Artikelformat

Die Sache mit den Kommentaren

15 Kommentare

oder Die Kommentaridioten
Nicht nur Robert schreibt immer wieder darüber. Viele Blogger schreiben zwar zuerst für sich, doch ohne Leser und vor allem ohne Leser, die sich durch Reaktionen bemerkbar machen, bringt bloggen nicht die Genugtuung, die viele brauchen. Es reicht ihnen nicht in einen leeren Raum hineinzuschreien, sie wollen etwas zurückbekommen.

Bei der ganzen Diskussion um Kommentararmut werden einige wichtige Dinge nicht gesehen, weil sich wieder einmal jeder in seinem Teller suhlt und vergisst, dass andere Teller möglicherweise vollkommen anders aussehen.

Durchschnittlich soll ein deutscher Blog einen Beitrag pro Tag schreiben und ein Kommentar bekommen. Hätte für mich, zumindest als ich angefangen habe zu bloggen, sehr befriedigend geklungen. Jedoch ist der Durchschnitt nur selten, was man selbst bekommt. Ich kann mich nicht beschweren, , . Wobei ich lange mehr für mich als für andere geschrieben habe und die Kommentarzahlen erst in letzter Zeit so stark gestiegen sind. Erwähnenswert an dieser Stelle, finde ich den Artikel über Pick Up Artists, welcher 46 Kommentare mit einer durchschnittlichen(!) Länge von 250 Wörtern hat. Natürlich muss man beachten, dass fast die Hälfte der Kommentare von mir stammt und der Artikel provokativ geschrieben ist. Eine letzte Zahl bevor ich zu meinen eigentlichen Gedanken komme. Im Durchschnitt hinterlässt jeder hunderster Leser einen Kommentar.

Nun schreiben viele darüber, dass sie zu wenig Kommentare bekomme oder geben Tipps, wie man mehr Kommentare bekommt, doch nur die wenigsten schreiben selbst mehr Kommentare. Ein großer Teil schreibt nur, um auf seinen Blog aufmerksam zu machen, ein anderer des Linkbuilding wegen und nur wenige, weil sie wirklich etwas zu sagen haben. Eine wichtige und für Blogger geradezu typische Gruppe habe ich noch ausgelassen. Die Leute, die mir meist egal sind, früher weniger als heute. Die weshalb ich den Beitrag überhaupt schreibe. Die, die so viel Aufmerksamkeit gar nicht verdient haben.

Es gibt nämlich einige Blogs, die ganz gut laufen und nicht unter Kommentararmut leiden, obwohl sie keine eurer Regelen aktiv beachten, sondern weil sie einfach aus sich heraus schreiben. Oft interessiert sie der Technikkram gar nicht. Sie erzählen tolle Geschichten und geben Dinge preis, die andere für sich behalten. Ich will es nicht als alternative Blogosphäre bezeichnen, weil alles zusammengehört und zugleich auch nicht. Es gibt so viele verschiedenen Blogs mit noch mehr Schnittmengen. In diesem Fall spreche ich von privaten Blogs. Und hierbei muss man den Unterschied zu persönlich beachten. Private Blogs sind zugleich persönliche Blogs (meistens), aber persönliche müssen nicht zugleich privat sein.

Manchmal bildet man sich ein, oder es ist auch so, dass man Autoren von privaten Blogs besser kennt als viele der eigenen Freunde. Man fühlt in vielen Texten mit und teilt das in den Kommentaren mit. Man gibt sich Tipps, erinnert sich an ähnliche Situationen oder schreibt wie gut einem der Text gefallen hat.

Der Mensch ist ein Hund.

Ohne Hunde schlecht zu machen. Ich habe selbst einen. Doch sobald jemand ein großes Stück Fleisch hat, kommen andere, die über in herfallen. Sobald jemand etwas hat, das man selbst nicht hat, seien es Kommentare, die Gabe wunderbar zu schreiben oder das Glück, dass es einem großartig geht, kommen andere und versuchen es schlecht zu machen. Anstatt selbst am Glück mitzunaschen (Glück und Zufriedenheit werden nicht aufgebraucht, jedenfalls nicht so, wie es in vielen Köpfen passiert, die von unserem materialbestimmten täglichen Leben, beeinflusst werden), greifen sie die Autoren persönlich an, ziehen alles in den Schmutz, verbreiten Gerüchte und sind bösartig.

In meinem Blog ist niemand anonym und somit könnte ich die IP jederzeit ausschließen oder lediglich das Kommentarfeld. Mit einer eigenen WordPress-Installation hat man da viele Möglichkeiten. Es lässt sich auch der Ort der Person feststellen, um möglicherweise Rückschlüsse auf Bekannte ziehen zu können. Datenschutz ist wichtig, aber wer mein Haus betritt, muss sich auch vorstellen.

Nun hat aber nicht jeder seinen eigenen Webspace und gehostete Services schränken die Möglichkeiten in diese Richtung stark ein. Man kann anonyme Kommentare verbieten. Doch viele Leser, die auch kommentieren, nett kommentieren, wollen sich aus Datenschutz- oder anderen Gründen nicht anmelden und somit würde man deren Kommentare verlieren. Den Idioten, die es nicht sehen können, wenn es jemand anderen gut geht, legen sich auch eine falsche Mailadresse zu und melden sich an. Als nächstes kommt ein Passwortschutz und damit ist der Blog fast tot. Kommentare einzeln freischalten und eine Ad-hoc Diskussion unterbinden und selbst bekommt sie dennoch zu Gesicht. Es ist nicht immer einfach wegzuschauen. Neider hinterlassen ihre ekligen Spuren und aus der Freude über neue Kommentare wird ein Zweifeln, was schon wieder für unangenehme Worte im Blog auf einen warten.

Es gibt Momente, da wünscht man sich nur noch eine große Fliegenklatsche um dem Unsinn ein Ende zu setzen.

Edit: Und es gibt Momente, wo ich kurz davor stehe einen Baseballschläger aus dem Keller zu holen und dem Unsinn ein Ende zu setzen.

Bild: IQ Atrophie

Veröffentlicht von

Social Media Analyst und Autor eines Blogbeitrags pro Jahr. | | Newsletter

15 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Pingback: Was die meisten (deutschen) Blogger leider nicht verstehen wollen

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.