Schlagwort: Twitter

  • Interview für ARD Politikmagazin Kontraste zu rechten Aktivisten auf Twitter

    Am 19. Februar habe ich eine Email von einem ARD-Redakteur bekommen. Er bat um ein Telefonat zu meiner Auswertung zu den Twitteraktivitäten rund um den ARD Film Aufbruch ins Ungewisse. Die Analyse habe ich gemeinsam mit Laura Lucas für Übermedien gemacht. Das Telefonat fand am folgenden Tag statt, in dem ich erklärt habe, wie ich bei der Auswertung vorgegangen bin und was wird dabei herausgefunden haben. Am Ende wurde ich gefragt, ob ich die gleichen Dinge wie im Telefonat auch vor der Kamera sagen würde. Das konnte ich bejahen. Dann gab es noch den Hinweis, dass es nicht sicher sei, dass sie mich interviewen wollen, aber sie würden sich in Kürze nochmals melden. Nach dem Telefonat habe ich mich nochmals mit den Daten beschäftigt und dem Redaktuer ein vierseitiges PDF mit zusätzlichen Auswertungen geschickt, über die wir gesprochen haben. Etwa dass die 6% als Reconquista Germanica zugeordneten Accounts während der Ausstrahlung für 20% der Tweets und 30% der Retweets verantwortlich waren.

    BR Data hat sich alle Tatorte im Jahr 2016 angesehen. Im Schnitt hatten sie jeweils knapp 10 000
    Tweets. Ich bin mir nicht sicher, ob hier nur Tweets oder auch Retweets gezählt werden.
    Normalerweise wird beides zusammengezählt. Meiste Tweets an einem Abend: 20 557, am
    wenigsten: 2 870. http://web.br.de/interaktiv/tatort/

    Mit etwa 13 000 Tweets wäre #Aufbruch also ein durchschnittlicher Tatort.

    Zwei Stunden Dreh

    Am Nachmittag kam kam dann die Info, dass man schon am nächsten Tag bei mir vorbeikommen möchte. Ursprünglich als eine halbe Stunde angesetzt, hat es am Ende über zwei gedauert. Aufbau der Technik und Wiederholungen der einzelnen Aufnahmen. Im Gegensatz zu bisherigen Interviews wurde mehr Wert auf präzise und kompakte Aussagen gelegt. Ich tendiere dazu Hintegrundinformationen hinzuzufügen, sodass meine Antworten ausfranzen.

    Der grundsätzliche Inhalt für das Interview war durch das vorherige Telefonat schon klar. Während dem Interview wurde mir grob der Aufbau des Beitrags erklärt und es wurden zwei Möglichkeiten gefilmt, weil man noch nicht wusste, wie die restlichen Aufnahmen ablaufen würden. Dabei ging es nicht, um eine Beeinflussung des Inhalts. Dieser wurde durch die vorherige Recherche eingeschränkt. Bei dem Interview ging es darum, die recherchierten Informationen in ein passendes Format für das Publikum zu packen. Die eine Version ging davon aus, dass im Beitrag erst später auf Reconquista Germanica eingegangen wird, ich sprach also von einer kleinen Gruppe von Accounts. Bei der zweiten Version ist man davon ausgegangen, dass Reconquista Germanica schon zuvor gezeigt wurde. Ich nannte sie also beim Namen.

    Von dem vermutlich eine Stunde langem Material haben es 30 Sekunden in den siebenminütigen Beitrag geschafft.


    YouTube-Mirror

    Kritik am Beitrag

    Es ist immer schwierig komplexe Themen in einem kurzen Beitrag so zu vermitteln, sodass die Zuseher_innen, die noch nie etwas damit zu tun haben, sie verstehen und zugleich alles korrekt dargestellt wird. Insgesamt finde ich den Kontraste-Beitrag gelungen.

    Problematisch finde ich die Stelle, bei der man die Aussage von @darksideofkek, dass man gute Kontakte zu Russland pflegen würde, so stehen lässt und dann noch verstärkt indem man fragt, ob russische Stellen über Reconquista versucht haben den Wahlkampf zu beeinflussen und Anfragen dazu unbeantwortet blieben. Das Narrativ der „russischen Trolle“ verschiebt die Verantwortung ins ungewisse Fremde und erstellt einen Goliath, den es nicht gibt. Schaut man sich die Dynamiken auf dem Discord-Server sowie auf Twitter an, ist das eine Gruppe von Deutschen, die mehrere Fake-Accounts betreiben. Teilweise arbeitete man mit internationalen Rechten zusammen, was im Umfeld der Identitären nichts neues ist. Aktionen werden gegenseitig durch Tweets und Retweets verstärkt. Da braucht es keine verborgenen Fadenzieher.

    Mich interessiert, wie bewusst Rechten auf Twitter die Dynamiken sind. Dass viele Aktionen von einer kleinen Gruppe initiiert werden. AfD-Politiker_innen behaupten gerne, dass die stille Mehrheit hinter ihnen steht. Auf Twitter ist sie plötzlich laut und das gibt ihnen das Gefühl, dass da wirklich was dran ist. Und dann sind es doch nur Fake-Accounts. (Ich zweifle nicht daran, dass viele Menschen menschenverachtende Einstellungen haben und viele dies auf Twitter zum Ausdruck bringen. Aber es ist nicht die Mehrheit.)

