Kategorie: blogs

  • Bloggen wie Damals

    Ich gehöre zu den Menschen, die 2009/2010 meinen, wenn sie „damals“ schreiben. Angefangen habe ich 2006 mit dem Bloggen. Und es ist wieder einmal an der Zeit eine Nabelschau zu machen. Christian hat einen Kommentar zum Beitrag von Frau Brüllen veröffentlicht, welche sich wiederum auf einen Text von Susanne bezieht. Also nicht inhaltlich, aber so verweisend. Herr Webrocker hat wiederum auf den Beitrag von Christian reagiert. Jedenfalls geht es darum, wie Blogs sich verändert haben und dass heute viele Blogs geschrieben werden, weil man sich erhofft dadurch Produkte oder Geld zu bekommen. „schlechtbezahlte Zeitarbeit ohne Kündigungsschutz“ wie Christian meint. Bei der man erst einmal in Vorleistung geht. Die Unternehmen sind nur selten an den liebevoll gestalteten Texten und kreativen Fotos interessiert, sondern lediglich an der Reichweite, die man aufgebaut hat. Und die oft günstiger verkauft wird als Reichweite auf anderen Plattformen mit größerem Streuverlust und ohne Vertrauensbonus. Ich habe einiges mitgemacht. Sogar Links verkauft, weil ich es nicht besser wusste. Events für Influencer organisiert und selbst als solcher aufgetreten.

    Heute gibt es sowieso nur noch wenige Blogs. Relativ zur Aktivität auf Instagram, Facebook und Twitter. Irgendwann nehme ich mir die Zeit und werte aus, wie viele von den Blogs, die sich bei blognetz registriert haben, noch aktiv ist. Ich vermute, dass es nur noch wenige sind. Mein letzter Blogbeitrag ist fast ein halbes Jahr alt. Anfang des Jahres habe ich mich an wöchentlichen Beiträgen probiert. Aber nicht lange durchgehalten. Weil zwanghaftes Schreiben auch nicht so super ist. Damals habe ich meist geschrieben, weil ich gar nicht anders konnte. Weil mir das Schreiben half meine Gedanken zu sortieren und ich keinen besseren Ort hatte, um mich auszudrücken. Und Kommentare. Ich liebe Kommentare. Oder ich liebte. Aufmerksamkeit, Rückmeldungen. Großartig. Zumindest damals. Heute sind auch Kommentare für viele ein Ort der Selbsterhebung. Je mehr Leute um die Kiste am Marktplatz stehen, desto zweifelhafter die Gestalten, die sich daraufstellen. Oder so. Früher war nicht alles besser. Gute Inhalte verbreiten sich wesentlich schneller über Facebook und Twitter, als sie es früher über Blogs schafften. Über diese Verbreitung kommen auch mehr Menschen auf einen Blog, dessen Autor_in sie nicht kennen und es wird reflexartig kommentiert. Dafür gab es früher mehr Kommentarspam. Jedes Kommentar ein Backlink. Super.

    Ich verliere den Faden und das ist vollkommen in Ordnung. Ein Blogpost muss kein Essay sein.

    Anfang des Jahres habe ich alle Tracking-Skripte aus dem Blog geworfen. Macht es auch einfacher mit der Datenschutzgrundverordnung. Wenn ich keine Klickzahlen habe, kann ich mich nicht an ihnen orientieren. Ich mache mir keine Sorgen, weil sie sich in die eine oder andere Richtung entwickeln, sondern ich kann mich aufs Schreiben konzentrieren. Und darum geht es mir. Mich mitteilen. Ohne dass mir irgendjemand hineinredet.

    Blogs existieren nicht nur auf einem Spektrum von nicht-kommerziell zu kommerziell, sondern auch vielen weiteren. Die Professionalität ist nicht davon unabhängig. Gibt es auf der einen als auch anderen Seite. Dazu gibt es zahlreiche Unterteilungen. Perfekt ausgearbeitete Inhalte in schrecklichen Layouts oder hingeschluderte Texte, die schick aussehen. Und so viel mehr. Jedem das ihre. Nicht ganz. Natürlich existiert alles in einem Kontext und ich halte es für wichtig bestimmte Dinge zu kritisieren (etwa nicht gekennzeichnete Werbung) oder bei anderen Feedback zu geben oder zu helfen, falls dies gewünscht ist. Oft kann man sich auch einfach austauschen.

    Und jetzt gehe ich meinen Feedreader aufräumen, weil es wie immer eine gute Zeit ist, mehr Blogs zu lesen.

  • Typisierung von Blogger_innen: Intrinsisch, Issue, Branding, Corporate, Beruf, SEO und Kooperation

    Typisierung von Blogger_innen: Intrinsisch, Issue, Branding, Corporate, Beruf, SEO und Kooperation

    Früher(tm) hatte ich das Gefühl es gab eine inhaltlich heterogene, aber vom Selbstverständnis recht homogene Blogger_innen-Community. Wir bloggten, weil wir etwas veröffentlichen wollten. Weil wir, zumindest selbst der Meinung waren, etwas zu sagen hatten. Blogs waren das beste Werkzeug dafür. Foren wären noch eine Möglichkeit, aber wir wollten etwas eigenes. Und wir waren alle am Experimentieren. Blogs waren neu, es gab weder etablierte Regeln noch vorherrschende Praktiken. Das spiegelt sich auch in den damaligen Veranstaltungen wieder. Barcamps und Blogtails dienten dazu sich zu vernetzen und herauszufinden was man machen könnte. Erst im Laufe der Professionalisierung wurde klarer wie unterschiedlich Blogs genutzt werden. Allerdings gibt es weiter die Annahme, dass das ein Klumpen ist. Wodurch viele Missverständnisse entstehen. Die unterschiedlichen Perspektiven sind teilweise nicht miteinander vereinbar und je nachdem was jemand mit dem eigenen Blog macht, wird über andere geurteilt. Natürlich gibt es gewisse Gemeinsamkeiten, meist technischer Natur, aber wenn man einen Schritt weiter geht, unterscheiden sie sich radikal.

