Monat: Oktober 2009

  • #unsereuni und das Social Web

    Donnerstag Nachmittag. Ich sitze im Büro und werfe einen kurzen Blick in Twitter. Draußen ist es kühl, ein leichter Wind weht, als ich die Nachricht lese. Das Audimax wurde besetzt. #unibrennt. Ich schaue noch einmal hin. Sofort suche ich nach weiteren Meldungen mit dem Hashtag. Studenten haben Österreichs größten Hörsaal besetzt. Ich überlege, ob ich noch hinschaue, fahren dann aber doch in die Wohnung. Im Laufe des Abends schlagen immer mehr Tweets zum Thema auf, sodass ich am Freitag selbst hinschauen musste.

    besetzte-uni
    Photo (cc-by-nc) Richard Pyrker

    Die Geschichte wie sich Studierende dezentral organisiert haben und ich ihnen half hunderttausende Menschen zu erreichen. Eine Chronik der Ereignisse könnt ihr im Wiki oder Kellerabteil nachlesen. Ich werde euch von meinen Erlebnissen erzählen und ein paar Einblicke zur internen und externen Kommunikation bieten.

    Hinweis: Normalweise ist das für mich selbstverständlich, aber in diesem Fall besonders wichtig. Alles in diesem Blogbeitrag ist meine Meinung und nicht die der Studierenden. Es handelt sich um eine heterogene Gruppe, die unterschiedliche Ziele und Meinungen hat. Es kann nicht eine Person für alle sprechen.

    Die Hashtag Diskussion

    Seit Donnerstag befindet sich der Hashtag #unibrennt in den deutschen Twittercharts. Er ist am Beginn der Besetzung am Donnerstag entstanden und hat sich bis heute gehalten. Wie bereits erwähnt habe ich durch Twitter von der Besetzung erfahren. Als ich am Freitag im Audimax war, habe ich einige Studierende zu Twitter befragt. Ob sie es kennen und ob sie es nutzen. Die meisten kannten es, aber nur wenige haben es genutzt. Viele haben durch Freunde von der Besetzung erfahren. Oder über Facebook. In meinen Augen hat der Account @unibrennt eine wichtige Rolle gespielt. Die Person dahinter hat übrigens zuvor nicht getwittert und ist durch #iranelection dazu inspiriert worden bei der Besetzung über Twitter nach außen zu kommunizieren. Doch dies nur am Rande. #unibrennt hat sich also rasend verbreitet. @Koprax, welchen ich im Audimax traf, hat dann dazu aufgerufen #unsereuni zu nutzen, weil es positiv ist im Vergleich zu dem leicht misszuverstehenden #unibrennt. Es bedeutet, dass es Zeit ist, dass es dringend ist. Nicht, dass die Uni brennt. Doch die klassischen Medien mögen es. Ich bin auch der Meinung, dass #unsereuni ein besserer Hashtag ist, weil er mehr aussagt. Weil er zeigt, dass es unsere Uni ist und die Politik damit nicht machen kann was sie will. Mehr zum Duell.

    Inhalte vs. Party

    In den klassischen Medien wird den Besetzern vorgeworfen, dass sie nur Party machen würden. Als ich am Freitag in die Uni kam, lag Müll herum, die Luft im Audimax selbst war stickig, weil so viele geraucht haben, meine Augen brannten nach kurzer Zeit und es wurde laut Musik gespielt. Doch dann war ich das erste Mal bei einem Plenum dabei. Das Audimax füllte sich mit Menschen und es wurden einzelne Programmpunkte durchgegangen. Was passiert ist, was noch passieren muss. Jeder konnte sich zu Wort melden, gemeinsam wurde abgestimmt. Erst noch durch klatschen, schon bald durch Handzeichen, als der Antrag dazu eingebracht wurde. Das Orga-Team wechselt jeden Tag. Jeder solle in einer Arbeitsgruppe mitmachen, jeder kann eine neue aufmachen. Es wurde diskutiert und später in den Arbeitsgruppen an Inhalten gearbeitet. Inzwischen gibt es 82 Arbeitsgruppen, manche haben sich wieder aufgelöst, andere gerade neu gegründet. Nach dem mehrstündigen Plenum, spielte eine Band im Audimax. Es wurde Bier getrunken und gefeiert.

    Ja, die Studierenden feiern im Audimax.
    Ja, die Studierenden arbeiten konstruktiv.

    Ich muss dazu sagen, dass ich mich nicht vollkommen wohl in der Nacht dort gefühlt habe, aber es kam bisher nicht zu gröberen Ausschreitungen. Aber die Stimmung ist ein Wahnsinn. Produktiv untertags und ausgelassen in der Nacht.