  • Hashtags: Einführung und Praktiken

    Hashtags: Einführung und Praktiken

    Ich habe diese Woche an der Universität Paderborn im Rahmen des Seminar „Popkulturelle Praktiken des Internets“ einen kleine Präsentation zu Hashtags gesprochen. Weil ich es im Vorfeld versprochen habe und ich sowieso finde, dass man viel mehr in dieses Internet schreiben sollte, hier die schriftliche Version davon. Und für alle Menschen, die nicht so gerne lesen sondern mir lieber zuhören und -sehen habe ich den Vortrag zuhause nachgestellt. Etwa dreißig Minuten. Redundanz yay.

    Hashtags gibt es es Twitter, Facebook, Instagram und auf zahlreichen anderen Services. Tags als solche sind aber noch viel weiter verbreitet. Etwa bei Blogs als zusätzliche Einsortierung neben Kategorien, beim Bookmarking und auch bei ganz normalen Dokumenten. Unter Windows heißen sie etwa Markierungen, was auch schon etwas auf die Problematik des Wortes Tag hinweist, da es sowohl Schlagwort als auch Markierung bedeuten kann.

    Ausarbeitung des Begriffes

    Im Reader zum Seminar gab es zwei Texte (Müller-Prove, Matthias (2008): „Modell und Anwendungsperspektive des Social Tagging“. In: Birgit Gaiser/Thorsten HampeI/Stefanie Panke (Hg.), Good Tags – Bad Tags: Social Tagging in der Wissensorganisation. Münster et al.: Waxmann, S. 15-22.)
    und (Panke, Stefanie/Gaiser, Birgit (2008): “ ‚With my head up in the clouds‘ — Social Tagging aus Nutzersicht“. In: Birgit Gaiser/Thorsten HampeI/Stefanie Panke (Hg.), Good Tags – Bad Tags: Social Tagging in der Wissensorganisation Münster et al.: Waxmann, S. 23-35). Matthias Müller-Prove beschreibt „Tagging als elektronisches Äquivalent des Post-Its“. Das ist meiner Meinung nach zu kurz gegriffen, was auch damit zu tun hat, dass es nur ein Fragment des ganzen Textes ist. Mit einem vollkommen unzureichenden Blick auf Tagging in anderen Bereichen möchte ich versuchen die Bedeutung von Tags im Sinne von Hashtags besser herauszuarbeiten.

    Price-Tags, also Preisschilder, kommen an Müller-Proves Beschreibung gut ran. Ein kleines Schild mit ein bisschen Zusatzinformation zum Ding, an dem es klebt. Ein Dog-Tag, wie man ihn aus dem Militär kennt, hat schon eine spezifischere Bedeutung. Es geht um die Identifizierung der Träger_in. Gleich wie bei den Dog-Tags, die Hunde tragen. Und dann gibt es noch HTML-Tags. Diese zeichnen einen Inhalt aus. Sie geben ihm eine andere Bedeutung, als wenn der Inhalt ohne dem Tag da wäre. Aus einem Wort kann so ein Titel werden. Oder es kann etwas besonders betont werden. Und so weiter.

    Zetelkasten des Romanist Hans Robert Jauß. Mittelalterliche Tierdichtung Foto: DLA Marbach
    Zetelkasten des Romanist Hans Robert Jauß. Mittelalterliche Tierdichtung
    Foto: DLA Marbach

    Tagging gibt es auch als Praxis des Wissensmanagements. Etwa beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit kann man einen Zettelkasten anlegen. Im Zettelkasten befinden sich Registerblätter mit den Schlagworten bzw. Tags und dann werden entsprechende Textstellen und/oder Fundstücke dort einsortiert. Jedoch nicht die Dinge selbst, sondern Verweise darauf. Ein Zettelkasten ist somit der Tag-Wolke eines Blogs sehr ähnlich. Man sieht sofort bei welchen Begriffen die meisten Verweise sind und kann über sie relativ einfach wieder zu den ursprünglichen Dingen kommen. Heute gibt es Zettelkästen digital und zahlreiche Tools, die ähnliche Funktionen aufweisen.

    Auch Bibliotheken setzen auf Schlagwortkataloge. Ein Buch kann nur an einer Stelle im Regal stehen, aber ist wahrscheinlich in mehreren Bereichen relevant. Im Schlagwortkatalog kann es mehrmals auftauchen, weil es sich auch hier um Verweise handelt.

    Zusammenfassend würde ich die Bedeutung des Tags bei Hashatsg mit Markierung, Identifizierung und Kategorisierung festlegen.

    Die Raute

    Die Erfindung von Hashtags wird Chris Messina zugeschrieben. Ein Tweet vom 23. August 2007 ist dabei das erste öffentliche Dokument dazu. Im weiteren Verlauf wurde die Nutzung auf Twitter und diversen Blogs ausverhandelt. Stowe Boyd und viele anderen waren beteiligt. Das ist eine nette Erfinder-Geschichte, aber wie wir wissen, passieren solche Dinge selten im leeren Raum. Vor allem wird es erst durch die breite Nutzung zur allgemeingültigen Praktik. Zwei Monate vor dem Tweet von Messina ist Pownce gestartet. Ebenfalls ein Mikrobloggingservice, gegründet von Kevin Rose, Leah Culver und Daniel Burka. Dort konnte man Nachrichten an bestimmte Gruppen posten. Jaiku, welches etwa ein Monat vor Twitter gegründet wurde, hat etwa zwei Monate vor dem Tweet ein Feature veröffentlicht: Channels. Man schreibt an den Beginn der Nachricht einen Begriff mit führendem # und die Nachricht wird automatisch im Channel #Begriff veröffentlicht. Dies könnten wiederum auf Channels bei IRC zurückgeführt werden, welche ebenfalls aus ‚#‘ und dem Namen bestehen. Messina gibt Jaiku auch als Inspirationsquelle an und sein erster Vorschlag übernimmt die dortige Funktionsweise 1 zu 1: ‚#barcamp [msg]‘.