    Bewusst wird mir das immer wieder, wenn Blogger_innen um Feedback bitten. Dort werden die individuellen Perspektiven sichtbar und widersprechen sich, obwohl sie jeweils für sich korrekt sein können. Beiträge mit Tipps rund ums Bloggen haben einen ähnlichen Effekt. Ich vermute, dass Menschen, die mit dem Bloggen gerade erst anfangen oder sich erstmals mit der Community auseinandersetzen, viele Informationen bekommen, die auf sie gar nicht zutreffen, aber so präsentiert werden, als sei es der einzige richtige Weg. Dann passiert es leicht, dass man seinen Blog komplett umbaut und daraus etwas macht, das gar nicht funktioniert.

    Ich versuche die unterschiedlichen Arten von Blogger_innen, besonders in Bezug auf Geld, aufzuzeichnen. Es ist keine trennscharfe Kategorisierung und die meisten werden im Laufe der Zeit mal eher da und mal eher dort hineinfallen.

    Intrinsisch motiviert / Geldlos zufrieden

    tastatur mit händen
    Menschen, die bloggen, weil sie gar nicht anders können. Ihnen ist es in der Regel egal, ob sie gelesen werden oder nicht. Die Blogbeiträge zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht einem bestimmten Thema folgen. Tagebuchartige Beiträge fallen typischerweise hinein, aber es gibt in der Kategorie noch viel mehr. Auf den Blogs gibt es keine Werbung, keine Newsletter, keine Aufforderungen auf irgendwelchen anderen Kanälen zu folgen. Man könnte sie auch Leidenschaftsblogger nennen, sie erwarten sich nichts vom Bloggen, weil das schreiben und veröffentlichen selbst Belohnung genug ist. Unter Umständen gehört der Austausch mit anderen auch dazu.

    Für intrinsisch motivierte Blogger ist die interessanteste Optimierung bei der Inhalteerstellung. Texteditoren, die besonders wenig ablenken (etwa iA Writer), die Recherche erleichternde Tools (etwa OneNote), bessere Backends, einfachere Backups, wenig Administrationsaufwand. Falls man Austausch dazu zählt, auch technische Optimierungen des Blogs, die den Austausch erleichtern und fördern

    Beispiele: ach mensch, glumm, Frau Meike

    Branding Blogger_in

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    Im Mittelpunkt steht die Blogger_in und ihre Fähigkeiten. Meist wird der Blog zur Kundenakquise und/oder zur Positionierung der eigenen Person genutzt. Inhaltlich werden die Themen behandelt, für die man als Experte gelten möchte. Unter den Beiträgen ist ein ausführliches Autorenprofil und oft gibt es auch in der Sidebar ein Profilfoto und eine Kurzbeschreibung der Person. Der Blog selbst tritt eher in den Hintergrund und dient lediglich als Transportmedium. Neben Newsletter sind die persönlichen Profile auf diversen Social Media Plattformen verlinkt.

    Das Design spielt eine wichtige Rolle, damit man professionell und seiner Expertise entsprechend wahrgenommen wird. Auch die Optimierung des Blogs zur besseren Auffindbarkeit sowie Sharing sollten beachtet werden. Am wichtigsten sind Stil und Inhalte. Keine zu verschwommene Sprache, aber auch kein wildes Herumwerfen mit Fachbegriffen. Nicht bloß Nachkauen, was andere schon gesagt haben, sondern darauf aufbauen („ich habe alles zu dem Thema gelesen“) und weiterdenken („ich erzähle euch etwas neues“).

    Beispiele: netz:coaching, internet praxistipps, PR Doktor.

    Issue Blogger_in

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    Issueblogger_innen sind den Brandingblogger_innen sehr ähnlich. Allerdings steht bei ihnen das Thema im Vordergrund und die Person ist nur soweit wichtig, wie es den Inhalten zusätzliches Vertrauen und Reichweite bringt. Oft überlappen sich Issue und Branding. Etwa bei Politiker_innen, die sowohl ein Thema vorantreiben wollen, aber auch sich als Person positionieren wollen. Oder es wechselt sich von Beitrag zu Beitrag ab. Ähnlich wie bei den intrinsisch motivierten Blogger_innen geht es nicht darum Geld zu verdienen, auch nicht indirekt, wie es bei Brandingblogger_innen üblich ist. Man möchte ein bestimmtes Thema vorantreiben. Etwa indem man es bekannter macht oder eine andere Perspektive darauf bietet. Issueblogs sind auch oft anonym, vor allem wenn sie schwierige Themen behandeln und/oder sich in Ländern befinden, wo es staatliche und/oder gesellschaftliche Repressionen mit sich bringen würde, sich öffentlich dazu zu äußern.

    Ähnlich wie beim Branding kann man vieles optimieren. Ich sehe Shareability im Vordergrund. Und natürlich eine starke Vernetzung mit Gleichgesinnten. Auch kann es hilfreich sein einfache Einstiegsmöglichkeiten für Interessierte zu bieten, etwa indem Grundbegriffe und Hintergründe erklärt werden. Gut sichtbar gehören Mitmachmöglichkeiten. Das kann Sharing sein, aber auch Spenden oder eine Community.

    Beispiele: Forum Informationsfreiheit, alwacker, Kobuk.

