Kategorie: workio

  • Wie funktioniert eigentlich Arbeit? Keine Definition.

    Alles nur Annahmen und wirre Gedanken.

    Vor langer Zeit organisierten sich Menschen in Stämmen. Vermutlich aus 20-50 Individuen. Jeder für jeden. Aber mit einer Rangliste. Wer kräftig war, hatte das sagen. Natürlich brauchte man auch Durchsetzungskraft. Ein paar beschützen das Lager, sammeln Holz und anders Zeug, was man so braucht. Andere gehen auf die Jagd. Mammute. Oder Hasenvorfahren. Am Ende des Tages essen alle gemeinsam. Außer Dings, der von den giftigen Beeren genascht hat. Wenn der Stamm zu groß wird, sodass ständig Rangeleien statt finden, wer wann und wie viel bekommt, teilt er sich auf. Eine Gruppe aus denen, die sich benachteiligt fühlen und zugleich selbstbewusst genug sind, um zu glauben das auch alles selbst hinzubekommen brechen auf. Die Stämme wandern umher und merken langsam, dass nicht jeder Stock oder Stein gleich gut geeignet ist, um Dinge zu töten oder zu zerhacken. Jemand der geschickter ist Dinge zu basteln aber nicht so kräftig beginnt vielleicht Werkzeug und Waffen zu erstellen, kommt aber nicht auf die Jagd mit. Vielleicht tauscht man sogar Gegenstände mit einem Stamm aus dem Norden, der so flauschige Felle hat. Oder dem aus dem Süden, der harte Gefäße aus dem Flussschlamm erzeugt hat. Damit hätten wir schon Arbeitsteilung, Tauschhandel und Spezialisierung. Ich glaube nicht, dass es ein Management gab. Eine Anführerin, die sagt, wo es als nächstes hin geht oder wer nicht zur Jagd mitkommt. Aber niemand, der die Leute aufteilt und sagt, du machst dies und du machst jenes. Zwischen den einzelnen Personen gab es sicherlich eine gewisse Kommunikation. Während der Jagd wird man sich strategisch aufteilen, beim sammeln von Holz in Zweierteams losziehen und die Babys nicht ganz alleine lassen. Ein sehr dynamischer Vorgang. Der aber sicherlich nicht alle glücklich machte (einmal abgesehen von der ständigen Angst, niedrigen Lebenserwartungen und sonstigen Widrigkeiten). Man lernt von klein auf, wie man bestimmet Dinge macht. Prozesse werden nur minimal und langsam geändert. Ausnahmen sind wohl neu gegründete Stämme, die es sich nicht leisten können umständliche Prozesse zu haben.

    Sesshaftigkeit. Getreide, Obst und Gemüse. Umständlich und geschmacklich von dem was wir heute kennen weit weg. Dafür beißt es nicht, wenn man es erntet. Oder läuft weg. Aus den Zelten werden Hütten. Spezialisierung wird ausgeprägter, Tausch expliziter. Irgendwann entsteht der Schmied und der Bäcker und die anderen klassischen Berufe in einem Dorf. Dadurch dass nicht jeder mit jedem interagiert sondern man sich in sein Haus zurück ziehen kann, fällt die 50 Personen Limitierung und die Dörfer wachsen. Plötzlich wird Besitz und Land sehr wichtig. Man bekämpft andere und versucht sie zu beherrschen. Mächtig ist nicht mehr der stärkste, sondern der mit den meisten Leuten, die ihm gehorchen. Was sich nicht wehren kann, wird versklavt. Irgendjemand baut eine Burg, erzählt davon dass er von Gott berufen wurde und das gesamte Land nun ihm gehöre. Die Leute müssen es aber weiterhin bewirtschaften und ihm einen Teil der Ernte geben. Schließlich ist es sein Land. Dann kommt jemand anders und beansprucht das Land für sich. Ein paar Leute fahren über die Meere und beanspruchen Land auf Kontinenten, die spärlicher besiedelt sind. Oder die Einwohner sich nicht so gut wehren können.