    Rein technisch hätte es keine Raute sein müssen. Jedes Sonderzeichen würde funktionieren, um Begriffe zu erweitern. Durch die Nutzung bekommen diese dann eine neue Bedeutung und man kann speziell nach ihnen Suchen. Würde eine Suche nach dem Begriff ‚lost‘ zahlreiche Ergebnisse aus unterschiedlichsten Kontexten bringen, bekommt man aus der Kombination ‚#lost‘ eine ganz andere Auswahl. Sucht man zum richtigen Zeitpunkt, dann sind das hauptsächlich Tweets zur Fernsehserien Lost. Früher™ nutzte man den Drittanbieter Summize zum Suchen. Weil dieser so großartig funktionierte, wurde er später von Twitter gekauft und in das Service integriert.

    Erst seit 2009 verlinkt Twitter Hashtags in Tweet automatisch, sodass man nur darauf klicken muss, um weitere Tweets mit dem selben Hashtag zu finden. Drittanbieter haben solche Funktionen schon früher gehabt.

    Hashtagpraxis

    In der Vorbereitung zum Vortrag und diesen Artikel habe ich mich mit anderen Nutzer_innen ausgetauscht und Hashtags gesammelt, um den Versuch zu Starten, die Nutzung zu kategorisieren. Mit der Zeit haben sich zwei Möglichkeiten als nützlich herausgestellt. Einmal nach Zweck des Hashtags, also warum ein Hashtag in einem Tweet verwendet wird, und einmal nach Art des Hashtags, also wie er verwendet wird.

    Zweck des Hashtags

    zweck des hashtags

    Es ist unmöglich den Zweck eines Hashtags alleine aus dem Hashtag zu ziehen, man braucht die Tweets, in denen er verwendet wird dazu. Und selbst dann ist es nicht immer möglich auf die Motive der Autor_in zu schließen. Dennoch hilft es bei einer grundsätzlichen Einordnung.

    Ich konnte drei grundsätzliche Zwecke feststellen. Diese überschneiden sich in fast allen Fällen und es kommt somit zu Aussagen, dass ein bestimmter Hashtag eher so oder eher so genutzt wird.

    Hashtags werden genutzt, um ein bestimmtes Publikum zu erreichen. In vielen Fällen soll ein größeres Publikum erreicht werden, oft geht es aber auch darum ein sehr bestimmtes Publikum zu erreichen, etwa bei Hashtags von kleineren Personengruppen, die sich über den Hashtag miteinander vernetzen.

    Über Hashtags wird der Inhalt der Nachricht durch die Autor_in eingeordnet. Etwa indem der Inhalt explizit beschrieben wird (häufig bei Instagram) oder er in eine bestimmte Kategorie eingeordnet wird.

    Schließlich können Hashtags auch Kontext / Interpretationshilfe liefern, der den Leser_innen hilft den Inhalt zu interpretieren.

    In der Präsentation habe ich folgende Hashtags genutzt, um das Einordnen vorzuführen: #tatort #rp15 #igersAustria #ff #informatikfilme #nicht #bchh #nonmention #food #kuchen #ironie #inabudhabi #deinnrw „#betonung“ #foodporn #happy #backen #dataviz #unibrennt #nachspeise #text #video #merkel .

    Jeder Hashtag kann je nach Tweet unterschiedlich zwischen den drei Bereichen verortet werden. In vielen Fällen gibt es aber eine Durchschnittsposition. Während #igersaustria, die Kurzform für Instagrammers Austria, in erster Linie genutzt wird, um ein bestimmtes Publikum zu erreichen, ist #happy eine Zusatzinformation, um einen Inhalt besser interpretieren zu können, man wird aber darüber nur selten mehr Menschen erreichen.

    Art des Hashtags

    Arten von Hashtags

    Meine Liste an Arten ist lange nicht vollständig und auch nicht trennscharf. Auch die Größen und Positionen der Kreise sind eher beliebig. Falls ich Zeit finde, werde ich daran weiterarbeiten. Vielleicht können sie auch jemand anders als Grundlage dienen.

    Veranstaltung / Ereignis

    Der wahrscheinlich populärste Bereich. Vielleicht müsste man ihn weiter teilen. Es gibt physische Veranstaltungen wie #rp15 (Konferenz re:publica 2015), #bchh (Barcamp Hamburg) und andere, aber auch virtuelle Ereignisse wie #tatort (gemeinsames Tatort-Schauen und kommentieren). Medienereignisse haben auch oft Hashtags wie #NSAUA (NSA Untersuchungsausschuss).

    Thema

    Der vielleicht schwammigste Bereich. Auch #tatort ist ein Thema. Oder #nsaua. Ich meine damit vor allem generische Themen wie #food, , #dataviz, #kuchen, #laufen. Hashtags, die lediglich als Kategorie agieren.

    Ort

    Ähnlich wie Thema, aber etwas spezifischer. , , .

    Name

    Ebenfalls ein Unterbereich von Thema. #merkel, #williams, #luca.

    Gruppe

    Die Vernetzung der Personen, die den Hashtag nutzen steht im Mittelpunkt. #igersAustria (Instagrammers Austria), #rp15at (Österreicher_innen auf der re:publica 2015).

