Seit einer Woche habe ich einen Glasfaseranschluss von der Deutschen Glasfaser. Dazu wird es irgendwann einen eigenen Beitrag geben. Parallel dazu nutze ich weiterhin einen Kabelanschluss von Unitymedia/Vodafone. In diesem Beitrag möchte ich festhalten, wie mein Setup aktuell aussieht und was es zu beachten gibt.
Kurzversion: Ich setze ein USG (Unifi Security Gateway) als Router an. Am WAN-Port (eth0) hängt das NT (Network Termination) des Glasfaseranschlusses, an LAN 1 (eth1) mein Switch mit allen Geräten im Heimnetzwerk und an LAN 2 (eth2) die Fritzbox des Kabelanschlusses, die sich im Bridge-Modus befindet.
Unifi USG als solider und günstiger Dual-WAN-Router
Zwei Feature waren mir wichtig. Die Möglichkeit zwei Internetanschlüsse zu nutzen, damit ich mich nicht ärgern muss, wenn einer ausfällt, und VLANs, damit ich mehr und weniger vertrauenswürdige Geräte im Netzwerk voneinander trennen kann. Da ich bereits zwei APs (Access Points) und einen Switch von Unifi nutze, mit denen ich größtenteils zufrieden bin, habe ich mich dazu entschieden auch beim Router ein Unifi-Gerät zu nehmen. Ansonsten würde ich mir die TP-Link ER605 und ER7206 anschauen. Beide mit Omada-Controller. Oder etwas mit pfSense.
Das USG ist schon schon seit über sechs Jahren auf dem Markt. Inzwischen gibt es neuere und stärkere Modelle wie etwa das USG Pro oder Unifi Dreammachine. Aber diese sind wesentlich teurer ohne mir relevante Vorteile zu bieten. Ohne zusätzlichen Sicherheitsfeatures (IDS/IPS) schafft das USG Gigabit. Mit IDS/IPS nur noch 85 Mbit/s. Das USG Pro (ca. 250€) aber auch nur 250 Mbit/s. Das USG-XG würde Gigabit schaffen, aber auch 2k€ kosten. UDM (UniFi Dream Machine) schafft 850 Mbit/s, kostet um die 300€. UDM Pro 3,5 Gbit/s für 400€. Meine Überlegung war, dass ich IDS/IPS nicht zwingend brauche und die Unifi-Implementierung nicht transparent ist. Wäre das entscheidend, würde ich direkt Richtung pfSense schauen. Also habe ich mich für das USG um 100€ entschieden.
Eine Alternative von Ubiquiti wäre der baugleiche Edgerouter Lite, der jedoch nicht über den Unifi-Controller verwaltet werden kann.
Ersteinrichtung USG
Die Ersteinrichtung des USG war etwas umständlicher als ich es mir gewünscht habe, weil ich es in mein bestehendes System integriert habe. Zuerst einen Computer direkt mit dem USG verbinden und Grundeinstellungen vornehmen, anschließend an das Netzwerk anschließen. Gegebenenfalls Geräte neustarten oder IPs erneuern lassen. Wenn das USG im Controller adopted wurde, kann der Rest darüber erledigt werden.
Deutsche Glasfaser anschließen
Bei der Deutschen Glasfaser muss darf man keinen Router mitbestellen, sondern muss kundeneigenen Router als Option wählen. Ich hatte zuerst eine Fritzbox mitbestellt, weil ich dachte, ich könnte diese hinter dem USG betreiben, damit es sich um die Telefonie kümmert. Das funktioniert jedoch nicht. Deshalb ging die Fritzbox unausgepackt zurück und mein Anschluss wurde umgestellt. Anschließend konnte ich das USG via Ethernet an das NT anschließen. Für Telefonie nutze ich nun eine Gigaset Go Box 100.
Ich bin mir nicht mehr sicher, ob das erste WAN-Interface bereits eingestellt war. Viel anzupassen gibt es jedoch nicht. Das wichtigste ist IPv6 Connection auf DHCPv6 und Prefix Delegation Size von 56. (Bei mir gibt es noch Probleme mit IPv6, wo DG dran ist. Sollte sich hier noch etwas ändern, werde ich den Beitrag aktualisieren.) Update 2021-05-13: IPv6 funktioniert nun auch. Das Problem war das USG. Damit ich über die Deutsche Glasfaser eine IPv6 bekomme, musste ich IPv6 für Vodafone deaktivieren.
Vodafone anschließen
Ich habe einen Vodafone Business Anschluss. Wenn ich richtig recherchiert habe, gibt es nur bei diesen den Bridge-Modus in der Fritzbox, über den ein dort angeschlossener Router eine eigene öffentliche IPv4 bekommt. Da der zweite Anschluss lediglich als Failover dient, sollte egal sein. Ich weiß es jedoch nicht.
