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  • orat.io – Positiv/Negativ Kommentarfunktion für Blogs

    orat.io – Positiv/Negativ Kommentarfunktion für Blogs

    Das Startup orat.io versucht die Kommentarfunktion von Blogs weiterzuentwickeln. Ich habe Bernhard Hauser und David Pichsenmeister auf der re:publica 2014 in Berlin getroffen, mir das Startup kurz vorstellen lassen, ein paar Fragen gestellt und erstes Feedback gegeben. Seit heute läuft orat.io bei mir im Blog und wird die nächsten Wochen getestet werden.

    Das Problem mit Kommentaren

    Ich liebe die Kommentare in meinem Blog. Meistens. Es gibt nur sehr wenige Beiträge, wo die Kommentare aus dem Ruder laufen. Etwa wenn ich mich über Pick Up Artists aufrege, über rosa Überraschungseier beschwere oder erzähle, warum ich Facebook nicht für grundsätzlich böse halte. Anders formuliert: Es gibt einen Bekanntenkreis rund um mich und den Blog. Ein paar hundert bis tausend Menschen, die mich schon länger kennen, die nicht immer meiner Meinung sind, aber es bevorzugen gepflegt zu diskutieren, als mich oder andere Kommentator_innen zu beschimpfen. Deren Kommentare sind meistens hilfreich, sie ergänzen meine Artikel, stellen schlampig recherchiertes richtig und bringen neue Sichtweisen und Perspektiven. Schwieriger ist es bei den Beiträgen, die kontroverse Themen behandeln und über Social Media Kanäle Menschen erreichen, die weder mich, noch den Blog kennen und sich von meiner Meinung angegriffen fühlen. Oder davon genervt sind, dass mein Beitrag überhaupt verbreitet wird. Ein heterogeneres Publikum ohne direkter Verbindung. Dann fliegen schnell die Fetzen in den Kommentaren. Je größer die Blogs, desto eher trifft man auf dieses Problem. Bei Zeitungen und anderen Medien, wo der gefühlte Abstand zwischen Autor_innen und Leser_innen noch größer ist, ist es besonders häufig.

    Ich empfehle hierzu den Vortrag ‚Burnout & Broken Comment Culture‘ von Teresa Bücker sowie der zugehörigen Workshop-Session mit ihr und Ingrid Brodnig. Diese ist leider nur als Audio aufgezeichnet worden, aber die Folien mit etwas Begleittext gibt es in Brodnigs Blog.

    orat.io Features

    orat.io Test

    Positiv/Negativ

    Das orat.io Kommentarmodul teilt Kommentare in Positiv und Negativ ein. Somit muss sich die kommentierende Person bereits im Vorhinein überlegen, ob sie eine zustimmende oder ablehnende Haltung einnimmt. „Aber man kann doch auch eine differenzierte Meinung haben!“. Beim ersten Testen habe ich festgestellt, dass ich dazu neige auf beiden Seiten ein Kommentar zu schreiben. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Die zustimmenden und ablehnenden Kommentare werden automatisch gezählt und über zwei Balken zu Beginn des Kommentarbereichs angezeigt. Es handelt sich also nicht um die Anzahl der Argumente, sondern um die Menge der Kommentare. Da man mehrere Kommentare abgeben kann ein nicht ganz sauberer Wert, aber um ein grundsätzliches Bild zu bekommen vollkommen in Ordnung. Je mehr Personen sich beteiligen, desto aussagekräftiger wird der Wert.

    Maximal 200 Zeichen

    Neben der Einteilung limitiert oratio Kommentare auf 200 Zeichen. Da scheint der Ursprung von orat.io als eigenständige Diskussionsplattform durch. Dadurch könnte erreicht werden, dass Argumente als einzelne Kommentare gepostet werden und man eher einen Kommentar hinterlässt, weil man schnell nach seiner Meinung gefragt wird und nicht das Gefühl hat einen kleinen Roman verfassen zu müssen. Das Format ist grundsätzlich von Twitter bekannt und sollte einfach verständlich sein.