    Ideologie und Politik

    Ein Punkt den ich explizit ansprechen möchte, weil er mich besonders stört. Ich habe schon geschrieben, dass ich mit vielen in der Bewegung nicht zufrieden bin, aber diese ist eine der problematischen Dinge. Ideologisch durchdrungene Organisation und Einzelpersonen, die die Besetzung für sich missbrauchen wollen. Sie wissen wie man Leute für sich gewinnt, sie bekommen tosenden Applaus und zugleich dreht es mir den Magen um. Es mögen nette Forderungen sein, aber es geht hier um Bildung und nicht um die Einführung des Kommunismus. Selbst wenn eine Frau auf der Bühne steht und davon spricht, dass dies ein linker Raum ist, muss ich die Augen verdrehen. Es geht nicht um links oder rechts, nicht um neoliberal, kommunistisch oder hinduistisch. Es geht auch nicht um Feminismus oder Sexismus. Es geht um die Bildung. Um mein Studium. Ich will nicht, dass solche Leute die Bewegung in eine Richtung ziehen, wo sie nicht hingehört. Selbst wenn ich in einigen Punkten mit ihnen übereinstimme ist es falsch, sich jetzt damit zu beschäftigen. Man sollte sich auf die Dinge konzentrieren, wegen denen die Besetzung entstanden ist. Ich verstehe, dass jeder seine Ziele hat und andere Probleme mit dem System, aber wenn man sich auf die größten gemeinsamen Nenner konzentrieren kann erreicht man mehr, als wenn jeder versucht alle für seine extremen Gedanken zu gewinnen. Ich weiß von vielen Studierenden, die wegen diesen Gruppierungen nicht an der Besetzung teilnehmen, sie gar verurteilen. Weil die Bildung untergeht in einem Sumpf aus Ideologie und Politik.

    Volle Transparenz

    Schon am Freitag habe ich mit meinem Handy einen Livestream gemacht, um der Welt zu zeigen was passiert. Am Samstag war ich dann mit mehr Equipment vor Ort und habe die Plenarsitzungen komplett übertragen. Die Zuseherzahlen sind im Sekundentakt gestiegen. Twitter hat den nötigen Boost dazu gegeben und so haben mehrere hundert Zuschauer den Stream verfolgt. Am Abend habe ich mich dann mit einigen Leuten zusammengesetzt und die Website besprochen, welche neu gemacht werden sollte. Über Nacht habe ich dann die neue Seite aus dem Boden gestampft. unsereuni.at. Diese wurde seitdem fleißig weiterentwickelt und mit Inhalten befüllt. Plötzlich sehen die Studenten einen Sinn in den Dingen, die für mich selbstverständlich sind. Sie interessieren sich dafür und ich helfe ihnen gerne weiter. Innerhalb von drei Tagen hatte die Seite über 200.000 Zugriffe. Der Livestream wurde auch verbessert. Direkt an die Technik des Audimax angeschlossen und als ich am Montag krank wurde, habe sie eine bessere Kamera aufgetrieben und bis zu 3000 Menschen haben den Stream zugleich geschaut. Ich habe mich dann noch ans ustream Hauptquartier gewendet und so wurden wir zu einem gefeaturten Channel, der nun auch übers iPhone abrufbar ist. In vier Tagen hatte der Channel über 140.000 Zugriffe.

    Immer wieder kam Kritik, dass man das nicht alles zeigen sollte. Dass man zumindest den Ton abschalte. Dass die Staatspolizei das doch auch schauen würde. Ein klassisches Denken. Angst. Auch den Chat wollten einige abschalten, weil dort viele Beleidigungen und Kritik an der Besetzung geäußert wurden. Doch ich habe mich gewehrt. Spätestens als Misik in seinem Vortrag davon gesprochen hat, dass viele Journalisten nun vor dem Computer sitzen und gespannt den Livestream verfolgen, nicht weil es ihr Job ist, sondern weil sie merken, dass da etwas großes passiert, sollte den meisten klar sein, wie wichtig der Livestream ist. Und mit jeder Sendung werden es mehr Zuschauer. Den Chat habe ich dann heute auch noch in den Griff bekommen, indem ich aktiv daran teilgenommen habe, offen auf Kritiker zugegangen bin und Beleidigungen konsequent gelöscht habe.

