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Bloggen ist Abfall

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Mein Kopf neigt dazu bestimmte Phrasen ständig zu wiederholen und dabei Inhalt rund um sie aufzubauen. Gestern Nacht hat er sich ”Bloggen ist Abfall“ ausgesucht. Eine neue Definition, die Blogs von Journalismus unterscheiden könnte, aber auch eine Philosophie, die ich euch etwas näher bringen möchte. Passend dazu bin ich über ein paar Beiträge in der englischen Blogosphäre1 gestolpert.

MG Siegler schreibt, dass er seit 7 Jahren bloggt, und verweist dabei auf Om Malik, der gerade sein 10jähriges Blogresümee gezogen hat und darin Fred Wilson verlinkt, der etwas allgemeiner übers schreiben schreibt. Das klingt auf der einen Seite lang, ist auf der anderen auch nicht so lange und brachte mich zu dem weit verbreiteten Vorurteil, dass Amerika viel innovativer ist und schneller und überhaupt. Im ehemaligen Kleinbloggersdorf gibt es Leute, die ähnliche lange und länger bloggen. Als Beispiele zwei meiner Lieblinge, Pia mit 9 Jahren und Christian mit 10 Jahren. Selbst Dave Winer mit 15 Jahren ist da nicht so weit entfernt. Aber ich möchte mich nicht weiter in diese Diskussion eingehen, sondern, seit langem wieder einmal, über die Großartigkeit des ins Internet schreiben schreiben, etwas über meine letzten 6 Jahre bloggen reflektieren und dieses Ding aus der Überschrift weiter ausführen.

Schreiben braucht Beständigkeit

Die meisten Internetschreiber2 sind sich darüber einig, dass man dran bleiben muss, um dran zu bleiben. Schon ein Urlaub oder eine Auszeit können einen aus dem Rhythmus werfen. 3 Beiträge pro Tag , wie bei Om, müssen es nicht sein, aber einer pro Tag ist recht sinnvoll. Je länger die Pausen sind, desto schwerer ist das Anfangen, einen Beitrag zu schreiben. Zu Beginn haben viele Menschen ähnliche Ängste. Ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll. Das interessiert doch niemanden. Ich kann sowieso nicht schreiben. Und dann gibt man sich doch den Stoß und schreibt. Über irgendwas. Ich habe damit begonnen über einen Spieleabend mit Freunden zu schreiben, dann über die Schule, dann über Politik, dann über Internet und irgendwann konnte ich mich vor Themen gar nicht mehr retten. Das Gute ist, dass es zu Beginn niemanden interessiert, was man schreibt. Man hat keinen Druck, liest sowieso niemand, wenn man sie nicht explizit darauf hinweist. Oder ein verirrter Google Besucher. Wobei das bei einem neuen Blog auch unwahrscheinlich ist. Heute ist das etwas schwieriger, weil durch metavernetzung Dinge unglaublich schnell wahnsinnig populär werden können. Passiert aber in der Regel nicht. Zumindest nicht sehr schnell. Und wenn doch, kann man davon ausgehen, dass man gut schreibt und man sich sowieso keine Sorgen machen muss. Oder man hat etwas dummes geschrieben. Und ist Politiker oder berühmt. Ich bin über das Blog lesen zum bloggen gekommen. Aber darüber habe ich schon oft genug geschrieben. Stattdessen eine Grafik, die eigentlich ein Screenshot von meinem Archiv, wo man sehen kann, wann ich wie viel gebloggt habe. So ungefähr.

An den Tagen, die angezeigt werden, habe ich zumindest einen Post veröffentlicht. Früher auch mehr. Man sieht schön, wie 2006 meine Liebe für das Schreiben entfacht wurde, 2007 angehalten hat und 2008 gesunken ist. 2008 war übrigens auch das Jahr, in dem mir Nahe gelegt wurde, dass ich weniger emotional schreibe, weil das die Kunden nicht verstehen würden. Ich glaube nicht, dass dies der einzige Grund war, warum mein Auswurf so stark zurück gegangen ist, aber es war sicher auch Schuld. Im Jänner 2008 habe ich meinen ersten Twitteraccount gestartet und ein paar Monate später meinen zweiten. Weil es bestimmten Menschen auch dort zu emotional war. Parallel dazu startete ich einen weiteren Blog mit ähnlichem Ziel, der gegengleich zum Abfall der Beiträge hier, wuchs. Allerdings sich nicht auf hohem Niveau (in Zahlen) halten konnte und seitdem mal mehr, mal weniger Text produziert. In diesem Sommer kam dann noch ein Gemeinschaftsblog dazu.

