiele mit all ihrem Tracking und Achievements fände ich spannend.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni. | | | Newsletter

6 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

    • Hier auch in Chrome flüssig. Könnte aber auch am Computer liegen. Habe es für morgen zusätzlich als PDF. Hätte gerne am #multiflip durchgewischt, aber ohne Strom geht das schlecht. Und HDMI-VGA Kabel muss ich mir auch noch besorgen.

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  1. Pingback: Werkzeugkiste für Datenjournalismus | 10vor10.at | Fabian Greiler

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