    Ich glaube, dass man auch die Partys zeigen sollte. Die Menschen müssen lernen, dass man nicht mehr nur durch Pressekonferenzen kommunizieren kann. Die Leute sitzen drinnen und twittern. Anstatt zu versuchen, zu verhindern, dass Informationen nach außen gelangen, die man kritisieren könnte, sollte man ein komplettes Bild geben und die Öffentlichkeit, die man dadurch bekommt nutzen. Jeder Kritiker ist ein Potential für Verbesserungen und in Folge möglicherweise sogar ein Unterstützer. Ich gehe auch davon aus, dass die Polizei zumindest einen Informanten ständig vor Ort hat. Es sind 2000 Studenten, die die Universität besetzen und radikale Gruppierungen. Sollte da etwas eskalieren, wollen die das wissen. Der Livestream zeigt lediglich, dass es nicht schlimm ist. Während man sich sonst Gedanken machen würde, was da hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Die Menschen interessieren sich dafür, was da vor sich geht und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass klassische Medien umfassend und neutral darüber berichten.

    Dezentrale Organisation

    Es gibt kein Mastermind, keinen Anführer der Besetzung. Selbst wenn man das Organisationsteam, das sich täglich neu bildet ausschalten würde, ginge die Bewegung weiter. Die einzelnen Personen handeln weitgehend autonom und organisieren sich dezentral. Die Arbeitsgruppen stehen im ständigen Austausch und durch das Wiki vernetzt man sich auch immer besser ortsungebunden. Die Leute übernehmen Verantwortung, es wird darauf geachtet, dass nichts beschädigt wird, einmal pro Tag wird geputzt, es hat sich eine Küchenteam gebildet, das die Besetzer mit Essen versorgt, ein IT-Team baut Infrastruktur auf und vieles mehr. Wenn etwas benötigt wird, twittert es jemand und es spielt keine Rolle, ob der Person viele Menschen folgen, weil man dem Hashtag folgt. Man ruft in die Menge (materiell oder virtuell) und bekommt in kurzer Zeit eine Antwort. Die Menschen achten aufeinander, jeder bringt seine Fähigkeiten ein. Es ist ein soziales Experiment mit großen, realen Zielen. Es ist eine unaufhaltbare Welle, die man lediglich durch totale Überwachung und Unterdrückung zurückdrängen könnte. Jeder einzelne hat eine Stimme und die nutzt er auch. Dadurch kommen viele Dinge auf, die meiner Meinung nach, nicht dort hingehören, aber darin liegt auch viel Kraft. Ziele die sich überschneiden halten den Schwarm zusammen.

    Eine Räumung des Audimax kann die Bewegung nicht aufhalten. Zu stark sind die einzelnen Personen involviert. Jeder ist sein eigener Anführer der sich mit den anderen verbündet hat. Wenn das Audimax heute geräumt wird, sind morgen doppelt so viele Menschen dort. Das Audimax müsste permanent bewacht werden und selbst dann würde die Bewegung einfach ein anderes Gebäude übernehmen. Erst wenn der Großteil befriedigt ist, besteht die Möglichkeit, den Rest zu stoppen. Jedenfalls wenn die Leute nicht aufgeben, weil ihnen ideologisch druchtränkte Gruppen die Energie rauben.

    Wie es weitergehen kann

    Ich halte es für wichtig mehr Menschen zu erreichen. In immer mehr Unis werden Hörsäle besetzt. Es gibt alle möglichen Solidaritätsbekundungen und ich wurde schon mehrmals gefragt, was noch gebraucht wird, ob es schon ein Spendenkonto gibt. Die Unterstützung wächst und daran muss man arbeiten. Kritiker ins Audimax einladen. Ihnen eine Plattform bieten, sich dazu zu äußern. Offen damit umgehen. Materiell sowie virtuell. Meinungen akzeptieren, Kompromisse finden. Gemeinsame Ziele definieren.

    Für mich ist besonders spannend, ob man klassische Medien braucht. Ob diese die Bewegung von alleine unterstützen oder erst, wenn in der Bevölkerung genug Zuspruch da ist.

    Ich werde weiterhin daran arbeiten weitere Kommunikationskanäle aufzumachen, helfen den Fluss von Informationen zu ermöglichen.

  • Besetzung der Uni Wien

    Dieser Artikel wurde spontan erstellt, um sich mit der aktuellen Situation zu beschäftigen. Alle Infos ohne Gewähr. Chaos geplant.

    Als ich heute im Büro saß und wir kurz vor dem Abschluss eines Milestone eines Projektes waren, habe ich auf Twitter erstmals erfahren, dass das Audimax der Uni Wien besetzt wurde. Dazu muss man wissen, dass ich an der Uni Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiere und wie so viele mit einigen Dingen an der Uni unzufrieden bin. Aus diesem Grund habe ich auch das Projekt Medien-Forschung.at gestartet. Kurz habe ich überlegt, ob ich direkt ins Audimax gehen sollte, habe mich aber dagegen entschieden. Über die Gründe lässt sich streiten, weil verschiedene Menschen unterschiedliche Prioritäten haben. Jedoch habe ich dann mehr über die Besetzung gelesen und jedes Stück Information aufgesaugt.