Nie war es mein Interesse oder meine Leidenschaft, die nachgelassen hat, sondern Einflüsse von außen, die ich zu wichtig nahm. Ich bin harmoniebedürftig und habe mich in der Vergangenheit sehr stark an meine jeweilige Umgebung angepasst, was ich teilweise auch heute noch mache, aber versuche dagegen anzukämpfen. Gerade bei Menschen, von denen ich viel halte, fällt das schwer.

Bloggen ist Abfall

Bei work|i|o haben wir vor kurzem den Blog online geschalten und seitdem zweifle ich an mir, weil ich es nicht schaffe zu bloggen. Ich habe vermutlich den gleichen Fehler gemacht, wie viele Menschen und Unternehmen, die sich dazu entscheiden, jetzt auch zu bloggen. Ich habe geplant. Falsch geplant. Und dies erkläre ich mir dadurch, dass bloggen eben nur die Späne sind, die beim Hobeln fallen. Die Wiederaufbereitung von Abfall.

Ich habe mich beraten lassen, mich in die Thematik eingelesen und Tipps geholt, wie man das bloggen für ein Startup am besten angeht. Dann habe ich ein Konzept geschrieben, wer die Zielgruppe ist, welche Themen wir behandeln, wer schreibt, wie das ganze organisiert wird, welche Möglichkeiten wir wann nutzen, um Aufmerksamkeit zu bekommen und so weiter. Dann habe ich begonnen mich mit Leuten im Startup abzusprechen und wir haben erste Themen gesammelt, Entwürfe für Blogposts erstellt, Links gesammelt. Doch was dabei heraus kam war Müll. Nicht Abfall. Müll. Holpriges Zeug, wie man es aus vielen schlechten Unternehmensblogs kennt. Emotionslos, kalt, verkaufend, doof.

Ich habe mir auch in diesem Blog Gedanken gemacht, worüber ich schreiben könnte, doch das war die Ausnahme. In der Regel interessiert mich ein Thema und ich beschäftige mich dann damit. Das Schreiben hilft mir, meine Gedanken zu sortieren, sie auszubreiten und manchmal destillieren. Ich bekomme tolles Feedback in den Kommentaren und alle profitieren davon. Doch der Blog ist nicht das zentrale, sondern die Auseinandersetzung mit Gedanken. Der Denkprozess. Das Tun. Sich gute Themen zu suchen und diese dann zu bearbeiten ist Journalismus. Bloggen ist der umgekehrte Prozess.

Ein Beitrag pro Tag. Pro Blog (3x). Plus Tweets (4x), Google+ (2x), Facebook (2x) und Mails (xx). Macht grob geschätzt einen Aufwand von 12 Stunden? Falsche Rechnung. Die persönlichen Accounts füllen sich von allein durch die Dinge, die mein Leben macht. Ein Blogpost dauert dann 15min bis 3 Stunde. Für das Startup beschäftige ich mich den ganzen Tag mit entsprechenden Themen, wo ich mich für das beste entscheiden muss und das gut aufarbeiten. Was ich auch ohne Blog machen würde. Also könnte ich dies auch auf die Schreibzeit reduzieren, wobei mir das schreiben beim denken hilft und somit nicht einmal das wirklich gilt. Folglich spare ich Zeit, indem ich blogge. Finde ich gut.

Und ihr so?

  1. Gibt es das noch? Blogosphären. []
  2. Nicht alle mögen das Wort Blogger. Werde es trotzdem verwenden. []

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite an meinen Projekten #Blognetz und Lummity, beschäftige mich mit Datenvisualisierung, blogge bei AmbassadorBase und bin Tutor an der Uni.

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