Unter Internet > Zugangsart > Bridge-Anschlüsse habe ich LAN 2 als Bridge geschalten und diesen vie Ethernetkabel an das USG gehängt.
Im USG ein weiteres Netzwerk hinzugefügt. Im alten Interface muss man es als Purpose WAN und Network Group WAN 2 definieren. Auch hier wieder DHCPv6 extra aktiviert, als Prefix Delegation Size allerdings 59 statt 56, weil es sonst nicht funktioniert. Je nachdem wie man seine Firewall konfiguriert hat, sollte man IPv6 beim failover deaktiviert lassen, damit man nicht unabsichtlich Löcher ins Sicherheitskonzept sticht.
Als Load Balancing habe ich Failover only gewählt.
Ports einstellen
Schließlich muss man noch im Unifi Controller unter Devices > USG > Ports einstellen, welcher Port wofür zuständig ist. WAN und LAN 1 sind normalerweise bereits korrekt gesetzt, muss nur noch LAN 2 / WAN 2 als WAN 2 eingestellt werden.
Wenn alles eingestellt ist, warten bis das Provisioning abgeschlossen ist. Dauert beim USG leider ein paar Minuten.
Funktionalität testen
Im Unifi Controller wieder bei Devices > USG unter Overview schauen, ob beide WAN Interfaces eine IP bekommen.
Außerdem kann man via SSH mit dem Befehl show load-balance watchdog schauen, ob das Load Balancing korrekt läuft. Bei eth0 und eth2 sollte „status: Running“ stehen. Wenn das passt, könnt ihr testweise die primäre Verbindung unterbrechen. Ich habe das durch einen Neustart des NT gemacht. Ethernetkabel entfernen geht aber auch. Nach ein paar Sekunden sollte das USG auf die failover-Verbindung wechseln. In meinem Fall hat das auch während einem Geschwindigkeitstest funktioniert. Der ist zwar kurzfristig eingebrochen, hat sich dann aber wieder erholt. Halt auf das Niveau der Backup-Verbindung.
Bei mir gab es erst ein Problem mit dem Kabelanschluss. Obwohl eine IP da war, war der Status „Waiting on recovery“. Dies ließ sich durch einen Neustart der Fritzbox beheben.
Im neuen Controller Interface habe ich es noch nicht gefunden, aber im alten Interface sieht man unter Alerts wenn gewechselt wurde. Im Screenshot sieht man, wie um 6:14 die primäre Verbindung (eth0) inaktiv wurde und sofort eth2 eingesprungen ist. Drei Minuten später um 6:17 war die primäre Verbindung wieder da (active) und die sekundäre versetze sich in Bereitschaft (failover).
Failover oder Weighted Load Balancing
Neben dem von mir gewählten Failover kann man die sekundäre Verbindung auch als Weighted Load Balancing einsetzen. Dann sollte ein Teil des Traffics (je nach Einstellung in %) über die sekundäre Verbindung laufen. In meinem Test hat das aber lediglich zu höheren Latenzen und keinem Geschwindigkeitsgewinn geführt. Ob das an der großen Unterschiede bei der Geschwindigkeit der Verbindungen lag oder es andere Gründe gab, weiß ich nicht. War mir allerdings auch nicht wichtig, weshalb ich mich nicht weiter damit beschäftigt habe. Angeblich gibt es auch Anwendungen, die es nicht mögen, wenn sich die Verbindung zwischendurch ändert.
Mir ist es wichtig, dass es so wenig Ausfälle wie möglich gibt und dafür passt Failover.
Vor elf Jahren habe ich für 43 Tage auf Social Media Plattformen verzichtet. Mein Fazit war, dass es möglich ist, aber mich nicht glücklicher macht. Heuer (so sagt man zum aktuellen Jahr in Österreich) verzichte ich auf mein Handy im Bett. Angeblich schläft man dann besser. Wie es mir damit gegangen sein wird, schreibe ich hoffentlich in einem Monat auf.
Die ersten Tage ließ ich meine Gedanken schweifen bevor ich versuchte zu schlafen. Das wurde mir bald zu langweilig. Dann las ich in einem Buch. Aber nachts ist es meist dunkel, weshalb man zum Lesen Licht braucht. Das Licht wiederum hindert andere Menschen im Bett am Schlafen. Deshalb musste eine andere Lösung her. Vor vier Jahren haben wir einen Kindle Paperwhite gekauft (einen E-Book-Reader, kurz E-Reader). Ursprünglich um auf Reisen weniger schwere Bücher im Gepäck zu haben. Tatsächlich wurde er aber nur zweimal eingesetzt, weil man E-Books auch wunderbar am Handy lesen kann und dann gar kein zusätzliches Geräte mitnehmen muss. Aber jetzt erschien er mir als Ausweg aus meiner Zwickmühle, dass ich noch Inhalte konsumieren wollte, aber weder auf das Handy (weil Verzicht), noch auf Bücher (weil zu hell) zurückgreifen konnte.