    Meme

    Meme sind meist zeitlich beschränkt. Auf Twitter dauern sie selten länger als ein paar Tage. Hashtags wie #informatikfilme (Filmtitel werden so abgeändet, dass sie im Zusammenhang mit Informatik witzig sind). Meme können sich aber aus dem ursprünglichen Kontext lösen und dauerhafte Plätze bekommen. Etwa #ff (Follow Friday, am Freitag werden folgenswerte Accounts damit empfohlen) oder #foodporn (zur Beschreibung von „geilem“ Essen).

    Emotion

    Hashtags können auch genutzt werden, um eine Stimmung explizit zu machen. Manchmal weil sie aus dem Inhalt alleine nicht hervorgeht oder um sie noch zu verstärken. #happy, #sad, #funny, #feelingweird.

    Marketing-Kampagne

    Organisationen nutzen Hashtags gerne für Kampagnen. Für einfacheres Tracking und ein Gefühl von Viralität. Meist mit der Aufforderung an die Nutzer_innen bestimmte Inhalte damit zu taggen. #inabudhabi, #deinNRW.

    Gesellschaftspolitische Kampagne

    Hashtags werden natürlich auch für gesellschaftspolitische Kampagnen genutzt. #unibrennt (Universitätsbesettzung und Kampagne für bessere Bildung), #stuttgart21 (gegen das Banhofsprojekt) oder #notbuyingit (Aufmerksam machen auf Sexismus und Boykott).

    Unterton / Kontext

    Ein Bereich, den ich sehr spannend finde, der aber auch schwer greifbar ist. Hashtags, die dem Inhalt unter Umständen eine vollkommen andere Bedeutung geben oder etwas betonen oder eine Haltung offenlegen. #nicht und #ironie (explizit machen, dass es anders gemeint ist), und #win (besonders schlecht oder besonders gut). Hier fällt auch das verhastaggen von einzelnen Worten in einer Nachricht hinein, was schwer ohne Beispiel beschreibbar ist. „Luca macht #alles falsch“. #nonmention (Der Tweet handelt von einer bestimmten Person, die aber extra nicht genannt wird. Der Hashtag macht das explizit.)

    Technisch

    Hiervon gibt es nur sehr wenige. Hashtags, die nur dazu genutzt werden, damit ein Inhalt automatisch weiterverarbeitet wird. #fb (eine App, etwa selective tweets, postet den Tweet automatisch auf Facebook), #dbl (Deutsche Bahn Locator. Das Service extrahiert aus Tweets mit dem Hashtag Zugnummern und benachrichtigt Personen, wenn sie im gleichen Zug sitzen.)

    Video des nachgestellten Vortrags

  • Twitterwalls bei Konferenzen

    Die Social Media Week Berlin hat erneut die Diskussion über Twitterwall bei Konferenzen entfacht. Mathias Richel findet sie unhöflich, weil die Menschen anscheinend jeglichen Anstand verlieren sobald sie nicht mehr den Mund öffnen müssen, sondern irgendwo im Hintergrund ihren Schwachsinn ins Handy oder den Laptop tippen können. Meist wird nicht inhaltlich beigetragen, sondern die Tweets laufen lediglich auf Selbstpromotion und Unterhaltung hinaus. Wir sind ja alle so witzig. Johnny Häusler nimmt den Beitrag in Betracht der kommenden re:publica 2010 in deren Blog auf, versucht das Thema differenzierter zu sehen und weist auf den hervorragenden Live-Rückkanal hin, der eine Twitter wall sein kann.

    Ganz oder gar nicht?

    Ich kann mich noch an die re:publica 2008 erinnern, ich war erst seit kurzem, 8. Jänner, bei Twitter und habe miterlebt, wie die Konferenz Twitter einen ordentlichen Schub in der deutschen Webszene gegeben hat. Seitdem habe ich viele Veranstaltungen mit und ohne Twitterwalls, auch Fake-Twitterwalls (nur per SMS), erlebt. Manchmal hat es gut funktioniert, manchmal gar nicht. Aber auch wenn keine vorhanden war, habe ich mir öfters eine gewünscht und daran gedacht, was den Menschen entgeht, die kein Smartphone haben und die Diskussion zum Vortrag auf Twitter nicht mitbekommen. Ich kann mich erinnern, wie sich die Leute auf Twitter immer wieder während Veranstaltungen darüber aufregen, dass es außer die Personen, die dort sind niemanden interessiert, was man dazu schreibt. Doch ich bin weder für noch gegen Twitterwalls. Vielmehr kommt es darauf an wann und wie eine Twitterwall eingesetzt wird. Ich male einmal ein paar Szenerien aus, wie alle profitieren können, ohne zu behaupten, dass das die endgültige Lösung für das Problem ist. Lediglich Ansätze.

    Szenarien

    Unter welchen Vorraussetzungen könnte eine Twitterwall funktionieren?

    Im Foyer

    Die Wall muss nicht immer im Raum des Panels, des Vortrags aufgebaut sein, sondern darf ruhig draußen stehen. So bekommen die Teilnehmer mit, dass eine aktive Beteiligung erwünscht ist, aber das Publikum bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die die Vortragenden, Diskutanten bekommen. Wer ein Smartphone hat kann die Online-Diskussion einfach darauf mitverfolgen und teilnehmen. Es gibt keine gemeinsamen Lacher, weil alle in anderen Frequenzen die Tweets abrufen und die Diskutanten werden nicht gestört. Klarer Nachteil ist, dass alle ohne Smartphone ausgeschlossen werden. Man sieht zwar draußen, was gerade los ist und kann zum Vortrag gehen, wenn es spannend scheint, aber das Publikum wird nicht in die Diskussion integriert.