    Tauschgeschäfte sind kompliziert. Für eine Kuh muss ich zwei Jahre lang Getreide sammeln. Doch bis dahin ist das Getreide schlecht und der Eigentümer der Kuh verhungert. Oder hat die Kuh geschlachtet. Einfacher ist es, wenn man das Getreide ständig gegen etwas mit geringem praktischen aber hohen zugeschriebenem Wert (damit man es besser bei sich tragen/verstecken kann) tauscht. Edelmetalle. Später Geld.

    Man kann mit Produkten handeln. Aber auch mit der eigenen Arbeitsleistung, wenn man keine Werkzeuge/Land/Rohstoffe hat, um Produkte herzustellen. Einen Moment, ich muss kurz mit Karl telefonieren. Alles hat einen Wert. Aber dieser ist nicht für alle gleich.

    Der Preis für Produktionsmittel ist stetig gesunken, sodass es heutzutage einfacher möglich ist sie sich zu erarbeiten. Und dann selbständig sein. Meist wird das Startkapital durch die Familie zur Verfügung gestellt. Jeder kann. Falsch. Roboter sind die neuen Produktionsmittel. Sie sind teuer und arbeiten so effizient, dass Menschen nicht mit ihnen konkurrieren können. Zugleich sind sie für die meisten Menschen zu teuer, um sie selbst zu besitzen. Durch Maschinen kann eine Person mehrere tausend Quadratmeter Land bewirtschaften. Die Person wird aber nicht am Gewinn beteiligt sondern nach Arbeitszeit bezahlt. Weil sie ersetzbar ist.

    Kreativberufe? Man muss kreativ sein, um einen Text zu erstellen. Genauso erfordert es Kreativität ein Auto zu bauen. Etwas reparieren erschafft ein funktionierendes Ding. Die Schauspielerin muss kreativ sein, um aus dem Drehbuch ein Schauspiel zu kreieren. Maschinen können kreativ sein, aber sie sind nur selten fähig zu beurteilen wie gut das ist, was sie geschaffen haben, wodurch sie ständig Rückmeldungen brauchen, um sich inkrementell zu verbessern. Zu aufwändig. Zu eintönig. Also doch Menschen.

    Das Problem bei kreativen Dingen ist das Geld. Jemand kann hundert Stunden damit verbringen ein Logo zu erstellen nachdem er ein Jahrzehnt gelernt hat. Und das Ergebnis kann ähnlich aussehen wie von jemanden, der sich zwei Stunden hingesetzt hat und nur ein paar Wochen braucht, um das entsprechende Programm zu lernen. Oder ein Team experimentiert an einer neuen Batterie und hat nach fünf Jahren keinen Erfolg. Kann man Kreativität bewerten? Das Ergebnis in den meisten Fällen. Doch den Prozess nicht. Könnte man ihn so einfach beurteilen, wäre es nicht schwer ihn einer Maschine beizubringen. Nun könnte man sagen, dass man das Ergebnis bezahlt. Man kauft ein Produkt. Jemand erstellt eine Website, weiß wie viel Energie hineingesteckt wurde und so kann sie zum Kauf angeboten werden. Doch niemand möchte fertige Websites kaufen, sondern eine speziell für die Bedürfnisse angepasste. Wird im Prozess zweimal kurz vor Abschluss abgebrochen, weil man sich festgefahren hat, ist man schnell beim doppelten Aufwand.

    Kreative Arbeit nach Zeit zu bezahlen ist sowieso Unsinn. Spielen ist wichtig. Dinge ausprobieren. Den Kopf stimulieren. Viele Dinge, von denen man gar nicht denkt, dass sie für den Prozess wichtig sind.

    Ich bin erst am Anfang. Jegliche Ideen und Leseempfehlungen willkommen.