Nachdem ich den E-Reader in einem Korb neben dem Sofa wiedergefunden hatte, lud ich ihn auf. Er hat noch einen Micro-USB-Anschluss, weshalb ich erst ein Kabel aus der Kabelkiste holen musste. Die Geräte, die wir regelmäßig laden, haben inzwischen alle USB-C oder Lightning-Anschlüsse (das proprietäre Format von Apple). Nach dem Laden führte ich noch ein Software-Update durch. Ohne, dass es notwendig gewesen wäre. Aber ich dachte mir, dass es dann vielleicht tolle neue Funktionen gibt. Das Einzige, das mir auffiel, war der Browser. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es den nicht schon zuvor gab, aber ich ihn noch nie gesehen hatte.
Der nächste Abend kam und ging mit dem E-Reader ins Bett. Was ich lesen wollte, hatte ich noch nicht entschieden. Der E-Reader zeigte mir Bücher an, die ich vor Jahren begonnen hatte und an welcher exakten Stelle ich damals aufgehört hatte. Allerdings konnte ich mich weder an die Bücher erinnern noch an die Stelle. Besonders interessant erschienen sie mir auch nicht. Etwa ein Monat zuvor hatte ich für 14,69€ ein Humble Book Bundle ‚Math for Programmers‘ gekauft. 16 E-Books, von denen ich noch in kein einziges reingeschaut habe. Aber es gab die Option alle E-Books mit einem Klick an ein Kindle-Gerät zu schicken. Das habe ich getan. Aber schon nach den ersten Seiten von ‚Machine Learning in Action‘ hatte ich keine Lust mehr.
Auf der Startseite des E-Readers kann man E-Books direkt von Amazon kaufen. Wahrscheinlich da ich in der Vergangenheit mehrere Werke von Kathrin Passig gekauft (und positiv bewertet) habe, wurden mir weitere E-Books von ihr angezeigt. Eines weckte mein Interesse besonders. ‚Je Türknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020‘. Es wurde 2021-01-26 veröffentlicht, ich kaufte es 2021-02-28 um 2,99€.
Das E-Book besteht aus allen 52 Kolumnentexte von Kathrin Passig, die 2020 bei der Frankfurter Rundschau veröffentlicht wurden. Ich finde eigentlich alles großartig, was Kathrin Passig schreibt und macht. Allerdings bekomme ich nicht alles mit. Ich weiß, dass sie Kolumnen schreibt und wann immer ich über eine stolpere, lese ich sie. Oder packe sie zumindest in Pocket (ein Art Speicher, wo man Text ablegt, die man später lesen möchte, aber in der Regel nicht dazu kommt). Für welche Publikationen sie arbeitet, habe ich bisher nicht mitbekommen und auch nicht recherchiert. Sie selbst hat auch nur zwei Kolumnen auf Twitter verlinkt, wo ich den Großteil meiner Inhalte entdecke. Und selbst wenn ich es gewusst hätte, wäre es unwahrscheinlich gewesen, dass ich die FR abonniert hätte. Weder die gedruckte Ausgabe um 53,95€/Monat (ich habe keine Print-Abos), noch die digitale Ausgabe um 34,95€/Monat. Einzelne Texte der Kolumne gibt es auch auf Website, dort kostenlos. Wenn ich richtig gezählt habe 18 der 52 Stück. Um sie dort lesen zu können, müsste man allerdings ein entsprechendes Endgerät haben. Ich verzichte jedoch gerade auf meines und wollte natürlich alle lesen. 3€ ist ein Preis, den ich gerne zahlte, ohne überhaupt zu recherchieren, ob es Alternativen gibt. Soweit ich weiß gibt es die nicht. Allerdings habe ich lediglich im Nachhinein bei Blendle (eine Plattform, wo man einzelne Beiträge aus Publikationen kaufen kann) geschaut, ob es dort Texte von Kathrin Passig gibt. Fand jedoch keine. Auf der Website von Kathrin Passig gibt es einen Bereich Texte, wo es das E-Book zum kostenlosen Download gibt. Oder zum Kauf über Google Play.