    An der Seitenwand

    Bei der letzten re:publica war die Twitterwall riesig und bekam unter anderem darum mehr Aufmerksamkeit als die Diskutanten selbst. Wenn man sie jedoch kleiner macht und vielleicht nur irgendwo seitlich neben der Bühne aufstellt, hat sie nicht diesen Einfluss. Es bleibt aber die Ablenkung für Publikum und Diskutanten.

    Ohne Wall

    Der Moderator oder ein Co-Moderator liest die Tweets mit und bringt interessante Fragen oder Anmerkungen in die Diskussion ein. Damit bekommen alle die Honighappen mit, das Publikum kann sehr niederschwellig teilnehmen und niemand wird abgelenkt. Außer der Moderator versinkt zu sehr in die Tweets. Zugleich lässt man das Publikum nur begrenzt miteinander diskutieren und wird bald einmal mit Zensurvorwürfen beworfen werden. Doch damit sollte man kein Problem haben. Ich halte diese Methode besonders dann sinnvoll, wenn Diskutanten dabei sind, die die vollen Wucht des Social Web Zynismus nicht gewohnt sind. Es ist so etwas wie Publikumseinbindung light. Gute Erfahrungen für so etwas habe ich mit Livestream-Chats gemacht.

    Moderierte Wall

    Da ich Nachzensur in diesem Fall sinnlos finde (was einmal gelesen wurde, kann nicht ungelesen gemacht werden), muss wirklich jemand die ganze Zeit am Twitterstream hängen und die guten Beiträge auf die Twitterwall holen. Das kann bei einem großen Tweetaufkommen recht anstrengend sein, hält aber die ganzen Selbstpromoter und ichwillauchmalaufdiewall Poster ab. Wenn sich die Qualität der Beiträge soweit verbessert hat, dass fast jeder Tweet zugelassen wird, kann man auch auf Nachzensur umschalten. Allerdings muss man sich dafür erst ein System schaffen, mit dem es effizient umgesetzt werden kann.

    Zeitfenster

    Warum muss die Wall eigentlich immer laufen? Publikumseinbindung kann einfach nicht durchgehend stattfinden, wenn die Session nicht darauf ausgelegt ist. Etwa eine Frage-Antwort-Session. Je nach Dauer der Session kann man daher die Twitterwall mehrmals dazwischen oder nur am Ende anschalten, wenn Fragen gestellt werden können. Auch zwischen den Sessions, damit man sich darüber unterhalten kann, wo man als nächstes hinschaut. Grundsätzlich geht es aber darum, dass sich die Podiumsteilnehmer auf die Wall, das Publikum konzentrieren und auf die Dinge dort eingehen können. Die parallele Diskussion läuft so oder so ständig und muss nicht unbedingt auf die Wall produziert werden. Auch wenn dadurch einige Teilnehmer davon ausgeschlossen werden.

    Soweit meine Ideen. Ich bin mir sicher, es gibt noch mehr Möglichkeiten und ich wäre da auf eure Meinungen gespannt. Gerne auch als eigene Beiträge. Und sonst sieht man sich auf der re:publica.

  • Twitter – Zwischen Leben, Trash und Lyrik.

    Eine halbe Million Zeichen ((Die genaue Zahl dürfte höher sein. Durchschnittliche Tweetlänge multipliziert mit der Anzahl der Tweets)), verteilt auf über 8000 Nachrichten. Hunderte Menschen, die ich verfolge und noch mehr, die hin und wieder einen Blick in mein Leben werfen. Ein Rückblick auf 500 Tage Twitter, Relevanzdiskussionen, Technophilie und dem Einfluss auf mein Leben.

    Erst dachte ich ja: Titten? ((Das ist ein Link, klicken!))

    Am 8. Jänner 2008 habe ich mich bei Twitter registriert. Den ersten Tweet finde ich leider nicht mehr, jedoch kann ich mich noch gut daran erinnern, wie ich mich zuvor mehrfach gegen eine Registrierung entschieden habe, weil ich keinen Sinn in diesem Dienst sah. 140 Zeichen. Man kann ja auch mit 140 Zeichen Blogeinträge schreiben. Das ist noch kein Grund sich bei einem weiteren Dienst anzumelden. Diese Unverständnis erfahre ich auch heute noch oft, wenn ich über den Dienst spreche. Neben den fehlenden Sinn haben sich noch weitere Vorurteile gesellt, woran die klassischen Medien nicht ganz unschuldig sind.

    • Das sind alles Belanglosigkeiten.
    • In 140 Zeichen kann man gar nichts vermitteln.
    • Twitter lenkt ständigt ab.
    • Dort gibt man alles von sich preis.
    • Das ist viel zu chaotisch.
    • So vielen Nachrichten kann man gar nicht lesen.
    • Twitter hat nichts mit dem Leben zu tun.

    Mehr gibt es bei Klaus Eck ((Klaus Eck nimmt hier die Rolles des Advocatus Diaboli ein)) und Antworten dazu bei Hannes Offenbacher oder Benedikt Köhler.

    Ich habe mich damals angemeldet, weil Pia Januszek es auch gemacht hat. Ob man das nun Herdentrieb, Netzeffekt oder Peer Pressure nennt, spielt am Ende keine Rolle. Mein Vorteil war, dass ich schon jemanden hatte, dem ich folgen konnte. Über die Follower und Following von Pia fand ich auch bald zu weiteren Menschen, die mich interessierten und/oder die ich bereits von ihren Blogs kannte. Den Initiationsritus in Twitter aus kulturanthopologischer Sicht erklärt Jana Herwig in folgender Präsentation.