    Ich war noch nicht im Audimax, bin aber am überlegen, ob ich noch hingehen soll, um die Aktion zu unterstützen. Meine Informationen stammen hauptsächlich aus Twitter, daher auch das Widget im Beitrag, damit sich jeder ein eigenes Bild machen kann.

    Angeblich hat die Besetzung um 13 Uhr begonnen, zwischenzeitlich hat die Polizei die Eingänge versperrt ist jedoch wieder abgezogen, nachdem der Vize-Rektor sich dazu entschieden hat, das Audimax nicht zu räumen. Es wurden weitere Hörsäle besetzt. Teilweise wurde dennoch weiter unterrichtet.

    Auf der Seite freiebildung.at wurden die Forderungen der Studierenden veröffentlicht und immer wieder betont, dass die Proteste spontan und von unten entstanden sind, dass keine Organisation dahinter steht. (Daran zweifle ich momentan noch. Die Frage ist, wie groß die Organisation ist und ob sie sich als solche bezeichnet oder nur als Freundeskreis.) Startpunkt war auf jeden Fall die Besetzung der Akademie für Bildende Künste. Gegen Donnerstag Abend hat die ÖH über den Univerteiler einen Aufruf an die Studenten geschickt, dass sie die Besetzung unterstützen und man solle doch daran teilnehmen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehrere hundert Studenten im Audimax und dem HS33.

    Hallo

    Wie du sicher mitbekommen hast wurden heute diverse Hörsäle an der Uni Wien
    von StudentInnen besetzt. Die ÖH Uni Wien unterstütz diese Proteste.

    Die Forderungen die gemeinsam von allen Studierenden dort verfasst wurden
    sind:

    – Re-Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen
    Bildungseinrichtungen!
    – Ausfinanzierung der Unis!
    – Selbstbestimmtes Lernen und Leben ohne Konkurrenz- und Leistungsdruck!
    – Freie Masterzugänge!
    – Keine verpflichtende STEP!
    – Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren!
    – Keine Aufnahmeprüfungen!
    – Unabhängige Lehre und Forschung!
    – Schluss mit prekären Dienstverhältnissen für Lehrende, Angestellte und
    ArbeiterInnen!
    – Genug Studienplätze für alle!
    – Abschaffung der Erweiterungscurricula!
    – Flexible und selbstbestimmte Studienpläne!

    Die ÖH Uni Wien ruft alle Studierende dazu auf sich an den Protesten zu
    beteiligen.
    Komm auf die Uni, Kämpfe für deine Bildung und nimm deine Zukunft selbst in
    die Hand !

    Wir freuen uns auf dich,
    deine ÖH Uni Wien

    Meine Meinung

    Die Forderungen wurden angeblich von verschieden studentischen Gruppen gemeinsam ausgearbeitet. Für mich klingen sie jedoch so, als hätte man sie mal schnell zusammengeschrieben. Sie sind in meinen Augen unrealistisch und oft schlecht ausgedrückt, daher will ich hier eine von mir überarbeitete Version veröffentlichen. Gerne auch für Diskussion offen. Wichtig wäre mir auch, dass transparent gemacht wird, wer aktuell bei der Besetzung für die Koordinierung zuständig ist. Ob und wer mit wem verhandelt. Uns so weiter und so fort.

    Demokratisierung der Universitäten
    Jeder Student hat ein Recht darauf mitzubestimmen, wie seine Ausbildung aussieht. Es handelt sich um Menschen, die Verantwortung über ihr Leben übernehmen können und somit auch über die Art und Weise wie sie sich Wissen aneignen. Ich spreche nicht davon, dass es keine Prüfungen mehr geben soll und man ohne Anstrengung irgendwelche Titel bekommt. Darum geht es nicht. Das Studium soll sinnvoll sein und man soll es nicht wegen dem Abschluss machen, sondern weil es spannend ist, weil man lernen will.

    Selbstverwaltung der Universitäten
    Universitäten dürfen nicht von der Politik der aktuell regierenden Parteien abhängig sein. Es muss dafür gesorgt werden, dass sie das nötige Geld und Macht bekommen über sich selbst zu bestimmen.

    Transparente Finanzierung der Universitäten
    Wohin fließt wie viel Geld und warum.

    Freie Masterzugänge

    Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren
    Studiengebühren schließen Menschen vom Zugang zu Bildung aus und Reglungen wie dass man in der Mindeststudiendauer keine bezahlen muss, sorgen lediglich dafür, dass einfache Lehrveranstaltungen bevorzugt werden und die Leute durch das Studium hasten, anstatt sich Wissen anzueignen.

