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Studium 2.0 – Eine Ideensammlung

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„Und wenn alle Lehrenden das Internet verstanden haben, wird hoffentlich das sinnbefreite Auswendiglernen ein Ende haben“ – Luca Hammer 24. November 2008

Es gibt an den Universitäten einige Professoren, die sich gerne selbst zitieren, daher habe ich mir die Freiheit genommen, das auch einmal zu machen. Allerdings habe ich die Originalquelle, also mich, nicht mehr gefunden und musste auf Heinz Wittenbrink (Twitter) zurückgreifen. Da dieser an der FH Joanneum in Graz unterrichtet verleiht dem ganzen eine interessante Richtung. Doch dies nur als Einstieg.

Manche wissen es, andere erfahren nun, dass ich seit September letzten Jahres an der Uni Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiere. Doch über die Inhalte des Studiums möchte ich an dieser Stelle gar nicht zuviel schreiben, da braucht es noch einen eigenen Beitrag. Viel mehr interessieren mich die verschiedenen Möglichkeiten, wie man die aktuellen Möglichkeiten des Internet nutzen kann, um das Studium sinnvoll zur Weiterbildung nutzen kann und es nicht nur ein Zeitfresser im Alltag ist. Im folgenden werde ich mich spezielle mit Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, kurz PuKW, an der Uni Wien beschäftigen, aber viele Punkte wird man auch auf andere Studien umlegen können.

Aktueller Stand

Die Universität ist weit vom aktuellen Stand entfernt, aber dieses Problem beschränkt sich nicht nur auf die Technik, die online eingesetzt wird sondern auch was die Lehre selbst und die Verwaltung betrifft. Die Gründe dafür sind vielfältig. In meinen Augen ist eine große Schwierigkeit die der Verantwortung. Zu oft werden Dinge einfach an andere Personen weitergegeben bis sie in irgendeiner Schublade verstauben oder weggeworfen werden.

Ich kritisiere, dass sich viele der Lehrenden nicht mit aktuellen Entwicklungen in der Medienwelt auseinandersetzen und dieses an die Studenten weitergeben. Ich erwarte nicht, dass sich jeder der etwa 1500 Studienanfänger pro Semester mit dem Internet beschäftigt, weil es in der heutigen Welt noch nicht die selbe Macht besitzt wie klassische Massenmedien, aber wenn sich jemand damit beschäftigt sollte er oder sie es richtig machen. Zu viele Arbeiten zu dem Thema sind mir bereits untergekommen, die schon im Titel falsch waren und sich dies in der Arbeit durchgezogen hat. Dieses Problem führe ich auf zwei Dinge zurück. Auf der einen Seite das grundsätzlich fehlende Interesse am wissenschaftlich arbeiten. Oft hört man den Satz, dass die Studenten Journalisten oder ähnliches werden wollen und auch in einigen Arbeitstechniken wird dies suggeriert, aber dann ist dieses Studium falsch. Man kann damit ein guter Journalist werden, aber wenn man studiert dann sollte man ein gewisses wissenschaftliches Interesse mitbringen oder den Mut haben das Studium wieder zu beenden, wenn es nicht so ist.

Ich kritisiere das Online-Angebot der Universität Wien. Zwar gibt es Ansätze dieses zu verbessern, aber wenn man weiß was möglich ist, kann man nur den Kopf schütteln. Momentan gibt es drei große Onlineplattformen, die parallel genutzt werden. Deren Bedienung ist teilweise umständlich und viele Studenten kennen sich nicht aus. Weiters kommen noch verschiedenste Anmeldeseiten und das Forum der IG Publizistik hinzu. Auch ein Wiki wurde aufgesetzt, welches momentan unerreichbar ist.

Positive Ansätze wie Audio- und Videostreaming werden unnötig kompliziert gemacht und die Server zu klein konzipiert. So kann man den Audiostream herunterladen, Video jedoch nur wenn man sich auskennt und das tun die wenigsten. Die offiziellen Foren sind in der Bedienung äußerst schlecht und werden von vielen Studenten gar nicht genutzt. Hinzu kommt die fehlende Kompetenz vieler mit dem Forum umzugehen, wenn es beispielsweise darum geht die Suche zu benützen oder Dateien hochzuladen.