    Corporate Blogger_in

    Fresh Paint 2015-10-24 20.52.53
    Statt um das Branding der Person steht meist das Branding eines Unternehmens oder Produktes im Vordergrund. Entscheidend ist, dass die Blogger_in für das Bloggen vom Unternehmen bezahlt wird. Entweder durch Anstellung oder Projektvertrag, bezahlte Beiträge zählen nicht dazu. Außer es handelt sich um Gastbeiträge. Inhaltlich gibt es viel mit klarem Mehrwert. Tutorials, HowTos, Tipps&Tricks. Aber auch Beiträge rund um das Unternehmen/Produkt. Hintergründe, Interviews, Einblicke, Ankündigungen und ähnliches.

    Wie beim Branding ist auch hier das Design sehr wichtig. Zusätzlich sind die rechtlichen Rahmenbedingungen noch genauer zu prüfen als bei den anderen Typen. Man kann viel im Hintergrund optimieren, gewisse Guidelines, wie auf was reagiert wird, wie der Blog in der gesamten Kommunikation des Unternehmens eingebunden wird und so weiter. Auch sollte das Marketing nicht zu aggressiv sein. Es geht oft um Nuancen, aber auch sich etwas zu trauen, Dinge auszuprobieren und den passenden Stil finden.

    Beispiele: lexoffice Blog, Blossom Blog, Windows Blog.

    Beruf Blogger_in

    Fresh Paint 2015-10-24 20.55.40
    Im Gegensatz zu den Corporateblogger_innen verdienen Berufsblogger_innen durch das Blog ihr Geld. Ob mit Werbung, Sponsoring, Spenden oder Micropayment ist dabei zweitrangig. Berufsblogger_innen könnten auch als Journalist_innen bezeichnet werden, der Unterschied ist meist nur das Selbstverständnis und manchmal der Stil. Thematisch eng werden Themen mit Nachrichtenwert behandelt.

    Je nach Geschäftsmodell werden unterschiedliche Dinge optimiert. Viele Aufrufe, wiederkehrende Besucher, qualitative Positionierung. Der Blog muss technisch und inhaltlich super sein. Allgemeine Tipps sind fast unmöglich.

    Beispiele: Mobilegeeks, Nerdcore.

    Kooperation Blogger_in

    Fresh Paint 2015-10-24 21.01.13
    Eine Kategorie, die mir lange nicht bewusst war, in die man leicht hineinschlittert. Vielleicht wäre sie besser als Unterkategorie der Berufsblogger_innen aufgehoben. Blogger_innen, die hauptsächlich über Produkte schreiben und diese von Unternehmen gestellt bekommen oder sich das wünschen. Manchmal fließt auch Geld. Testblogs sind in diesem Bereich populär. Manche thematisch enger, viele stürzen sich auf alles, was sie bekommen können.

    Hier wird alles so optimiert, um für Unternehmen besonders attraktiv zu sein. Hohe Zugriffszahlen, treue Leserschaft und positive Bewertungen der gestellten Produkte. Problematisch.

    Keine Beispiele, weil mir nichts eingefallen ist, das ich gut finde.

    SEO-Affiliate-Newsletter-Ebook Blogger_in

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    Eine weitere Unterkategorie der Berufsblogger_innen. Man schnappt sich ein Nischenthema, packt entsprechende Inhalte auf den Blog und sorgt dafür, dass man bei den vorab gewählten Suchbegriffen gut rankt. Man soll sich mit dem Thema schon auskennen, aber es soll auch gute Klick-/Affiliatepreise haben. Oder man hat eine Nische, wo man sein Wissen in Form von ebooks zu Geld machen kann.

    Bei der Optimierung ist wichtig, dass die Besucher_innen auf die richtige Werbung klicken, das beworbene Produkt kaufen, sich für den Newsletter anmelden oder das ebook kaufen. Der Inhalt dient meist nur als Köder. Es wird viel mit Split-testing und psychologisch Ansätzen gearbeitet.

    Keine Beispiele, weil mir nichts eingefallen ist, das ich gut finde.

    Typ ist nicht gleich Qualität

    Während die unterschiedlichen Typen in keiner Rangfolge stehen, was die Qualität der jeweiligen Blogs betrifft, habe ich sehr wohl persönliche Tendenzen. Grundsätzlich gibt es aber in allen Bereichen bessere und schlechtere Blogs. Gerade Kooperation und SEO-Affiliate-Newsletter-Ebook ziehen Menschen an, denen es in erster Linie ums Geld verdienen oder kostenlose Produkte geht, während bei den anderen Kategorien die Inhalte wichtiger sind.

    Wie schon erwähnt, schließen sich die Typen gegenseitig nicht aus. Mit einem Radial Area Chart (mir fällt gerade der richtige Begriff nicht ein), könnte man nun eine hübsche Typenzusammenstellungen für einzelne Blogs erstellen. Testweise an mir selbst und spontan. Auf einer Skala von 0 bis 4, gebe ich mit bei intrinsisch motiviert (bunt gemischte Beiträge, viel persönliches, Erarbeitung und Verarbeitung durch Bloggen) und Branding („schaut was ich kann“) eine 3 und bei Issue (Blogger für Flüchtlinge) und Kooperation (Hardware-Tests) eine 1. Beruf, Corporate und SEOfilliateletterbook eine 0. Wobei ich einen Newsletter habe, der aber auf Personal Branding ausgerichtet ist.

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    Ob ich sowas in Blognetz einbauen sollte? Wäre jedenfalls ein spannendes Experiment, zu versuchen die Einordnung automatisch durchzuführen. Im Moment aber keine Zeit dafür.

    Wozu ist das gut?