    Keine Aufnahmeprüfungen
    Aufnahmeprüfungen schließen ebenfalls Menschen von Bildung aus. Sie nehmen den Leistungsstand von wenigen Stunden und bestimmen damit das gesamte Leben. Stattdessen müssen die Studenten im Vorfeld darüber aufgeklärt werden, was das Studium bedeutet, was sie machen müssen und welche Alternativen es gibt. Weiters kann man das System grundsätzlich überdenken, in welche Weise Förderkurse Sinn machen, wenn Studenten ein gewisses Vorwissen nicht mitbringen.

    Bessere Dienstverhältnisse für Lehrende
    Eine Universität hat wenig Anreiz, wenn den Lehrenden immer mehr Hürden in den Weg gelegt werden, während die Privatwirtschaft mit Geldbündeln winkt. Ich spreche nicht davon, dass man sie mit Geld überhäufen soll, sondern sie dabei unterstützen muss, wenn sie ihrer Überzeugung, Wissen zu teilen, nachkommen.

    Flexible und selbstbestimmte Studienpläne
    Jeder Student sollte selbst darüber entscheiden können, was für ihn sinnvoll ist und nicht in einen vorgefertigten Pfad gestopft werden, der jegliche Kreativität tötet und lediglich auf schnelles durchwinken ausgelegt ist.

    Facebook Gruppe

    Berichte über #unibrennt

    Das Audi Max den Studentinnen und Studenten (Politwatch)
    #unibrennt … Dieser Hörsaal ist besetzt! (Polilog)
    Uni Wien: Studenten halten Audimax besetzt (ORF)
    ÖH und Grüne unterstützen Anliegen der Besetzer (derStandard)
    solidarität heißt widerstand! (evamal)
    TA04 “AudiMax” – Revolución de la universidad (The Anthropological Podcast)
    Die Studis sind noch lange nicht müde – Video von nacaseven

    Weitere Links

    BESETZUNG der Akademie der bildenden Künste Wien!
    Ausbau der Unis statt Studentenvertreibung!
    IG Externe LektorInnen

  • Sideblog, Empfehlungen und Gold Feed

    Der aufmerksame Leser wird schon bemerkt haben, dass ich wieder etwas am Blog herumbastle. Hier eine kleine Zusammenfassung, was bereits passiert ist.

    Sideblog

    Der Sideblog existiert nun schon länger, aber wurde erst im Zuge der aktuellen Verbesserungswelle in die Sidebar integriert. Ich verwende dazu das WordPress Sideblog Plugin von Kates Gasis, welches mir diverse Einstellungsmöglichkeiten bietet. Für mich entscheidend waren einfache Handhabung und Ausschließung der Sideblog Kategorie aus dem Hauptfeed. Das Widget für die Sidebar ist eine nette Dreingabe.

    Eine eigene Seite für den Sideblog gibt es noch nicht, aber die Kategorieansicht tut es für den Anfang auch. Sobald ich das Design des Blogs überarbeite, wird es auch eine saubere Seite dafür geben ohne leeren Thumbnail und vermutlich mit kompletten Artikeln und nicht nur den Exzerpten.

    Empfohlene Artikel

    Lange hatte ich in der Sidebar einen Bereich mit Empfehlungen. Als Quelle diente der Feed meiner bei delicious mit dem Tag txt gespeicherten Artikel. Es handelte sich dabei hauptsächlich um literarisch ansprechende Texte, die mich inspirierten und die ich mit meinen Lesern teilen wollte. Durch das Teilen des Blogs und dem damit verbundenem verschwinden meiner literarischen Texte, war es das letzte Überbleibsel in diesem Gebiet. Ich empfand es als nette Abwechslung, doch jetzt ist die Zeit gekommen, wo ich Platz für andere Empfehlungen brauche.

    Die literarischen Empfehlungen kann man in Zukunft hier verfolgen.

    Im Bereich Empfehlungen gibt es in Zukunft Links zu Artikeln rund um Social Web, Informationstransfer, Community Building und mehr. Gesondert können sie auch auf dieser Seite gefunden werden. Dank dem „Note in Reader“ Bookmarklet kann ich damit auch Artikel weiterempfehlen, die ich nicht abonniert habe.

    Dargestellt werden die Empfehlungen mit dem RSS Import Plugin von Frank Bültge.

