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Dorfwellen

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Johannes beschreibt Dörfer und Städte, zieht dabei Parallelen zum Internet. Jawl nimmt das Thema auf und geht auf eine aktuell(?) herrschende schlechte Stimmung mit einem Verweis auf serotonic ein. Ich schreibe darüber, weil ich auch dazu gehören möchte. Oder so.

Durch die Verweise verändert sich die Anordnung des Dorfes. Oder verfestigt sich. Über Bilder mit Punkten und Linien könnte man wie auf einem Stadtplan versuchen das Ganze symbolisch darzustellen. An die Realität kommt man nie ran, aber eine Annäherung wäre es. Zu beachten wäre auch, dass sich die Anordnung je nach Perspektive radikal ändern kann. Im Gegensatz zu Stadtplänen. Darum soll es aber dieses Mal nicht gehen.

Eine These. Früher™ reichte zur Abgrenzung die Nutzung des Internets aus. Später musste es eine bestimmte Art der Nutzung sein, etwa ins Internet schreiben. Und heute reicht auch das nicht mehr aus. In der Soziologie spricht man von der Atomisierung in der Stadt, wenn ich mich recht erinnere. Gemeint ist die Auflösung sozialer Zusammenhänge. Zum Beispiel, dass man im Wohnhaus, das eigentlich weniger Personen und eine kleinere Fläche als ein Dorf hat, die unterschiedlichen Personen nicht kennt und meist auch kein Interesse daran hat. Der Ort ist nicht mehr ausschlaggebend. Die Menschen leben in sehr unterschiedliche Welten und es gibt fast keine Gemeinsamkeiten mehr. Also spricht man, wenn es denn sein muss, über das Wetter, Populärpolitik und Allgemeines zur Arbeit. Wir sind nicht mehr Teil einer Gemeinschaft, sondern von vielen (Ausbildung, Arbeit, Hobbys, etc.) und mit unterschiedlicher Intensität. Dadurch kann es auch passieren, dass jemand nirgends so richtig Teil ist. Zugleich haben wir für jede Gemeinschaft eine eigene Persona („Maske“), die in den meisten Fällen nur unterschiedlich viel oder unterschiedliche Seiten preis geben, teilweise sich aber auch selbst widersprechen, weil Reibung (etwa: andere Meinung als in der jeweiligen Gemeinschaft vorherrschend) auszehrt. Das Internet war früher™ ein Hobby und somit eine eigene Gemeinschaft, heute ist in erster Linie Kommunikationskanal für fast alle Gemeinschaften, an denen man Teil nimmt. Weil es aber weiterhin ein eigener Raum ist, kommt es zu Überschneidungsproblemen, weil es schwer ist im Internet als unterschiedliche Personas zugleich zu agieren. Meine Lösung war es meine übrigen Personas aufzugeben oder in Pseudonymen zu packen. Andere Personen haben andere Strategien.

In einer klar abgegrenzten Gemeinschaft gibt es meist auch eine klare Hackordnung. Bei offenen Gemeinschaften, wie ich die meisten Internetplattformen sehen würde, gibt es ein ständiges Bedürfnis sich abzugrenzen, gegen außen und gegen andere innerhalb, um eine Rangordnung herzustellen. Dieses Bedürfnis schwindet, zumindest in meiner Erfahrung, erst wenn die Gruppe klein und/oder divers genug ist, dass die Möglichkeiten der Einzelnen nicht die der anderen einschränken. Gemeinsame Ziele helfen auch (Bsp.: Akzeptanz des Hobbys).

Jawl schreibt von einer schlechten Stimmung und zählt als Beispiele etwa verletzenden Humor auf. Twitter und Facebook sind dafür besonders anfällig. Es ist einfach sich über bestimmte Gruppen lustig zu machen. Etwa indem man sich über deren Verhalten aufregt. Oder das Verhalten als lächerlich präsentiert. Gegen wenige abgrenzen, um eine große Gemeinschaft zu schaffen. Einfacher Humor wird von vielen verstanden und jeder bekommt eine kleine Glückgefühlausschüttung, wenn er es versteht. Als ob man ein kleines Rätsel gelöst hätte.

Ich habe mich in den letzten Monaten verglichen zu früher™ stark aus dem Web zurückgezogen. In erster Linie hat das mit meiner Frau und meinem Kind zu tun, weil Zeit und Energie anders verbraucht wird. Zugleich haben sich meine Prioritäten und Einstellungen geändert. Und zu allerletzt gibt es sicher auch eine Veränderung des Webs selbst. Persönlich habe ich mich unter anderem in geschlossene Netzwerke wie Path zurückgezogen, wo der eigene Vorteil außen vorgelassen wird. Weiters gibt es etwas mehr direkte Kommunikation mit einzelnen Personen. Ich finde es aber weiterhin wichtig, dass man sich öffentlich austauscht.

Und ich muss endlich einmal etwas zu Schweigespirale und Anonymität schreiben. Hängt auch mit dem ganzen zusammen.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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