    Twitter hat nichts mit dem Leben zu tun

    Twitter hat nichts mit dem Leben zu tun. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Twitter hat nichts mit dem Leben zu tun. Der Satz kommt einem „Briefe schreiben hat nichts mit dem Leben zu tun“ nahe. Oder „Plaudern hat nichts mit dem Leben zu tun.“.

    Ich muss an den Digital Divide denken. Menschen, die mit neuen Technologien leben und solche, die es nicht tun. Twitter hat nichts mit dem Leben zu tun. Der Satz bekommt eine völlig neue und leider auch berechtigte Bedeutung, wenn man „von den meisten Menschen“ einfügt. Twitter hat nichts mit dem Leben von den meisten Menschen zu tun. Für die Menschen, die es benutzen, hat es aber sehr viel mit dem Leben zu tun.

    Stell dir vor, 200 Menschen, die ganz ähnliche Interessen haben wie du, schreiben dir täglich Post-It Notes mit ihren alltäglichen Mikro-Erkenntnissen oder Mikro-Entdeckungen! ((Was ist Twitter? (Version Digitalks, 21.4.2009), Folie 25))

    Und dies ist nur ein Teil von meinem täglichen Twitter-Erlebnis. Auch sind es inzwischen über 700 Personen, denen ich folge und somit deren Nachrichten bekomme. Das Mikro vor den Erkenntnissen und Entdeckungen würde ich ebenfalls in Frage stellen, weil sich das Mikro oft lediglich auf die Länge der Nachricht, aber nicht ihren Wert bezieht.

    Stell dir vor es gibt Millionen Menschen, die jeden Tag zu unterschiedlichen Themen recherchieren und dich an ihren Ergebnissen teilhaben lassen.

    Was ist Twitter?

    Twitter als Mikroblogging zu bezeichnen geht nicht weit genug und viele Menschen scheitern schon bei dem Begriff Blogging.

    Aus meiner Sicht ist Twitter mit einem Protokoll vergleichbar. Viele kennen ICQ, MSN oder Jabber. Diese Chatprogramme verwenden unterschiedlichen Protokollen und man kann verschiedene Dinge damit anfangen. Bei Twitter ist es ähnlich, nur dass man mehr Möglichkeiten hat, da mehr Daten zusammenkommen. Twitter als Protokoll sagt wie man Nachrichten und andere Daten abrufen bzw. eintragen kann. Weder beim Inhalt noch bei der Weiterverarbeitung gibt es von Twitter Beschränkungen. Ganz so stimmt es nicht. Eine Nachricht hat maximal 140 Zeichen und kann exakt einem User zugeordnet werden. Der User hat einen, auf Twitter einzigartigen Nicknamen und neben der Möglichkeit ein Bild hochzuladen vier zusätzliche Informationsfelder zur Verfügung. Name, Location, Web und Bio. Diese besitzen wiederum bestimmte Einschränkungen. Zusätzlich kommen einige Daten hinzu, die der User nur indirekt beeinflusse kann. Anzahl der Updates, Follower, Following und seine Favorites. Auch jeder Tweet besitzt neben den 140 Zeichen einige höchstens indirekt beeinflussbare Daten. Das sind neben dem User, der ihn geschrieben hat, die Uhrzeit, der Client, mit dem er geschrieben wurde und der Permalink über den er aufrufbar ist. Diese ganzen Daten lassen sich nun über die API abrufen und weiterverarbeiten. Über bestimmte Befehle kann man Twitter, ähnlich einer Kommandozeile, steuern.

    Vollkommen logisch. Eine solche technische Beschreibung kann zwar beschreiben, wie Twitter auf ebendieser Ebene funktioniert, aber nicht wie es von den Menschen genutzt wird. Wenn man einen neuen Begriff einführt muss man diesen mit bestehenden beschreiben. Sowohl bei Blog, als auch bei Twitter empfinde ich dies als äußerst schwierig, weil jeder selbst entscheidet wie er den Dienst nutzt und somit nur eine technische Beschreibung übrig bleibt. Diese trifft jedoch auch auf andere Dienste zu und dient daher nicht als Abgrenzung. Diese ist wiederum nur über die Nutzung möglich, welche aber so umfangreich ist, dass nicht alle Möglichkeiten bekannt sind. Es ist als würde man versuchen Papier zu erklären. Dennoch werde ich eine Auswahl an Vergleichen präsentieren, an denen man einen Teil der Möglichkeiten sehen kann.

    Twitter als Dorftratsch

    In einem Dorf gibt es Leute, denen man beinahe jeden Tag über den Weg läuft, es scheint als wären sie immer an den gleichen Orten und man plaudert auch öfters mit ihnen, da sich auch die Interessen überschneiden. Andere Leute sieht man seltener, vielleicht auf dem Weg in die Arbeit, beim einkaufen oder wenn man die Kinder aus dem Kindergarten abholt. Manche Menschen sieht man gar nie. Gesprächsthemen sind die Arbeit, das Wetter, ein neuer Politiker und manchmal die eigenen Interessen. Meist ist es oberflächlich, man stellt sich etwas besser hin als man ist, prahlt ein wenig mit dem Job oder wie gut es einem gerade geht. Hin und wieder gibt es auch ein Event über das alle sprechen und/oder hingehen. Bei Twitter ist es ähnlich. Nur die Anzahl der Menschen, die man nie trifft ist wesentlich höher, man hört öfters bei fremden Gesprächen mit und die Events können sowohl reale als auch virtuelle, wie etwas ein neuer Dienst sein.