    Feed „Gold Edition“

    Seit heute prangt auch ein großes, goldenes RSS-Symbol in der Sidebar. Darüber steht „Feed – Gold Edition“. Alle Leser, die bisher den normalen Feed abonniert haben, werden automatisch auf den Gold Feed umgestellt ((Ganz korrekt: Der normale Feed heißt jetzt Gold Feed)) und erhalten in Zukunft nur die umfangreichen Beiträge, die auch auf der Startseite erscheinen. Das ist ein Service das ich anbiete, um den ständig überfüllten RSS-Readern entgegen zu wirken. Man erhält weniger Beiträge, aber diese haben eine gewisse Qualität. Subjektiv von mir ausgewählt, aber bisher gab es keine Beschwerden. Wer die volle Dröhnung möchte, kann zusätzlich den Feed des Sideblogs abonnieren.

    Wenn ihr weitere Verbesserungsvorschläge oder Wünsche habt, einfach kommentieren.

  • Digiday 09 und ein Visionär

    Heute war ich beim Digiday Vienna 09. Eine Spezialveranstaltung der Digitalks Reihe von Meral Akin-Hecke, welche die BlogWerkstatt bereits in den Anfängen vor zwei Jahren unterstützt hat. Ich habe eine Zeit lang das Livestreaming für Digitalks übernommen und mehrere Vorträge gehalten. Der neue Claim „Medienkompetenz für Menschen über 26“ richtet sich zwar an eine ältere Zielgruppe, ich bin dennoch der Meinung, dass es auch vielen Menschen unter 26 gut täte, sich den einen oder anderen Vortrag anzuhören. Aus diesem Grund habe ich bereits ein Digitalks Spezial an der Universität Wien gehalten und bin offen für weitere. Die monatlichen Digitalks sind kostenlos und der Digiday war mit 15€ in einem leistbaren Bereich. Alle Vorträge wurden live gestreamt und können im ustream Channel nachträglich angeschaut werden.

    Ich habe zwei Vorträge gehalten. Einmal über Realtime Web und einmal über Livestreaming (Video) selbst.

    Ibrahim Evsan

    Die Keynote hat Ibrahim Evsan gehalten. Falls ihr 45 Minuten Zeit habt, könnt ihr sie euch hier komplett anschauen. Während der Keynote habe ich mich auf Twitter negativ darüber geäußert:
    „Stimme nicht mit allen Punkten von @ibo überein. Aber als euphorische Keynote gut. ″ (Link)
    @lena_d Bin von der Keynote auch enttäuscht. Marktbashing und halbrichtige Übereuphorie. ″ (Link)
    @kigo Ich dachte @ibo hat eine ähnliche Sicht, wie ich. Aber wir sind dann wohl doch oft anderer Meinung. ″ (Link)

    Dazu muss ich schreiben, dass ich Ibo schon seit längerem interessiert verfolgt. Er gehört zu den populärsten Gründern im deutschsprachigem Raum und ich konnte zu vielen seiner Aussagen nicken. Doch diese Keynote passte mir nicht. Und dass sie mir nicht passte, passte mir noch weniger.

    In der zweiten Pause ist Ibo dann zu mir gekommen und und wir haben kurz darüber gesprochen, doch ich habe es nicht geschafft in der kurzen Zeit, er musste dann zum Flughafen, zu definieren, was mich an der Keynote gestört hat. Das Thema hat mir aber keine Ruhe gelassen und so habe ich mich entschieden mich intensiver damit auseinanderzusetzen. Das Ergebnis habt ihr vor euch. Ich habe mir die Keynote noch einmal angesehen und daraus mehrere Schlüsse gezogen. Vor allem über mich selbst.