Ich lag also in meinem Bett, kaufte mit einem Klick das E-Book und freute mich, dass ich es direkt lesen konnte. Der Vorteil eines integrierten Systems. Auch freute ich mich, dass ich die Helligkeit des E-Readers so weit runterstellen konnte, dass sie niemanden beim Schlafen störte. Stufe 4 bei mittlerer Schriftgröße, Stufe 1 bei großer Schrift. Im Vorwort erklärt Kathrin Passig kurz den Kontext der Kolumne und dass sie nicht nachträglich überarbeitet wurden. Ich glaube, dass die meisten Inhalte nicht in einer solchen gesammelten Veröffentlichung gut funktionieren würden. Aber die Kolumne lässt sich wunderbar im Nachhinein lesen. Es gibt zwar manchmal Bezüge auf aktuelle Geschehnisse (Corona, Veranstaltungen), aber das schadet der Lesefreude kein bisschen. Nur manchmal ist man etwas enttäuscht, dass man an erwähnten Veranstaltungen nicht teilnehmen kann. Meist gibt es jedoch ähnliche oder es handelt sich um jährliche Veranstaltungen wodurch es wieder klappt. Lediglich wenn die Pandemie überwunden ist und die Veranstalter_innen vergessen wie das Internet funktioniert, könnte es passieren, dass die Enttäuschung größer ist und man sehnsüchtig zurückblickt. Natürlich nur bei diesen Teilaspekten.
Die nächsten Tage las ich vor dem Schlafengehen fünf bis zehn Texte der Kolumne. Der Vorteil einer Kolumne, die ursprünglich im Print erschien ist die gleichbleibende Länge. Somit ist es leicht abzuschätzen, ob sich noch eine komplette ausgeht oder ob man dann abbrechen muss. Auch freute ich mich jedes Mal am Ende eines Textes, dass ich nicht eine Woche warten musste, sondern direkt den nächsten lesen konnte. Natürlich gibt es inhaltlich stärkere und schwächere Texte, aber über die kann man einfach schweigen (siehe Kolumne #27).
Ich gehöre zu den Menschen, denen es sehr schwer fällt direkt in Büchern zu markieren. Nicht weil ich Sorge habe, es dann nicht weitergeben zu können, sondern was ist, wenn ich etwas markiere, was ich später nicht mehr gut finde. Oder versehentlich die falsche Zeile markiere. Das wäre dann für immer sichtbar. Das ist irrational, hält mich aber dennoch davon ab, in Büchern zu markieren und Notizen zu machen. Bei E-Books ist das anders. Dort markiere ich alles, was mir gefällt und schreibe Notizen dazu (ohne beschränkten Platz!; im E-Reader aber eher umständlich), wenn ich einen Gedanken habe, den ich festhalten möchte. Und das Beste: Es gibt eine Übersicht all meiner Markierungen, sodass ich hier ganz einfach meine liebsten Stellen teilen kann.
Wusstet ihr, dass man die Hintergrundbeleuchtung des Kindle Paperwhite normalerweise nicht abschalten kann? Zum Glück gibt es den Trick den Screensaver zu deaktivieren indem man ~ds in das Suchfeld eingibt. Wenn man dann einen Magnet in die rechte, untere Ecke legt, schaltet sich die Beleuchtung aus, aber der E-Reader bleibt weiterhin benutzbar. Habe ich in diesem Video gelernt.
Schon ein einziger falsch positiver Treffer kann im Alltag dazu führen, dass die ungerecht behandelte Person in Zukunft die Ladenkette meidet, in der sie des Ladendiebstahls verdächtigt wurde.
Kathrin Passig, Kolumne #3: Marillen, Mirallen, Morullen Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 142
Über die Schwierigkeit von Moderation auf Social Media Plattform. Habe ich mir markiert, weil ich mich genau über dieses Problem, die Wut, die durch als ungerecht empfundene Moderation entzündet wird und wie man ihr begegnen könnte. Wir basteln an einem System, wo man einerseits generisch erklärt bekommt, warum man geblockt/gebannt wurde und andererseits Einspruch erheben kann.
Man ist einer Person seinerzeit gefolgt, weil man sie in diesem Moment sympathisch oder ihre Themen interessant fand. Im Laufe der Jahre hat sie sich verändert, und es ist unwahrscheinlich, dass diese Veränderung genau in der Richtung passiert ist, die man als Publikum gutheißt.
Kathrin Passig, Kolumne #4: Früher warst du lustiger! Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 174
Über die ständige Veränderung und wie man damit umgehen kann. Es muss nicht immer Entfolgen sein.
Diese Bereitschaft, das Unvollkommene hinzunehmen, ist nicht nur als Überbrückung wichtig. Sie gehört so sehr zu Digitalisierungsvorgängen wie der Hauskatzenhintern vor die Laptopkamera.
Kathrin Passig, Kolumne #16: Digitale Dilettanten Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 603
Warum es wichtig ist Dinge zu tun bevor man sie kann.
Und doch gilt das Ergebnis als Handarbeit und individuelles Produkt.
Kathrin Passig, Kolumne #17: Texte und Textilien Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 635
Es reicht wenn der letzte Arbeitsschritt, etwa das Zusammennähen einer Maske, per Hand passiert, damit das gesamte Produkt als Handarbeit bezeichnet wird, obwohl die meisten Schritte maschinell erfolgt sind.
