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Bloggen wie Damals

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Ich gehöre zu den Menschen, die 2009/2010 meinen, wenn sie „damals“ schreiben. Angefangen habe ich 2006 mit dem Bloggen. Und es ist wieder einmal an der Zeit eine Nabelschau zu machen. Christian hat einen Kommentar zum Beitrag von Frau Brüllen veröffentlicht, welche sich wiederum auf einen Text von Susanne bezieht. Also nicht inhaltlich, aber so verweisend. Herr Webrocker hat wiederum auf den Beitrag von Christian reagiert. Jedenfalls geht es darum, wie Blogs sich verändert haben und dass heute viele Blogs geschrieben werden, weil man sich erhofft dadurch Produkte oder Geld zu bekommen. „schlechtbezahlte Zeitarbeit ohne Kündigungsschutz“ wie Christian meint. Bei der man erst einmal in Vorleistung geht. Die Unternehmen sind nur selten an den liebevoll gestalteten Texten und kreativen Fotos interessiert, sondern lediglich an der Reichweite, die man aufgebaut hat. Und die oft günstiger verkauft wird als Reichweite auf anderen Plattformen mit größerem Streuverlust und ohne Vertrauensbonus. Ich habe einiges mitgemacht. Sogar Links verkauft, weil ich es nicht besser wusste. Events für Influencer organisiert und selbst als solcher aufgetreten.

Heute gibt es sowieso nur noch wenige Blogs. Relativ zur Aktivität auf Instagram, Facebook und Twitter. Irgendwann nehme ich mir die Zeit und werte aus, wie viele von den Blogs, die sich bei blognetz registriert haben, noch aktiv ist. Ich vermute, dass es nur noch wenige sind. Mein letzter Blogbeitrag ist fast ein halbes Jahr alt. Anfang des Jahres habe ich mich an wöchentlichen Beiträgen probiert. Aber nicht lange durchgehalten. Weil zwanghaftes Schreiben auch nicht so super ist. Damals habe ich meist geschrieben, weil ich gar nicht anders konnte. Weil mir das Schreiben half meine Gedanken zu sortieren und ich keinen besseren Ort hatte, um mich auszudrücken. Und Kommentare. Ich liebe Kommentare. Oder ich liebte. Aufmerksamkeit, Rückmeldungen. Großartig. Zumindest damals. Heute sind auch Kommentare für viele ein Ort der Selbsterhebung. Je mehr Leute um die Kiste am Marktplatz stehen, desto zweifelhafter die Gestalten, die sich daraufstellen. Oder so. Früher war nicht alles besser. Gute Inhalte verbreiten sich wesentlich schneller über Facebook und Twitter, als sie es früher über Blogs schafften. Über diese Verbreitung kommen auch mehr Menschen auf einen Blog, dessen Autor_in sie nicht kennen und es wird reflexartig kommentiert. Dafür gab es früher mehr Kommentarspam. Jedes Kommentar ein Backlink. Super.

Ich verliere den Faden und das ist vollkommen in Ordnung. Ein Blogpost muss kein Essay sein.

Anfang des Jahres habe ich alle Tracking-Skripte aus dem Blog geworfen. Macht es auch einfacher mit der Datenschutzgrundverordnung. Wenn ich keine Klickzahlen habe, kann ich mich nicht an ihnen orientieren. Ich mache mir keine Sorgen, weil sie sich in die eine oder andere Richtung entwickeln, sondern ich kann mich aufs Schreiben konzentrieren. Und darum geht es mir. Mich mitteilen. Ohne dass mir irgendjemand hineinredet.

Blogs existieren nicht nur auf einem Spektrum von nicht-kommerziell zu kommerziell, sondern auch vielen weiteren. Die Professionalität ist nicht davon unabhängig. Gibt es auf der einen als auch anderen Seite. Dazu gibt es zahlreiche Unterteilungen. Perfekt ausgearbeitete Inhalte in schrecklichen Layouts oder hingeschluderte Texte, die schick aussehen. Und so viel mehr. Jedem das ihre. Nicht ganz. Natürlich existiert alles in einem Kontext und ich halte es für wichtig bestimmte Dinge zu kritisieren (etwa nicht gekennzeichnete Werbung) oder bei anderen Feedback zu geben oder zu helfen, falls dies gewünscht ist. Oft kann man sich auch einfach austauschen.

Und jetzt gehe ich meinen Feedreader aufräumen, weil es wie immer eine gute Zeit ist, mehr Blogs zu lesen.

Veröffentlicht von

Ich studiere Medienwissenschaften an der Uni Paderborn, arbeite freiberuflich als Social Media Analyst und veröffentliche jährlich einen Blogbeitrag.

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  1. „(…) Damals habe ich meist geschrieben, weil ich gar nicht anders konnte. Weil mir das Schreiben half meine Gedanken zu sortieren und ich keinen besseren Ort hatte, um mich auszudrücken.“

    Das ist es immer noch, was das/mein Blog für mich ausmacht. Und ich bin davon überzeugt, dass es eine auf längere Sicht ziemlich schlechte Idee ist, seine Gedanken in Platformen zu veröffentlichen, über die man letztlich keine Kontrolle hat. Daher finde ich die Ideen hinter dem „IndieWeb“ auch so spannend (https://indieweb.org/).
    Ich denke, letztlich bleibt nur der intrinsische Antrieb, denn gegen das andauernde Aufmerksamkeitshabenwillgewitter, was in FB, Twitter, Instagram et al tobt, kann man mit dem eigenen Blog sowieso nicht mithalten (wenn es denn keine seelenlose Selbstmarketingschleuder mit Fastfoodinhalten ist).
    Also ja, soll jede machen wie es will, Hauptsache, ich mache es richtig ;-)

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