    Dem Visionär seine Keynote

    Ibrahim Evsan hat über die vernetzte Welt gesprochen. Von der Wichtigkeit bei Google eine gute Position zu haben, den ohne werden die Kunden woanders kaufen. Wir müssen gefunden werden. Als Sevenload neue Mitarbeiter eingestellt wurden, hat man sie gegoogelt. Wenn sie nicht gefunden wurden, war man misstrauisch. Ibo vertraut dem Netz, ist authentisch. Denn alles andere wäre Wahnsinn. Man kann sich nicht den ganzen Tag darum kümmern, dass Bilder von einem selbst aus dem Web entfernt werden. Entwickler gehören nicht in den Keller, sondern in die Chefetage. Sie sind die Schöpfer unserer Welt. Man kauft weil es schön ist. Medien zwingen uns dazu „Alles ist super.“. Geräte werden furchtbar einfach. Heute muss man keine Computer mehr einrichten, keine Drucker mehr installieren. Wir lieben sie die Gadgets alle. Sie sind unsere Spielzeuge. Für Männer sehr wichtig, für Frauen immer mehr. Weil se schöner werden. Keiner hat dem Onliner etwas zu sagen. Wenn jemand vor dem Computer sitzt wird er nicht gestört, weil er etwas wichtiges machen könnte. Manche Menschen haben dynamische Persönlichkeiten. Schreiben unter verschiedenen Namen gute und böse Kommentare. Der Mensch verändert sich massiv. Die spontane digitale Evolution. Mails da, Mails dort. Twitter da, Twitter dort. In der Zukunft gibt es keine Webseiten mehr als solches. Sie vereinen sich zu Superplattformen. Unternehmen brauchen keine teuren Webseiten mehr, sondern sollten dort aktiv werden, wo die User sind. MySpace und Facebook. Nachrichten werden einmal aktiviert veröffentlicht und werden dann überallhin verbreitet. Posterous. Online ist keine Sucht sondern Fixierung. Erst wenn man an einer Maschine vorbei kommt, möchte man wissen was los ist. Ohne Maschine kein Verlangen. Im Urlaub. Insel. Strand. Palmen. Ohne iPhone würde Ibo nicht mehr klar kommen. Facebook gehört einfach zum Leben dazu. Das Meldeamt im Internet. Wer dort nicht registriert ist, existiert online nicht. Politiker sind voll die Offliner. Piratenpartei. Sie formieren sich. Kulturcrash. Es wird in Europa zu wenig Geld in das Web investiert. Menschen haben ein Gerät in der Hand, erkennen die unfassbaren Vorteile und wollen es nicht mehr hergeben. Menschen haben eine unermüdliche Datensammelsucht. Ein Schüler hat erzählt, dass er 40000 Songs besitzt. Er müsse jedes Album haben. Sortiere es alphabetisch. Spielsucht. Heldentum. Menschen sammeln Punkte. Sammelsucht. World of Warcraft arbeitet an einem Helm für Spieler. Damit sie von der Offlinewelt nicht mehr abgelenkt werden. Festplattenkapazität hat sich vervielfacht. Beweis für die Datensammelsucht. Digitale Supermächte. Ihnen ist vollkommen egal, was mit Copyright, Datenschutz usw. ist. Sie machen ihren Job. Der Mensch ist fixiert. Deutschland hat 2008 insgesamt 245 Millionen in Web investiert. Facebook 2008 200 Millionen in neue Server. Stattdessen komische Investitionen in die Automobilindustrie. Es gibt keine 10 europäische Webunternehmen, die international eine Rolle spielen. Europa hat den Markt verpasst. Nach dem platzen der Blase nicht mehr investiert. Internettraffic hat sich in Deutschland in zwei Jahren verfünffacht. 100 Millionen für Twitter wären in Europa unmöglich. Google hat es verstanden.