Aus der Perspektive der Schreibenden heißt das, dass ein heute veröffentlichtes Fragment für andere nützlicher ist als der durchdachteste Text, der nur im eigenen Kopf existiert oder erst in zwei Jahren erscheinen wird. Oder gar nicht, weil man sich vorgenommen hat, das Thema eines Tages umfassend abzuhandeln, wozu es niemals kommt.
Kathrin Passig, Kolumne #18: Beuteltiere-Theorie der digitalen Texte Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 682
Ein Gedanke, den ich sehr häufig bei Christian Fischer lese und den ich immer wieder verbreitungswürdig finde. Gerade am Wochenende habe ich ein Problem gelöst, weil jemand in einem Forum seine bisherigen Schritte geteilt hat, um ein ähnliches Problem zu lösen. Auch wenn es nicht die vollständige Lösung war, konnte ich sie mir aufgrund dieser Fragmente erarbeiten und meine restlichen Schritte teilen, sodass sie wieder andere weiter bringen. Oder mich selbst, wenn ich in ein paar Monaten wieder vor dem gleichen Problem stehe.
Die geschilderten Probleme zu ignorieren hieße, diese Freunde persönlich zu enttäuschen und ist damit eine unattraktivere Option als früher.
Kathrin Passig, Kolumne #25: Doomscrolling Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 960
Wenn Konflikte in die Timeline getragen werden, die man bisher nicht mitbekommen oder ignoriert hat.
Es ist nicht leicht, dabei die Grenze zwischen Schonung der eigenen Kräfte und Verdrängung aller unangenehmem Nachrichten richtig zu ziehen.
Kathrin Passig, Kolumne #26: Doomscrolling 2 Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 984
Aufbauend auf #25. Man kann sich nicht mit allem zugleich beschäftigen, man kann aber auch nicht alles ignorieren.
Beim Schreiben von Kolumnen und Essays betreibt man schließlich keine Wissenschaft, sondern wringt aus einer anekdotischen Datenbasis Thesen heraus, so gut es geht.
Kathrin Passig, Kolumne #28: Reale Regale Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 1052
Ich liebe Selbstreflexion und diese Beschreibung von Kolumnen.
Hätte ich gar nichts aufgeschrieben, wäre ich heute überzeugt, von Anfang an Bescheid gewusst zu haben.
Kathrin Passig, Kolumne #28: Reale Regale Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 1054
Ein Gedanke, der immer wieder auftaucht. Dass man falsche Einschätzungen schnell vergisst, wenn man sie nicht aufschreibt. Man wird erinnert, wie oft man falsch liegt. Und trotzdem trifft man keine besseren Einschätzungen. Weiß es aber zumindest.
Wer das Bedürfnis hat, seinen Abschied in großen Textmengen zu erklären, in dessen Leben spielt die jeweilige Gruppe oder Plattform noch eine wichtige Rolle. Das macht es schwerer, dann auch wirklich ohne sie zurechtzukommen
Kathrin Passig, Kolumne #33: Je Türknall, desto wiederkomm Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 1249
Diese Erklärung funktioniert auch noch, wenn Personen nicht mehr zurückkommen. Nur wenn die Gruppe/Plattform wichtig ist, wird man sich ausführlich erklären. Oder überhaupt erklären.
Auch echte Menschen schreiben manchmal sehr einfallslose Rezensionen.
Kathrin Passig, Kolumne #36: Beste Kolumne!!! Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 1354
Erinnerte mich an einen Satz, den ich gerne über Bots sage: Es ist schwierig den Text einer betrunkenen Person von dem eines Computers zu unterscheiden.
Und die Unterscheidung zwischen kompetenter Beratung und Eigennutz ist im Einzelhandel genauso schwer wie im Netz.
Kathrin Passig, Kolumne #36: Beste Kolumne!!! Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 1357
Um an gute Beratung im Einzelhandel zu kommen, muss ich mich gut genug auskennen, um Kompetenz zu erkennen und das Gegenüber muss erkennen, dass ich diese Kompetenzerkennungskompetenz besitze. Und natürlich muss die oder der Einzelhändler_in in dem Bereich kompetenter sein als ich, in dem ich Beratung brauche.
Diese zweifelhaften Gestalten mit ihren merkwürdigen Pseudonymen galten als potenzielle Verbrecher.
Kathrin Passig, Kolumne #37: Post-Privacy-Luxus Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 1385
Ich frage mich, ob klapperbaer aus Hamburg noch Playstation spielt. Irgendwo müsste ich noch einem Mailadresse haben. Nostalgie.
Ich neige nicht zu Angst und Sorge, habe keinen Arbeitsplatz, an dem man mich aufsuchen kann, keine Kinder, die man bedrohen, keinen einzelnen Arbeitgeber, über den man mich unter Druck setzen könnte.