  • Arbeiten in großen Unternehmen

    Arbeiten in großen Unternehmen

    Ich glaube die Arbeitswelt ist kaputt. Ziemlich sogar. Warum ich das glaube und was work|i|o damit zu tun hat.


    Bild: Georg Schütz ((Ich und Werner Drizhal bei einem anderem Talk.))

    Vor zwei Wochen war ich beim #sbsm Camp ((Veranstaltung zum Buch bei dem ich Autor war.)) in Wien. Am zweiten Abend habe ich an der Podiumsdiskussion ‘Arbeitsplatz 2.0 – quo vadis? Potentielle Veränderungen in der Arbeitswelt von morgen’ teilgenommen. Obwohl das Thema die Zukunft war, sprachen wir vor allem über Dinge, die schon statt finden. Finde ich auch besser. Für mich war es wieder einmal ein Einblick in die derzeitige Arbeitswelt, wie sie für viele aussieht.

    Ein Punkt der hängen geblieben ist, ist die Aufteilung der Arbeitnehmer in geniale Alleskönner und einfache Arbeitskräfte. Die genialen Alleskönner sollten etwa 20 Jahre alt sein, 40 Jahre Berufserfahrung haben und sich sowohl mit ihrem jeweiligen Gebiet, dem gesamten Unternehmen und Prozessen auskennen. Sie sind dazu da Prozesse zu gestalten, wichtige Dinge zu tun und dafür zu sorgen, dass alles reibungslos läuft. Auf der anderen Seite der normale Arbeitnehmer, der keine besondere Qualifikation braucht (aber muss natürlich trotzdem top ausgebildet und bitte, bitte herrschaftshörig sein). Diese sind die neuen Fließbandarbeiter. Sie bekommen ein Teilgebiet, wo sie in der Regel die immer gleichen Arbeiten erledigen müssen. Sie wissen weder wie das ganze eigentlich funktioniert und können auch nur schlecht auf Veränderungen reagieren. Sie arbeiten nach dem Schritte-Schema. Es gibt einen Trigger, etwa der Kunde, der in das Geschäft kommt. Dann wird gewartet und nach einer gewissen Zeit, wenn er nichts von selbst nimmt, angesprochen. Je nach Frage wird er an jemand anderen weitergeleitet oder es werden ein paar Produkte empfohlen. Je nachdem, was von oben gerade vorgegeben wurde. Regelmäßig bekommen sie neue Informationen, welche Produkte gerade an wen verkauft werden sollen. Mit den Produkten selbst kennen sie sich nicht wirklich aus, sondern sie arbeiten stärker nach dem Frage-Antwort Schema, das von oben vorgegeben wurde. Und auf nicht vorgesehene Fragen kommt das “Das weiß ich leider auch nicht.”. Das ist natürlich alles stark übertrieben und trifft nicht auf alle zu, aber so klang es in meinem Kopf, was ich auf der Podiumsdiskussion hörte.

    Die Unternehmen sind so groß, dass die einzelnen Räder (Arbeitskräfte) keine wichtige Rolle mehr spielen. Die Prozesse stehen im Mittelpunkt. Alles muss optimiert werden. Die normalen Arbeitskräfte sind Rohmaterial (nicht dumm, aber auch nicht zu intelligent, damit das System nicht hinterfragt wird) von der Uni, das dann durch Schulungen auf das jeweilige Einsatzgebiet getrimmt wird. Es ist zwar nicht der eine Handgriff, wie bei Ford, aber hat dennoch gewisse Ähnlichkeiten. Dass die Arbeitskräfte somit austauschbar sind, sollte auch jedem bewusst sein. Außerdem spielt, wie schon gesagt, die Qualifikation des einzelnen eine geringere Rolle. Das Bakkalaureat, wo die Arbeitskräfte nach flotten 3 Jahren fertig sind, ist ein idealer Zulieferer.