    Es ist etwas das ich teils unterbewusst immer mache, wenn ich mir Blogs anschaue und mich mit Blogger_innen unterhalte. Wenn man es explizit macht, erleichtert es den Austausch, weil man Erwartungen und Ziele besser einordnen und somit auch anders über die Blogs selbst sprechen kann. Blogs sind heutzutage so unterschiedlich. Das ist ein Modell, um etwas Struktur hineinzubringen. Außerdem hat mich das Thema nach den ersten Gedanken nicht mehr losgelassen und nun habe ich etwas, worauf ich in Zukunft verlinken kann, wenn ich über unterschiedliche Arten von Blogs spreche.

    Update:
    Zwei weitere Typen sind mir nachts eingefallen, die die ‚geldlos zufrieden‘ Sammelkategorie entlasten könnten. Allerdings noch nicht weiter ausgearbeitet.

    – Austausch
    Es wird gebloggt, um Feedback zu bekommen. Mir fällt im ersten Moment jedoch kein Blog ein, bei dem das der Hauptgrund ist. Aber es ist ein Faktor der fast immer unterschiedlich stark auftritt.

    – Zugehörigkeit
    Alle bloggen, also blogge ich auch.

    Update:
    Ich habe einmal mit chart.js ausprobiert, wie es ausschauen könnte, wenn man zwei Blogs miteinander vergleicht.



  • 2-Blog in Zahlen

    2-Blog in Zahlen

    Auf Facebook gab es eine kleine Diskussion zu Besucherzahlen von Blogs, die mich dazu bewegt hat wieder einmal in meine Statistik zu schauen. Ich behaupte ja gerne, dass mir das alles nicht so wichtig ist. Stimmt nur zum Teil. Natürlich möchte ich auch gelesen werden, auch wenn ich zuerst für mich selbst schreibe. Neben den Kommentaren als aktive Feedbackform sind die Zahlen ein passive Rückmeldung. Weniger über die Qualität der Beiträge als mehr über das Interesse an den jeweiligen Themen.

    2006 habe ich begonnen zu bloggen. Im Archiv sieht man sehr gut wie viele Beiträge ich jeweils veröffentlicht habe. 2006 wurde es jedes Monat mehr, 2007 war ich über das gesamte Jahr verteilt sehr mitteilungsbedürftig und 2008 ging es stetig abwärts. In den letzten fünf Jahren gab es nur wenige Monate an denen ich mehr als zehn Beiträge veröffentlicht habe. Das muss nicht bedeuten, dass ich auch weniger geschrieben habe. Seit 2008 bin ich auf Twitter (Archiv) und habe dort meist mehr geschrieben als zuvor in Blogposts. Ebenfalls wurden meine Beiträge wesentlich länger, sodass ein Artikel aus den letzten Jahren fünf bis zehn aus der Zeit um 2009 entspricht. Aber auch damals gab es immer wieder ausführlichere Beiträge. Irgendwann möchte ich mir einmal die Datenbank vornehmen und eine tatsächliche Mengenauswertung machen. Da sollte mir der aktuell besuchte XML-Kurs in der Uni zu Gute kommen.

    Nun habe ich ein ungefähres Gefühl zur Veröffentlichungsfrequenz auf dem Blog. Aber wie verhält sich das im Vergleich zu den Besuchern?

    Google Analytics meint, dass ich bis 2008 fast keine Besucher hatte. 20-100 pro Tag. Mehr als nichts und ein gewisses Wachstum ist auch feststellbar gewesen. Ab Mitte 2008 ging es dann stark aufwärts und 2009 war das gesamte Jahr ziemlich gut. Etwa 1000 Besucher jeden Tag. Das doppelte an guten Tagen. Juni 2010 bis März 2011 hatte ich die Nase voll von Statistiken und wollte mich aufs Bloggen selbst konzentrieren. Schließlich war es immer noch mein persönlicher Blog ohne Gewinnabsichten. Der Traffic ging etwas zurück und ist seitdem ziemlich stabil bei 300-500 Besuchern pro Tag. An einzelnen Tagen, wenn ich etwas veröffentlicht habe, das auf großes Interesse traf, besuchten bis zu 6000 Menschen den Blog.

    Da ich nur alle paar Wochen einen Beitrag veröffentliche, aber die Besucherzahlen ziemlich konstant sind, kann man bereits erahnen, dass der Großteil über Suchmaschinen kommt und alte Beiträge abruft.

    Content Drilldown - Google Analytics - Google Chrome 2014-04-19 14.01.25

    Content Drilldown. Aufgrund meiner URL-Struktur kann ich so sehr einfach feststellen aus welchem Jahr die beliebtesten Beiträge stammen. Die Beiträge von 2008 und 2007 sind zusammen für 60% des Traffics der gesamten Zeit verantwortlich.

    Content Drilldown - Google Analytics - Google Chrome 2014-04-19 14.06.47

    Beschränke ich den Zeitraum auf das letzte Jahr (19.4.13-19.4.14) ändert sich das Bild. 2008, dessen Inhalte zuvor alles überschattet hat, ist mit nicht einmal 3% des Traffics unwichtig geworden. Die aktuellen Beiträge (2013 und 2014) sind tatsächlich für den jeweiligen Zeitraum wichtiger. Aber dann ist da auch noch 2007 was mit fast 50% wieder eine Vorherrschaft einnimmt. Projects sind keine Blogbeiträge an sich, sondern Projekte wie etwa Blognetz. Geht man eine Ebene tiefer, sieht man dass ein einziger Blogbeitrag aus 2007 für 98% des Traffics verantwortlich ist. Hilfe zu einem Computerproblem, das wohl immer noch sehr häufig ist. Und unter der Woche doppelt so häufig auftritt als am Wochenende. Ich kann sogar Feiertage ablesen.