    Antworten auf Kommentare

    Die meisten oratio Kommentare werden Argumente und/oder Meinungen sein. Zumindest gehe ich momentan davon aus. Die möchte man oft hinterfragen oder vielleicht etwas hinzufügen, das man nicht direkt als neues Argument sieht. Daher kann man orats (Ich nenne die Beiträge jetzt einmal so.) wiederum kommentieren. Durch diese Baumisierung entsteht eine aufgeräumtere Diskussion als wenn jeder Kommentar versucht sich in zwanzig Unterpunkten auf alle vorhergegangenen zu beziehen.

    Favorisieren

    Möchte man weder ein eigenes orat schreiben, noch eines kommentieren, kann man auch eines favorisieren. Mir persönlich wäre eine „Zustimm“-Button lieber. Favorisieren bedeutet für mich, dass etwas besonders schön ist und ich dies ausdrücken will und/oder es für später speichern. Vielleicht geht es aber auch darum. Man soll nicht nur orats favorisieren, denen man zustimmt, sondern solche, die besonders gut sind. Die sauber argumentieren.

    Sortieren

    Orats werden aufgrund der Anzahl an Favorisierungen sortiert. Somit sollten solche, die besonders gut sind und/oder denen viele zustimmen an höchster Stelle stehen.

    Vernetzung

    Alle Diskussionen werden auch auf orat.io angezeigt. Mit Link zum Artikel und allem. Darüber kann man ein anderes Publikum erreichen. Wie gut das funktioniert wird sich erst noch herausstellen. Auch ist es fraglich, ob es funktioniert, wenn andere sich in die Diskussion einmischen ohne den Artikel jemals gesehen zu haben.

    Einbau in 3 Schritten

    orat.io Einbau

    1. Anmelden
    2. Organisation erstellen
    3. Widget-Code einfügen

    Sehr einfach. Allerdings momentan noch ohne jeglichen Anpassungsmöglichkeiten. Design passt bei mir überraschend gut in den Blog. Ich habe es vorerst oberhalb des Kommentarbereichs in die comments.php eingefügt. Grundsätzlich könnte man die normalen Kommentare auch entfernen, aber dafür ist es mir noch zu neu und unsicher. Außerdem mag ich die langen Kommentare in meinem Blog. Für diesen Beitrag habe ich sie testweise abgestellt.

    Meine Wünsche an orat.io

    • Einfache Integration innerhalb des Artikels, damit man Meinungen zu bestimmten Punkten abfragen kann.
    • Am besten als WordPress Plugin
    • Ein großes Problem mit Drittanbierkommentarplattformen ist deren Veränderung und/oder verschwinden. Ich will alles irgendwie in meine WordPress-Kommentardatenbank gesynct haben. Sodass ich orat.io jederzeit abschalten könnte
    • Mehr Sortierfunktionen. Bei größeren Diskussionen möchte ich manchmal die aktuellsten Dinge zuerst lesen.
    • Ich möchte, dass man nur bei mir kommentieren kann und nicht in orat.io selbst. Weil ich glaube, dass es doof ist, wenn man den Artikel nicht gelesen hat.
    • ???

    Andere Lösungsansätze

    Disqus und Livefyre fallen sofort ein, wenn man an Kommentartools denkt. Diese setzen vor allem auf Threading, unterschiedliche Sortierfunktionen und Registrierung mit Social Network Accounts.

    Ich mag auch den Ansatz von Medium, dass man direkt zu einzelnen Absätzen kommentieren kann, statt nur am Ende auf den gesamten Beitrag.

    Fazit und eure Meinung

    Ich finde den Ansatz spannend und glaube, dass es gerade bei Onlinezeitungen super funktionieren könnte. Ich glaube nicht, dass es klassische Kommentarfunktionen ersetzen kann, weil die Längenbeschränkung und Einordnung größere Gedankengänge und Diskussionen verhindert. Innerhalb von Artikeln kann ich es mir aber auch gut auf Blogs vorstellen. Oder als Alternative bei bestimmten Beiträge, die sich dafür eignen. Aber genug von mir, machen wir den Test:

    Was gefällt euch an orat.io? Was nicht? Wo und wie kann es genutzt werden?
    Discuss on orat.io

  • Der Hass im Netz

    Der Hass im Netz

    Welche Arten von Hass gibt es im Web eigentlich und wie verbreitet sind sie? Ein unvollständiger Überblick basierend auf eigenen Erfahrungen. Weitere Dinge gerne in die Kommentare, werde dann versuchen sie zu ergänzen.