    Twitter als Unterhaltung am Bürogang

    Viele Menschen bei Twitter arbeiten am Computer, manche in einem Büro andere in einem Café, daheim oder unterwegs. In den meisten Gebieten findet man andere Personen, die ebenfalls in diesem arbeiten und so tauscht man sich über aktuelle Entwicklungen aus, wenn man irgendwo ein Problem hat, fragt man kurz, ob jemand helfen kann oder hilft jemand anderem, wenn man selbst ein Problem lösen kann. So entsteht eine virtuelle Bürogemeinschaft, die sich gegenseitig auf dem aktuellen Stand hält und auch zum plaudern in einer Pause da ist.

    Twitter als Gespräch unter Freunden

    Man bastelt sich über zwei Wege ein Bild von einer anderen Person zusammen. Der eine ist der erste Eindruck, wie jemand gekleidet ist, was er arbeitet oder woher er kommt. Der zweite ist die Zeit. Und hier kommt Twitter ins Spiel. Man erfährt was Personen machen, was sie interessiert, womit sie sich beschäftigen und bekommt zugleich durch Freunde von ihnen die Absicherung, dass sie auch wirklich so sind und sich nicht nur so geben ((Natürlich kann man auch hier faken, aber es ist gleich schwierig wie im materiellen Leben.)).

    Twitter als Brücke zu Diensten und Dingen

    Wie oben bereits erwähnt kann man mit Twitter nicht nur Nachrichten zwischen Menschen austauschen, sonder noch mehr. Beispielswiese kann ich mit einem Tweet einen Termin in meinen Kalender eintragen oder eine Aufgabe in die To-Do List speichern. Es funktioniert jedoch auch in die andere Richtung. Man kann sich etwa von seiner Kaffeemaschine informieren lassen, wann der Kaffee fertig ist.

    Twitter als Nachrichten-Ticker

    Inzwischen haben viele Zeitungen einen Twitter-Account, wo sie ihre Headlines automatisch rauswerfen. Einige Blogger haben auch einen eigenen Account für den Blog, wo einfach der RSS-Feed reinläuft. Auch einige Journalisten (Österreich) haben gefallen an dem Medium gefunden und wenn man den richtigen Leuten folgt, bekommt man vieles früher mit, als es auf den Websites der klassischen Medien erscheint. Erscheint die Nachricht interessant genug, muss man den Personen gar nicht direkt folgen, weil genügend Leute sie weiterreichen werden.

    Faszination Twitter

    Neben den hunderten Tools, die rund um Twitter entstanden sind ((dazu ein anderes Mal ein eigener Beitrag)), sind es die Menschen, die mich begeistern. Was Twitter alles ermöglicht hat und wie es mir immer wieder den Tag rettet.

    Für mich ist Twitter vieles. Vor allem aber kurze Nachrichten von Menschen, die mich interessieren. Mit einem einfachen Klick drücke ich mein Interesse aus und schon bekomme ich diese kleinen Wortbilder aus ihren Leben. Einen spannenden Link, einen Witz, ein literarisches Meisterwerk. Ganze Geschichten werden in 140 Zeichen erzählt. Doch es bleibt nicht beim Virtuellen, mit vielen habe ich mich schon auf einen Kaffee getroffen, etwas gegessen oder nur kurz auf einer Veranstaltung Hallo gesagt. Ich lebe in einer Welt, wo es dank dem Internet möglich ist mehr als zehn Freunde zu haben. Der enge Freundeskreis ((5 Personen)) bleibt gleich, aber die Personen, die man manchmal trifft, mit denen man sich gerne austausch wächst erheblich. Man muss auch nicht alle als Freunde bezeichnen. Viele sind tolle Kontakte, die einen immer wieder inspirieren oder sonstwie weiterhelfen.

    Das Argument der fehlenden Relevanz, der Belanglosigkeit, trifft in den meisten Fällen zu, wenn es um gesamgesellschafltiche Relevanz geht. Für mich ist es aber sehr wohl relevant, was meine Freunde machen, wie ich ein spezielles Problem los ist oder wo man Abend hingehen kann. Bei Twitter verbreitet sich Information schneller als über klassische Medien, meist ist es einfach sie bis an die Quelle zu verfolgen und meine Following liefern mir oft die Gegenmeinung gleich mit. Somit wären wir auch wieder bei gesellschaftlicher Relevanz, die in manchen Fällen auch gegeben ist, weil ich auf Twitter eben die Dinge weitergereicht werden, die als relevant eingestuft werden. Über die Entscheidung wem ich folge, kann ich zusätzlich grob das Themenspektrum einstellen, worüber ich mehr Informationen möchte. Die persönliche Eben sollte jedoch nicht vergessen werden. Mit der Zeit baut zu bestimmten Twitterer ein Vertrauen auf, wie es bei einem Journalisten nur selten möglich ist.

    Am Ende sind es die Menschen, die Twitter zu etwas besonderem machen.

    Die Zukunft?

    Ich habe schon einige Services kommen und gehen gesehen. Twitter hält sich trotz einiger Fehler erstaunlich gut. Es ist die Einfachheit, die Masse und die Drittservices, die es immer stärker machen. Hin und wieder habe ich aber das Gefühl, dass es nicht mehr klappt. Die Einfachheit löst nicht alle Probleme. Zum teilen von Links, wie es von den meisten genutzt wird, Bildern oder Videos eignen sich andere Services einfach besser. Allen voran aktuell Friendfeed. Die Möglichkeit auf einen Post zu antworten und nicht nur an die Person, bietet einen gewissen Vorteil. Auch erscheint Friendfied technisch wesentlich besser aufgestellt zu sein als Twitter. Es bietet mehr.

    Meine Vermutung ist, dass sich multimediale Inhalte in andere Services verschieben werden, damit auch viele User weiterwandern und Twitter stärker zu einem stärker textlastigen Kommunikationstool wird.