    Ich bleibe bei der These, dass persönliche Blogs bei den meisten Beiträgen nur sehr wenige Menschen erreichen. Und dass das vollkommen in Ordnung ist.

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    Die 1000 meistbesuchten Beiträge des Blogs in ein Diagramm gepackt (Vertikal: Besucher, Horizontal Ranglistennummer). Manche sprechen vom Longtail. Ich bin mir nicht sicher, ob dies der richtige Ausdruck ist, weil der Longtail auch zusammenaddiert nicht auf den Traffic der Top-Beiträge kommt. Aber Traffic hat. Ab Platz 71 sind die Besucherzahlen dreistellig. Ab Platz 370 zweistellig. Die letzten 440 Plätze haben jeweils weniger als 50 Besucher.

    Bei den alten Beiträgen sind die meistbesuchten Beiträge solche, die bei Google häufig gesucht werden. Bei den neueren Beiträgen sind die besonders gut besucht, die häufig in Social Networks geteilt wurden. Davon lässt sich auch ableiten, dass es in den meisten Fällen wenig Interesse macht viel Zeit in den Aufbau von Followern und ähnlichen auf anderen Plattformen zu investieren, sondern man eher Erfolg hat, wenn man diese Zeit in die Inhalte stellt. Ich sehe die Social Network Nutzung daher, zumindest im Bezug auf den Blog, als ideengenerierend. Die Möglichkeit Inhalte zu verteilen ist sekundär. Da ist es viel effektiver Inhalte zu haben, die so gut sind, dass die Leser sie jeweils in ihren Netzwerken weiterteilen.

  • Unsinnigkeit mehrerer Blogs

    Ich liege im Bett. Meine Freundin schlummert. Das Rollo geschlossen, um den Schlaf etwas länger zu genießen. Ich tippe am Handy.

    Inzwischen gibt es vier Blogs und zwei Twitter Accounts, bei denen es eigentlich um mich geht. Aber alle leiden unter Aktualisierungsarmut. Anderen erzähle ich immer wieder, dass dieses aufsplittern keinen Sinn macht. Zu viel Output gibt es bei einem Blog nicht. Zu schlechte Qualität sicherlich. Das ist jedoch ein anderes Thema. Der Blog sollte so viele gute Beiträge bekommen, wie möglich ist. Spaß sollte man auch haben.

    Dann tappte ich selbst in die Falle. Für ein anderes Publikum schreiben. Irgendwie privater. Losgelöst von den Erwartungen der Leser. In einer anderen Sprache. Gemeinsam mit jemanden.

    Es fühlt sich alles schlüssig an und gerade zu Beginn schreibt es sich leichter, weil noch keine Leser da sind, man selbst keine Erwartungen hat und voller Euphorie für das neue ist. Irgendwann kommt der Moment, an dem man realisiert, dass man den Rest vernachlässigt. Die wenigsten schaffen von einem Tag auf den nächsten doppelt so viel gleich gute Beiträge zu schreiben.

    Ein Blog ist ein Blog. Ein Blog ist meins. Entscheidend was man daraus macht.

    Die Leser verschwinden wenn man nichts mehr veröffentlicht. Alle. Würde man diese neuen Dinge posten, die man nun woanders in die Welt setzt, würde auch ein Teil gehen. Aber ein anderer würde bleiben, weil ihn auch das neue interessiert. Neue Leser kommen hinzu.

    Immer wieder von vorne anfangen ist ähnlich sinnvoll wie nach dem Spielzeug der anderen zu trachten. Man übersieht dabei, was man an den eigenen Dingen hat.

    Und trotz all der Einsicht fällt es mir schwer etwas zu beenden. Der englische Blog für kleine Gedanken. Könnte ich hier auch schreiben. Auch in englisch. Der private Blog mit literarischen Ausbrüchen. Schon schwieriger, aber hat es hier früher oft gegeben und die Menschen sich daran erfreut. Nur dass zu viel autobiographische Elemente hineininterpretiert wurden, nervte. Der Gemeinschaftsblog lässt sich nur schlecht integrieren.

    Immer wieder der Blick auf andere Blogs, bei denen gefühlt Themen zentraler sind. Besinne mich darauf, dass mir das nicht so wichtig ist. Ich, ich, ich. Themendings kann frei fliegen. Gastbeiträge, Startupblog und so. Hier ist auch Meta wie jetzt willkommen. Auch wenn es sich immer wieder wiederholt. Manche interessiert es. Andere nicht. Ignorieren ist einfacher als etwas finden, das es nicht gibt.

    Und: Weniger Sorgen machen.

    Inspiriert durch Max.

  • Blogs [metadiskussion]

    In der Blogosphäre wird immer wieder über sich selbst nachgedacht. Manche nennen das Nabelschau, andere Metadiskussion. Aktuell geht es um die Veränderung von Blogs, dass sie Medien nicht mehr die Stirn bieten, tot sind, uninteressant und sie sowieso niemand mehr liest. Als Social Media Superstar ((Geschenk vom Hausdesigner, Pink Sheep Industries)) sehe ich es als meine Pflicht, mich am Diskurs zu beteiligen und momentan hab ich nichts besseres zu tun.


    Bild: Internet Splat Map von jurvetson

    Blogs sind tot

    Google findet über 30.000 Treffer zu genau dieser Phrase. Für Zeitungen sind tot nur 11. Gesprochen ist davon, wie ich angefangen habe zu bloggen und seitdem immer wieder. Riepl hat 1913 gesagt, dass Medien nie wieder verschwinden, nachdem sie einmal eingebürgert wurden. Dass das Schwachsinn ist, wissen wir spätestens bei der Frage nach Rauchzeichen oder Telegrafen. Die Diskussion darüber existiert jedoch noch immer. Es wird von Kommunikationsriten gesprochen, dass SMS dem Telegramm ähnlich sind und jetzt Twitter auch irgendwie dazu passt. In meinen Augen falsch, weil ich sonst alles auf Kommunikation von einem Sender zu einem Empfänger runterbrechen kann und somit jeglichen Diskurs überflüssig mache.