Kathrin Passig, Kolumne #37: Post-Privacy-Luxus Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 1396
Wenn man nur wenig Angriffsfläche hat, postet es sich unbeschwerter. Achtung: Das Zitat ist keine vollständige Position. Im Text wird relativiert, dass es dennoch genügen Möglichkeiten gibt das Leben von jemanden mehr als unangenehm zu machen. Auch ohne Kindern und festem Arbeitgeber.
“Wenn ich es nicht tue, wer denn dann? Nur so erfahren doch die anderen, dass Luxusyachten existieren!”
Kathrin Passig, Kolumne #37: Post-Privacy-Luxus Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 1409
Die Pointe. Funktioniert nur in Kombination mit dem Einleitung des Textes.
Richtlinien sind kein Zauberspruch, man muss schon Ressourcen in deren Umsetzung investieren.
Kathrin Passig, Kolumne #43: Hemd und Haltung Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 1616
Ich habe mich in den letzten Jahren viel mit Richtlinien befasst und finde das eine sehr treffende Zusammenfassung. Auch ein Grund warum Twitter es im Vergleich zum größeren Facebook schwerer hat. Schaut man in die Netz-DG Offenlegungen sieht man, dass Twitter obwohl es kleiner ist, mehr Meldungen bekommt, zugleich aber weniger Leute für die Moderation hat.
Ich entsperre mein Telefon einmal am Tag, morgens nach dem Aufwachen. In den nächsten 14 Stunden brauche ich es ja
Kathrin Passig, Kolumne #44: Wolkenguck-Time Je Türenknall, desto wiederkomm: Alle Kolumnen 2020, Position 1657
<3 | Damit sind wir auch wieder beim Beginn meines Textes.
Eigentlich wollte ich einen Beitrag auf Facebook schreiben, aber dass der Newsletter-Anbieter nun einen Reader anbietet, hat mich erinnert, dass ich das genausogut verbloggen kann. Bloggen ist Abfall. Deshalb liebe ich es. Entweder es geht darum Dinge niederzuschreiben, die sowieso passiert sind, oder es geht um den Prozess sich mit etwas auseinanderzusetzen und dabei wird es niedergeschrieben. In diesem Beitrag ist es das erstere.
Meine Internetrechnung (und Telefon, aber das ist unwichtig) ist letzten Monat von 43€ auf 70€ gestiegen.
Es handelt sich um einen Unitymedia Business Office Internet & Phone 200 Tarif. Grundsätzlich unspektakulär. Ich kann mich aber noch gut erinnern, als ich ihn abgeschlossen habe. Es wäre kein Lockangebot sondern würde über die gesamte Vertragslaufzeit günstig sein. Warum ist er trotzdem signifikant teurer geworden? Ich habe die Rechnungen verglichen und konnte keinen Grund erkennen. War es doch ein Lockangebot? Also Hotline angerufen.
Die Lösung ist einfach wie ärgerlich. Der günstige Tarif galt über die gesamte Vertragslaufzeit. Aber diese ist abgelaufen. Und was passiert dann? Es wird automatisch ein Jahr drangehängt, aber zum regulären Tarif.
Mir wurde ein neuer Tarif angeboten. Gleicher Preis wie bisher, aber etwas mehr Leistung (300/30). Aber zwei Jahre Mindestvertragslaufzeit. Möchte ich nicht. Einjährige Tarife hätten sie nicht. Überhaupt nicht. Mist. Man könnte mir einen Tarif mit der gleichen Leistung wie jetzt für 30€ pro Monat anbieten. Auch zwei Jahre. Habe dem Mitarbeiter gesagt, dass ich kurz rechnen muss und ihn weggelegt.
Durch die automatische Verlängerung bin ich noch mindestens 10 Monate gebunden. Jeweils 70€. Macht gesamt 700€. Bei 30€ über 24 Monate komme ich auf 720€. Dafür 14 Monate länger Internet. Grundsätzlich gäbe es da nicht viel zu überlegen. Aber im Ort wird gerade Glasfaser ausgebaut. Seit knapp einem Jahr. Und die Leitung liegt schon bis zum Haus. Angeblich werden die ersten Häuser noch im Dezember angeschlossen. Bis zu 12 Monate ist der Glasfaseranschluss kostenlos, wenn man noch in einem anderen Vertrag steckt. Ansonsten kostet er im ersten Jahr 25€ pro Monat, danach teurer. Aber es gibt zahlreiche Berichte, dass die Glasfaserleitung gerade zu Beginn nicht besonders zuverlässig ist. Da ich den Anschluss auch für die Arbeit brauche, schont eine Backupleitung die Nerven. Die 700€ sind sowieso weg. Also kann ich noch 20€ hinterherwerfen. Ist das schon Sunken Cost Fallacy? Jedenfalls habe ich das Telefoniegerät wieder genommen und gesagt, dass ich das Angebot annehme.
