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Gedanken zu „Raststätte oder Sie machens alle“ von Elfriede Jelinek

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Das Stück polarisiert.

Zwei ältere Damen stehen auf, zwängen sich an den Zuschauern vorbei zum Ausgang. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Auf der Bühne wälzen sich in Essen, werfen es herum, schleifen sich gegenseitig herum. Als Momentaufnahme verstörend, schockierend. Der Mensch frisst sich selbst auf, von innen. Für mich eine verständliche Aussage. Wir zerstören das Tier in uns.
Ich sitze im Theaterstück Raststätte oder Sie machens alle. von Elfriede Jelinek. Einige Besucher sind schon gegangen. Man kann nicht erwarten, dass alle verstehen um was es geht. Ich habe selbst nicht alles verstanden. Jelineks Aussage, dass man das gar nicht kann und muss hilft es locker zu sehen. Ich glaube, dass ihr Probleme in den Medien hochgespielt werden. Niemand weiß wie sie wirklich ist, was sie denkt und das ist auch nicht wichtig.
Auf der Eintrittskarte steht Komödie und als solche sehe ich das Stück. Ich muss oft schmunzeln und häufig lachen.
Hintern viele Aussagen meine ich etwas zu erkennen, eine Botschaft, eine Aussage. Ich kann nicht sagen, ob Jelinek es so gemeint hat, aber ich sehe es. Kein Autor kann von seinen Zuschauern erwarten exakt verstanden zu werden, dafür fehlt das Vorwissen.
Das Stück lebt von seinen fantastische Wortspielen. Es ist eine Freude zuzuhören, Dinge zu interpretieren und andere einfach so stehen zu lassen. Es sind viel zu viele Informationen um alles aufzufassen und zu verabeiten.
Es geht um die Gesellschaft und um unausgesprochene Gedanken. Im Stück selbst werden viele Dinge nicht angesprochen, sie werden umschrieben, meist mit solch einer Präzision, dass man, ohne es zu merken, weiß was gemeint ist. Man bekommt gar nicht mehr mit, dass es umschrieben wurde.
Sexualität spielt offensichtlich eine große Rolle. Ich denke auch, dass das so ist, aber es geht weniger um den Geschlechtsakt selbst als um den Weg dorthin, falschen Erwartungen und daraus entstehende Enttäuschungen. Dinge über die selten gesprochen wird. Für manche Personen ist dies schlimm. Möglicherweise wegen der Erziehung oder weil sie es einfach nicht anders kennen. Auch ich spreche über so etwas nicht. Jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit.
Viele Dinge können metaphorisch gedeutet werden und neben der Sexualität werden auch andere Angelegenheiten angesprochen. Jedoch fast nie direkt.
Nach meiner Auffassung ist das Hauptthema der Kampf mit sich selbst, dass man mit dem, was man tut, nicht zufrieden ist und auch wenn man es ändert fühlt man sich nicht besser, sondern reibt sich innerlich nur noch stärker auf.
Es gibt Kritikpunkte an dem Stück. Gewisse Szenen in der zweiten Hälfte ziehen sich unnötig und andere werden übertrieben aufgeführt.

Die Mischung von tiefsinnigen Gedanken und Witz macht das Stück interessant. Man kann es ansehen und einfach eine Komödie mit Dauerfeuer von Witzen darin sehen oder ein ausgeklügeltes Werk über Themen, die jeden Menschen einmal bewegen, oder eine Mischung.

Mir gefällt es gut.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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