    Der Begriff Blog stammt angeblich aus dem Jahr 1997, was er bedeutet weiß man auch heute noch nicht. Aber das ist kein Besonderheit. Die meisten Begriffe haben eine Vielzahl an Definitionen und in unterschiedlichen Gruppen andere Bedeutungen. Bei Blogs ist die offensichtlichste Schwierigkeit die Abgrenzung zu Nachrichtenseiten, weshalb ich die transparente Subjektivität wichtig finde. Der Autor gibt zu, dass es seine Meinung ist, was da seine Texte kennzeichnet, die auf der Website erscheinen. Ob die nun in einer chronologisch umgekehrten Reihenfolge angezeigt werden oder Kommentare besitzen ist zweitrangig. Über Öffentlichkeit können wir uns streiten. Aber zurück zum Begräbnis der Blogs. Oder auch nicht.

    Meine Besucherzahlen sind über die letzten Jahre immer weiter angestiegen. Mein nächstes Ziel sind die 50.000 im Monat. Zahlen sind aber nur ein Teil der Evaluation. Wie viel habe ich für mich gelernt, mit welchen Themen habe ich mich tiefer beschäftigt, mit welchen Menschen bin ich in Kontakt gekommen, welche Erfolge sind dem Blog zu verdanken.

    Wie tot Blogs wirklich sind und wie schnell sie gerade sterben, kann man an folgender Grafik erkennen:
    Nennungen von Blogs in Deutschen Medien
    Weitere Informationen und wie sie zustande gekommen ist, erfährt ihr bei Synapsenschnappsen Blogs in Deutschen Printmedien – Zeitverlauf und archäologische Notizen.

    Auch wenn ich selbst die meisten analogen Medien (inkl. Digital-TV und Online-Angeboten von Zeitungen) nur zu Recherchezwecken benutze, hat es für mich eine gewisse Aussagekraft. Besser wäre es, wenn man andere Mediengattungen zum Vergleich hätte. Nicht um die absoluten Zahlen anzuschauen, sondern das Wachstum. Ob allgemein mehr über Medien geschrieben wird oder ob es wirklich die Blogs sind. Und dann setzt man noch ein paar hundert Studenten hin und lässt die entsprechenden Artikel qualitativ auswerten, was denn über diese Blogs geschrieben wird.

    Ich erreiche mit meinem Blog mehr Menschen als einige klassische Medienangebote. Ich sollte mal Abonnentenzahlen aus Wien auftreiben, um zu wissen, wie ich mit meinen 700 Feedabonennten dabei bin.

    Blogs haben sich verändert

    Die zentrale Frage, die sich Don Dahlmann stellt. Er kommt auf ähnliche Schlüsse, wie ich kommen werde. Es wird weniger gebloggt, was daran liegt, dass Blogs weniger zur interpersonellen Kommunikation genutzt werden. Dafür gibt es Tools, die besser dazu geeignet sind und im allgemeinen als Social Networks bezeichnet werden. Schreibe ich jemanden auf Twitter einen Reply bekommt er ihn direkt, das gleiche bei einem Kommentar auf Facebook. Sie lassen sich einfacher bedienen, sind schneller und zuverlässiger (@-reply vs. Trackback). Zugleich gehen dort längere Texte schnell unter. Hin und wieder schreibe ich auf Facebook sogenannte Notes, welche in ihrer Beschaffenheit Blogbeiträgen sehr ähnlichen, jedoch in einem Pool von hunderten Statusupdates pro Tag um Aufmerksamkeit buhlen müssen.

    Ich verwende den Blog nicht mehr als öffentliches Logbuch für Tätigkeiten und Entdeckungen sondern als Publikationsmedium für selbsterarbeitete Dinge. Ich kann mich hier in aller breite mit bestimmten Themen auseinandersetzen, so ziemlich alle Inhalte, die es online gibt einbinden und bin selbst dafür verantwortlich, dass es die eigenen Inhalte auch in Zukunft gibt. Bei fast jedem Beitrag gibt es die Möglichkeit zu diskutieren und ich kann die Beiträge jederzeit aktualisieren und anpassen, sollten sich Umstände geändert haben oder ich etwas übersehen haben. Es hat sich ein gewisser Qualitätsanspruch an mich selbst entwickelt. Schnell einen Link reinstellen, so wie ich es früher oft getan habe, gibt es nicht mehr. Entweder ich setze mich damit auseinander, analysiere die Bedeutung für mich und andere, vergleiche oder trage sonstwie etwas bei. Der Link alleine kann auf Twitter veröffentlich werden, von dort wird er auf Facebook synchronisiert und die Leute, die mir folgen, können sich selbst damit beschäftigen. Auf dem Blog gibt es dann eine Zusammenstellung mit den besten Tools für irgendwas, Anleitungen wie etwas funktioniert, Diskursbeiträge wie diesen und vieles mehr.