    Foto: Emergency. Out of control. von Tony Gigov

    Arten von Hass im Netz

    Passive Aggressivität

    Der Ausdruck ist vermutlich nicht ganz richtig, allerdings hat er sich in Social Networks für eine bestimmte Art von Hassmeldungen durchgesetzt. Der Kern ist, dass man seinen Unmut so äußert, dass die betroffene Personen, nicht direkt mitbekommt, dass sie gemeint ist. Ein Beispielt dafür ist das Muster „Menschen, die [verabscheutes Verhalten der Menschen].“ Ein paar Beispiele von Twitter.

    „Menschen, die andere Menschen „Baby“ nennen.“ – rhisdilien
    „Menschen, die sich sowas von schlampig verhalten -.-“ – MarcelBricke
    „Menschen, die dicke Autos fahren und glauben man reagiere auf ihr aufblinken.“ – HBaddicted

    In der Regel werden die Meldungen, durch konkrete Erlebnisse (offline oder online) ausgelöst. Nicht immer muss es der Fall sein, dass die Personen das beschriebene Verhalten schon oft erlebt haben, auf was die Verallgemeinerung deuten könnte. Aus diesen Statusupdates geht nicht immer klar hervor, ob und wie negativ sie sind. Unter anderen durch die Favstar Mafia ((Personen, die Twitter mit dem Hauptgrund Favs zu bekommen nutzen.)) hat sich Passive Aggressivität auch zu einer Kunstform entwickelt, die zur Unterhaltung dient.

    Weiters können Meldungen nach diesem Schema zusätzliche Informationen enthalten, die die negative Einstellungen abschwächen:
    „Menschen die mit in SMS nichts anfangen können sind mir suspekt.“ – norman4354

    oder ins Gegenteil verkehern:
    „Menschen, die einem sogar den trübsten Montag erhellen <3" - Rosenrot1706

    Weitere aktuelle Beispiele findet man über die Twittersuche.

    Natürlich kommt Passive Aggressivität auch ohne dieser Phrase vor. Es werden etwa Berufsgruppen gennant, über die „Frau/den Mann“ neben einem oder „die Schüler“ geschrieben. Entscheidend ist, dass die betroffene Person nicht direkt konfrontiert wird.

    Entstanden ist es vermutlich aus „Ich hasse Menschen, die..“, was man nur noch selten antrifft.

    Passive Aggressivität ist eine eher schwache Form von Hass im Netz, allerdings, zumindest auf Twitter, stark verbreitet. In den meisten Fällen wird damit ein bestimmtes Verhalten kritisiert. Dadurch, dass das Hassobjekt verallgemeinert und nicht konkret genannt wird, wird einer Konfrontation aus dem Weg gegangen, man kann sich dennoch Luft machen. Auch wenn es eine weitgehend akzeptierte Form ist, werden bestimmte Meldungen dahingehend kritisiert, dass das Verhalten nicht grundsätzlich negativ ist oder die handelnden Personen nichts dafür können. Manchmal fühlen sich Follower auch angesprochen, wodurch es, je nach Verhältnis, ebenso zu einer Konfrontation kommt.

    Naive Äußerungen

    Vor allem bei unerfahrenen Internetnutzern kommt es manchmal zu offenen Hassäußerungen zu diversen Themen. Etwa im schulischen Umfeld kann man beobachten, dass Äußerungen, wie sie auf dem Schulhof ((Und dort genauso zu verurteilen sind.)) gemacht werden, auch im Web wiederholt werden. In unkritischen Fällen werden dann Hausaufgaben gehasst, in unschönen Fällen werden Mitschüler oder Lehrer gehasst, wobei auch Namen genannt werden. Durch die Eigenschaften des Webs, dass Informationen länger haltbar sind und sich einfacher verbreiten, kann dies unangenehme Folgen für alle Beteiligten haben. Ich bin kein Pädagoge, denke aber, dass in solchen Fällen vor allem offene Gespräche über Hass und den dazu führenden Ereignisse gesprochen wird.