Hätte es eine bessere Option gegeben? Am besten wäre es gewesen, wenn ich zu Beginn des Glasfaserausbaus den Tarif gewechselt hätte, sodass der Vertrag in einem Jahr ausläuft, aber der Preis günstiger geblieben wäre. Oder ich hätte mich rechtzeitig vor fünf Monaten um die Kündigung kümmern müssen und auf einen monatlichen Tarif umsteigen. Das wäre aber mit einem gewissen Verwaltungsaufwand und Stress verbunden gewesen, auf den ich keine Lust habe.
Das Hauptproblem war, dass ich nicht bedacht habe, dass der Vertrag bei einer automatischen Verlängerung teurer wird. Aber das kann ich nicht ändern. Die 14 zusätzlichen Monate Backupleitung verbessern die Situation zumindest ein bisschen.
Vor knapp zehn Jahren bin ich nach Altenbeken gezogen. Zu Beginn habe ich mich nicht besonders für die Gemeinde interessiert. Ich bin hergezogen, weil sich mein Studium in Wien dem Ende zuneigte und wir uns entschieden haben, dass zwei Jahre Fernbeziehung genug sind. Inzwischen habe ich den Ort lieb gewonnen. Umgeben von schönen Wäldern, die von Wanderwegen durchzogen sind. Dreimal so viel Windenergie wird erzeugt, als der Ort selbst nutzt. Es gibt eine nette Buchhandlung und alle anderen Geschäfte, die man zum Überleben braucht. Am Bahnhof halten zahlreiche Züge, inklusive ICE, sodass man unkompliziert in zahlreiche andere Städte kommt.
Nach einiger Zeit habe ich begonnen, mich dafür zu interessieren, was im Ort los ist. Ich habe eine Info-Website und Facebookpage erstellt, Bürgerversammlungen und Infoabende besucht. Irgendwann die Facebookgruppe übernommen, als sie keinen Admin mehr hatte. So wurde der Bürgermeister auf mich aufmerksam und hat mich zu einem Gespräch eingeladen. Ich erfuhr einige Dinge über die Politik in der Gemeinde und er forderte mich auf, mich politisch zu engagieren. Gerne in seiner Partei oder einer anderen. Das schmeichelte mich. Aber damals war ich noch nicht bereit.
Letztes Jahr wurde ich von der SPD angesprochen. Ein weiteres Gespräch über Kommunalpolitik und die Einladung dort mitzumachen. Während es einige inhaltliche Überschneidungen gab, entschied ich mich am Ende dagegen. Auch aus Zeitgründen.
Über einen Kontakt nahm ich an einem öffentlichen Treffen des Ortsverbands BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN teil. Ich kam mit den Leuten gut klar und freute mich, mehr mitzubekommen, was im Ort politisch passiert.
Im Herbst finden Kommunalwahlen statt. Ich habe mich entschieden als Parteiloser für die Liste des Ortsverbands von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu kandidieren. Bei der Mitgliederversammlung habe ich mich für den Wahlbezirk, in dem ich wohne, aufstellen lassen und wurde gewählt. Nun muss ich nur noch bei der Wahl mehr Stimmen bekommen als die Kandidat_innen der anderen Parteien in diesem Wahlbezirk und schon sitze ich im Gemeinderat.
Warum auf der Liste von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN? Weil ich Umwelt und Soziales für die wichtigsten Themen der nächsten Jahre für die Gemeinde halte und weil es die einzige Liste mit abwechselnd Frauen und Männern auf der Reserveliste ist.
Warum parteilos? Weil ich den Ortsverband, dessen Positionen und Personen unterstütze, aber nicht die Partei. Weil ich eine gewisse Distanz zu allen Parteien auf Bundesebene sinnvoll für meine Arbeit halte.
Auf Twitter gibt es ständig Fakes. Also Accounts, die behaupten jemand anders zu sein, als sie tatsächlich sind. Dabei handelt es sich nicht um ein Twitter-Phänomen. Nicht einmal ein Internet-Phänomen. Offline ist es meist einfacher anderen etwas vorzumachen, weil es keine ad-hoc Möglichkeit gibt sich frühere Aussagen der Person anzuschauen. Aber darüber möchte ich nicht schreiben. Ausnahmsweise auch nicht über Fakes, die zu politischen Zwecken eingesetzt werden. Mir geht es um Fakes, die sich es in erster Linie Aufmerksamkeit erschwindeln.