    Wenn der eigene Qualitätsanspruch aber zu weit getrieben wird, steht der Blog vor dem austrocknen. Manchmal hat man mehr zu sagen, als in einen Tweet passt, ich jedoch nicht als Blogbeitrag veröffentlichen will, weil ich selbst bestimmte Erwartungen an unterschiedliche Blogs habe und die von meinen Lesern nicht enttäuschen möchte. So ist der Sideblog entstanden. Eine Kategorie, die weder auf Startseite noch im Feed angezeigt wird, sondern nur in der Sidebar. Sie hat auch einen eigenen Feed. Dort habe ich den Platz gefunden, den andere bei posterous haben. Für persönliches. Tagebuchartig geht es da zu. Metabeiträge zur Technik des Blogs. Quer durch ohne großem Qualitätsanspruch. Dort veröffentliche ich auch einmal eine Reflexion zu einem Praxisfeld an der Universität.

    Wenigere Beiträge, dafür qualitativ hochwertigere. Viel zwischenmenschliche Kommunikation, das klassische Tagebuchbloggen ((Wie es aktuell bei Anke wieder im Blog stattfindet.)) und das Sammeln von Inhalten wird in andere Dienste ausgelagert.

    Blogs sind gleich geblieben

    Es gibt Beiträge und Kommentare. Hoffentlich einen Feed. Pingbacks, Trackbacks und Verlinkungen. Ein Titel und der Inhalt. Technisch ist das bloggen sehr komfortabel geworden, doch die grundsätzliche Struktur ist die gleiche, wie als ich angefangen habe.

    Doch nicht nur technisch hat sich wenig verändert, auch inhaltlich sind die großen Neuerungen ausgeblieben. Menschen kommentieren Ereignisse des öffentlichen und persönlichen Leben. Sie stellen Fotos online, tauschen sich über Tipps und Tricks zu den verschiedensten Tools aus. Die SEOs versuchen sich als SMOs und Sex zieht immer.

    Dass sich etwas nicht verändert ist schwierig zu beweisen. Man kann sich ansehen, wie es zu einem vergangenem Zeitpunkt war und sieht sich die aktuelle Situation an. Es gibt weniger Blogbeiträge. In den Blogs, die ich abonniert habe. Es gibt aber auch welche, die wesentlich mehr schreiben. Leute, die neu anfangen und ähnlich fasziniert über die Technik schreiben, wie ich zu Beginn. Immer wieder findet man ein Thema das sich durch Blogosphäre jagen lässt, vom iPad bis zur Zensursula. Es gibt wichtige Themen und für mich weniger wichtige. Es nutzen viel zu wenig Menschen Feedreader und man denkt oft erst nach dem veröffentlichen.

    Die Inhalte selbst sind anders, doch die grundsätzliche Art zu bloggen ist gleich geblieben.

    Linkkultur und freischwimmende Beiträge

    Für den letzten Blogtail ((Veranstaltung für Blogger und Interessierte in Wien)) haben wir eine Blogparade zum Thema Linkkultur veranstaltet. Ich bin selbst nicht dazu gekommen, einen Beitrag dazu zu schreiben, finde jedoch die Ergebnisse interessant.

    Ich halte Links für einen entscheidenden Vorteil des Webs gegenüber Print. Hochwertige Beiträge kann ich in beiden Mediengattungen veröffentlichen. Die Aussagen untermauern oder Quellen offenlegen auch. Doch online sind diese mit einem Klick durch den Leser überprüfbar, er kann sich selbst ein Bild davon machen. Links ermöglichen Kommunikation und vernetzen das Web zu einem riesigen Gehirn mit unzähligen Verbindungen. Jede Verbindung ist Information.

    Nun wandern immer mehr dieser Links zu anderen Diensten (Twitter, Facebook, Buzz, tumblr, posterous,..) ab. Mir stellt sich nun die Frage, ob dies ein Problem für die Blogs ist. Bin jedoch zum dem Schluss gekommen, dass die hochfrequente Kommunikation über flexiblere Kanäle einige Vorteile mit sich bringt. Dennoch finde ich Links in Beiträge selbst, wenn sie Sinn machen, wichtig.

    Früher hat man sich mithilfe der Links in Blogbeiträgen, Kommentaren und den Blogrolls durch die Blogosphäre gehangelt. Von einem Blog zum nächsten. Was gefallen hat, kam in den Reader und hat sodann einen stetigen Fluss an Beiträgen bedeutet. Jeder Blog hat eine gewisse Leserschaft um sich gescharrt, die recht konstant war, weil die Aufmerksamkeit nicht reicht, um alle Blogs zu lesen. Neue Blogs hatten es meist schwer Leser zu erreichen. Von Google schlecht gewertet und gekannt hat sie auch niemand. Hin und wieder hat sie vielleicht jemand verlinkt, manchmal ein größerer Blogger, aber dessen Leser hatten ihren Lesekorb ja schon voll. Dann kam Twitter. Plötzlich sind es nur noch zwei Klicks, um einen guten Beitrag zu verbreiten. Die Blogs sind möglicherweise noch etwas steifer geworden, doch zwischen ihnen tummeln sich plötzlich tausende kleine Knoten, die Links weitergeben. Die Blogosphäre ist dadurch wesentlich dynamischer, der Longtail stärker vernetzt und somit macht er noch mehr aus.

    Ich mag die Entwicklung und bin auf alles gespannt, was da noch kommt.

    WordPress und Lifestreaming

    Bei Don Dahlmann und bei paulinepauline wird WordPress kritisiert. Es wäre zu starr für die heutige Zeit, würde nicht mithalten können mit schnelleren Diensten wie posterous. Und es solle doch Lifestreaming unterstützen. Und überhaupt.