    Folgende Beispiele stammen von Facebook. Sie wurden alle über eine öffentliche Suche gefunden. Ich verzichte aber auf eine Namensnennung und Verlinkung, weil ich davon ausgehe, dass sich die Personen nicht bewusst sind, dass ihre Meldungen öffentlich sind.
    „Ich hasse die Hausaufgaben!!!!!!!!!!!!!“
    „ich hasse französisch.. ich hasse lernen..“
    „Ich hasse den Fettkloss Von Lauserdepp, wegen dem hock ich jetzt noch da und lern….. So f**** you!!!“

    Naive Äußerungen beschränken sich aber sicher nicht nur auf Schüler. Andere Beispiele. Die meisten Personen sind auf Facebook mit Klarnamen unterwegs, dies ändert jedoch nichts an ihren Meldungen. Dazu später mehr.
    „Ich hasse juden.“
    „AAAAAAAAAAAAAALTAAAAA ICH HASSE MEINE MITBEWOHNERIN! HASSE HASSE HASSE, vielleicht ist sei der aller aller schrecklichste mensch der welt.“

    Hierunter fällt auch Mobbing.

    Oft fehlt allerdings auch der Kontext für die Meldungen, sodass es schwierig ist sie einzuordnen, wie ernst sie gemeint sind. Naive Äußerungen gehören jedoch zu den übleren Formen von Hass im Netz, da sie sehr verletzend sein und Folgen für alle Beteiligten nach sich ziehen können. Je mehr sich die Personen mit dem Medium auseinandersetzen, desto seltener tritt diese Art des Hasses auf.

    Der Shitstorm

    Eine, in den eigenen Augen richtige, Handlung führt zu einer Kettenreaktion von negativen Handlungen. So ungefähr.

    Shitstorms versteht man wohl am besten an Beispielen. Oft entstehen Shitstorms, wenn Firmen Blogger abmahnen, weil diese etwas negatives über sie geschrieben haben. Daraufhin schreiben sehr viele Blogger negative über die Firma, wodurch sie einen unmerkbaren bis massiven Imageschaden erleiden kann. In diesem Zusammenhang ist auch der Streisand Effekt interessant. Die Größe des Shitstorms hängt vor allem davon ab, ob die ursprüngliche negative Meldung als gerechtfertigt gesehen wird oder nicht. Ebenso kommen Dinge wie Reputation der Bloggerin/des Bloggers bzw. der Blogger, die sie/ihn unterstützen an.

    Ein Beispiel dafür ist Nerdcore vs. Euroweb.

    Auslöser können auch Handlungen von Firmen sein, die sich nicht direkt gegen eine Person richten, sondern Handlungen jeglicher Art, die von, in den meisten Fällen, Bloggern als untragbar gesehen werden.

    Shitstorms sind für Firmen gefährlich, wenn sie nicht wissen, wie damit umgehen. Der Großteil der Dinge, die bei einem Shitstorm geäußert werden sind unwichtig und polemisch, aber es gibt fast immer einen Kern, der auf tatsächliche Probleme hinweist. Shitstorms haben auch eine gewisse Schutzfunktion für Blogger, da sie als Abschreckung für Firmen gelten mit ihren ungleichen Rechtsapparat und Finanzen gegen „Kleine“ vorgehen.

    Hassblogs/Hasswebsites/Hassforen

    Die ekligste Form von Hass. Websites, die nur zum Zweck bestehen Hass gegen bestimmte Dinge zu äußeren. Oft gegen Bevölkerungsgruppen gerichtet und/oder mit radikaler Ideologie. Vor allem mit rechtsradikalen Hintergrund.