Auslöser für diesen Beitrag ist ein konkreter Fall, den ich als Beispiel nutzen werde. Der Account war etwa ein halbes Jahr auf Twitter, bevor er sich gelöscht hat. Zu Beginn war es nur ein Schicksalsschlag, über den sehr offen getwittert wurde. Mit der Zeit häuften sich die einschneidenden Erlebnisse bis selbst langzeitige Follower zu zweifeln begannen. Am Ende lag die angebliche Accountinhaberin im Koma und ihre Mutter hat über ihren Account die Follower auf dem Laufenden gehalten. Es ähnelte eher einer Nachmittags-TV-Dramaserie als an echte Erlebnisse.
Bis heute ist es nicht klar, ob nur manche Erlebnisse erfunden oder ausgeschmückt wurden oder die Protagonistin komplett ausgedacht war. Dass das „Finale“ so nicht stattgefunden hat, wurde vor der Accountschließung zugegeben. Ich selbst habe nur die letzten Tage des Accounts mitbekommen und die vorherigen 10k Tweets überblicksmäßig angeschaut. Die Handlungen und Personen erschienen in sich konsistent. Immer wieder Referenzen auf unterschiedliche Dinge, die schon erzählt wurden; Keine Personen, die plötzlich weg waren oder andere Eigenschaften hatten. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Person hinter dem Account existiert und viele Tweets auf echten Erlebnissen basieren, aber meist stark ausgeschmückt wurden. Insgesamt wurde viel Aufwand betrieben und Zeit in den Account investiert.
Und damit sind wir bei einem zentralen Problem von Fakes:
Was wenn es kein Fake ist? Was wenn der Mensch hinter dem Fake psychische Probleme hat?
Die einzelnen Geschichten des Accounts waren glaubwürdig. Teilweise sind sie schon vielen Personen zugestoßen. Schwere Schickschalsschläge, für die die Person nichts kann. Wer möchte das in Frage stellen? Selbst wenn es unrealistisch ist, dass einer Person so viele Dinge zustoßen, gibt es wenig Gründe es öffentlich zu hinterfragen. Im besten Fall deckt man eine Lüge auf, die oberflächlich keinen Schaden angerichtet hat. Im schlechtesten Fall hat man die schreckliche Situation einer Person noch schlimmer gemacht.
Es ist wichtig Betroffenen von Gewalt zu glauben.
Ich habe die tiefe Überzeugung (vielleicht ist es meine Ersatz-Religion), dass alle Menschen Probleme haben. Diese Probleme sind sehr unterschiedlich (vom Kampf ums Überleben bis zu Orientierungslosigkeit weil man alles hat aber das alleine nicht glücklich macht) und jede_r geht anders damit um.
Emotionaler Schaden
Das bedeutet nicht, dass man alle Taten verzeihen kann oder soll. Im konkreten Fall ist durchaus ein Schaden entstanden. Tausende Menschen sind belogen worden. Ihre Empathie wurde missbraucht. Die Person hat Zuspruch erhalten, den sonst vielleicht jemand anders bekommen hätte. Jemand, der ihn nötiger gehabt hätte? Eine Person, die nicht so laut war. Auch wenn kein finanzieller Schaden entstanden ist, ein emotionaler ist da.
Mitverantwortung von „Schmunzeltwitter“
Ich glaube, dass die gesamte Schmunzeltwitterbubble mitverantwortlich ist. Vielleicht sogar Menschen im Allgemeinen. Storytelling my ass. Jedes kleine Erlebnis muss so ausgeschmückt werden, dass es einen Spannungsbogen hat. Dann hagelt es Favs und Zuspruch. Ähnliches passiert in Doku-Soaps und wahrscheinlich weiteren Medienformaten. Man nimmt Dinge, die tatsächlich passiert sind, inszeniert sie aber so, dass sie besonders emotional sind. Die Menschen mitreißen.
„Paulanergarten!“
Die Folge ist eine Entfremdung. Statt Menschen grundsätzlich zu glauben, wird im ersten Moment alles in Frage gestellt. Auf Twitter sieht das so aus, dass mit „Paulanergarten!“ geantwortet wird, wenn jemand ein Erlebnis teilt. Es handelt sich dabei um nichts anderes als eine Umschreibung von „Das hat so nicht statt gefunden. Du lügst!“ in Form eines Popkultur-Verweises auf Paulaner-Werbespots. Es führt dazu, dass Menschen weniger teilen. Eltern schreiben nicht mehr über lustige Aussagen ihrer Kinder, Betroffene von Diskriminierung schreiben nicht mehr, was sie erlebt haben.
Eine gewisse Skepsis ist in den meisten Lebenslagen sinnvoll. Manchmal sollte man sich aber fragen, ob es einen Unterschied macht, ob etwas genau so passiert ist oder nicht. War ein Tweet als Witz gedacht, kann man ihn auch ignorieren. In anderen Fällen sollte man sich erst mit dem Kontext beschäftigen bevor man wildfremden Menschen vorwirft zu lügen. Bei Grenzfällen würde ich eher eine Lüge unwidersprochen lassen, als eine Person zu verletzen.