Mitschriften werden per Mail getauscht, auch wenn es ein paar positive Beispiele gibt, wo jemand das ganze Semester dranbleibt und seine Mitschrift netterweise hochlädt und somit der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Dass es nicht umsonst ist, konnte ich dabei auch sehr gut beobachten, weil diesen Leuten als erstes geholfen wurde, wenn sie eine Frage hatten. Mitschriftverzeichnisse werden zur Schließung gezwungen oder verstecken sich als wären sie Verbrecher. Ein paar kommerzielle Angebote mit winzigem Angebot wollen persönliche Daten sodass man erst nach Registrierung feststellen kann, ob sich ebendiese lohnt.

Solidarität unter den Studenten gibt es nur selten. Die meisten lernen stur auf die nächste Prüfung und sind froh, wenn sie ansonsten nicht zuviel vom Studium mitbekommen.

Umdenken

Mir geht es in diesem Beitrag nicht darum wie die Universität das Studium verbessern kann, sondern wie wir, die Studenten, mehr aus dem Studium herausholen können. Es ist mir klar das die Universität einen großen Anteil daran hat,wie die Studenten durch das Studium gehen, aber ich glaube nicht, dass man diesen Apparat in kurzer Zeit ändern kann. Dennoch werde ich mich in einem der nächsten Beiträge damit beschäftigen, wie man das Studium von Universitätsseite aus verbessern kann.

Als Student habe ich die Möglichkeit, dass ich von heute auf morgen die Art des Studierens ändere. Ich kann freiwillig Literatur lesen, die mich interessiert und in Lehrveranstaltungen meine Sichtweisen einbringen. Es steht mir frei mir jegliches Wissen anzueignen und meine ungenützte Zeit, von der man in vielen Studien ausreichend hat, einzuteilen wie ich es für sinnvoll halte. Dafür ist jedoch ein Umdenken nötig. Weg vom Fokussieren des Abschluss, hin zum wissenschaftlichen Denken.

Oft sitze ich in Lehrveranstaltungen und das Desinteresse der anderen Studenten versucht mich direkt niederzuknüppeln. Ein Beispiel. Es geht darum, dass man auf Präsentationen konstruktives Feedback gibt. Aus Zeitmangel werden mehrere Präsentationen nacheinander gehalten, bis es Feedback gibt. Die Studenten wiederholen grundsätzlich, was die, die zuerst drankommen gesagt haben und wissen teilweise nicht einmal wie viele Präsentationen waren. Drei oder fünf, waren eh alle ganz gut, so frei gesprochen und die Folien waren auch ok. Ich zähle einige negative Punkte auf, versuche auch positives hervorzuheben, was mir teilweise schwer fällt. Ich bin aber auch nicht viel besser. Auf einige Prüfungen lerne ich einfach den Fragenkatalog auswendig, nicht weil mich der Inhalt der Vorlesung nicht interessiert, sondern weil ich faul bin und die Fragen so gestellt sind, dass man mit auswendig lernen eine bessere Note bei weniger Aufwand bekommt.

Ich sehe es beim Studium gleich wie bei der Arbeit. Es muss Spaß machen. Man kann nicht für alles Interesse aufbauen und in sich für jeden Teil des Studiums begeistern. Wie schafft man es nun aus dem Studium trotzdem mehr herauszuholen, als bloß einen akademischen Titel? Ich sehe im Internet nicht die Lösung für alle Probleme, sondern nur als Tool, welches Dinge erleichtern und verbessern kann. Ein paar Ideen.

Netzwerk aufbauen

Oft wird gesagt wie wichtig es ist während des Studiums ein Netzwerk aufzubauen, welches einem im späterem Leben helfen kann. Ich halte wenig von Personen, die zwanghaft Leute kennen lernen, möglicherweise umfassende Adressbücher führen, mit welchen sie immer wissen, wer ihnen gerade weiterhelfen kann. Wichtiger sind echte Freunde. Menschen, denen man lieber gibt, als nimmt und dennoch nicht ausgenutzt wird. Wenn ich aber vom Netzwerk aufbauen spreche, geht es nicht um das persönliche, sondern um das der Studenten allgemein.

In meinen Augen wäre es die Aufgabe der Studienvertretung, allerdings scheint diese dabei nicht besonders erfolgreich zu sein. Das einzige was funktioniert sind die Parties, ob sich dadurch mein Studium verbessert, ist eine andere Frage. Schaut man sich die aktuelle Entwicklungen an, die Studieneingangsphase des Publizistik- und Kommunikationswissenschaftenstudium wurde in zwei Module unterteilt, durch welche ein Quereinstieg im Sommersemster fast unmöglich gemacht wird. Die Studienvertretung hat dagegen protestiert, jedoch ohne Erfolg. Mit einem guten Netzwerk könnte man hier wesentlich mehr Druck ausüben.