    Ein Problem ist, dass Server oft im Ausland sind und so für die nationale Exekutive schwer erreichbar sind. Hinzu kommt, dass in den Ländern die entsprechenden Inhalte nicht immer gesetzwidrig sind und somit auch eine Zusammenarbeit mit den dortigen Providern oder Behörden nicht immer zum Erfolg führt.

    Ebenso sind sich die betroffenen Seiten teilweise sehr bewusst über die Gesetzeslage und vermeiden gesetzwidrige Äußerungen, verbreiten aber dennoch Hass. Vieles wird durch die freie Meinungsäußerung geschützt, was ich selbst in solchen Fällen gut finde. Denn nur so ist eine Auseinandersetzung damit möglich.

    Insgesamt ein sehr schwieriger Bereich, in dem sich andere sicher besser auskennen als ich selbst.

    Hasskommentare

    Die Form von Hass, die den meisten Personen bekannt sein dürfte. Vor allem in Onlinezeitungen kommt es in den Kommentarbereichen oft zu regelrechten Schlammschlachten. Es wird nicht mit Kraftausdrücken und rechtswidrigen Äußerungen gespart. Die Personen, die im Beitrag vorkommen, die Autoren des Beitrags, andere Kommentator_innen werden beschimpft.

    Dies hat einerseits dazu geführt, dass Menschen die Kommentarbereiche meiden und andererseits Journalist_innen eine negative Einstellungen zu Usergenerated Content bekommen haben. Das finde ich schade, weil ich hier im Blog sehr gute Erfahrungen gemacht habe und oft wertvolles Feedback und Input bekomme.

    Was man gegen Hasskommentare in Onlinezeitungen machen kann, hat Helge zusammengefasst: Rezept gegen abfällige Kommentare in Online Zeitungen

    Hasskommentare könnte man auch zu den naiven Äußerungen zählen.

    Hassobjekte im Netz

    Gegen wen richtet sich eigentlich der Hass im Netz?

    Verhaltensweisen
    Oft werden nicht Personen direkt kritisiert, sondern was sie machen, wie sie sich verhalten. Dies muss nicht unbedingt Hass sein, sondern kann auch berechtigte Kritik sein oder Einstellungen von der kommunizierenden Person ausdrücken.

    Dinge
    Der Computer, der nicht funktioniert, die Bahn, die sich verspätet oder die Türe, die quitscht.

    Anstatt, dass Personen Gewalt gegen die betroffenen Dinge anwenden, können sie sich im Netz Luft machen. Dadurch kann es auch dazu kommen, dass sie Hilfe bekommen, wie sie das jeweilige Problem bewältigen können.

    Firmen
    Besonders unbeliebt sind hierbei Öffentliche Verkehrsmittel und Mobilfunk/Internetanbieter. Tägliche Probleme (Bahn zu spät, kein Netz, schlechtes Service,…) führen zu Äußerungen über die jeweiligen Unternehmen. Manchmal berechtigt, manchmal nicht.

    Unternehmen könnten hierbei eingreifen, weil das Netz diese Dinge leichter sichtbar macht, und helfen, womit sich aus der negativen Einstellung schnell eine positive werden kann. Für Unternehmen ist es aber auch gefährlich, da die Leute auch launisch sind.

    Menschen
    In meinen Augen die schwierigste Gruppe.

    Oft ist der geäußerte Unmut verständlich, aber zugleich können die betroffenen Personen nicht immer etwas dafür. Besser wäre manchmal eine freundliche Konfrontation der Personen. Dafür muss man jedoch über seinen Schatten springen und das Ergebnis ist teilweise unerfreulich. Leichter ist ein Tweet, wenn man danach loslassen kann.

    Der tiefer sitzende Hass bestimmter Menschen gegen andere ist besonders gefährlich. Allerdings wie die meisten anderen Phänomene kein reines Internetproblem, sondern eines der Gesellschaft und als solches sollte es auch behandelt werden.

    Anonymität

    Dass Anonymität grundsätzlich Hass fördert würde ich aus der eigenen Erfahrung verneinen. Ich habe viele anonyme Kommentatoren auf dem Blog und nur in Einzelfällen äußern diese Hass.