    Dem Luca seine Antwort

    Google ermöglicht keine Verkäufe. Wenn das Produkt nicht passt, reichen auch keine Platzierung. Wer gut ist, wird auch schnell nach oben kommen. Das Produkt ist wichtiger. Auch wenn man das Web nicht ignorieren darf. Vor allem Feedback, um das Produkt zu verbessern und mit den Kunden in Kontakt zu bleiben. Kommunikation ist der Schlüssel. Wenn sich ein Bewerber in einen klassischen Unternehmen bewirbt reicht es online nicht auffindbar zu sein und eine gute Bewerbungsmappe zu haben. Wer sich bei einem Unternehmen bewirbt, das mit Web zu tun hat, muss damit rechnen, dass es nicht ausreicht nichts negatives zu haben. Ich bin selbst skeptisch, wenn ich jemanden nirgends finde. Ich versuche authentisch zu werden, doch der Mensch ist oft, was er aus sich macht. Authentizität bedeutet nur noch in unterschiedlichen Situationen ähnlich zu reagieren. Es gibt Bilder, die aus dem Netz entfernt gehören, die einem schaden können. Entwickler gehören dorthin, wo sie sich wohl fühlen. Entwickler in einem Unternehmen müssen verstehen, dass nicht alles Spiel ist. Die Chefs müssen die Welt der Entwickler verstehen. Das Prinzip intrinsischer Motivation und wie man Kreativität fördert. Ich kaufe nicht, weil etwas schön ist, sondern weil es funktioniert, gut zu bedienen ist. Ich habe in den letzten zwei Wochen vier Computer eingerichtet. Windows, Ubuntu, Ubuntu Netbook Remix und Mac OSX. Es ist einfacher geworden, aber man muss es noch immer machen. Je mehr Funktionen die Geräte haben, desto mehr muss man lernen um sie zu bedienen. Jedoch wird es uns leichter gemacht, indem sich Muster wiederholen, wir gelernt haben damit umzugehen. Teilweise sind es Spielzeuge, oft sind es Nutzgeräte. Habe ich die ersten Monate mit dem iPhone nur herumgespielt, wurde es später produktiv in den Alltag integriert. Es ist angenehm damit zu arbeiten, aber es ist kein Spielzeug. Es gibt Frauen, die stärker auf das Design achten und es gibt Männer die stärker auf das Design achten. Der Mensch hatte schon immer eine dynamische Persönlichkeit. Hat sich in verschiedenen Situationen unterschiedlich verhalten. Den einen Freunden noch erzählt, wie toll etwas ist und mit den nächsten darüber gelästert. Jede Art der freien Wahl an Identitäten fordert kreativen Spielraum, der nicht immer positiv ist. Jedoch ist es nicht die Regel, dass Menschen unterschiedliche Identitäten im Web haben. Single Points of Failure sind keine guten Ideen. Nachrichten, die einmal veröffentlicht, überall auftauchen lösen das Web auf und vernetzen es nicht. Viele Plattformen, wo Menschen unwissend von den anderen diskutieren widersprechen dem Netzgedanken. Dezentrale Systeme, die Inhalte an verschiedenen Stellen darstellen, aber auch die Reaktionen überall verteilen bzw. einholen gehört die Zukunft. Mein Online ist eine Sucht und keine Fixierung. Als ich durch Europa gereist bin, habe ich Ausschau nach Internetcafés gehalten. Ich habe ständig im Kopf gehabt, dass etwas passiert. Nur wenn ich bei meiner Freundin bin, kann ich all das vergessen. Dort werde ich daran erinnert, wenn ich einen Computer sehe, werde fixiert. Politiker sind voll die Offliner. Facebook hat sich in meinen Alltag integriert, jedoch spielt es im Vergleich zu Twitter eine weit untergeordnete Rolle. Es erfüllt gewisse Funktionen, aber man muss es nicht nutzen. Ich merke es nicht einmal, wenn ich mehrere Tage nicht dort bin. Facebook ist das neue Xing. Jemand, der 40000 Songs besitzen muss, klingt für mich wie eine Ausnahme. Wachsende Festplattenkapazitäten können auch ein Hinweis auf steigende Qualität sein. Hat man früher am Computer sich mit VGA zufrieden gegeben, hat man heute 1080p. Menschen haben Angst Dinge irgendwann wieder zu brauchen. Fotos werden nicht aussortiert, weil ja jeder Schnipsel etwas dokumentiert. An der Sammelsucht könnte etwas dran sein. Ich kann weder zum WoW-Helm noch zu den Facebook Serverinvestitionen konkrete Fakten finden. Ich kenne europäische Unternehmen, die eine Rolle spielen. Jedoch nicht finanziell. Subventionen in die Automobilindustrie ist eine der dümmsten Ideen, die die Politik je hatte. Sie ist nicht mehr Leitindustrie, sondern muss sich wandeln und das tut sie nicht, wenn man weiteres Geld hineinstopft. Computer sind heutzutage für das funktionieren unserer Welt zuständig und an ihnen hängen mehr Jobs. In Europa muss wieder mehr investiert werden.

    Die Conclusio

    Je mehr ich mich mit Ibo und seinen Aussagen beschäftigt habe, desto öfter hat er mich an Hannes Offenbacher erinnert. Beide sind Visionäre und bei beiden stellt es mir manchmal die Haare auf, wenn sie sprechen. Sie sind Visionäre. Haben Ideen, die die Welt verändern. Sehen eine Evolution, eine Revolution und schwärmen davon. Sie sind, es die die Massen begeistern können. Sie sind es, die auch den skeptischen Typen in der Chefetage neue Ideen schmackhaft machen können. Sie sind voller Tatendrang. Wollen nicht ruhig bleiben, können nicht zusehen, wie eine Gesellschaft Chancen an sich vorüberziehen lässt. Sie halten an ihren Ideen fest, kämpfen für sie und gehen für sie durchs Feuer. Sie achten nicht auf kleine Details, sehen das große Ganze. Die Zukunft. Das Jetzt. Es muss etwas getan werden. Man darf nicht stehen bleiben und zusehen, wie andere immer weiter kommen und man selbst vor sich hindümpelt. Und wenn da vorne ein Wasserfall ist, dann paddelt man schneller, um den freien Fall zu genießen und nicht zitternd unterzugehen. Sie sprühen vor Energie und unsere Welt braucht sie.

    Auch wenn ich manchmal mit schüttelnden Kopf hinter ihnen herlaufe, glaube ich an ihre Ideen. Bin in vielen Punkten der gleichen Meinung. Schaue nur etwas genauer hin und versuche all die kleinen Dinge zusammenzufügen.

    Gemeinsam der Zukunft entgegen.