Es liegt sowohl am Mindset der Studenten, als auch bei den Möglichkeiten näher zusammenzurücken. Das Forum funktioniert mehr oder weniger. Vor allem die Bereiche, wo es darum geht, dass sich jemand nicht auskennt oder wie man eine Prüfung schafft. Der Bereich, wo Studenten ihre Wünsche, Anregungen und Ideen an die Studienvertretung herantragen können ist mit einem einzigem Beitrag schwach bestückt. Offensichtlich entsteht im Forum kein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Auf Facebook gibt es eine Page wo man Fan von der IG Publizistik werden kann, obwohl es auf der Startseite der Studienvertretung angekündigt wird, überrascht es mich nicht, dass es momentan nur knapp über 50 Fans gibt. Die Community meines Blogs umfasst etwas mehr als 80 Mitglieder. Bedenkt man, dass jedes Semester über 1000 Studenten dieses Studium beginnen eine winzige Zahl.

Ein anderer Ansatz ist sind die Erstsemestrigentutorien. Höhersemestrige Studenten treffen sich mit Erstsemestrigen, gehen etwas trinken, tauschen sich aus, helfen weiter. Ich war zu Beginn des Studiums bei ein paar, aber habe schnell die Lust verloren. Ein bisschen über die Professoren lästern, ein paar Tipps und viel Alkohol. Keine kritischen Diskussionen, keine Anregungen für ein besseres Studium, nichts spannendes.

Wichtig wäre präsent zu sein und die Studenten anzuregen sich zu vernetzen. Ihnen immer wieder vor Augen führen, welche Möglichkeiten sich dadurch ergeben und dass es wichtig ist, wenn man will, dass das Studium mehr als auswendig lernen ist. Dazu werden aber auch die richtigen Tools benötigt. Die aktuelle Website ist bereits fünf Jahre alt und der Blog wird zu wenig genützt.

Lernen erleichtern

Tausende Studenten, die Semester für Semester Stoff auswendig lernen. Viele schreiben selbst in der Vorlesung mit, manche teilen ihre Mitschriften mit anderen und andere suchen sich zusammen was sie brauchen. Oft von Leuten, die sie persönlich kennen, aber auch immer öfter übers Internet. Hier hat es einen guten Ansatz gegeben, ein Wiki wurde aufgesetzt, doch dieses ist momentan unerreichbar. Wichtig ist es vorhanden Inhalte einzupflegen und die Studenten dazu anzuregen am Wiki mitzuarbeiten. Es sollte bei der Anzahl nicht besonders schwer sein ein umfassendes Nachschlagwerk für jede Vorlesung zu erstellen. Prüfungsfragen von vergangenen Terminen und Links zu Zusatzliteratur. Weiter könnten viele Begriffe erklärt werden, wodurch man sich nicht immer wieder durch Standardwerke wühlen muss und der Professor dann doch etwas anderes erwartet.

Es reicht wenn zu Beginn nur eine kleine Gruppe am Wiki arbeitet, wenn andere stehen wie sehr es das Studium erleichtert, werden sich neue finden, die es aktuell halten und mitarbeiten. Aber die Studenten müssen wissen, dass es ein Wiki gibt und dass sie mithelfen müssen.

Weiters kann man sich ein Verzeichnis für Lerngruppen überlegen. Entweder im Forum oder im Wiki.

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Man wird es nie schaffen alle Studenten zu erreichen. Viel zu viele haben eine falsche Vorstellung vom Studium und ziehen es trotzdem durch. Sie interessieren sich nicht für die Forschung, sondern wollen nur möglichst bald fertig sein. Am besten mit wenig Aufwand. Aber es gibt auch andere.

Ich bin davon überzeugt, dass es sehr spannende Leute in diesem Studiengang gibt. Diese gilt es zu finden. Kein elitäres Netzwerk, aber eine Gruppe von Menschen, die mehr wollen. Studenten mit Visionen. Aufzeigen was möglich ist. Aktionen, die inspirieren. Gemeinsam kann man einen neuen Weg durchs Studium finden, sich gegenseitig pushen und sich mit den wirklich interessanten Dingen beschäftigen.

das heißt?

Es braucht Veränderung. Die Studenten, die etwas ändern wollen, müssen sich vernetzen und die Masse an ihrem Vorsprung teilhaben lassen.

Aufhören zu jammern und die Sache selbst in die Hand nehmen.

Bild: Wesley Fryer
Teile des Beitrags inspiriert durch Hannes

Veröffentlicht von

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