    Schaut man sich als Beispiel die Live-Kommentare zu der Sendung Am Punkt von ATV an, kann sogar das Gegenteil beobachten. Dort gibt es sowohl einen Twitterstream als auch einen Facebookstream. Über Twitter kommentieren viele Menschen anonym, über Facebook über Klarnamen. Dennoch kommen mehr hasserfüllte Kommentare von Facebook. Ähnliches sieht man bei Kommentaren zu Onlinezeitungen, wo es keinen Unterschied macht, ob Personen unter Pseudonym oder Klarnamen unterwegs sind.

    Ich führe dies einerseits auf die oben beschriebene Naivität und andererseits auf das Communitygefühl zurück. Community kann einerseits heißen, dass ich glaube meinen Freunden sagen zu müssen, wie ich zu einem Thema stehe und dafür auch Hass verwende oder dass man sich als Teil einer größeren Community fühlt, die Hass und unbegründete Äußerungen ächtet, wie es auf Twitter oft passiert.

    Früher war ich sehr viel in Foren unterwegs und man konnte immer wieder beobachten, wie Personen Teil der Community werden und wie diese sich selbst regeln auferlegt und dafür sorgt, dass diese eingehalten werden. Wobei dazu kommt, je größer die Community, desto schwieriger ist es zu Beginn. Es gibt dann oft bestimmte Leitpersonen, die durch besonders gutes Verhalten auffallen. Doch dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

    Eure Erfahrungen

    Mich würden nun eure Erfahrungen interessieren. Wie ihr Hass im Netz wahrnehmt und wie ihr damit umgeht. Außerdem finde ich die Rolle der Anonymität interessant, da diese immer wieder als Problem des Netzes genannt wird.

    Dieser Beitrag ist als Vorbereitung für ein Interview auf Ö1 „Moment – Leben Heute*“ entstanden. Der Beitrag wird am Di. 8.2.2011 um 14:40 zu hören sein und später im Ö1 Archiv abrufbar sein.

  • Die Sache mit den Kommentaren

    oder Die Kommentaridioten
    Nicht nur Robert schreibt immer wieder darüber. Viele Blogger schreiben zwar zuerst für sich, doch ohne Leser und vor allem ohne Leser, die sich durch Reaktionen bemerkbar machen, bringt bloggen nicht die Genugtuung, die viele brauchen. Es reicht ihnen nicht in einen leeren Raum hineinzuschreien, sie wollen etwas zurückbekommen.

    Bei der ganzen Diskussion um Kommentararmut werden einige wichtige Dinge nicht gesehen, weil sich wieder einmal jeder in seinem Teller suhlt und vergisst, dass andere Teller möglicherweise vollkommen anders aussehen.

    Durchschnittlich soll ein deutscher Blog einen Beitrag pro Tag schreiben und ein Kommentar bekommen. Hätte für mich, zumindest als ich angefangen habe zu bloggen, sehr befriedigend geklungen. Jedoch ist der Durchschnitt nur selten, was man selbst bekommt. Ich kann mich nicht beschweren, , . Wobei ich lange mehr für mich als für andere geschrieben habe und die Kommentarzahlen erst in letzter Zeit so stark gestiegen sind. Erwähnenswert an dieser Stelle, finde ich den Artikel über Pick Up Artists, welcher 46 Kommentare mit einer durchschnittlichen(!) Länge von 250 Wörtern hat. Natürlich muss man beachten, dass fast die Hälfte der Kommentare von mir stammt und der Artikel provokativ geschrieben ist. Eine letzte Zahl bevor ich zu meinen eigentlichen Gedanken komme. Im Durchschnitt hinterlässt jeder hunderster Leser einen Kommentar.