    Die genialen Alleskönner sind auch gerne externe Berater. Die kennen sich dann wiederum konkret mit einem Prozess aus, den sie für das Unternehmen erstellen oder optimieren sollen. Und die betriebsinternen Alleskönner, müssen das dann irgendwie implementieren, wobei der Prozess nochmals vergewaltigt wird, damit er auch mit den vorhandenen Strukturen zusammenhängt. Da gibt es auch das schöne Beispiel, wo in einem Lager das Ordnungssystem geändert wurde, weil es auf Farben basierte und neue Lagerbestände umständlich einzuordnen waren. Also überlegte man und kam mit einer Taxonomie, mit der alles sauber organisiert wurde. Implementiert und schon kam das ganze Lager zum Stillstand. Viele Lagerarbeiter hatten es nämlich nicht so mit dem Lesen.

    Zurück zu den Unternehmen. Ich glaube dass, das aktuelle System funktioniert. Und durch die ständige Optimierung und vor allem Leuten, die sich nicht an die Regeln halten, wird es auch noch länger gehen. Die Folge sind allerdings viele Menschen, die arbeiten, um Geld zu verdienen, um sich Dinge zu kaufen, für die sie keine Zeit haben. Vollbeschäftigung ist auch so ein Unsinn, über den ich noch irgendwann schreiben werde. Ich glaube, dass viele Menschen mir ihren Jobs unzufrieden sind. Während dem Studium oder danach über ein Praktikum reingeschlittert (“Ich brauchte das Geld.”), übernommen worden und danach sich nicht mehr aufgerafft etwas anderes zu suchen. Schließlich hat man immer höhere Fixkosten mit der Zeit, die Arbeit bringt gutes Geld und so schlimm ist sie dann auch wieder nicht. ((Hier wird es so bald keine Revolution geben, weil es uns zu gut geht.)) Arbeitswechsel ist immer mit Risiko verbunden, schließlich will man nicht vom Staat abhängig sein. Arbeitslosengeld, Hilfe! Also weiterarbeiten und sich über die Gehaltserhöhung freuen, die gerade mal die Inflation ausgleicht.

    So ein Arbeitsplatz ist auch sehr sicher. Und immer brav die Pension einzahlen! Nur doof, dass Unternehmen vor allem über den Aktienkurs funktionieren. Wenn der sinkt, muss man halt ein paar Leute entlassen. Das kommt immer gut. Kostensenkung ftw! Und die Produktion könnte man auch auslagern. Vielleicht noch irgendwas mit den Steuern schieben. Ich habe gehört Lobbying funktioniert auch recht gut. Und dann noch etwas EU Förderung. Ich werde unverschämt. Eine Spur zu viel Übertreibung. Siehe Kommentare.

    Von den Menschen, die ich in meinem Leben getroffen habe, hatte bisher noch jeder bestimmte Fähigkeiten und Talente. Bestimmte Dinge, die sie so richtig gern macht und auch gut darin ist. Manchmal wird es Hobbys ausgelagert, manchmal erstickt es unter Zeitmangel, manchmal wird es zum Beruf gemacht. Meist als Alleskönner, in einem kleinem Unternehmen oder als Selbständiger. Selten als kleines Rad in einem großen Konzern.

    Und irgendwo da oben liegt mein Faden, den ich jetzt nicht mehr aufhebe, sondern auf den Beitrag von Bruno bei ReadWriteWeb verweise. The Long March from Crowdsourcing to a Global Meritocracy

    Bruno ist der Gründer von work|i|o und ich kümmere mich um Kommunikation. Gemeinsam mit unserem großartigen Team wollen wir die Arbeitswelt auf den Kopf stellen. Aber mehr dazu in den nächsten Tagen und Wochen.

    Und jetzt sagt mir, warum ich vollkommen falsch liege und meine Sicht viel zu extrem ist. Irgendwie funktioniert das System schon und alle sind eh zufrieden. Und so.