    Es kann daran liegen, dass ich sehr viel mit WordPress arbeite oder weil ich das Problem nicht verstehe, aber ich sehe das anders. WordPress hat sich recht gut entwickelt, es bietet einige Möglichkeiten und hat einem riesigen Katalog an Plugins für fast alle Wünsche. Das mit dem Posten via Mail mag sein, habe ich selbst nie genutzt, aber es scheint einen guten workaround mithilfe von posterous zu geben. Mit WordPress 3.0 wird das System weiter verbessert, durch Core-Plugins wird es leichter und noch flexibler. Ich habe WordPress immer bevorzugt, weil ich damit alles machen konnte. Möchte ich nur via Mail bloggen und das möglichst einfach, kann ich posterous auf einer eigenen Domain verwenden. Alternativ bietet WordPress für Android und iPhone Apps, mit denen man unterwegs bloggen kann. Auch gibt es Plugins, die das Backend für mobile Endgeräte optimieren.

    Als ich das erste Mal von Lifestreams gehört habe, war ich fasziniert. Alle meine Aktivitäten im Web werden auf einer Seite zusammengefasst. Ich kann meine Inhalte dort veröffentlichen, wo ich will und es wird trotzdem bei mir angezeigt. Irgendwo müsste ich auch noch eine sweetcron Installation laufen haben. Für WordPress gibt es wiederum Plugins, die Feed automatisch posten oder auf einer Seite einen Lifestream anbieten. Unter all den Services, die eine solche Funktion anbieten, hat mir lediglich Friendfeed wirklich begeistert. Weil ich als Konsument wählen konnte was ich sehe und nicht die Person, die veröffentlicht. Regelmässig genutzt habe ich es nicht. Lifestreams sind für mich Overflow. Weil undurchdacht alles zusammengemixt wird.

    Ich nutze verschieden Tools für verschiedene Zwecke ((Beitrag dazu kommt. Irgendwann.)). Kommunikation und Links auf Twitter, lange Beiträge im Blog, Tools bei zootool, Bookmarks bei delicious, Beiträge im Google Reader/Buzz, eigene Artikel im Blog, Events bei Facebook. Doch sie Dienste unterscheiden sich nicht nur in der Art der Inhalte, sondern auch in Themen der Inhalte. Im Blog und auf Twitter geht es hauptsächlich um Blogs und das Web, auf delicious habe ich vor allem Tutorials und Plugins, in soup.io hübsche Bilder, im starred items Feed literarische Beiträge. Bisher habe ich nur wenige Menschen kennen gelernt, die alles interessiert hat. Und falls doch haben sie die Möglichkeit alles zu konsumieren, aber ich mülle nicht meinen Blog voll indem ich alles reinsyndiziere.

    Feeds, Echtzeit und Kommentare

    Ich liebe Feeds. Der Google Reader ist mein Empfangsgerät. Und immer mehr Seiten bieten ihre Feeds mit Echtzeit an. Sobald etwas veröffentlicht wird ist es bei mir. Durch die shared items bekomme ich eine schöne Mischung an neuen Inhalten zusammen. Täglich 200-600 Artikel, die ich lese. Wenn ich von einer Person alles haben will, dann abonniere ich alles. Somit muss sie keinen Lifestream mehr anbieten, sondern ich stelle ihn mir selbst zusammen. Und zwar dort, wo ich ihn konsumiere. Es sind knapp über 100 Feeds, die ich abonniert habe, doch darunter ist auch der Feed aller Freunde auf soup.io und zootools. Ebenso wie posterous und und readtwit.

    Ich müsste täglich mehrere hundert Seiten besuchen, um an all die Informationen zu kommen. Und dann würde ich noch von langsamen Servern, Werbung und anderem genervt werden. Nico meint ja, dass Blogs in Deutschland nett, aber nicht zwingend sind. Für mich sind sie der Kanal über den die meisten Informationen zu mir kommen. Blogs liefern aber gerade die Informationen, die mich interessieren. Und dank Feeds kommen sie direkt zu mir. In Echtzeit.

    Schreckliches Wort. Echtzeit. Realtime. Es geht einfach darum, dass ich den Inhalt bekomme, wenn er veröffentlicht wird. Unter WordPress habe ich verschiedene Optionen. Ich kann Feedburner verwenden und diesen von WordPress anpingen lassen. Feedburner hat Pubsubhubbub integriert. Parallel kann man das Plugin rssCloud installieren und bin auch bei dieser Technologie dabei.

    Das einzige, das mir bei den Feeds fehlt sind Kommentare. Auch wenn er bei vielen Seiten dem Blutdruck besser tut, wenn an sie erst gar nicht anschaut, sind sie bei anderen interessant und bieten wichtige Zusatzinfos. Und man kann wieder einmal seine Meinung abgeben. Deshalb würde ich mir wünschen, dass Kommentare nicht immer weiter auf alle Dienste aufgesplittert werden, sondern überall sind. Salmon Protocol könnte hier helfen. Die Fantasie ist ein Reader, der mir anzeigt wie viele Kommentare vorhanden sind, sie auf einen Klick öffnet und es mir ermöglicht aus dem Reader heraus ein Kommentar zu schreiben. Beim Google Reader funktioniert das. Aber leider nur im Reader/Buzz. Die Kommentare bleiben dort und es werden nicht die Kommentare aus dem Blog oder andere Plattformen angezeigt. Aber da bin ich zuversichtlich.

    Fazit

    Ich sehe die Entwicklungen rund um Blogs sehr positiv. Die Technologie kommt weiter, die Inhalte werden besser, mehr Leute wissen was Blogs sind und wenn die anderen Medien endlich ihre Paywalls hochziehen, steht den Blogs eine tolle Zeit bevor. Und die klassischen Medien sind gezwungen echten Mehrwert zu bieten, aber dazu ein anderes Mal.

    Blogs sind noch nicht tot und es wird noch eine gewisse Zeit dauern, bis sich etwas gefunden hat, das sie töten könnte. Mal abgesehen von bescheuerten Gesetzen, aber da glaube ich an die Blogger, dass sie sich wehren.