    Auf lange Sicht wird jeder seinen eigenen Server betreiben und man kann diesen abonnieren. Es gibt die Möglichkeit, ob man alles haben will, nur Updates, Blogposts, Links, Audio, Bilder, Video oder etwas kombiniert. Aber bis dahin wird es noch dauern und ihr werdet es sicherlich in meinem Twitter-Account mitbekommen.

    Wer das GodTwitter T-Shirt auch so toll findet wie ich, kann es bei Anton Gigov bestellen.

  • Twitter Befehle

    Twitter ist an sich ein sehr einfaches Service. Man kann kurze Nachrichten eingeben und die von anderen lesen. Wenn man genauer hinschaut gibt es aber noch mehr.

    Die meisten dieser Befehle funktionieren direkt auf der Twitter-Seite, noch nützlicher sind sie aber auf einem „Device“. Derzeit gibt es zwei Arten von Devices. Einerseits Handys und andererseits Instant Messenger. Diese kann man unter Settings auf der Twitter-Seite einstellen und dann auswählen, wohin man zukünftig Device-Updates bekommen möchte.

    Update
    Twitter hat im Mai Instant Messaging abgedreht. Damals wurde noch angekündigt, dass er am nächsten Tag zurück kommt. Darauf wird bis heute gewartet. SMS wurden ebenfalls abgeschalten. Allerdings nur außerhalb von den USA und Canada. Man kann zwar weiterhin Updates an die Nummer schicken, bekommt aber keine auf sein Handy geschickt. Dadurch werden einige Befehle beeinflusst, die nur via IM oder SMS nutzbar sind. Beachtet dazu die jeweiligen Fußnoten.

    Wenn man jemanden followed gibt es auch die Auswahlmöglichkeit Device updates OFF bzw. ON. Schaltet man sie ein bekommt man zukünftig die Tweets von dieser Person auf das ausgewählte Device.

    Mit diesen Befehlen kann man sich noch mehr Dinge auf das Device schicken lassen und Twitter von diesem aus steuern.

    • @username
      Das @-Zeichen verlinkt den Namen, der dahinter steht. Schreibt man es am Anfang der Nachricht wird es als Antwort gewertet und der andere User sieht es bei seinen Replies. Da man schnell den Überblick wer wann wem geantwortet hat, gibt es Quotably.
    • #tag
      Sogenannte Hashtags werden verwendet um in Twitter zu taggen. Siehe auch hashtag.org. Update: In der Twitter-Suche, ehemals Summize, kann man alle Tweets nach Hastags durchsuchen.
    • d username
      Mit diesem Kürzel kann man eine direkte Nachricht an einen User schicken. Diese Nachricht ist privat und wird nirgends öffentlich angezeigt. Falls der andere User eingestellt hat, dass er direct messages aufs Handy bekommt ((Außerhalb den USA und Kanada nicht mehr möglich.)), hat man somit einen sehr einfachen Weg Gratis-SMS zu schicken.
    • get username
      Damit kann man sich das letzte Update eines Users zuschicken lassen. get alleine schickt angeblich alle, hat bei mir aber nicht funktioniert.
    • follow username
      Spricht für sich selbst. Damit kann man jemanden folgen. Zu beachten ist, dass hier im Unterschied zum Folgen über die Website die Device-Updates mit eingeschalten werden.
    • leave username oder off username ((Funktioniert in Europa nicht mehr, da es nur die Device-Updates abschaltet.))
      Damit kann man die die Device-Updates des Users abschalten. Will man sie wieder erhalten schickt man erneut follow username.
    • off oder stop oder sleep ((In Europa ohne Wirkung.))
      Schaltet alle Device-Updates aus.
    • on oder start oder wake ((ref:3))
      Schaltet die Device-Updates wieder ein.
    • track Wort ((ref:3))
      Ein mächtiger Befehl, mit dem man zukünftig alle Updates erhält, die das Wort enthalten.
    • untrack Wort ((ref:3))
      Löscht das Wort aus den getrackten Wörtern.
    • untrack all oder track off ((ref:3))
      Stoppt das tracking von Wörtern.
    • whois username
      Man erhält ein Update mit den Daten zu dem User.
    • invite handynummer ((ref:3))
      Lädt die Person ein Twitter zu nutzen.
    • nudge username
      Fordert die Person auf ein Update zu schreiben.
    • fav username
      Fügt den letzten Tweet der Person zu den eigenen Favoriten.
    • stats
      Bringt eine kurze Statistik zum eigenen Account. Anzahl Following, Followers und welche Wörter man trackt.
    • tracks oder tracking ((ref:3))
      Liste der Wörter, die man trackt.
    • help ((ref:3))
      Schickt ein paar Befehle mit kurzer Erklärung als Update zurück: ‚invite‘, ‚follow‘, ‚track‘, ‚whois‘, ‚off‘;

    Ich hoffe die Liste ist möglichst komplett. Sollte ich etwas vergessen haben, bitte in die Kommentare. Den Großteil der Befehle habe ich ausprobiert, garantieren kann ich aber nichts.

    Zum Schluss noch zwei Links zu Twitter-Suchmaschinen.
    Tweetscan – Suchergebnisse kann man als RSS abonnieren oder sich zu bestimmten Worten einmal täglich als Mail schicken lassen.
    Summize – Mein persönlicher Favorit. Schnell, schön mit ein paar Suchfunktionen und man kann die Ergebnisse als RSS abonnieren. Update: Wurde von Twitter gekauft und ist nun die offizielle Suche.

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