    Nun schreiben viele darüber, dass sie zu wenig Kommentare bekomme oder geben Tipps, wie man mehr Kommentare bekommt, doch nur die wenigsten schreiben selbst mehr Kommentare. Ein großer Teil schreibt nur, um auf seinen Blog aufmerksam zu machen, ein anderer des Linkbuilding wegen und nur wenige, weil sie wirklich etwas zu sagen haben. Eine wichtige und für Blogger geradezu typische Gruppe habe ich noch ausgelassen. Die Leute, die mir meist egal sind, früher weniger als heute. Die weshalb ich den Beitrag überhaupt schreibe. Die, die so viel Aufmerksamkeit gar nicht verdient haben.

    Es gibt nämlich einige Blogs, die ganz gut laufen und nicht unter Kommentararmut leiden, obwohl sie keine eurer Regelen aktiv beachten, sondern weil sie einfach aus sich heraus schreiben. Oft interessiert sie der Technikkram gar nicht. Sie erzählen tolle Geschichten und geben Dinge preis, die andere für sich behalten. Ich will es nicht als alternative Blogosphäre bezeichnen, weil alles zusammengehört und zugleich auch nicht. Es gibt so viele verschiedenen Blogs mit noch mehr Schnittmengen. In diesem Fall spreche ich von privaten Blogs. Und hierbei muss man den Unterschied zu persönlich beachten. Private Blogs sind zugleich persönliche Blogs (meistens), aber persönliche müssen nicht zugleich privat sein.

    Manchmal bildet man sich ein, oder es ist auch so, dass man Autoren von privaten Blogs besser kennt als viele der eigenen Freunde. Man fühlt in vielen Texten mit und teilt das in den Kommentaren mit. Man gibt sich Tipps, erinnert sich an ähnliche Situationen oder schreibt wie gut einem der Text gefallen hat.

    Der Mensch ist ein Hund.

    Ohne Hunde schlecht zu machen. Ich habe selbst einen. Doch sobald jemand ein großes Stück Fleisch hat, kommen andere, die über in herfallen. Sobald jemand etwas hat, das man selbst nicht hat, seien es Kommentare, die Gabe wunderbar zu schreiben oder das Glück, dass es einem großartig geht, kommen andere und versuchen es schlecht zu machen. Anstatt selbst am Glück mitzunaschen (Glück und Zufriedenheit werden nicht aufgebraucht, jedenfalls nicht so, wie es in vielen Köpfen passiert, die von unserem materialbestimmten täglichen Leben, beeinflusst werden), greifen sie die Autoren persönlich an, ziehen alles in den Schmutz, verbreiten Gerüchte und sind bösartig.

    In meinem Blog ist niemand anonym und somit könnte ich die IP jederzeit ausschließen oder lediglich das Kommentarfeld. Mit einer eigenen WordPress-Installation hat man da viele Möglichkeiten. Es lässt sich auch der Ort der Person feststellen, um möglicherweise Rückschlüsse auf Bekannte ziehen zu können. Datenschutz ist wichtig, aber wer mein Haus betritt, muss sich auch vorstellen.

    Nun hat aber nicht jeder seinen eigenen Webspace und gehostete Services schränken die Möglichkeiten in diese Richtung stark ein. Man kann anonyme Kommentare verbieten. Doch viele Leser, die auch kommentieren, nett kommentieren, wollen sich aus Datenschutz- oder anderen Gründen nicht anmelden und somit würde man deren Kommentare verlieren. Den Idioten, die es nicht sehen können, wenn es jemand anderen gut geht, legen sich auch eine falsche Mailadresse zu und melden sich an. Als nächstes kommt ein Passwortschutz und damit ist der Blog fast tot. Kommentare einzeln freischalten und eine Ad-hoc Diskussion unterbinden und selbst bekommt sie dennoch zu Gesicht. Es ist nicht immer einfach wegzuschauen. Neider hinterlassen ihre ekligen Spuren und aus der Freude über neue Kommentare wird ein Zweifeln, was schon wieder für unangenehme Worte im Blog auf einen warten.

    Es gibt Momente, da wünscht man sich nur noch eine große Fliegenklatsche um dem Unsinn ein Ende zu setzen.

    Edit: Und es gibt Momente, wo ich kurz davor stehe einen Baseballschläger aus dem Keller zu holen und dem Unsinn ein Ende zu setzen.

    Bild: IQ Atrophie